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Mo, 20:40 Uhr
15.06.2020
Verbrauchertipps zur Entlastung

Energiepreise ziehen weiter an

Die Corona-Pandemie hat die deutsche Wirtschaft seit Monaten fest im Griff. Millionen Arbeitnehmer befinden sich in Kurzarbeit, das öffentliche Leben läuft auf Sparflamme. Trotz des Konjunkturpakets scheinen private Haushalte allerdings nicht mit einer finanziellen Entlastung bezüglich der Stromkosten rechnen zu dürfen...


Stattdessen kamen im vergangenen Halbjahr Preiserhöhungen von bis zu 13,3 Prozent zustande. Das geht aus einer Studie des Datenbank-Dienstleisters Enet hervor. Machtlos sind Verbraucher jedoch nicht. Ein Tarifwechsel verspricht Abhilfe.

Grundversorger sind besonders teuer
In der Stromgrundversorgung wurden Stromkunden im ersten Halbjahr 2020 mit teilweise erheblichen Preiserhöhungen konfrontiert. Wie Enet in einer Meldung vom 4. Juni bestätigt, lag die durchschnittliche Teuerung bereits zum 1. März bei fünf Prozent. In 516 Postorten lag die Preiserhöhung bei über zehn Prozent, in 3.445 Fällen bei durchschnittlich 8,9 Prozent. „Zum 1. Mai verteuerten sich die Grundver­sorgungstarife in weiteren 1.226 Postorten, in 1.150 davon um mehr als 10 Prozent – im gewichteten Durchschnitt sogar um 13,3 Prozent“, fasst die Redaktion des Energieanalysten auf dessen Internetpräsenz zusammen. Nirgendwo blieben die Preise gleich oder sanken.

Nachvollziehbar sind die markanten Preiserhöhungen bislang nicht. Stattdessen macht sich angesichts des Zeitpunkts der Bekanntgabe vieler Preissteigerungen zusätzlich Unmut breit. Laut Enet fielen die neuen Preise der Energieversorger umso höher aus, je später diese in Kraft traten. Das erweckt den Eindruck, dass die Anbieter besonders deutliche Preisanpassungen bewusst zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt haben, um die erhöhte Aufmerksamkeit zu umgehen, die das Thema Strompreis zum Jahreswechsel auf sich zieht.

Die Verbraucherzentrale Bundesverband kritisiert die Intransparenz der Stromnetzentgelte ( wir berichteten), die über ein Fünftel der Stromrechnung ausmachen.

Alternative Stromlieferanten wählen
Für Verbraucher ergeben sich aber auch attraktive Chancen in der Krise. Anhand der Analyse wird deutlich, dass es zwischen den Stromversorgern erhebliche Preisunterschiede gibt. Die Differenz zwischen dem teuersten und günstigsten Versorger liegt demnach bei über 48 Prozent. Da Grundversorger grundsätzlich als teuer gelten, lohnt sich der Blick auf alternative Stromanbieter. Der Preisunterschied erklärt sich unter anderem mit der Belieferungspflicht der Grundversorger. Sie müssen auch diejenigen Kunden mit Energie beliefern, die eine schlechte Bonität aufweisen. Diese Pflicht geht mit einem höheren finanziellen Risiko einher, welches sich an der Preisgestaltung bemerkbar macht. Dank der kurzen Kündigungsfrist (14 Tage) können sich Haushalte kurzfristig von Grundversorgungstarifen verabschieden und zu einem anderen Stromanbieter wechseln.

Verbraucher, die nicht nur auf konventionelle Energiequellen wie Atomkraft verzichten möchten, sondern eine nachhaltige Lösung ohne Tierleid suchen, dürfen sich nicht allein an Ökostrom orientieren. Der Grund: Auch bei der ökologischen Stromerzeugung mit Erneuerbaren Energien werden Lebensräume zerstört und Arten gefährdet. Der vegane Stromanbieter GreenStone Energy mit Sitz in Berlin erklärt online, welche Energiequellen Tieren keinen Schaden zufügen. Dabei werden Solarenergie, Gezeitenkraft und Geothermie genannt. Die Tierrechtsorganisation PETA empfiehlt den genannten Stromanbieter und begründet dies mit der Tatsache, dass es sich bei den drei Energiequellen um tierfreundliche und klimaschonende Lösungen handelt. „Wärme aus dem Erdreich lässt sich ohne große Eingriffe in Ökosysteme nutzbar machen und bei Gezeitenkraftwerken nutzt man Ebbe und Flut“, heißt es seitens des PETA Teams. Viele Photovoltaikanlagen würden wiederum auf ungenutzten Dächern und brachen Ackerflächen stehen.

Profitieren von Boni und Sachprämie
Erhebliches Sparpotenzial können sich wechselfreudige Verbraucher zunutze machen. Markante Sofort- und Neukundenboni sind beispielsweise immer dann interessant, wenn der jährliche Vertragswechsel kein Problem darstellt. Viele dieser Angebote sind nur dann lohnenswert, wenn nach dem ersten Vertragsjahr, das in der Regel Voraussetzungen für die Auszahlung der Boni ist, erneut zu einem anderen Stromanbieter gewechselt wird. Das zweite Jahr ist oft verhältnismäßig teuer, sodass die zunächst günstigen Lockangebote verpuffen. Allerdings muss beim jährlichen Wechsel im Zusammenhang mit dem Neukundenbonus sorgfältig darauf geachtet werden, dass der Haushalt tatsächlich als Neukunde betrachtet werden kann. Viele Stromanbieter heißen zwar anders und vermarkten sich unter Eigenmarken, sind aber Teil des identischen Konzerns.

Wird innerhalb dieses Markenwirrwarrs gewechselt, ist ein Neukundenbonus hinfällig. Auch bei Sachprämien ist Vorsicht geboten: Sind Fahrräder, Waschmaschinen und andere Prämien an eine Strom-Mindestabnahmemenge gekoppelt, kann es am Jahres- beziehungsweise Vertragsende teuer werden. Wurde die vertraglich vereinbarte Energiemenge nicht verbraucht, dürfen die Stromanbieter die ausgehändigten Prämien beispielsweise in Rechnung stellen.
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