Di, 17:00 Uhr
03.03.2020
Landratsamt richtet Pandemie-Krisenstab ein
Weiter keine nachgewiesenen Corona-Fälle
Noch ist das Corona-Virus nicht im Landkreis Nordhauen aufgetreten. Doch das scheint nur eine Frage der Zeit zu sein. Landrat Jendricke reagiert gewohnt pragmatisch, schart die Entscheidungsträger um sich und bereitet alles Mögliche vor …
Krisensitzung des Pandemie-Krisenstabes im Landratsamt
In einen Stabstelle für Gesundheit und Soziales sowie eine für Ordnung unterteilt sich der Pandemie-Krisenstab des Landkreises, in dem die beiden Beigeordneten Hannelore Haase und Stefan Nüßle, Pressesprecherin Jessica Piper, die Amtsärztin Dr. Ingrid Francke, der Chef der Leitstelle Tobias Mielke, Kreisbrandinspektor Daniel Kunze sowie Amtsleiter Gunnar Reuter und andere führende Mitarbeitr der Verwaltung vertreten sind. Sie alle saßen heute zur Pressekonferenz im kleinen Plenarsaal des Landratsamtes und unterrichtete die Presse.
Matthias Jendricke machte den Ernst der Lage klar und sagte: Wir müssen auftretende Einzelfälle selektieren und deren Kontaktpersonen ermitteln, wenn es zu nachgewiesenen Fällen kommen sollte. In so einem Fall kann es dann schnell gehen, dass Maßnahmen ergriffen werden.
Die gute Nachricht ist allerdings, dass es bis zur Stunde keinen akuten Fall gibt. Deshalb halten die Krisenstabsvertreter auch nichts von Veranstaltungsabsagen in den nächsten Tagen. Die Ausrichter von größeren Events wie Bühnenball oder Berufsmesse sollten selbst die Risiken einschätzen und dann entscheiden. Der Katastrophenschutz sei bestens ausgerüstet und technisch auf neustem Stand, achtzig Mitarbeiter stünden im Rettungsdienst bereit, nach Bedarf tätig zu werden. Allerdings wäre zu befürchten, dass durch einen erhöhten Krankenstand Mitarbeiter in verschiedenen Bereichen ausfallen können, die dringend gebraucht würden.
Schutzbekleidung ist ausrechend vorhanden, nach dem Vorfall mit den beiden chinesischen Studenten Anfang Februar hat der Landkreis für 50 000 Euro weitere Masken, Anzüge, Desinfektionsmittel, Kittel und Füßlinge angeschafft. Zusätzlich ist gestern eine weitere Bestellung bei einem Brandschutzausstatter geordert worden, dessen Preise nicht überzogen seien. Auch das Südharz Klinikum kenne die besten Beschaffungswege, wenn es dort knapp werden sollte.
Landrat Jendricke verwies darauf, dass es nicht möglich und auch nicht nötig sei, die komplette Bevölkerung mit Schutzanzügen auszurüsten. Die Behörde stattet ihre Beamten unterdessen wieder mit Dienstausweisen aus, damit die sich autorisieren können. Einige Vorsichtsmaßnahmen wie Zutrittsbeschränkungen sind schon erlassen, damit besonders wichtige Mitarbeiter, wie die 16 Kollegen der Leitstelle nicht zusätzlichen Gefahren ausgesetzt werden.
Einig sind sich Landrat und Amtsärztin Dr. Francke darin, dass Virus nicht mehr aufhalten zu können. Es käme nun darauf an, seinen verlauf zu hemmen und die Gefahren zu reduzieren. Besonders die extrem gefährdeten Bevölkerungsgruppen älterer Menschen und solcher mit Vorerkrankungen sollten ihre sozialen Kontakte freiwillig einschränken und sich jede Unternehmung genau überlegen.
In punkto Hamsterkäufe beruhigt der Landrat ebenfalls und versichert, dass die Versorgungslage stabil sei, kurzzeitige Engpässe wieder aufgefüllt würden. Grundsätzlich finde ich es gut, wenn die Leute sich für zwei Wochen bevorraten, um bei einer eventuellen Quarantäne gewappnet zu sein, stellte er klar. Auch dier Strom- und Wasserversorgung sei für Krisen gesichert.
Amtsärztin Francke bestätigte die Zahl von acht bisher zum weiteren Test eingeschickte Anfangsverdachtsfälle, von denen es aber aus den Laboren schon bei fünf wieder Entwarnung gibt.
Dennoch rät sie zur Vorsicht: Die Tücke des Virus liegt in der Art der Tröpfcheninfektion. Hier hilft nur gute Hygiene und möglichst einen Abstand von zwei Metern zu anderen Personen zu halten. Achtzig Prozent der mit dem Corona-Virus Infizierten entwickeln gar keine Symptome, können aber die anderen Menschen anstecken. Dieser Fakt stellt auch die Dramatik bezüglich der Eingrenzung dar, sagte die Medizinerin.
Erst wenn es nicht mehr gelingt bei einem Erkrankten die Quelle der Infektion zu verifizieren, kämen größere Einschränkungen für die Bevölkerung zur Überlegung.
Eine schlimmstenfalls angeordnete häusliche Quarantäne könnte auch von niemandem überwacht werden, da müssten die angesteckten Menschen selbst so viel Vernunft aufbringen, ihre Mitmenschen nicht zu gefährden. Geraten wird vom Krisenstab, bei einem persönliche Verdacht den Arzt oder eine der vielen im Internet geschalteten Hotline von Bundes- oder Länderbehörden telefonisch zu kontaktieren und nicht direkt zum Doktor zu gehen.
Vor allem sollten die Notdienste weiter für die echten Notfälle da sein können, beschwor Frau Dr. Francke.
Matthias Jendricke wies auch darauf hin, dass sein Amt nicht dafür zuständig sei, andere Einrichtungen oder Arztpraxen mit Schutzausrüstung zu versorgen. Vielmehr ist jede Institution selbst dafür verantwortlich, genügend Schutzbekleidung für ihre Mitarbeiter vorzuhalten. Die Anwesenden von Feuerwehr über Rettungsdienst bis zum Gesundheitsamt bestätigten das und versicherten ihrem Chef, gewappnet zu sein.
Wie immer es auch kommen wird in den nächsten Tagen und Wochen, die Vorbereitungen sind getroffen. Ob sie ausreichen werden und in welchem Maße die Epidemie den Südharz treffen wird, ist nicht vorherzusagen. Die große Hoffnung, die heute mehrfach geäußert wurde ist die, dass bei steigenden Temperaturen die Neigung des Virus sich zu vermehren nachlassen könnte und damit Zeit gewonnen wäre, einen Impfstoff zu entwickeln, der im Herbst zum Einsatz kommen könnte. Bis dahin gelte es mit Augenmaß und gesundem Menschenverstand der Entwicklung zu begegnen. Vor allem aber sollten wir die Ruhe bewahren und uns nicht durch wen auch immer in Panik versetzen lassen.
Olaf Schulze
Autor: redKrisensitzung des Pandemie-Krisenstabes im Landratsamt
In einen Stabstelle für Gesundheit und Soziales sowie eine für Ordnung unterteilt sich der Pandemie-Krisenstab des Landkreises, in dem die beiden Beigeordneten Hannelore Haase und Stefan Nüßle, Pressesprecherin Jessica Piper, die Amtsärztin Dr. Ingrid Francke, der Chef der Leitstelle Tobias Mielke, Kreisbrandinspektor Daniel Kunze sowie Amtsleiter Gunnar Reuter und andere führende Mitarbeitr der Verwaltung vertreten sind. Sie alle saßen heute zur Pressekonferenz im kleinen Plenarsaal des Landratsamtes und unterrichtete die Presse.
Matthias Jendricke machte den Ernst der Lage klar und sagte: Wir müssen auftretende Einzelfälle selektieren und deren Kontaktpersonen ermitteln, wenn es zu nachgewiesenen Fällen kommen sollte. In so einem Fall kann es dann schnell gehen, dass Maßnahmen ergriffen werden.
Die gute Nachricht ist allerdings, dass es bis zur Stunde keinen akuten Fall gibt. Deshalb halten die Krisenstabsvertreter auch nichts von Veranstaltungsabsagen in den nächsten Tagen. Die Ausrichter von größeren Events wie Bühnenball oder Berufsmesse sollten selbst die Risiken einschätzen und dann entscheiden. Der Katastrophenschutz sei bestens ausgerüstet und technisch auf neustem Stand, achtzig Mitarbeiter stünden im Rettungsdienst bereit, nach Bedarf tätig zu werden. Allerdings wäre zu befürchten, dass durch einen erhöhten Krankenstand Mitarbeiter in verschiedenen Bereichen ausfallen können, die dringend gebraucht würden.
Schutzbekleidung ist ausrechend vorhanden, nach dem Vorfall mit den beiden chinesischen Studenten Anfang Februar hat der Landkreis für 50 000 Euro weitere Masken, Anzüge, Desinfektionsmittel, Kittel und Füßlinge angeschafft. Zusätzlich ist gestern eine weitere Bestellung bei einem Brandschutzausstatter geordert worden, dessen Preise nicht überzogen seien. Auch das Südharz Klinikum kenne die besten Beschaffungswege, wenn es dort knapp werden sollte.
Landrat Jendricke verwies darauf, dass es nicht möglich und auch nicht nötig sei, die komplette Bevölkerung mit Schutzanzügen auszurüsten. Die Behörde stattet ihre Beamten unterdessen wieder mit Dienstausweisen aus, damit die sich autorisieren können. Einige Vorsichtsmaßnahmen wie Zutrittsbeschränkungen sind schon erlassen, damit besonders wichtige Mitarbeiter, wie die 16 Kollegen der Leitstelle nicht zusätzlichen Gefahren ausgesetzt werden.
Einig sind sich Landrat und Amtsärztin Dr. Francke darin, dass Virus nicht mehr aufhalten zu können. Es käme nun darauf an, seinen verlauf zu hemmen und die Gefahren zu reduzieren. Besonders die extrem gefährdeten Bevölkerungsgruppen älterer Menschen und solcher mit Vorerkrankungen sollten ihre sozialen Kontakte freiwillig einschränken und sich jede Unternehmung genau überlegen.
In punkto Hamsterkäufe beruhigt der Landrat ebenfalls und versichert, dass die Versorgungslage stabil sei, kurzzeitige Engpässe wieder aufgefüllt würden. Grundsätzlich finde ich es gut, wenn die Leute sich für zwei Wochen bevorraten, um bei einer eventuellen Quarantäne gewappnet zu sein, stellte er klar. Auch dier Strom- und Wasserversorgung sei für Krisen gesichert.
Amtsärztin Francke bestätigte die Zahl von acht bisher zum weiteren Test eingeschickte Anfangsverdachtsfälle, von denen es aber aus den Laboren schon bei fünf wieder Entwarnung gibt.
Dennoch rät sie zur Vorsicht: Die Tücke des Virus liegt in der Art der Tröpfcheninfektion. Hier hilft nur gute Hygiene und möglichst einen Abstand von zwei Metern zu anderen Personen zu halten. Achtzig Prozent der mit dem Corona-Virus Infizierten entwickeln gar keine Symptome, können aber die anderen Menschen anstecken. Dieser Fakt stellt auch die Dramatik bezüglich der Eingrenzung dar, sagte die Medizinerin.
Erst wenn es nicht mehr gelingt bei einem Erkrankten die Quelle der Infektion zu verifizieren, kämen größere Einschränkungen für die Bevölkerung zur Überlegung.
Eine schlimmstenfalls angeordnete häusliche Quarantäne könnte auch von niemandem überwacht werden, da müssten die angesteckten Menschen selbst so viel Vernunft aufbringen, ihre Mitmenschen nicht zu gefährden. Geraten wird vom Krisenstab, bei einem persönliche Verdacht den Arzt oder eine der vielen im Internet geschalteten Hotline von Bundes- oder Länderbehörden telefonisch zu kontaktieren und nicht direkt zum Doktor zu gehen.
Vor allem sollten die Notdienste weiter für die echten Notfälle da sein können, beschwor Frau Dr. Francke.
Matthias Jendricke wies auch darauf hin, dass sein Amt nicht dafür zuständig sei, andere Einrichtungen oder Arztpraxen mit Schutzausrüstung zu versorgen. Vielmehr ist jede Institution selbst dafür verantwortlich, genügend Schutzbekleidung für ihre Mitarbeiter vorzuhalten. Die Anwesenden von Feuerwehr über Rettungsdienst bis zum Gesundheitsamt bestätigten das und versicherten ihrem Chef, gewappnet zu sein.
Wie immer es auch kommen wird in den nächsten Tagen und Wochen, die Vorbereitungen sind getroffen. Ob sie ausreichen werden und in welchem Maße die Epidemie den Südharz treffen wird, ist nicht vorherzusagen. Die große Hoffnung, die heute mehrfach geäußert wurde ist die, dass bei steigenden Temperaturen die Neigung des Virus sich zu vermehren nachlassen könnte und damit Zeit gewonnen wäre, einen Impfstoff zu entwickeln, der im Herbst zum Einsatz kommen könnte. Bis dahin gelte es mit Augenmaß und gesundem Menschenverstand der Entwicklung zu begegnen. Vor allem aber sollten wir die Ruhe bewahren und uns nicht durch wen auch immer in Panik versetzen lassen.
Olaf Schulze



