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21.04.2021
Podiumsdiskussion im Clubhaus I

Was erwartet die Jugend von der Politik?

Im Clubhaus treffen heute die Kandidaten zur Landratswahl am Sonntag in persona aufeinander um gleich zwei mal miteinander zu disputieren. Den Anfang machte man am Anfang mit den Themen, die den jungen Nordhäusern am Herzen liegen...

Die zwei Podiumsdiskussionen zur Landratswahl wurden heute Live aus dem Clubhaus ins Netz gestreamt (Foto: agl) Die zwei Podiumsdiskussionen zur Landratswahl wurden heute Live aus dem Clubhaus ins Netz gestreamt (Foto: agl)


Drei Kandidaten, ein Moderator, zwei Kameras, ein Live-Stream - die politische Diskussion der Anwärter auf das Landratsamt findet heute online statt. Organisiert wurde die Runde vom Kreisjugendring und einer ganzen Reihe an Unterstützern . Es ist nicht das erste mal, dass man sich an dem Format versucht, schon zur Oberbürgermeister-Wahl hatte man ins Clubhaus geladen, damals freilich vor anwesendem Publikum.

Das geht in diesem Jahr nicht, aus den bekannten Gründen hat man sich frühzeitig auf eine Online-Veranstaltung eingestellt. Im Netz hatte man im Vorfeld konkrete Fragen für die anstehende Wahl gesammelt, grundsätzliche Ansichten zu Politik und politischem Engagement trug man bereits im vergangenen Jahr zusammen. Demnach ist das Interesse an Politik durchaus gegeben aber viele Jugendliche fühlen sich im politischen Alltag des Kreises nicht wirklich vertreten.

Das Jugendparlament des Kreises war vor Ort vertreten und hatte Fragen mitgebracht (Foto: agl) Das Jugendparlament des Kreises war vor Ort vertreten und hatte Fragen mitgebracht (Foto: agl)


Und so funktioniert die Online-Debatte: Moderator Thomas Müller führt durch das Gespräch, Fragen kommen über Vertreter des Jugendparlamentes des Kreistages und den Live-Chat auf dem YouTube-Kanal des KJR. In der ersten Fragerunde ging es um jugendspezifische Themen, Runde zwei richtet sich ab 18 Uhr in Zusammenarbeit mit dem Nordthüringer Unternehmerverband an die erwachsenen Wählerinnen und Wähler und wird von der nnz mit einem eigenen Live-Ticker begleitet.

Mit der nötigen Technik hat man im Clubhaus inzwischen einige Erfahrung (Foto: agl) Mit der nötigen Technik hat man im Clubhaus inzwischen einige Erfahrung (Foto: agl) Auf der Website des Kreisjugendrings finden sich bereits Interviews, die man im Sinne der Jugend mit den Kandidaten geführt hat, hier können Kinder und Jugendliche bis morgen auch ihre Stimme bei der "Jugendwahl" abgeben, die freilich nicht in das eigentliche Wahlergebnis Eingang findet.

Für die Kandidaten geht es aber nicht nur um die Wähler in spe, bei der Landratswahl darf bereits ab 16 Jahren gewählt werden, man darf also hoffen, heute vielleicht die eine oder andere junge Stimme für sich zu gewinnen.

Der Diskussion stellten sich Jeanette Goedecke für die CDU, Matthias Marquardt für die Linke und Amtsinhaber Matthias Jendricke für die SPD.

Das erste Wort gehörte Marquardt, die Frage: wie wollen sie Jugendliche an Politik beteiligen. Die Jugend wisse selbst, was sie wolle und seien aufgefordert, ihre Meinung auch zu äußern, meinte der. Damit das klappt müsse man aber im Politikstil einiges verändern. Jugendliche wollten "anders Politik machen", über andere Wege, andere Medien und Kanäle.

Marquardt würde gerne einen "Jugendcheck" im Kreistag einführen. Werden Beschlüsse vorgelegt, müssten diese auf mögliche Auswirkungen auf das Leben junger Menschen geprüft werden. Zudem würde Marquardt gerne den "Jugendabgeordneten" vorschlagen: jede Fraktion des Kreistages benennt ein Mitglied, dass konkret mit dem Jugendparlament zusammenarbeitet um Vorschläge in den Kreistag einzubringen.

Auch Jendricke sieht die Möglichkeiten der sozialen Medien zur schnelleren Rückkopplung. Es sei gut vorstellbar, dass man über diese Wege schneller in die Interaktion komme. Aber: langwierige Prozesse seien in der parlamentarischen Arbeit wichtig und müssten ordentlich und geregelt laufen. Es gebe aber auch Themen, die man kurzfristig regeln könne.

Die ersten Fragen der Zielgruppe kamen aus der Lessing-Schule und von Lavinia, 14 Jahre alt. Aus der Lessing-Schule wollte man wissen, wie Frau Goedecke gedenkt herauszufinden was Jugendliche wollen. Die würde, um ins Gespräch zu kommen, enger mit den Jugendverbänden zusammenarbeiten und ein "Kinder- und Jugendbüro" als zentrale Anlaufstelle einrichten.

Lavinia interessierte, wie Klima- und Umweltschutz im Kreis gefördert werden sollen. Moderator Müller warf die Bewertung der "Fridays for Future"-Bewegung mit in die Waagschale. Goedecke begrüßt die Bewegung grundsätzlich, es sei gut für eine Sache einzustehen. Nur das demonstrieren zu Schulzeiten, das sei nicht gut. Der Klimawandel an sich lasse sich im Kreis nicht vollständig lösen, da müsse jeder seinen Teil für leisten.

Marquardt ist der Ansicht, dass der Landrat eigene Impulse setzen kann und Einfluss auf Institutionen wie das Südharz-Klinikum, die Kreissparkasse und kommunale Unternehmen hat. Diese müssten bei Klimaschutz und Nachhaltigkeit vorrangehen. Von den Impulsen der Jugend könne man lernen.

Der Amtsinhaber meinte, das "Fridays for Future" gezeigt habe, dass die Politik das Thema nicht genug bearbeitet habe. Wann man demonstrieren kann, darüber wolle er nicht streiten, es sei schön das sich junge Leute wieder einbringen, natürlich etwas lautstarker, etwas revolutionärer, aber das sei normal und früher nicht anders gewesen. Die Probleme des Klimawandels könne man nur dadurch lösen, dass alle mitziehen, da sei auch ein Kreis wie Nordhausen ein Teil im großen Ganzen, meint Jendricke und verwies auf die angeschafften Elektro-Busse, die in Thüringen aktuell die größte E-Flotte darstellten. Und energetische Sanierung könne auch "finanziell Spaß machen", wenn sich die Eigenanteile schnell refinanzieren.

Christian, 16 Jahre alt, wollte wissen, warum es außerhalb der Kreisstadt wenige Orte für Jugendliche gibt an denen sie sich treffen können. Jendricke: die Jugendarbeit war immer ein Streitfall, die Finanzierung dere Jugendzentren habe man in seiner Amtszeit aber sicher gestellt. Und der Kreis ist nicht immer zuständig, manchmal ist auch der Ortschaftsrat in der Pflicht.

Jeanette Goedecke hat bei dem Thema Erfahrungen in Harztor gesammelt: es ist schlicht schwierig passende Räumlichkeiten zu finden, in denen Jugendliche unter sich und auch mal laut sein können. Aus der Käthe-Kollwitz-Schule wollte man wissen wie das mit dem "Jugendtaxi" laufen soll? Die CDU-Kandidatin, selber Mutter einer Teenagerin, wünscht sich das Jugendliche auch nach Veranstaltungen in Nordhausen sicher zurück nach Hause kommen, auch in den ländlichen Raum. Dafür müsste sich der Landkreis an den Fahrtkosten beteiligen. Matthias Marquardt hält das für eine praktikable Lösung, würde ein solches Angebot gerne generationenübergreifend anbieten, nach dem Vorbild des "Werther-mobils", das von ehrenamtlichen Fahrern bedient wird. Jendricke fragt seinerseits wie man gedenke das zu finanzieren, verweist auf die Haushaltssicherung und den Umstand das freiwillige Aufgaben schnell in Frage gestellt würden und führt das Schülerfreizeitticket an

Und noch drei Kurzfragen für die Kandidaten. An Goedecke: Laschet oder Söder? Lieber Söder, sie sei mit der Wahl ihrer Partei nur "mäßig zufrieden", würde diese aber unterstützen. Braucht es eine Frauenquote?
Eigentlich lieber nicht aber sie sieht, dass man sie braucht, gerade in großen Unternehmen, wo es "von alleine" nicht funktioniere. In der Politik sei die Besetzung allerdings der Bürgerwille.

An Jendricke: haben sie sich heute schon mit jemanden gestritten? Antwort: Heute? Nein.
An Marquardt: Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen? Als Naturwissenschaftler brauche er Beweise, aber ohne Visionäre wäre man an vielen Stellen gesellschaftlich nicht weiter gekommen.

Die Fragen der Jugendlichen führten in der Folge in Gefilde, die auch Erwachsene interessieren dürften wie der Zustand der Schulen, Ausbau der Radwege und die öffentliche Sicherheit. Und für einige Fragen blieb keine Zeit, die werden aber noch zusammengetragen, natürlich online.
Angelo Glashagel
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