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Mi, 10:00 Uhr
27.05.2020
Clubhaus plant E-Sport EM

Die Europameisterschaft kommt nach Nordhausen

Die Bundesliga ist im Geistermodus, die Europameisterschaft ist abgesagt - für Fußballfreunde bringt die Corona-Krise ihre ganz eigenen Härten mit. Im Jugendclubhaus will man jetzt Abhilfe schaffen und die EM digital nach Nordhausen holen…

Die Europameisterschaft wird digital (Foto: Prexels, Pixabay.com) Die Europameisterschaft wird digital (Foto: Prexels, Pixabay.com)


Am 12. Juni hätte das Leder rollen sollen, Italien gegen die Türkei, Kick-Off für die Europameisterschaft 2020 in Rom. Danach Baku, Kopenhagen, St. Petersburg, London - die EM sollte in diesem Jahr ein kontinentales Spektakel werden, das es so in der Geschichte des Wettkampfes noch nicht gegeben hat. Dann kam Corona und Trauer allenthalben, nicht nur unter hartgesottenen Fußballfans. Schließlich locken die großen, internationalen Wettbewerbe auch viele vor den Fernseher, die sich sonst eher weniger für das Runde und das Eckige interessieren.

Das Nordhäuser Jugendclubhaus will es dabei nicht bewenden lassen und hat sich vorgenommen, die Europameisterschaft nach Nordhausen zu holen. In digitaler Form. Pünktlich zum eigentlichen Turnierstart können 24 Spieler mit den entsprechenden Mannschaften im Computerspiel „FIFA 2020“ gegeneinander antreten und den Kampf um den Pokal am Bildschirm ausfechten. Der digitale Kick wird das Clubhaus dann per Videostream auf der Plattform „Twitch“ live übertragen.

Streamingplattformen wie „Twitch“ spielen im Lebensalltag der Jugend eine zunehmend große Rolle, erzählt Christoph Rode, der im Haus als Herr der Technik über die Wettkämpfe wachen wird. Technik, die sich nicht jeder leisten kann. Das High-End Gerät, das man im Clubhaus stehen hat, konnte man sich dank der Unterstützung der Wohnungsbaugenossenschaft Südharz anschaffen, vielen Jugendlichen bleibt der Zugang aus den eigenen vier Wänden hingegen verwehrt. Die Möglichkeit statt der teuren Investition auf das Clubhaus auszuweichen, wird vom Zielpublikum bereits jetzt genutzt, berichtet Rode. Erst in der vergangenen Wochen versuchte sich wieder ein Trio auf dem Kanal des Kreisjugendrings (KJR) Online-Plattform.

So wird gespielt
Über das neue Angebot und die „Twitch-EM“ will man vor allem das jugendliche Publikum ansprechen, grundsätzlich kann aber jeder mitmachen, unabhängig vom Alter. Für jüngere Spieler wird eine Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigten benötigt, da im Stream auch das Konterfei der Kontrahenten per „green-screen“ Technik im Internet übertragen wird. Ein erster Testlauf im Februar war gut angenommen worden, mit der EM soll die nächste Phase des Experiments eingeläutet werden. Gespielt wird nach den Originalansetzungen im „Eins-gegen-Eins“. Das heißt: je ein Spieler hat die Kontrolle über eines der Teams im aktuellen EM-Kader, die Zuweisungen werden ausgelost. Stärken und Schwächen der echten nationalen Mannschaften bleiben außen vor, im elektronischen Sport soll der „Skill“, die Fähigkeit der Spieler am Controller, nicht die Simulation im Vordergrund stehen. In der elektronischen Auseinandersetzung hat also auch ein internationaler "Fußballzwerg" eine reele Chance, gegen die großen Fußballnationen dieser Welt zu bestehen, wenn der Spieler vor dem Bildschirm ausreichend "Skill" mitbringt.

Gepaart wird das Turnier mit dem Guten Zweck. Jedem Spieler wird eine gemeinnützige Vereinsinitiative zugelost. Gelingt der Titelgewinn, darf sich der Verein über ein Preisgeld von 300 Euro freuen, für Platz zwei und drei sind Preisgelder in Höhe von 200 und 100 Euro ausgewiesen. Unterstützt wird das Clubhaus dabei von der Kreissparkasse und der Nordhäuser Marktpassage. Die Anmeldung für Digital-Kicker wie interessierte Vereine erfolgt über die Website des Kreisjugendrings.

Neben dem internationalen Wettbewerb soll auch das Lokale seinen Niederschlag im Netz finden. Abseits der EM plant das Clubhaus auch die Kreisliga vom Stand des letzten Spieltages vor Corona am Bildschirm zu einem Abschluss zu bringen. Dazu will man Spieler aus den einzelnen Vereinen gewinnen, die im passenden Trikot das digitale Leder in den Kasten hauen.

Online-Technik für Jedermann
Der elektronische Schlagabtausch soll vor allem für Unterhaltung sorgen ist aber nur ein Bestandteil der grundsätzlichen Neuausrichtung des Clubs, die Hausleiter Rode und dem Chef des Kreisjugendrings, Thomas Herwig, vorschwebt. Den Zugang zur digitalen Technik will man nicht nur der Nordhäuser Jugend ermöglichen, das Clubhaus soll mit den Mitteln des 21. Jahrhunderts ein soziokulturelles Zentrum für den ganzen Landkreis werden. „Das Motto heißt: „sharing is caring“. Wir bieten die Infrastruktur, nutzen kann sie grundsätzlich jeder“, sagt Herwig. Mit Schülern des Humboldt-Gymnasiums hat man jüngst einen Podcast aufgenommen, für Vereine oder Einzelpersonen kann man den „Zoom“-Account des Kreisjugendrings zur Verfügung stellen. Mit dem Videochat-Programm werden professionelle Meetings und sogenannte „Webinare“ mit bis zu 100 Teilnehmern möglich. Denkbar sind sowohl gemeinnützige wie auch gewerbliche Angebote, wobei man bei Ersterem lediglich einen kleinen Unkostenbeitrag verlangen würde, erklärt der KJR-Chef.

Zeit für den Anpfiff
Entgegen der alten Fußballweisheit werden die Spiele der Nordhäuser E-Sport EM übrigens nicht 90 Minuten dauern. Die Ergebnisse der Partien soll nach einer guten halben Stunde feststehen, sodass auch mehrere Matches an einem Tag absolviert werden können. Die Kontrahenten wird man, im Einklang mit den Corona-Regeln, in ausreichendem Abstand zueinander positionieren. Damit dem gepflegtem Kick nichts im Wege steht, wird man sich in die Ansetzung der Spieltage flexibel nach den Bedürfnissen der Spieler gestalten. Das Finale soll aber, wie bei der echten EM auch, am 12. Juli über die Bühne gehen. Wem das Zuschauen mehr liegt als das spielen, der findet den Twitch-Kanal des KJR hier.
Angelo Glashagel
Bild von Pexels auf Pixabay
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Kommentare

27.05.2020, 10.13 Uhr
Ben_NDH | Tolle Aktion
Ich finde es super das eine Einrichtung wie das Jugendclubhaus ständig versucht neue Wege zu gehen und das gerade in der aktuellen Zeit.
Schade das ein solches Haus um den weiteren Fortbestand kämpfen muss. Macht weiter so! Ich bin schon gespannt auf die nächsten Ideen

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27.05.2020, 16.49 Uhr
Wolfi65 | Wirklich erstaunlich
Wie man mit aller Kraft versucht, wieder Leben in die Bude zu bekommen.
Man muss bloß aufpassen, dass die Wiederbelebung nicht lächerliche Züge bekommt.

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