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So, 13:14 Uhr
08.05.2005

Kränze zum 8. Mai

Nordhausen (nnz). Damit es nie wieder Gewaltherrschaft gibt, muß man sich an vergangene Schrecken erinnern. Der 8. Mai als Tag der Befreiung ist in Nordhausen ein traditioneller Anlaß.


Am 13. Mai 1945 wurde der Ehrenfriedhof von Nordhausens erstem Bürgermeister Otto Flagmeyer eingeweiht. Am 8. Mai 1945 war hingegen noch nicht an Feiern zu denken. Der Bürgermeister mußte einen Aufruf an die Bürger ausgeben, daß Plünderungen ab sofort mit dem Tode bestraft werden können. Dieser Aufruf wurde auch in polnischer Sprache verbreitet, denn plündernde Polen hatten bereits Anfang Mai Akten und Chroniken aus dem Stadtarchiv vernichtet.

Oberbürgermeisterin Barbara Rinke erinnerte heute an diese Zeit und las aus der Rede ihres damaligen Amtskollegen vor. „Über Deutschland läuten die Friedensglocken: ein schwerer Alpdruck ist von uns genommen, wir leben auf, und wir bedauern es wohl alle, daß es uns nicht vergönnt war, diese Friedensglocken einige Tage früher zu hören - dann wäre unsere schöne tausendjährige Vaterstadt erhalten geblieben.“ So sah Otto Flagmeyer im Mai 1945 das Kriegsende.

Barbara Rinke darf auf bessere Zeiten zurückblicken. Sie dankte für die 60 Jahre Frieden und verwies auf das zusammenwachsende Europa. Aus ehemaligen Kriegsgegnern seien Freunde geworden. In der europäischen Verfassung ist als erstes und wichtigstes Ziel die Demokratie festgehalten. Daran können sich auch die Nordhäuser in ihrer nun wieder schönen Stadt freuen.

Kreistagspräsidentin Birgit Keller erinnerte an die Leistungen aller Verbündeten der Anti-Hitler-Koalition und zog Bilanz in Zahlen. Mehr als 60 Millionen Menschen starben durch Kampfhandlungen und Zwangsarbeit, darunter sechs Millionen deutsche und elf Millionen sowjetische Soldaten. Über 200 von ihnen, die damals fast noch Kinder waren, liegen auf dem Nordhäuser Ehrenfriedhof. Für jedem wurde eine rote Nelke niedergelegt. Von 18 Millionen KZ-Häftlingen wurden 11 Millionen umgebracht oder durch Zwangsarbeit vernichtet. Sechs Millionen davon waren Juden. Birgit Keller warnte davor, Faschismus als Meinung zu akzeptieren. Deutschland brauche keinen starken Führer, sondern starke Demokraten und ein gutes Gedächtnis für die eigene Geschichte, sagte sie.

Im Anschluß an Reden und einen Gedichtvortrag legten Vertreter der Stadt und der Parteien Kränze am Denkmal für den sowjetischen Soldaten nieder. So viele Bürger wie 1945 waren nicht gekommen, aber damals wurden anläßlich der Feierstunde auch Ausweispapiere ausgegeben worden.
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