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Sa, 09:00 Uhr
24.09.2022
Mehr Kinder betroffen

Sprachtherapie statt Spiel, Sport & Spaß

Statt zu spielen, Sport zu treiben und Freunde zu treffen, scheinen immer mehr Kinder und Jugendliche in ihrer Freizeit zur Sprachtherapie zu gehen. Laut Daten der KKH Kaufmännische Krankenkasse besonders alarmierend...

Die Zunahme von Sprach- und Sprechstörungen bei Heranwachsenden von 2019 auf 2021. Während der beiden Corona-Jahre stieg die Zahl der betroffenen 6- bis 18-Jährigen um rund neun Prozent, bei den 15- bis 18-Jährigen sogar um fast 21 Prozent. Im Zehnjahres-Vergleich liegt das Plus von 2011 auf 2021 bei insgesamt 58 Prozent (Mädchen plus 59,4, Jungen plus 56,7 Prozent). Damit litten acht Prozent der Kinder und Jugendlichen im vergangenen Jahr unter Sprachauffälligkeiten, sprich jeder zehnte Junge und jedes 16. Mädchen.

Mehr Sprachentwicklungsstörungen durch Corona?
Begrenztes Vokabular, Probleme bei der Artikulation von Lauten oder der Satzbildung, Grammatikschwächen – die Palette an Sprach- und Sprechstörungen bei Kindern und Jugendlichen ist breit. Die Pandemie mit all ihren Einschränkungen hat die Entwicklung sprachlicher Kompetenzen vieler Kinder erschwert.

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Durch Homeschooling und weniger soziale Kontakte fehlte etlichen der direkte kommunikative Austausch mit Lehrern und vor allem Gleichaltrigen beim Lernen, Spielen, Pläne schmieden oder auch Streiten. Doch das ist für das Entfalten sprachlicher Fähigkeiten wesentlich.

Durch lange Zeit geschlossene Kitas und Schulen blieb zudem manche Sprachstörung unentdeckt. Und geschlossene Logopädie-Praxen führten dazu, dass Therapien unterbrochen und erzielte Fortschritte möglicherweise zunichte gemacht wurden. „Aber auch organische Ursachen wie Hörprobleme sowie genetische Veranlagung oder auch übermäßige Nutzung von Smartphone, PC und Fernseher können für Sprachdefizite ursächlich sein. Und manchmal kann der Sprachentwicklungsstörung keine erkennbare Ursache zugeordnet werden“, erklärt Vijitha Sanjivkumar vom Kompetenzteam Medizin der KKH.

Die KKH-Daten zeigen auch, dass Sprache und Sprechen immer mehr älteren Kindern und Jugendlichen Probleme bereiten. So stieg die Zahl der betroffenen 11- bis 14-Jährigen von 2011 auf 2021 um rund 107 Prozent. Bei den 15- bis 18-Jährigen liegt das Plus sogar bei 151 Prozent. Auch bei kleinen Kindern rechnet die KKH mit einer Zunahme logopädischer Behandlungen. Denn auch wenn von Erziehern in den vergangenen Monaten viel Aufholarbeit geleistet wurde: „Aufgrund coronabedingter Hygienevorschriften wie Schutzmasken oder Kontaktbeschränkungen ist der komplexe Spracherwerb von heute Zwei- und Dreijährigen über kommunikatives Erleben mit Lautbildung, Ablesen von Lippenbewegungen oder auch Mimik eingeschränkt gewesen“, sagt die KKH-Expertin. Dabei ist Sprachkompetenz ein wesentlicher Schlüssel für die Entwicklung der Persönlichkeit und des Sozialverhaltens, für einen versierten Umgang mit Medien, bessere Bildungschancen und eine gute berufliche Zukunft. Zudem kann sie vor Hänseleien, Mobbing, Isolation und damit verbunden psychischen Belastungen bewahren.

Sprachanreize sind das A & O
Je früher Sprachstörungen erkannt und behandelt werden, desto größer ist die Chance, sie zu beheben oder zu verhindern, dass sie sich verschlechtern. Sind sich Eltern unsicher, ob ihr Kind altersgemäß spricht, fragen sie am besten ihren Kinderarzt um Rat. Meist werden Sprachentwicklungsstörungen bei den U-Untersuchungen vom Kinderarzt festgestellt, der dann weitere Behandlungsschritte einleitet. Eltern sollten ihre Kinder je nach Alter aktiv dabei unterstützen, Sprachkompetenz auf- und auszubauen. „Lesen Sie Ihrem Kind vor, spielen Sie mit ihm Spiele und entwickeln Sie gemeinsam Geschichten oder Reime, führen Sie Gespräche und diskutieren Sie miteinander“, empfiehlt Vijitha Sanjivkumar. „Schenken Sie Ihrem Kind beim Kommunizieren Aufmerksamkeit, und schauen Sie es an. Auch ausreden lassen ist wichtig. All das wirkt sprachfördernd.“

Noch zwei Hinweise: Die KKH bietet betroffenen versicherten Kindern die Artikulations-App neolexon für das Üben daheim an, mit der eine logopädische Therapie unterstützt werden kann. Mehr dazu unter kkh.de/leistungen/familie-kind/kleinkinder/artikulations-apps. Und: Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie sind seit 1. September 2022 wieder per Video möglich. Darauf haben sich der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und die jeweiligen Berufsverbände geeinigt. Damit werden die wegen der Pandemie bis Ende März dieses Jahres gültigen Sonderregelungen fortgeführt.

Die KKH hat anonymisierte Daten ihrer Versicherten zwischen sechs und 18 Jahren mit der Diagnose F80 nach ICD-10 von 2011 und 2021 erhoben (ohne F80.2 und F80.3). Im Jahr 2021 waren im Schnitt 8,1 Prozent der Kinder und Jugendlichen betroffen. 2011 waren es noch 5,2 Prozent. Der Anteil in den verschiedenen Altersgruppen lag 2021 bei den 6- bis 10-Jährigen bei 16,0 Prozent, bei den 11- bis 14-Jährigen bei 5,5 Prozent und bei den 15- bis 18-Jährigen bei 2,4 Prozent. Die KKH Kaufmännische Krankenkasse ist eine der größten bundesweiten gesetzlichen Krankenkassen mit rund 1,6 Millionen Versicherten. Nähere Informationen erhalten Sie unter kkh.de/presse/portraet.
Autor: red

Kommentare
Frau Besucher
24.09.2022, 12.20 Uhr
Mal ernsthaft,
hat hier irgendjemand etwas anderes erwartet? Weder Pädagogen noch Therapeuten oder gar Eltern haben sich in der Masse stark für unsere Kinder gemacht. Das, was jetzt die KKH zum Besten gibt, war für Experten oder langfristig Vorausschauende längst erahnbar! Die Schuld daran haben o. g., da sie diese unsägliche Politk gewähren lassen haben. Kinder waren nie "Pandemietreiber", soviel sollte nun allen klar sein. Die Kuh ist auf dem Eis, jetzt gilt es, die Schäden zu beheben! Diese Regierung hat fertig, um es mal mit Trapattoni's Worten zu sagen! Die werden nicht mal aus Schaden klug. Sie zünden dein Haus an und dann sollst du dankbar sein, wenn sie dir einen Eimer Wasser zum Löschen geben. Wir rasen mit dem Zug vollgas gegen die Wand und es wird nur diskutiert, wer den verdammten rot-grünen Zug anhält. Katastrophe!
Speaker
25.09.2022, 20.59 Uhr
Sprachtherapie
Die logopädischen Praxen waren in der Coronazeit nicht geschlossen. Der gestiegene Therapiebedarf kann aber, wegen fehlender Therapeuten, nicht aufgearbeitet werden. Es gibt in fast jeder Praxis Wartelisten. Das heißt, selbst wenn der Arzt eine Therapie verordnet, kann es sein, dass die Kinder diese nicht sofort bekommen.
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