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Do, 13:10 Uhr
06.10.2022
Ausstellung in frisch saniertem Hochschul-Gebäude

Gedenken und Erinnern

Die neugestaltete Ausstellung zur jüdischen Sepulkralkultur und zum jüdischen Leben im 19. Jahrhundert sowie die thüringische Filmpremiere der deutschen Fassung des Dokumentationsfilms „Colette“ setzen neue Akzente an der Hochschule Nordhausen...

Bereits zu Beginn des Jahres 2021 konnte die Hochschule Nordhausen mit dem Projekt „Digitalisierung der jüdischen Friedhöfe im Landkreis Nordhausen“, unter der Leitung von Dr. Marie-Luis Zahradnik, einen neuen Weg zwischen Geschichte und Digitalisierung einschlagen und einen Beitrag zum Erhalt und zur Erschließung von geschichtlichen Quellen auf Stein beitragen.

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Das Projekt wurde zum Musterbeispiel für die Digitalisierungsarbeiten von jüdischen Friedhöfen im ländlichen Raum in Thüringen. Öffentlich wurden durch Vorträge und in einer Online-Präsentation bei www.kulthura.de und epidat des Steinheim-Instituts in Essen für das Thema geworben, um eine Sensibilisierung für die jüdische Erinnerungs- und Gedenkkultur im lokalen Raum weiter zu vertiefen.

In der Ausstellung im städtischen Museum und anschließend im Mai/Juni 2022 auch in der Liegenschaft der Landespolizeiinspektion Nordhausen wurde die Ausstellung zur jüdischen Sepulkralkultur und zum jüdischen Leben im 19. Jahrhundert öffentlich zugänglich gemacht. Sie wurde zugleich zu Fortbildungsmaßnahmen für Polizeibedienstete genutzt. Die Ausstellung wird nunmehr in einer umgestalteten Form im Foyer des Obergeschosses des Hauses 19 an der Hochschule Nordhausen zu besichtigen sein.

Bilderunterschrift: Ausstellungskuratorin und Unterstützerin des Oscarfilms „Colette“ Dr. Marie-Luis Zahradnik  (Foto: Nadine Kathrin Luschnat) Bilderunterschrift: Ausstellungskuratorin und Unterstützerin des Oscarfilms „Colette“ Dr. Marie-Luis Zahradnik (Foto: Nadine Kathrin Luschnat)


Die zusehende Ausstellung wurde vom Verein „Gegen Vergessen - Für Demokratie“ im Rahmen des Programmes „Demokratie Leben!“ und von Privatpersonen finanziert. Für die Neugestaltung wurde zum Teil auf Materialen und Herstellungsmethoden verwendet, die umweltfreundlich sind, was einem neu aufkommenden Trend der Ausstellungskuration entspricht. Neben mobilen Roll-Ups über die Friedhöfe werden auch lebensgroße Display-Aufsteller, mit Biografien von beigesetzten Personen, mit historischem Fotomaterial sowie Deckenhänger mit Fotografien und Inschriften von den Grabsteinen zu sehen sein. Die Ausstellung kann auch an anderen Orten aufgebaut werden und dort für museumspädagogische und berufsethische Angebote verwendet werden.

Gedenken und Erinnern hat viele Formen des Ein- und Ausdrucks. So schließt sich an die Ausstellung auch eine filmische Form des Erinnerns und Wachhaltens für ein Einzelfallbeispiel des 20. Jahrhunderts an. Besonders in Filmszenen wird sichtbar, dass es kein richtiges oder falsches Erinnern gibt, sondern der Moment lässt das Erinnern aufkommen, begreifbarmachen und aushalten. Diesem authentischen Bild nahm sich der amerikanische Regisseur Anthony Giacchino an und bekam dafür 2021 für seinen Dokumentationsfilm „Colette“ in der Kategorie "Beste Dokumentation (Kurzfilm) den Oscar.

Die Präsentation ist in Französischer Sprache mit deutschen Untertiteln. Dies ist ein bedeutungsvolles Moment, da man die Emotionen beider Protagonistinnen nicht synchronisieren kann. Das und die Bildszenen machen den Film neben seinen gerade so erfolgreich. Ihre filmischen Anfänge hatte die Dokumentation u. a. in der Stadt Nordhausen und im Konzentrationslager Mittelbau-Dora. Zudem ist der Ort der Filmvorführung in unmittelbarer Nähe des Sterbeortes von Colettes Bruder und Gefangener, der in Boelke-Kaserne 22.03.1945 verstarb. Daher wird die Filmpremiere der deutschen Fassung in Nordhausen stattfinden, und zwar am 9. Oktober an der Hochschule Nordhausen mit einem Rahmenprogramm.

Ein Gesteck zum Gedenken werden der Regisseur und Produzent Anthony Giacchino, die Protagonistin Lucie Fouble und einige Teammitglieder werden KZ-Mittelbau Dora ablegen und die im April 2022 übergebene Gedenktafel für den Bruder von Colette Jean Pierre besuchen. Der Film und unsere Gegenwart verbindet einmal mehr die menschliche Sehnsucht nach Frieden. Wohl kein anderes Lied wie die „kleine weiße Friedenstaube“ von Erika Schirmer steht symbolisch für den Wunsch nach Frieden und Hoffnung. Mit dem Liedvortrag zum Einklang des Films setzt die Stadt ein Zeichen für den Frieden.

Für Nordhausen ist dies wohl einmaliges Ereignis, das hoffentlich in die Geschichte der Stadt eingehen und woran man sich erinnern wird.
Autor: red

Kommentare
Envites
06.10.2022, 16.58 Uhr
"Colette-Doku" ist zutiefst berührend und sozusagen europäisch - Ausstellung erkenntnisreich
Da ich nicht dabei sein kann, gratuliere ich den Protagonisten hier. Da geht man mutig einen neuen Weg und bringt zwei Themen ins Licht (Nord-)Thüringens.
"Colette" ist eine zutiefst berührende, menschliche Dokumentation, fern aller Überschriften. Ich bin sicher, gerade die junge Generation kann durch Colette besser verstehen, der Film ist besser als viele Lehrstunden dazu. Die Ausstellung zur vielfältigen jüdischen Erinnerungs- und Begräbniskultur habe ich schon etwas gesehen, sie ist wirklich ebenso gelungen und erfreulich erlebenswert, wer weiß schon bspw. um die Bedeutung der Steine, die man auch auf ein Grab legen kann. Kompliment und viel Erfolg für diese Veranstaltung.
DDR-Facharbeiter
06.10.2022, 23.44 Uhr
Bomber Harris bombardierte Kriegsgefangene wie Colettes Bruder wg. Nazis in Boelcke-Kaserne
 Colettes Bruder war  Kriegs-Gefangener und Zwangsarbeiter in der  Boelke-Kaserne.
Dort verstarb er 22.03.1945 . Er musste nicht mehr die Zerstörung der Boelke-Kaserne am 3. und 4. April 1945 erleben. Nach der Völkerrechts-Vereinbarung von 1929 war den Alliierten Bomber-Piloten die Bombardierung von Kriegsgefangenen-Lagern  (Prisoner-of-War-Camps) strikt verboten. Der Befehlshaber des Britischen Bomber Kommandos, der Air Marshal  Sir Arthur Harris, befahl  am 2. April 1945 die Bombardierung der Boelckekaserne voller   Kriegsgefangener und KZ-Häftlingen. Die britischen Piloten haben erst nach dem Krieg bei den Aufnahmen für die DVD "Nordhausen-Hitlers Raketenfabrik" zu ihrem Bedauern erfahren, dass sie in der Boelcke-Kaserne Kriegsgefangene bombardieren mussten. Wenn Air Marshal Sir Arthur Harris von einem britischen Agenten erfahren hat, dass die Boelcke-Kaserne nicht mit hochrangigen Nazis, sondern mit Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen belegt war, dann hat er gegen die Menschenrechts-Vereinbarung von 1929 verstossen..
Envites
07.10.2022, 09.03 Uhr
auch tragische Geschichte hat Ursachen, hatte Auswirkungen sowie die Fakten dazu
Ich möchte auf den Kommentar vom DDR Facharbeiter kurz eingehen. Er hat seine Meinung zur Bombardierung und anderen Dingen ja auch schon oft geäußert. Wir leben in einem freien Land und eine solche Meinung ist auszuhalten, ggf.. Ich finde jedoch, die Tatsachen sind die Tatsachen, das mit sozusagen befohlener Bombardierung von Häftlingsunterkünften, wie schon behauptet, ist im Lichte der Fakten nicht haltbar und auch andere Fakten sollten Fakten bleiben. Vielleicht sollte oder könnte Dr. Karsten Uhl dazu noch etwas sagen, damit nicht ich eine Meinung, die durch diese Reaktion getrieben erscheint, anbringe. Im Übrigen habe ich eine Meinung dazu schon geäußert. Das Thema sollte nicht zur Polarisierung genutzt werden. Jedenfalls wäre u.a. diese Veranstaltung oder im Vordergrund dazu, nochmal auch eine gute Gelegenheit für Nordhausen bzw. solche Meinungstendenzen.

"Colette" zeigt als Film herausragende menschliche Qualität, Tragik und das Trauma mit unendlichem Schmerz des Verlustes des Bruders im Komplex KZ Mittelbau-Dora, ich denke, es wäre für viele Menschen einfach Klasse, diesen Film zu erleben. Ganz ehrlich!
"Colette" polarisiert nicht, es ist wahrhaftig.
grobschmied56
07.10.2022, 11.58 Uhr
Die vorsätzliche Bombardierung von Kriegsgefangenen...
... geistert immer mal wieder durch die Kommentarspalten. Solche Befehle dürfte es kaum gegeben haben. Richtig ist, daß häufig nicht nur falsche Stadt-Teile, sondern sogar die falsche Stadt getroffen wurde. Das passierte nicht nur alliierten Flugbesatzungen, sondern auch denen der 'Reichsluftwaffe'.
Zitat:
'Drei Heinkel He 111 der Kette des Leutnants Paul Seidel aus der 8. Staffel des Kampfgeschwaders 51 waren mit dem Geschwader vom Fliegerhorst Landsberg/Lech um 14:27 Uhr gestartet. Auftrag war im Rahmen des Westfeldzugs, Dijon oder als Ausweichziel den Flughafen Dole-Jura zu bombardieren. Durch Navigationsfehler verloren sie die Orientierung und erreichten die Ziele nicht. Sie waren nicht in der Lage, ihre genaue Position zu bestimmen. Als ein Kirchturm aus dem Nebel ragte, vermutete man, es handle sich um Colmar und den beherrschenden Sakralbau St. Martin. Die Freiburger Flugwache im Hildaturm auf dem Lorettoberg identifizierte die Flugzeuge als deutsche. Deshalb wurde erst nach Beginn der Bombardierung Fliegeralarm ausgelöst. Ab 15:59 Uhr wurden 69 Bomben auf die Stadt abgeworfen.'
Zitat Ende. (Quelle: Wikipedia, Artikel über Freiburg/Breisgau)
Bei dem Fehlangriff auf die eigene Stadt kamen 57 Menschen darunter viele Kinder ums Leben.
Die Methoden zur Navigation und Zielfindung waren im zweiten Weltkrieg ziemlich mangelhaft. Das war auch allen Kriegsparteien bewußt. Jedenfalls, was die eigenen Möglichkeiten anging. Beim Gegner vermutete man hingegen stets, daß er genau das getroffen hatte, was er auch TREFFEN WOLLTE. Zahlreiche Mißverständnisse haben hier ihren Ursprung.
Sicher hat Bomber-Harris den Befehl gegeben, Nordhausen anzugreifen. Für ihn war das ein Punkt auf der Landkarte, Luftwaffenstandort, Verkehrsknoten, eng verknüpft mit der V-Waffenproduktion der Nazis und somit legitimes strategisches Ziel.
Der vorsätzliche Mord an Kriegsgefangenen dürfte nicht in seinem Interesse gewesen sein.
DDR-Facharbeiter
07.10.2022, 14.15 Uhr
Bomber-Harris schwor Industrie-Arbeitern, Vergeltung für 43000 tote Engländer
" War für Bomber-Harris Nordhausen nur ein Punkt auf der Landkarte? Luftwaffenstandort, Verkehrsknoten, eng verknüpft mit der V-Waffenproduktion der Nazis und somit legitimes strategisches Ziel. Der vorsätzliche Mord an Kriegsgefangenen dürfte nicht in seinem Interesse gewesen sein." Zitat Grobschmied56 am 7-10-2022:
Der DDR-Facharbeiter sieht es anders: Bomber-Harris schwor in Hunderten Flugblättern "deutschen Industrie-Arbeitern, ihren Familien, ihren Wohnungen Vergeltung für 43000 tote Engländer und die Zerstörung historischer Bauten , weil sie Hitlers Kriegsmaschine am Laufen hielten". Bomber Harris bombardierte am 3. und 4. April 1945 Nordhausens Altstadt und die Boelcke-Kaserne voller KZ-Häftlinge und Kriegsgefangener mit Fassminen mit hoher Entzündungstemperatur, um mit einem teuflischen Plan möglichst viel "organische Substanz pro Quadratmeter"- sprich Männer, Frauen , Kinder und Holzbauten der Altstadt - zu vernichten. Harris wurde gebremst durch britische Rüstungs-Spezialisten. Die setzten beim britischen Verteidigungs-Ministerium durch, die deutsche Rüstungs-Technologie und ihre Erfinder und Konstrukteure unversehrt zu lassen und möglichst zu erbeuten. Mit der Bombardierung der Boelcke-Kaserne erweiterte Harris seine Vergeltung auf die über 6000 ausländischen Kriegsgefangenen, die im Mittel- und Nordwerk Dora "Hitlers Kriegsmaschine am Laufen hielten".
Er bombardierte nicht die Verkehrs-Anlagen der Reichsbahn und der Harzquerbahn. Ab 11. April 1945, dem Einmarsch der US-Army, rollten Hunderte Güterwagen mit V2-Raketen-Teilen nach Antwerpen zur Verschiffung nach den USA.
.Die Britischen Bomber bombardierten auch nicht die Rüstungs- und Tankanlagen rund um den Kohnstein mit seinen Rüstungs-Produktionen. Sie bombardierten auch kaum die Nordhäuser Oberstadt mit den Wohnungen hochrangiger Rüstungs-Funktionäre. Auf Ilfeld mit den Räumen von Wernher v. Brauns, SS-General Kammler, Direktoren Rickhey, Rudolph usw. fielen überhaupt keine Bomben.
Komiron
07.10.2022, 23.44 Uhr
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