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Do, 19:00 Uhr
09.04.2020
nachgefragt:

Kurzarbeit im Südharz Klinikum?

In nahezu allen Bereichen des wirtschaftlichen Lebens wird kurz gearbeitet. Doch wie sieht es damit im Südharz Klinikum in Nordhausen aus? Wir haben beim Geschäftsführer Guido Hage nachgefragt…

Intensive Medizin (Symbolbild) (Foto: pixabay.com) Intensive Medizin (Symbolbild) (Foto: pixabay.com) Bild von Engin_Akyurt auf Pixabay

nnz: Herr Hage, ist es richtig, dass es auch im Südharz Klinikum Kurzarbeit gibt?

Guido Hage: Noch nicht. Wir sind gerade am Abschluss einer Betriebsvereinbarung, die Voraussetzung für Kurzarbeit ist. Wir werden nach Abschluss der Betriebsvereinbarung unverzüglich in etlichen Bereichen Kurzarbeit anmelden.

nnz: Wie kann das sein, da ja gerade dem Gesundheitssystem in diesen Zeiten so viel an Bedeutung seitens der Politik beigemessen wird?

Guido Hage: Mit dem angeordneten Runterfahren der “normalen” medizinischen Versorgung sind natürlich auch bei uns als größtem Arbeitgeber im Landkreis Nordhausen Überkapazitäten entstanden. Es ist schlicht und ergreifend nicht genug Arbeit da.

nnz: Können Sie das konkretisieren?

Guido Hage: Zu unserem Klinikum gehören nicht nur die stationären Bereiche, sondern wir erbringen unter anderem auch in Größenordnungen ambulante Leistungen wie Augen-Operationen oder ambulante Kontakte in unserem MVZ. So sind uns zum Beispiel elektive Behandlungen durch Verordnungen untersagt. Wir haben aber auch Wirtschaftsbereiche wie die Wäscherei, die Cafeteria, unsere Kantine, die Technik, die Medizintechnik, die ambulante Reha, die Funktionsdiagnostik oder das Labor, um nur einige zu nennen.

nnz: Aber erhält das Klinikum nicht für jedes, durch die aktuelle Situation bedingt, leere Bett eine Ausgleichszahlung?

Guido Hage: Das ist in der Theorie richtig, in der Praxis sehe ich jedoch Lücken. Allein der Vergleich der täglichen aktuellen Belegung mit dem Durchschnittwert aus dem Vorjahr hinkt gewaltig. Da die Belegung des Vorjahres durch Krankenkassenprüfungen (MDK) und damit einhergehenden Abrechnungskorrekturen nach unten bereinigt wurde, ist die Differenz zu den tagesaktuellen Daten zu niedrig. Das ist sehr komplex und würde jetzt zu weit führen es im Detail zu erklären. Die zusätzliche Schaffung von Intensivkapazitäten kommt auch nicht in Gang. So wurde vor rund drei Wochen angekündigt, dass jeder zusätzlich geschaffene Intensivbehandlungsplatz mit maschineller Beatmungsmöglichkeit mit 50.000 Euro gefördert wird. Am 27. März kam dann ein Schreiben, wo eine Antragsgenehmigung Voraussetzung für eine Förderung ist. Eine Anschaffung vor Genehmigung dieser zusätzlichen Kapazitäten könne förderschädlich sein. Da wir uns aus Erfahrung nicht auf Versprechen verlassen, haben wir nichts angeschafft und auch bis heute liegt kein Bescheid für die Erweiterung der Kapazitäten in Bezug auf Covid 19 vor. Wir sind in jedem Fall flexibel, sobald ein Zahlungseingang verzeichnet wird.

nnz: Wie gestalten Sie die Regelung zur Kurzarbeit?

Guido Hage: Zuerst sollten Überzeiten bei den Mitarbeitern abgebaut werden. Kommt es zur Kurzarbeit, dann gleichen wir als Arbeitgeber die Gehaltseinbußen zu 100 Prozent aus. Schließlich ist das Klinikum nicht durch schlechtes wirtschaftliches Arbeiten in diese Situation gekommen, sondern durch ein externes Ereignis und dem damit einhergehenden politischen Handeln. Daher wollen wir das nicht auf dem Rücken unserer Mitarbeiter austragen. Ich will an dieser Stelle aber auch sagen, dass wir innerhalb unserer Belegschaft auf viel Verständnis für die Maßnahmen treffen. Besonders gefragt ist hier unsere Personalabteilung.

nnz:Wieso das?

Guido Hage: Wir können nicht wie bei einem Unternehmen, das zum Beispiel Teile für die Automobilindustrie herstellt, pauschal Kurzarbeit anmelden. Bei uns muss das für jeden betroffenen Bereich und dann auch jeden dort beschäftigten Mitarbeiter individuell getan werden. So müssen Kriterien wie Resturlaub aus dem vergangenen Jahr oder Überstunden mit einbezogen werden. Auch mussten wir eine gesonderte Software für diese Situation beschaffen.

nnz: Der Verwaltungsaufwand ist also immens hoch?

Guido Hage: Ja, hinzu kommen aber noch die täglichen Schreiben aus den Thüringer Ministerien mit nahezu immer neuen Anweisungen, Anordnungen und gleichzeitig mitgeteilten Sanktionen, wenn erstere nicht umgesetzt werden.

nnz: Ein Beispiel?

Guido Hage: Bis gestern mussten wir unsere freien Intensiv- und Beatmungskapazitäten an das Thüringer Gesundheitsministerium melden. Mit Schreiben vom 8. April, also gestern, müssen wir an das Intensivregister DIVI melden. Dazu müssen wir uns neu anmelden und einen fachkundigen Arzt benennen, da die Abfrage detaillierter ist. Darüber hinaus wird darauf hingewiesen, dass die Verletzung dieser Registrierungs- und Meldepflicht eine Ordnungswidrigkeit darstellt und mit bis zu 25.000 Euro geahndet werden kann. Also in der Öffentlichkeit gibt es Solidaritätsbekundungen und per Schreiben dann Strafandrohungen. Da kann man sich ja nur herzlich bedanken.

nnz: Wie steuern Sie aktuell die Intensivkapazitäten?

Guido Hage: Die Steuerungsmöglichkeiten sind begrenzt. Die vorhandenen Intensivkapazitäten werden ja vorwiegend von Patienten mit schweren Unfällen, Herzinfarkten und komplexen Operationen benötigt. Daher sinkt aktuell der Bedarf an Intensivkapazitäten nur auf Grund der sinkenden Arbeitsunfälle. Gleichzeitig gibt es aber mehr Unfälle in Haus und Garten. Also das, was wir an Kapazitäten haben, brauchen wir auch regulär. Die abgesagten planbaren Eingriffe sind nur selten intensivpflichtig. Aber ich kann versichern, dass wir alles ermöglichen werden, um ein Höchstmaß an medizinischer Versorgung aufrecht zu erhalten. Und das mit der gebotenen Sorgfaltspflicht und dem Beachten aller Richtlinien. Unser Bestreben wird auch weiterhin sein, in erster Linie und vor allem unsere materiellen, technischen und personellen Kapazitäten für die Menschen in unserem Versorgungsgebiet zu gewährleisten.
Mit Guido Hage sprach Peter-Stefan Greiner
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Kommentare

09.04.2020, 20.05 Uhr
Maik2702 | Beatmungsgeräte
Habe ich das jetzt richtig gelesen das noch keine zusätzlichen Beatmungsgeräte bereit stehen so wie eigentlich vor ein paar Wochen zu lesen war ? Stand da nicht in einem Artikel das die Kapazitäten verdoppelt wurden . Das wäre ja ein starkes Stück wenn unser in Nordhausen Krankenhaus an der Deutschen Bürokratie scheitern würde . Von Versprechen kann kein Krankenhaus Rechnungen bezahlen.

8   |  1     Login für Vote
09.04.2020, 20.15 Uhr
Taiko | Kurzarbeit ?
Allein der Bereich der Hauswirtschaft umfasst 70 Mitarbeiter.
Von denen werden jetzt immer 10% in Kurzarbeit geschickt. Einen Monat lang. Einen Monat, bei dem jeden Menschen ohne Garten und Grundstück die Decke auf den Kopf fällt !
Zudem sind nicht mehr genügend Kräfte vorhanden, um ausser den Patientenzimmern eine Reinigung aller anderen Bereiche (Flure, Toiletten und Aussenbereiche). ausreichend zu realisieren.
Das Gespräch mit der Dame von der Hauswirtschaft als Quelle erfolgte heute Vormittag.

6   |  0     Login für Vote
09.04.2020, 22.40 Uhr
Pfleger | Kurzarbeit im Südharzklinikum
Zuerst möchte ich mal Danke sagen und in die Hände klatschen . Das ist ja in den sozialen Medien zurzeit angesagt . Davon kann sich nur niemand etwas kaufen ! Die Systemrelevanten Berufsgruppen merken nur absolute Überforderung und als Dank gibt es dann Kurzarbeit !? Was sagt die Hygiene dazu , wenn das Reinigungspersonal reduziert wird ? Die hygienischen Bedingungen sind auch ohne Corona im Südharzklinikum nicht optimal ! Das liegt vor Allem daran , daß einfach zu wenig Personal vorhanden ist . Nun also Kurzarbeit . Der Betriebsrat hat anscheinend Urlaub ? Es gibt keine Mitarbeiterinformation ! Das Pflegepersonal wird übrigens immer noch 15 % unter TVÖD gehalten und von Sonderzahlungen oder Tariferhöhungen ( Herr Spahn ??? ) ist keine Rede !!!??? Vom vielen Klatschen und Danke sagen wird unser Gesundheitssystem nicht besser und die Überlastung des Pflegepersonals und der Systemrelevanten Berufsgruppen ändert sich auch nach Corona nichts !!! Das ist das wirkliche Dilemma . Danke für NICHTS

9   |  0     Login für Vote
10.04.2020, 11.52 Uhr
katzenfreund | Welcher Betriebsrat
Ich schließe mich der Frage an, ob der Betriebsrat im SHK Urlaub macht? Nur welcher Betriebsrat? Der existierende Betriebsrat setzt sich doch nicht für die Belange der Mitarbeiter besonders der "kleinen Mitarbeiter" des Krankenhauses ein.

4   |  0     Login für Vote
10.04.2020, 18.02 Uhr
Teufel 2020 | Irgendwie passt das nicht zusammen, oder doch?
Am 18.03.2020 startete Herr Garzke, Assistent der Geschäftsführung im SHK, einen Aufruf zur Blutspende, am 23.03.2020 auch Herr Köhn, Verantwortlicher für
Öffentlichkeitsarbeit der Blutspende.
Am 08.04.2020 wurden die Mitarbeiter/innen der Blutspende informiert, dass auch für sie Kurzarbeit vorgesehen ist, Blutspendetermine sollen abgesagt werden. Irgendwie passt das nicht zusammen, oder doch?

2   |  0     Login für Vote
11.04.2020, 06.38 Uhr
tofa
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