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Fr, 08:00 Uhr
30.09.2022
Montessori-Pädagogin Romy Schulze

Abschied für die Hüterin des Schatzes

Hilf mir, es selbst zu tun - der Leitsatz Maria Montessoris war in Nordhausen nicht immer wohl gelitten. Dass sich dieser pädagogische "Schatz" trotzdem einen festen Platz erkämpfen konnte, verdankt man auch Romy Schulze, die als Leiterin des Montessori-Kinderhauses nach 30 Dienstjahren nun ihren Hut nimmt...

Nach der Wende übernahm das Jugendsozialwerk die meisten Kindergärten der Stadt Nordhausen. Es waren turbulente Jahre und die große Aufgabe des Personals der Kita bestand darin, ein Erziehungs- und Bildungskonzept auszuwählen, nach dem man zukünftig die Kinder bis zum Schuleintritt betreuen wollte. Frau Romy Schulze arbeitete damals im Kindergarten des ehemaligen RFT-Betriebs in der Hardenbergstraße. Auch die Erzieherinnen dieser Einrichtung recherchierten die verschiedensten Pädagogiktheorien.

Ein Exkurs in die Geschichte
Dabei wurde bekannt, dass es die Montessori-Pädagogik schon in den Dreißigern des 20. Jahrhunderts in Nordhausen gab.

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Margarete Aurin leitete seit 1933 den Montessori-Kindergarten in der Spiegelstraße. Allerdings wurde diese Pädagogik bald verboten, da sie nicht den Erziehungszielen der Nazis entsprach. Auch in der DDR bekam Frau Aurin Schwierigkeiten, diesmal mit den SED-Aufsichtsbehörden. Die Montessori-Pädagogik war nicht erwünscht und wurde als reaktionär eingestuft.

1953 verließ die Pädagogin die DDR und fand sich bald in Frankfurt wieder, wo sie an der Reorganisation der „Deutschen Montessori-Gesellschaft“ mitwirkte. Schließlich mit über 70 Jahren beteiligte sie sich am Aufbau der „Aktion Sonnenschein“ in München.

Renaissance mit Beharrlichkeit und Kampfgeist
1996 begann im „Däumelinchen-Kindergarten“ die Arbeit der ersten Montessori-Gruppe. Viele Eltern begeisterten sich für diesen pädagogischen Ansatz und die Montessori-Materialien, so dass sie sich für ihre Kinder vier weitere Jahre in einer Montessori-Grundschule wünschten. Ein von Eltern und Pädagogen gegründeter Förderverein und die Unterstützung der Robert-Bosch-Stiftung sowie die Trägerschaft des Jugendsozialwerkes unter der damaligen Leitung von Thomas Pape brachten es damals fertig, eine Grundschule zu gründen. 12 Kinder wurden 1999 eingeschult. Gast zur Schulgründung war kein geringerer als Professor Kurt Aurin, der Sohn Margarete Aurins und bedeutender Erziehungswissenschaftler, welcher sich für die Montessori-Pädagogik einsetzte.

Lang, lang ist's her - Romy Schulze begleitete die Renaissance der Montessori-Pädagogik in Nordhausen von Beginn an (Foto: Montessori-Kinderhaus) Lang, lang ist's her - Romy Schulze begleitete die Renaissance der Montessori-Pädagogik in Nordhausen von Beginn an (Foto: Montessori-Kinderhaus)


Heute, am 30. September 2022, ist es an der Zeit, diesen kleinen geschichtlichen Exkurs zu unternehmen. Heute ist der letzte Arbeitstag für die Pädagogin Romy Schulze, die Einrichtungsleiterin des Montessori-Kinderhauses. Sie trug maßgeblich dazu bei, die Tradition der Montessori-Pädagogik in Nordhausen fortzuführen. Sie engagierte sich mit Beharrlichkeit und Kampfgeist im Team der Pädagogen und im Förderverein des Kinderhauses und betonte immer den Wert dieses Schatzes: ein Montessori-Kinderhaus mit Krippe, Kindergarten und Grundschule unter einem Dach, in dem Kinder mit ihrem inneren Antrieb und Willen wachsen und „groß“ werden können und unterstützt werden sollen, die eigenen Wege zu finden und gestaltende, kooperations- und hilfsbereite Menschen mit sicherem Selbstbewusstsein zu werden.

Romy Schulze wechselt in den Ruhestand, der hier im Zusammenhang mit ihr sicher kaum den richtigen Namen trägt. Bereits vor einiger Zeit, als sie begann, ihren Ausstieg aus dem Arbeitsleben zu planen, kündigte sie an, dass sie doch als Ruheständler nicht außer Reichweite wäre und hin und wieder nach dem Rechten schauen wolle. So wird es wohl werden! Sie ist mit Herz und Seele Pädagogin und die Montessori-Pädagogik ihre große Leidenschaft. Jedem Kind gegenüber zeigt sie ungeteilte Aufmerksamkeit, Achtung und Respekt. Liebevoll versteht sie es, Kinder für ihre Umwelt, ihre, wie es Montessori nennt, Umgebung zu begeistern.

Glückwünsche und Geschenke von Groß und Klein zum 60. Geburtstag (Foto: Montessori-Kinderhaus) Glückwünsche und Geschenke von Groß und Klein zum 60. Geburtstag (Foto: Montessori-Kinderhaus)


Aber sie ist auch und vor allen Dingen Chefin. Geht man durch das Kinderhaus, erkennt man in jedem Raum Spuren des Wirkens der Leitung. Romy Schulze gelang es, mit ihrem Team, mit dem Förderverein, mit Hilfe der Eltern und Sponsoren und mit der Trägerschaft des Jugendsozialwerkes einen Ort des Wohlfühlens zu schaffen, einen Kindergarten, in dem die Kinder gut aufgehoben sind und die Pädagogen gute Voraussetzungen für ihre Arbeit vorfinden. Viele Höhepunkte des Kindergartenjahres initiierte Romy Schulze. Mit Elan, tollen Ideen und einem Händchen fürs Organisieren wurden Netzwerke geschaffen, die schließlich immer ein gutes Gelingen garantierten. Die Schule im Kinderhaus lag ihr genauso wie der Kindergarten immer am Herzen. Sie war oft in den Klassenräumen zu sehen, hin und wieder sogar am Arbeitsplatz der Kinder, an dem sie sich die Lerngegenstände erklären ließ und eine Weile mit den Kindern lernte.

Mit Herz und Durchsetzungsvermögen leitete sie das Team, bis zum letzten Tag stand sie für jegliche Belange des Hauses zur Verfügung. Die Pädagogen des Kindergartens wissen das zu schätzen. Heute verabschieden sie ihre Chefin mit herzlichem Dank und guten Wünschen für die kommende Zeit. Genauso sprechen die Mitglieder des Grundschulteams ihre Wertschätzung ihr gegenüber und beste Wünsche aus. Nun soll für Romy Schulze die Freiheit an Bedeutsamkeit gewinnen, sich die Tätigkeiten des Tages selbst auswählen, den Interessen nachgehen und sich um die ihr nahe stehenden Menschen und vielleicht auch mal um sich selbst kümmern zu können.

Alles Gute für Romy Schulze!
Sabine Dreßler
Autor: red

Kommentare
Deaktiviert
30.09.2022, 08.36 Uhr
Beste Grüße und Glückwünsche
Ich war mit Romy eine Zeit lang in einer Klasse der damaligen T.Neubauer-Schule
(heutige Petersbergschule).
Alles Gute für den verdienten Ruhestand.
Bleib noch lange gesund und munter!
DDR-Facharbeiter
30.09.2022, 13.09 Uhr
Durfte nicht zu Frau Aurin. Vielleicht hielt Mutter auch die Montessori- Ideen für zu "links.
Ein Vierjähriger wäre gern mit seinen Spielfreundinnen in Frau Aurins Kindergarten in der Spiegelstraße gegangen. Angeblich war Mutter der Beitrag zu hoch. Vielleicht hielt sie auch die Montessori- Ideen für zu "links". Nachmittags musste er mit dem Dienstmädchen zu Parniskes Obstladen am Präsidenten-Weg spazieren. Als es dort kein Obst mehr gab, büxte er aus und ging lieber auf die Straße Ball spielen. Das Dienstmädchen ging weiter aus, aber lieber mit flotten Luftwaffensoldaten. Insgeheim beneidete er seine Spielfreundinnen, die zu Frau Aurin gehen durften. Vom großen Bruder lernte er Laubsäge Arbeiten. Er durfte mit dessen Märklin-Metallbau-Kasten etwas bauen. So erwarb er auch Kenntnisse im Umgang mit Holz und Metall.
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