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Mo, 11:54 Uhr
10.09.2001

Reemtsma in Nordhausen vor dem Aus!

Nordhausen (nnz). Der Nordhäuser Reemtsma-Standort soll geschlossen werden. Entsprechende Pläne sind der nnz von der Konzernzentrale in Hamburg bestätigt worden. Fast 230 Arbeitsplätze stehen damit in der Rolandstadt auf dem Spiel.


Es war fast auf den Tag genau vor elf Jahren. Man schrieb den 11. September 1990. Großer Bahnhof in Nordhausen. Die Treuhand übergab die damalige NORTAK als einen der ersten DDR-Betriebe an die Wirtschaft, sprich an den Hamburger Reemtsma-Konzern. Die besten Wünsche begleiteten vor allem die Mitarbeiter: "Alles wird gut". Daß bereits Hunderte von Arbeitsplätzen abgebaut wurden, na gut, der Übergang von Plan- zu Marktwirtschaft verlangte Opfer. Die, die den Übergang "überlebten", die gehörten zu den Glücklichen. Sie arbeiteten in einer Branche, die relativ sicher war, geraucht wird immer und die DDR-Marken hatten die Wende überlebt. Das war vor elf Jahren.

Marco Müller ist sauer Im Jahr 2001 gilt das alles nicht mehr. Der Standort ist aus Konzernsicht zu ersetzen, die Produktion wird übernommen. Ob die fast 230 Mitarbeiter übernommen werden, das allerdings steht auf einem anderen Blatt? In Nordhausen war am Vormittag Krisensitzung angesagt, der Chef des Gesamtbetriebsrates, Gerhard Züchner, beriet mit seinen Kollegen über die künftige Verfahrensweise. Noch habe man aus der Hamburger Zentrale keinen Verweis auf ein Datum der Schließung. "Wir sind schockiert von der Entscheidung", so Züchner im nnz-Gespräch. Die Nachricht muß verarbeitet, dann soll ein "Schlachtplan" ausgearbeitet werden. Betriebsrat und Gewerkschaft wollen einen Sozialplan aufstellen, wollen um jeden Mitarbeiter kämpfen. Für Züchner ist die beabsichtigte Schießung des Nordhäuser Standortes auch persönlich eine Katastrophe. Er ist sozusagen ein "Nordhäuser Gewächs", stammt aus diesem Werk, hat mit den jetzigen Kollegen teilweise über Jahrzehnte zusammengearbeitet.

Wer jedoch im nnz-Archiv sucht, der wird auf Schwierigkeiten am Nordhäuser Standort aufmerksam, die sich bereits zu Jahresbeginn anbahnten. Die damalige Produktionsflaute kam allerdings für den Leiter der Zigarettenproduktion, Gerd Hauschild, nicht überraschend. In den ersten Monaten eine jeden Jahres müsse die Produktion gedrosselt werden, so Hauschild in der nnz. Bestätigt wurde die Aussage von Betriebsratschefin Sylvia Rätsch. Beide gaben sich optimistisch, dass die Kollegen für den Rest des Jahres sogar Überstunden in Kauf nehmen müssten.

Für Marco Müller (siehe nnz-Foto) ist das blanke Ironie. Der 33jährige gelernte Schlosser, ist stocksauer: "Ich verstehe es nicht. Die machen mit uns, was sie wollen. Jetzt zehn Jahre nach Übernahme, gibt es keine Fördermittel mehr und man schließt dann einfach so den Betrieb. Es hängen fast 230 Arbeitsplätze daran. Viele Arbeiter sind verheiratet und haben Kinder, wie soll es für die weitergehen. Ich wollte eigentlich morgen in den Urlaub. Das geht nun nicht, weil ich sehen muss, wie ich wieder einen Job bekomme. Eine Reiserücktrittsversicherung habe ich auch nicht abgeschlossen. Das konnte ja keiner ahnen. Ich habe durch diese Sache doppelt verloren."

Gewonnen hat allerdings der Konzern in Hamburg. Da ist die Rede von einer Reorganisation und Straffung der Strukturen. "Dies wird selbstverständlich in Abstimmung mit den zuständigen Gremien und Belegschaftsvertretungen geschehen", heißt es in einer heutigen Pressemittelung. Und weiter: "Um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu erhalten, soll die Produktion des kleinsten deutschen Betriebs des Konzerns in die beiden Standorte integriert werden. Alle 228 Mitarbeiter des Werkes Nordhausen werden ein Arbeitsplatzangebot in Hannover-Langenhagen bzw. Berlin erhalten. Darüber hinaus ist für den deutschen Konzerteil bereits eine Reorganisation und Straffung der Strukturen angelaufen, um die Wirtschaftlichkeit des gesamten Unternehmens zu sichern".
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