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Fr, 07:07 Uhr
05.05.2023
Eine Betrachtung von Karin Kisker

Zum zehnten Todestag der Dichterin Sarah Kirsch

Vor zehn Jahren, am 5.Mai 2013, starb Sarah Kirsch. Jeder weiß, wir sind in unserer Region auf ganz besondere Weise mit ihr verbunden. Am 16. April 1935 wurde die Dichterin in unserem Landkreis geboren...

Ihr Geburtshaus in Limlingerode ist das einzige Wohn-Anwesen der Dichterin im Osten, das günstige Umstände und umsichtiges Handeln durch die Wirren der Wendezeit vor dem Zerfall bewahrte. Über ein Vierteljahrhundert hatte „in ihrem wirklichen Geburtshaus“ die Dichtung eine Heimstatt gefunden. Die Mitglieder des Fördervereins „Sarah Kirsch“ lassen die Dichterin selbst, den ehemaligen Ministerpräsidenten Thüringens, Dr. Bernhard Vogel, den damaligen Verlagsleiter der DVA, Ulrich Frank-Planitz und den Vorsitzenden der Literaturlandschaften, Karl Koch, zu Wort kommen:

Brief Sarah Kirschs an Frau Kneffel, Januar 1997
Die Lesungen könnten ab 2. Juni losgehen. Hätten wir mal Zeit für einen „englischen“ Besuch in den anderen Kirchen. Nun brauch ich bloß 1mal noch nach Frankfurt (Poetik Vorlesungen) hin, das freut mich sehr. Eine germanistische Professorin, die mit Dr. Vogel befreundet ist, hat mit ihm über das Geburtshaus gesprochen, er wollte was thun. Nun sollte ich ihm wahrscheinlich schreiben. Wenn ich auch so lange schon tot bin, wie Sie es dem Bildzeitung- Textabdruck entnehmen können: „Droste-Preise für tote Dichterin“ – Eine Würdigung für die verstorbene Dichterin Sarah Kirsch zum 200. Geburtstag: Am Mittwoch, 22.Januar, verleiht der Landschaftsverband symbolisch den Annette von Droste- Hülshoff- Preis. Die Laudatio hält Inger Christensen im Landesmuseum. – Ein Geburtshaus brauche ich dennoch!

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Brief Sarah Kirschs an Ministerpräsident Dr. Vogel vom 12.Februar 1997:
…. Ich war sehr erfreut, Thüringerinnen kennengelernt zu haben, die mit meinem Geburtsort und einem Taufengel in Beziehung stehen. … Frau Kneffel schickte mir Fotos von meinem Geburtshaus, Erhaltenswertes, das am Zusammenbrechen war – ich war von Weimar aus, als ich den Literaturpreis von Ihnen bekam (1993), mal dort gewesen, nun fehlte schon das Vordach.

Brief Sarah Kirschs an Frau Kneffel vom 18.Februar1997
… An den Dottore Vogel habe ich auch schon geschrieben. Vielen Dank für die Fotos! Dieses Dörfchen mit dem Flüsschen ist doch sehr hübsch! Und die Fotos, dieses „Es werde Licht“, all dies müssen wir gut aufheben. Sie müssen das alles dokumentieren! Von dem Keller im Haus hat meine Mutter erzählt. Auch von einem Brunnen. Dass manchmal die Eimer abgestürzt sind, man sie mit einem Dreizack angeln musste und sehr alte Gebilde aufgetaucht sind, auch mal ein abgemagerter Frosch darinnen und wie es war, wenn man gewaschen hat. … Also, ich habe jetzt einen wunderbaren großen Ordner, wo alles über Limlingerode reinkommt, die Fotos in Klarsichthüllen. Machet mir Spaß.
Also Alles Gute am Hute. Am Glückshute der Schute.

Sarah Kirsch im Jahr 2003 am neuen Brunnen vor dem Geburtsthaus (Foto: Heidelore Kneffel) Sarah Kirsch im Jahr 2003 am neuen Brunnen vor dem Geburtsthaus (Foto: Heidelore Kneffel)


Frank-Planitz schreibt an Ministerpräsident Vogel am 20.Februar 1997:
Anbei übersende ich Ihnen das Foto eines Fachwerkhauses aus dem Dorf Limlingerode im Kreis Nordhausen. Es war früher Pfarrhaus und stammt aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert.
… Das Haus ist Dank der Bemühungen des Landratsamtes Nordhausen vor kurzer Zeit unter Denkmalschutz gestellt worden. Sowohl im Bundes- als auch im Landesinteresse sollte aus dem Geburtshaus baldmöglichst eine „Dichterstätte“ werden. Immerhin handelt es sich bei dieser Autorin nicht nur um eine Trägerin des Georg Büchner- und des Annette von Droste-Hülshoff-Preises, sondern nach dem allgemeinen Urteil der deutschen Literaturkritik auch um die bedeutendste Lyrikerin der Gegenwart und eine Kandidatin für den Literatur-Nobel-Preis. Außerdem besteht in diesem Fall für den Freistaat Thüringen die einmalige Gelegenheit, die Pflege der deutschen Literatur vom Sängerkrieg auf der Wartburg über die klassischen Gedenkstätten in Weimar, Jena und anderswo bis in unsere Zeit zu verlängern – ganz abgesehen davon, dass ein Sarah Kirsch Haus auch für den eher abseits liegenden Landkreis Nordhausen eine kulturtouristische Attraktion ersten Ranges wäre!
Vor diesem Hintergrund appelliere ich an Sie als Ministerpräsident des Freistaates Thüringen, … sich für Fördermittel zu verwenden, mit denen aus dem Pfarrhaus in Limlingerode eine deutsche Dichterstätte werden kann. Wenn ich Ihnen dabei helfen kann, stehe ich selbstverständlich zur Verfügung…

Sarah Kirsch am 23. Februar 1997 an Frau Kneffel
Post über das Engel- und Fachwerkwesen – das ist ja wie Liebesbriefe bekommen. Abenteuerlich! Nun hat also Frank-Planitz an den Dottore geschrieben, was mir fast einen Schreck eingejagt hat, weil es nun Ernst! Wird. … Und Sie meinen, dass ich einen Glücksfuß habe? Kann schon sein…

Am 16. April 1997 antwortete Dr. Bernhard Vogel, MdL, Thüringer Ministerpräsident

Sehr verehrte, liebe Frau Kirsch,
…Ich habe mit … Anteilnahme und … Freude gelesen, … auf welch vielfältige Weise Sie jetzt wieder in Thüringer Zusammenhänge verflochten sind.
Nun, den Engel, der Ihre Taufe beschirmt hat, in kurzer Frist wieder flugbereit zu machen, sollte uns gelingen! Ich habe bei der Kirchgemeinde anregen lassen, dass Sie zur Restaurierung einen Antrag auf Unterstützung aus den Überschüssen der Staatslotterie stellen können, die zur Förderung kultureller und sozialer Belange zur Verfügung stehen.

Was nun Ihr Geburtshaus in Limlingerode angeht, so ist mit der Unterschutzstellung ein ganz wesentlicher erster Schritt getan. … es muss eine Form gefunden werden, die es ermöglicht, die vorhandenen Initiativen zur Unterstützung des Erhalts bzw. des Wiederaufbaus und des Ausbaus zu einer Stätte literarischen Austausches zusammenzuführen und zu bündeln.
Auch hier bin ich zuversichtlich, dass es schließlich nicht an der Unterstützung fehlen wird, Ihr Geburtshaus wieder in einen würdigen Zustand zu versetzen.
Mit vielen Grüßen, Ihr Bernhard Vogel

Am 19. September 2001 schreibt uns Karl Koch, Vorsitzender des Vereins zur Förderung von Literaturstätten und -landschaften in Deutschland folgendes:
Den Medien entnehmen wir die gute Nachricht von der Planung einer Dichterstätte im Geburtshaus der bekannten Lyrikerin Sarah Kirsch. Wir möchten Ihnen im Namen unserer Mitglieder in Deutschland und einigen europäischen Ländern unseren Glückwunsch aussprechen.

Dass Sie der bedeutenden Lyrikerin Sarah Kirsch in Ihrer Region auf diese Weise ein „Heimatrecht“ einrichten und damit gleichzeitig ihren unzähligen Lesern und Verehrern eine literarische „Adresse“ anbieten, verdient Dank und Anerkennung. Die kulturelle Landschaft der Bundesrepublik wird durch diese Investition der Region Nordhausen ohne Zweifel um ein kleines Juwel bereichert werden. Das ist nicht wenig und lohnt eine Menge Arbeit!
Der Schriftsteller und Philosoph Gaston Bachelard schreibt in seiner „Poetik des Raumes“: Die Erfahrung von bedeutenden Orten und Räumen eröffnet Zukunft und Glücksperspektiven“. Wir wünschen den Mitgliedern des Fördervereins, den öffentlichen und privaten Trägern und Förderern, denen wir unseren Gruß und Dank auszurichten bitten, nicht zuletzt allen künftigen Besuchern in diesem Sinne „Zukunft und Glück“.
Freundliche Grüße in die Heimat Rudolf Hagelstanges und Sarah Kirschs! (Karl Koch / Literaturlandschaften)

Am Samstag, dem 27. Mai 2023, 14:30 Uhr, findet in der Dichterstätte „Sarah Kirsch“ in Limlingerode, Lange Reihe 11, eine szenische Lesung mit Petra Herrmann samt musikalischer Performance mit Ingeborg Freytag anlässlich des zehnten Todestages Sarah Kirschs statt. Damit verbunden wird die HausART Nr. 2, 2023, eröffnet.

Verbunden in allumfassendem Sinne ist Petra Herrmann der Natur. Sie lebt zurückgezogen auf einem Gehöft im Altenburger Land. Ihre Verbundenheit zu den Gedichten Sarah Kirschs spiegeln sich in ihren Objekten wider. Lassen Sie sich überraschen. Sie sind uns wie immer herzlich willkommen!
Karin Kisker
Autor: red

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