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Mi, 00:21 Uhr
19.06.2019
Wasserverband Nordhausen: Keine Bange vor Trockenheit

Talsperre ist gefüllt, doch Pläne bereiten Sorge

Der Nordhäuser Wasserverband verweist auf gutes Grundwasservorkommen in der Region. Die Talsperre bei Neustadt ist nach dem vergangenen Dürrejahr wieder ausreichend gefüllt. Also bitte entspannen...


Die Trinkwasserversorgung im Landkreis Nordhausen ist auch dann gesichert, wenn trockene Perioden in Zukunft zunehmen sollten. „Wir haben in unserer Region zum Glück Brunnen, die gut aus großen Grundwasserspeichern gespeist werden“, sagt Carmen Lis, die Geschäftsführerin des Nordhäuser Wasserverbandes (WVN).

Selbst im deutlich zu trockenen vergangenen Jahr war die Trinkwasserversorgung in Thüringens nördlichstem Landkreis immer problemlos. „Wir mussten nicht einmal Einschränkungen verhängen“, ergänzt die Verbandschefin. Rund 3,43 Millionen Kubikmeter Trinkwasser haben die etwa 76 000 Südharzer im Jahr 2018 verbraucht. Das waren rund 160 000 Kubikmeter mehr als 2017.

Der Großteil des Trinkwassers stammt im Südharz aus der Erde: 16 Brunnen fördern 68 Prozent des gesamten Trinkwassers, hinzu kommt eine Quelle bei Hamma. 32 Prozent sind Oberflächenwasser, das liefert die Talsperre bei Neustadt. Die gehört der Thüringer Fernwasserversorgung, der Wasserverband kauft das Trinkwasser dort ein.

Das Talsperrenwasser hat eine besondere Bedeutung, da es im Wasserwerk in Nordhausen mit Brunnenwasser gemischt wird, das aufgrund des Gipskarsts im Südharz recht sulfathaltig ist. Rund 60 000 Menschen erhalten aus dem Wasserwerk in der Alexander-Puschkin-Straße ihr Trinkwasser.

„Die Talsperre ist aktuell wieder gut gefüllt“, so Lis weiter. Wurden Weihnachten 2018 nur noch knapp 500 000 Kubikmeter Wasser gemessen, so stieg der Wasserinhalt von Januar bis April dieses Jahres wieder auf über eine Million Kubikmeter.

Maximal fasst das Becken 1,3 Millionen Kubikmeter. Sollte sich in den kommenden Monaten eine ähnlich trockene Wetterlage wie im vergangenen Jahr einstellen, sei das für die Versorgung mit Trinkwasser problemlos, stellt Lis klar.

Mittel- und langfristig werde der Verband aber auf die geänderten Klimabedingungen reagieren, kündigte die Geschäftsführerin an. Über ein Monitoring wird der Wasserversorger die Grundwasserressourcen im Versorgungsgebiet verstärkt beobachten, um rechtzeitig auf mögliche Grundwasserveränderungen reagieren zu können.

Das Grundwassersystem ist sensibel: Lis verweist in diesem Zusammenhang auf Pläne der Thüringer Landgesellschaft mbH. Die realisiert die Renaturierung der Oberen Zorge im Rahmen der EU-Wasserrahmenrichtlinie: Hierbei soll wohl auch das Zorgewehr am Nordhäuser Stadtpark zurückgebaut werden. In unmittelbarer Nähe liegen jedoch wichtige Trinkwasserbrunnen. Unter anderem die Kurhaus-Brunnen, eine von zwei leistungsstarken Brunnengalerien, die das Wasserwerk in der Puschkinstraße versorgen. „Wir wissen nicht, wie sich ein solcher Eingriff auf die Gewinnungskapazitäten in diesem Bereich auswirkt, wenn das zwei Meter hohe Wehr einfach zurückgebaut wird, denn die Brunnen fördern nicht nur Grundwasser, sondern ziehen auch Uferfiltrat der Zorge“, gibt Lis zu bedenken.

Deshalb müssten in heutigen Zeiten solche Eingriffe gut voruntersucht und verschiedene Varianten insbesondere auch gesamtheitlich auf ihre Naturverträglichkeit hin betrachtet werden. „Dabei geht die Trinkwasserversorgung der Menschen immer vor“, sagt Lis abschließend.

Der WVN ist der größte Trinkwasserversorger im Landkreis Nordhausen. Er versorgt rund 76.000 Menschen im Norden Thüringens. Bild von Boke9a auf Pixabay
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Kommentare

19.06.2019, 09.36 Uhr
Peppone | Der Witz des Tages
Der Rückbau eines Wehr's soll auf seine "Naturverträglichkeit" geprüft werden. Ein bisschen spät, oder?

Mein Vorschlag wäre, bei der Errichtung von künstlichen, wasserwirtschaftlichen Anlagen die "Naturverträglichkeit" zu prüfen. Und keine Angst, ich lebe Luftlinie nur ein paar Meter entfernt von einem zurück gebauten Wehr. Meine Familie ist weder verdurstet noch sind meine Brunnen versiegt.

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