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Do, 12:39 Uhr
01.10.2020
nnz-nachgehakt

Querschläger am Wegesrand

Geht der Jäger auf die Pirsch, sollten sich möglichst keine Unbeteiligten in der Nähe aufhalten, sonst kann es gefährlich werden. Was nicht sein soll, geschieht zuweilen aber doch. Eben eine solche Situation erlebte ein Leser der nnz jüngst in der Windlücke und berichtet von Querschlägern und aufgescheuchten Wildschweinen. Wir haben nachgehakt…

Bache mit Frischlingen (Foto: pixabay.com/iisjah) Bache mit Frischlingen (Foto: pixabay.com/iisjah)

Herr S. schildert seine Erlebnisse wie folgt: am 21. September war er mit Frau und Hund in der Windlücke spazieren. Das Feld zwischen dem Stauteich des kleinen Ortes und der Neubausiedlung in Nordhausen Ost wurde da gerade abgeerntet. Auf dem Feldweg zwischen Nordhausen und Himmelgarten, genauer auf der Anhöhe am Ende der Straße „Zu den Steinkreuzen“, hörte das Paar vier Schüsse aus Richtung Himmelgarten, dann ein „zischen“ und einen Einschlag in der Nähe. „Gut eine Minute später kamen vier Wildschweine direkt aus dieser Richtung über das Feld auf uns zu. Wir mussten ausweichen um nicht von den aufgebrachten Tieren überrannt zu werden“, erzählt S. Danach seien die Wildschweine im angrenzenden Feld gegenüber der Neubausiedlung verschwunden. Die Schützen, oder irgendwelche Hinweise auf die Jagd, habe er nicht sehen können, berichtet uns S.

Eine Pflicht zur Anmeldung oder Genehmigung einzelner jagdlicher Maßnahmen gibt es tatsächlich nicht, erklärt die Untere Jagdbehörde. Ein Hinweis auf die Jagd oder eine Information von Anwohnern ist also nicht zwingend erforderlich. Bei der Durchführung seien aber die Verkehrssicherungspflichten zu beachten und sicherzustellen, dass Schäden vermieden werden. „Außerdem gelten strenge Sicherheitsvorschriften, die unter anderem in den Unfallverhütungsvorschriften (UVV Jagd) geregelt sind. Jäger sind umfassend über Sicherheitsbestimmungen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Umgang und Einsatz von Schusswaffen geschult.“, teilt die Behörde mit. „Der Jäger hat selbstverständlich unter allen Umständen das Schussfeld zu prüfen und sicherzustellen, dass die jeweiligen Bedingungen das Schießen auf Wild zulassen, ohne dabei Personen oder Sachen zu gefährden. Ein Schuss darf also erst abgegeben werden, wenn sich der Schütze vergewissert hat, dass niemand gefährdet wird.“ Sollten dennoch Menschen gefährdet werden oder zu Schaden kommen, greift das Strafgesetzbuch. Im Fall der Fälle führt der Weg also zur Polizei.

Nun ist vom ersten Schreck einmal abgesehen nichts weiter geschehen, niemand ist zu Schaden gekommen. Herr S. betrachtet sein Erlebnis dennoch kritisch, auch weil unweit der Stelle, an der die Wildschweine wieder im Feld verschwanden, ein viel frequentierter Spielplatz liegt. „Hinweisschilder wären im Umkreis von einem Kilometer wären das Mindeste, was man den Mitmenschen zumuten könne“, schreibt er der nnz.

Eine Pflicht sieht die Rechtslage wie bereits erwähnt nicht vor. Aber unter den Waidmännern der Region ist die „Erntejagd“ an sich umstritten. Viele Jäger würden heute von solchen Jagden Abstand nehmen, gerade wenn sie in der Nähe von Wohnbebauung durchgeführt werden sollen, berichtet Klaus Thiemrodt, selber alteingesessener Jäger und Leiter der Jagdschule Ilfeld. „Die Gefahr ist einfach zu groß. Eine Kugel die einmal raus ist, lässt sich nicht mehr zurückholen.“, sagt er der nnz.

Mit Blick auf das Schwarzwild befindet man sich im Moment allerdings in einer veritablen Zwickmühle. Milde Winter und reichhaltiges Nahrungsangebot haben dazu geführt, das die Wildschweine nicht allein im Frühjahr am „rauschen“ sind, sondern bis in den Sommer hinein Frischlinge in die Welt setzen. Zudem hat Schwarzwild die Tendenz, Populationsverluste durch Bejagung mit höheren Geburtenraten auszugleichen. „Da greift eins ins andere. Die Umweltbedingungen sind ein bedeutender Faktor, aber auch die Jagd“, erklärt der Leiter der Unteren Jagdbehörde, Herr Kollmann. Mit Sorge blicke man deswegen gen Brandenburg, wo die Afrikanische Schweinepest Einzug gehalten hat. Sollte sich die Tierseuche bis nach Thüringen ausbreiten, wovon man in der Jägerschaft auszugehen scheint, könnten die Schäden verheerend sein. Entsprechend dringlich sei die Jagd auf das Schwarzwild.

Dennoch: eine Situation wie sie Herr S. beschreibt dürfe nicht einmal Ansatzweise zu Stande kommen, meint sowohl Herr Thiemrodt wie auch der Vorsitzende der Kreisjägerschaft, Torsten Meißner. Tauchen Unbeteiligte auf, müsse die Jagd abgebrochen werden. Ob der Jagdpächter die Anwesenheit der Spaziergänger überhaupt bemerkt hat, war leider nicht in Erfahrung zu bringen, aus datenschutzrechtlichen Gründen könne man keine personenbezogenen Daten weitergeben, teilte das Landratsamt mit. Die Jagdbehörde des Landkreises werde aber die verantwortlichen Jäger zu den Vorgängen befragen und nochmals auf die Einhaltung der einschlägigen Vorschriften hinweisen.
Angelo Glashagel

Bild von iisjah auf Pixabay

Anm. d. Red.: Der Name des Lesers ist der Redaktion bekannt.
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Kommentare

01.10.2020, 13.54 Uhr
Kritiker2010 | Wenn man den letzten Schuss eben doch gehört hat
Vor vielleicht einem Jahr fuhr ich im Auto mit offenen Scheiben auf einer Landstraße im Norden unseres Landkreises. Direkt neben dieser Straße befindet sich ein kleiner Teich mit ein wenig Dickicht am Rand. In der Nähe parkten ein paar Geländewagen.

Plötzlich knallte es und ich konnte trotz Motorgeräuschen und Fahrtwind sehr deutlich den Drall des Projektils hören, das vermutlich nur knapp an mir vorbei flog.

Vielleicht braucht der Eine oder andere Weidmann doch nochmal etwas Nachhilfe bei Herrn Thiemrodt.

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01.10.2020, 14.10 Uhr
SNZ | Beobachtung
Am vorletzten Sonntag gegen 05.00 Uhr in der Frühe.
Habe ich beobachtet, wie sich ein SUV mit verkleideter Pritsche von Steigerthal die Glockensteine hochgearbeitet.
Dann den absurden Weg, links vom schwarzen Weg, Richtung Kuckusmühle runter.
Hinten so ein Gitter, wie ein Fahrradgepäckträger.

Zeit, Ort und Fahrweg widersprechen dem, was ich bei Jägern seit meiner Kindheit beobachten und hören konnte.

Die zwei Schüsse fielen gegen 04.45 Uhr.

Mein erster Gedanke:

"der Typ wildert"

Nur x so.

Sonnige Grüße

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01.10.2020, 15.13 Uhr
Boris Weißtal | Querschläger pfeifen nicht,
Um so mehr hat Herr S. großes Glück gehabt. Uns ist als Spaziergänger vor wenigen Jahren während einer Erntejagd ziemlich das Gleiche passiert. Deshalb sind Erntejagden auch so gefährlich, weil die von den Erntemaschinen aufgescheuchten Tiere halt von den Feldern rennen. Der Jäger visiert somit bewegliche Ziele an. Natürlich kann er dabei den Hintergrund nicht gleich sorgfältig nach freiem Schußfeld abschätzen, wie bei einer normalen Jagd. Bei dieser spricht (zielt) der Jäger in Ruhe das meist stehende Wild an. Ähnliche Gefährdungen gelten im Übrigen auch für die Treibjagd, aber diese unterliegt im Gegensatz zur Erntejagd viel strengeren Auflagen. Vielleicht sollte daher auch die Erntejagd etwas mehr reglementiert werden. Doch natürlich gefährdet kein Jäger absichtlich Menschen. Daher auch mein aufrichtiger Dank an die Jägerschaft für ihren tollen Einsatz um unsere Natur.

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01.10.2020, 18.04 Uhr
Realist 1.0 | Vielleicht hat sich ja, der verantwortliche Jäger mit etwas hochprozentigen
aufgewärmt. Alle die dieses anspruchsvolle Hobby verfolgen habe alle eine Prüfung für denn sogenannten Jagdschein gemacht, was bedeutet die wissen ganz genau was man dabei zu beachten hat wenn man einen Schuss abgibt, anders kann man sich denn Sachverhalt nicht erklären. Sollte es an dem sein, ist der Typ sowieso seine Waffenschein los. Was man in letzter Zeit öfter in den Nachrichten auftaucht, und was ein anderer Kommentator hier beschrieben hat, was Querschläger und grobes Fehlverhalten einzelner Jäger an geht, da stellen sich einen die Nackenhaare auf.

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02.10.2020, 10.58 Uhr
s1969 | Beobachtung des SNZ
Was haben Sie denn Sonntags um 5 Uhr im Dunkeln im Wald zu suchen??? Sie schienen doch dabei gewesen zu sein, wenn Sie Zeit, Weg und Ort so genau wissen.
Vor allem fielen die Schüsse vorher (4:45 Uhr?), bevor der angebliche Wilderer in den Wald fuhr....da kann ja wohl was nicht ganz hinhauen.

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