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Fr, 09:00 Uhr
12.10.2018
Nachgefragt

Politisches Zahlenspiel im Nordhäuser Rathaus

Die Ereignisse in Chemnitz mit all ihren politischen Nachwehen haben eines verdeutlicht: noch nie war die Gesellschaft dieses Landes so gespalten wie sie es seit Beginn der Flüchtlingskrise ist. Und das treibt gerade in Nordhausen seltsame Blüten. Zum Beispiel im Rathaus...

Straßenszene in Chemnitz am vergangenen Sonntag (Foto: nnz) Straßenszene in Chemnitz

Tausende Artikel in den unterschiedlichsten Medien hatten sich "nach Chemnitz" dieser Spaltung der Gesellschaft gewidmet. Normalerweise brauchte man nur den Namen des Mediums zu erheischen, um den Trend des Beitrages zu erahnen.

Deutschlands größte Boulevardzeitung ist einer Stimmung in Chemnitz nachgegangen, die viele Chemnitzer so beschreiben: Wir trauen uns - wenn es dunkel wird - nicht mehr in die Innenstadt. Nun, das kann ein Gefühl sein, doch die Bild-Zeitung forderte von der Stadtverwaltung Zahlen ab. Und zwar die der männlichen Einwohner zwischen 18 und 29 Jahren. Das Ergebnis - in der Überschrift zusammengefasst: Jeder vierte junge Mann in Chemnitz ist Ausländer. Wir wollen das hier nicht bewerten, ob allein diese Zahlen als Ursache für die Probleme herangezogen werden können, aber Zahlen sind nunmal feste Konstanten. Eine 2 ist eine 2, auch wenn vor allem Politiker vielleicht eine 1 daraus machen würden. Oder eine 3, wie es gerade passt.

Der Versuch: Was die Bild in Chemnitz gemacht hat, das wollten wir auch in Nordhausen machen und da beginnt die Geschichte der politischen Zahlenspielerei im Rathaus der Rolandstadt. Am 1. Oktober schickte die nnz eine Anfrage an die Rathaus-Pressestelle: "Wir hätten gern (zeitnah wie immer) einige statistische Angaben zur Nordhäuser Bevölkerung: Zum einen interessieren uns alle männlichen Nordhäuser im Alter zwischen 16 und 29 Jahren. Zum anderen alle männlichen Ausländer in dieser Altersgruppe, die gemeldet sind. Als Vergleich zu den aktuellen Angaben bitte auch die aus dem Jahr 2014. Vorab vielen Dank."

Die Antwort aus dem Rathaus ließ nicht lange auf sich warten und machte neugieriger, denn sie war eine Frage: "...soll zwischen EU-Ausländer und Nicht-EU-Ausländern, Haupt- und/oder Nebenwohnsitz differenziert werden?" Ehrlich gesagt, das hätte ich nicht erwartet und war froher Hoffnung, die einen Tag später jedoch begraben werden musste. Die Antwort aus dem Rathaus war eine Tabelle, die die einzelnen Altersgruppen (von 15 bis 30) Ende 2014 und Ende 2016 auflistete. Eine Unterscheidung zwischen Deutschen und Ausländern war nicht aufgeführt.

Hier wollen wir einschieben, dass wir uns im Vorfeld bei kommunalen Fachleuten erkundigt hatten, ob eine solche differenzierte Auskunft technisch möglich sei? Die Antwort: kein Problem!

Also nochmal die Frage gestellt und drei Tage folgende Antwort: "Mit Stichtag 31.12.2017 lebten in Nordhausen insgesamt 3421 männliche Personen im Alter zwischen 16 und 29 Jahren. In der o.g. Zahl sind Deutsche und Ausländer enthalten. Die Zahlen der ausländischen Mitbürger können in der Ausländerbehörde vom Ausländerzentralregister abgefragt werden. Dies haben Sie ja auch bereits hier praktiziert http://www.nnz-online.de/news/news_lang.php?ArtNr=234951. Ein entsprechender Vergleich mit 2014 (männliche in Nordhausen lebende Personen zwischen 16 und 29 Jahren) ist im Bürgerservice nicht möglich, da Gebietsstrukturen dazu kamen."

Das haute den Autor dieses Beitrages fast vom Hocker und treibt ihn zur Vermutung, dass die Herausgabe von Zahlen, die auch nur annähernd etwas mit "fremden Menschen" zu tun hat, politisch nicht gewollt ist. Der Verweis auf den Paragraph 4 des Thüringer Pressegesetzes soll sich erübrigen, dort ist eindeutig festgestellt, dass eine Behörde zur Auskunft an Medien verpflichtet ist.

Die politische Zahlenverschwiegenheit macht natürlich neugierig und so stellten wir die gleiche Anfrage an das Statistische Landesamt. Das kennt die Auskunftspflichten gegenüber der Presse und schickte alle Zahlen innerhalb weniger Stunden: Ähnlich der Intention des Bild-Artikels kann für Nordhausen folgendes ausgesagt werden: Im Alter von 16 bis unter 30 Jahren gab es Ende 2013 einen Ausländeranteil von rund 9 Prozent (3.561/322). Ende 2017 stieg dieser Anteil auf 22,5 Prozent (3.384/736). Das bedeutet, fast jeder vierte junge Mann in diesem Alterssegment ist Ausländer.

In den Zahlen sind natürlich auch junge Ausländer inbegriffen, die zum Beispiel an der Hochschule studieren, die sich am Studienkolleg eingeschrieben haben. Aber: die studierten und lernten auch 2013 schon am Nordhäuser Weinberg. Es sind also die sogenannten Alleinerziehenden Männer, die als Flüchtlinge und mittlerweile anerkannte Asylbewerber auf Nordhäuser Straßen und Plätzen wahrgenommen werden. Mit den unterschiedlichsten Wahrnehmungen und so werden aus Zahlen Gefühle.

Übrigens: Wir fragten dann sicherheitshalber noch bei den Statistikern nach, auf welcher Basis die denn ihre Zahlen zusammenstellen? Die Antwort, vielleicht ahnen Sie es: Die liefern die Kommunen, respektive deren Einwohnermeldeämter.

Aber jetzt noch mal schnell zurück zum Nordhäuser Rathaus. Es kann ja sein, dass die Nicht-Herausgabe von einfachen Zahlen nicht ein spezielles Phänomen der Rathauspitze am Markt ist, sondern alle Kommunen betrifft. Also fragten wir in Sondershausen an und nicht mal 24 Stunden später wurden uns alle Zahlen geliefert. Denen zufolge stieg der Ausländeranteil in der definierten Altersgruppe von zwei Prozent Ende 2012 auf 17 Prozent Ende vergangenen Jahres an.

Vielen Dank an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landesamtes und der Sondershäuser Stadtverwaltung. Und vielen Dank an das Nordhäuser Rathaus, das vermutlich nicht nur die entsprechenden Gesetze nicht kennt, sondern Zahlen bewusst nicht herausgibt.

Fazit: Viel ist in den zurückliegenden Jahren über manipulierte Nachrichten berichtet worden. Ja, die gibt es es. Möglichkeiten der Nachrichten-Manipulation gibt es viele. Eine davon ist das Verschweigen oder aber die Nicht-Herausgabe von Zahlen.
Peter-Stefan Greiner
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Kommentare

12.10.2018, 09.37 Uhr
N. Baxter | nichts neues in Ort oder West
Danke Herr PSG.

Schauen Sie sie doch die aktuellen Umfragen an, hier bedarf es auch keiner Verschleierung mehr. Die meisten Bürger haben nämlich verstanden, wenige blaue, grüne und rote Resistente leben noch in ihre eigenen Welt.
12.10.2018, 09.40 Uhr
Leser 3421 | Vielen Dank PSG,
Sie sind der Stachel im Forunkel "Nordhäuser System".

Vielen vielen Dank und weiter so!

Peter Ungeman
12.10.2018, 10.08 Uhr
Paulinchen | Traurig - einfach nur traurig
Auf diese Art und Weise befeuert die Stadtverwaltung die Gerüchteküche unnötig und zusätzlich. Kann es sein, dass die Auskunft vielleicht auch gar nicht gegeben werden kann, weil in Sachen Zuwanderung/Zuzug noch immer das totale Chaos herrscht und dies auch in unserer Rolandstadt?

Oder ist es dadurch möglich Gelder in dunklen Kanälen zu versenken? Somit kommen Fragen über Fragen dabei auf.

Man kann sich manchmal Probleme schaffen, die vielleicht gar keine sind.....
12.10.2018, 10.40 Uhr
M. Gerlach | Gratuliere....
..... Sowas nenne Ich Journalismus. Weiter so
12.10.2018, 10.42 Uhr
Nörgler | Überheblichkeit
Das ist für mich ein Zeichen von Arroganz. Eine Demonstration von Überheblichkeit. Unter dem Motto, wir geben nur das an Informationen, was wir wollen und wie wir es wollen. Gesetze hin oder her, die gelten eh nur für andere.
12.10.2018, 10.49 Uhr
Pe_rle | Zahlen
Danke PSG
genau so stelle ich mir das Nordhäuser Rathaus vor.
Bei Herrn Polle konnte man nicht bis 10 zählen ,und für eine Anfrage der Presse geht gleich gar nichts mehr
12.10.2018, 11.26 Uhr
H.Freidenker | es gibt sie noch !
die Stimme, durch und für einen freien Journalismus.
Danke Herr Greiner

Wenn die Mitarbeiter einer Behörde, Informationen nicht an die Presse geben, wie sieht es dann erst in den Köpfen der Verantwortlichen aus.
Sollten sich die Mitarbeiter nicht auf eine Dienstanweisung zu ihrer Verschwiegenheit berufen können, dann sind wohl spätestens hier, arbeitsrechtliche Maßnahmen erforderlich.

Eine Stellungnahme des verantwortlichen Leiters des Bürgerbüros, ist das Mindeste, was man hier erwarten sollte!
12.10.2018, 12.00 Uhr
henry12 | "Leben wir in „Verrücktenstadt“?"
Damit bekommt der gleichnamige, nicht kommentierbare Artikel eine ganz andere Bedeutung.
Herr Greiner, solche blasphemischen Gedanken kommen aber auch wirklich nur daher, weil Sie denken, Sie und andere Undankbare wären das Volk !
- Ironie off -
12.10.2018, 12.37 Uhr
Overhead | So ist das nun mal
Dieser Artikel zeigt in was für einem Land bzw. Stadt wir leben. Man muss annehmen wir werden nur noch von Versagern regiert. Keiner weiß was, keiner kann was und so geht Deutschland den Bach runter.

Hauptsache den politischen Damen und Herren samt ihren Vasallen geht es gut. Die frage ist nur wie lange noch? 1989 lässt grüßen.
12.10.2018, 13.14 Uhr
Leo 1A5 | Ich halte es
da eher mit Peter Scholl-Latour

,, wenn man Afrika nach Deutschland holt hilft man nicht Afrika sondern macht Deutschland zu Afrika"

Übrigens wie soll man im Rathaus auf eine Anfrage antworten wenn bei 3+0+2+3+1 = schon 10 rauskommt statt 9

Da blamiert man sich ja bei jeder größeren Rechenaufgabe bis auf die Knochen.

Wieviel hat das Projekt ,,Goldene Aue" gekostet?

Was wurde für das Feuerwehrtechnische Zentrum bisher verballert?

Wenn ich da mal eine Kosten/Nutzen Rechnung mache Junge Junge was da rausgeknallt wird Sinnlos.

Da könnte man auch vor dem Rathaus eine 12m hohe ewige Flame aus Mamor errichten und schließt diese mit Gas an und obendrüber einen großen 100 Schein aus Granit der symbolisch verbrannt wird jeden Tag und daneben jeweils eine Statue aus Bronze vom Bürgermeister und jeden Mitglied der Verwaltung.
12.10.2018, 14.43 Uhr
muendh | Je höher die Anforderungen ...
um so ärmlicher das Ergebnis.

Gestern war schon so ein Artikel mit einem hohen Schwierigkeitsgrad:

3 + 1 + 0 + 3 +2 = 10

(http://www.nnz-online.de/news/news_lang.php?ArtNr=243449)

Und nun verlangt jemand Zahlen im enormen 4stelligen Bereich? Das sind doch keine Astronomen!

Wegen so einer Unverschämtheit hat hoffentlich keiner einen Herzinfarkt bekommen. Wie kann der aber auch nur!

(Ironie aus!)

Es reicht scheinbar nicht aus, in der Rathauspersonalie nur den führenden Kopf auszutauschen. Da sollte auch sicherlich mal kräftig in der zweiten und dritten Ebene umgegraben werden.

MfG muendh
12.10.2018, 14.52 Uhr
Leo 1A5 | Wenn ich
der Chef der Verwaltung wäre egal ob Stadt,Landkreis oder Landesverwaltung würde ich einiges anders machen!

1.) Jeder gibt sein privates Handy früh bei Dienstbeginn ab bzw. schließt es bei der Anmeldung in sein sein persönliches Schließfach beim Pförtner ein für die Dauer seiner Arbeitszeit!

2.) Wird jemand erwischt mit seinem Privathandy beim zocken, Wathsupen oder telefonieren während der Arbeitszeit bekommt er eine Abmahnung nach dem zweiten mal wird er aus dem Dienst entfernt!

3.)In unregelmäßigen Abständen wird während des Dienstbetriebes das Gebäude und die Mitarbeiter durch Beamte der Polizei mit Spürhund(Betäubungsmittel) überprüft!

4.) 2x die Woche wird auf dem Dienstplan Sport angesetzt (4h/Woche)1x joggen 3km und 1x Fussball/Volleyball .

5.) Die Dienstrechner werden überprüft nach privaten Tätigkeiten während der Dienstzeit!

Das wäre das erste was ich machen würde für alle Verwaltungsangestellten.
12.10.2018, 18.18 Uhr
BA1124 | Das wäre das erste was ich machen.....
.....würde. Sensationelle Idee @Leo 1A5. Doch leider hat das ganze einen Haken. wir hätten nach zwei Wochen keinen mehr in unseren Amtsstuben. Schon der Punkt 1 und 2 würde dafür sorgen .
12.10.2018, 20.42 Uhr
maveric | Vielen Dank Herr Greiner...
...sehr gute Arbeit. Von Ihnen sollte es 10.000ende geben, leider gibt es nicht mal 10.
13.10.2018, 15.24 Uhr
Leo 1A5 | der Grund
warum ich die privaten Handys und Smartphones aus den Dienstzimmern verbannen würde hat mehre Gründe!

1.)Es lenkt unsere Verwaltungsmitarbeiter bei ihren ,,hoheitlichen Aufgaben" ab.

2.) Es geht auch um den Datenschutz in den Diensträumen siehe Bsp. Chemnitz wo ein Haftbefehl durch Whats up den Dienstweg verlassen hat.

3.) Niemand kann sich sicher sein das das eigene Handy nicht evtl. gehackt wird und gerade bei Besprechungen die Sicherheitsrelevant sind als Wanze für was weis ich wenn fungiert(ungewollt)!

Wenn man genau drüber nachdenkt ist es für jeden Mitarbeiter einleuchtend warum das Handy nichts im Büro zusuchen hat gerade bei öffentlichen Ämtern deshalb gehört es vor Dienstbeginn in ein Schließfach am Eingangsbereich und kann zum Mittag bzw. Feierabend dort wieder abgeholt werden.

Es geht auch um Selbstschutz der Mitarbeiter und der Behörde bzw. des Amtes!
13.10.2018, 20.08 Uhr
Tamara Jagellovsk | An Leo 1A5,
Ihrem Punkt 1 möchte ich vorbehaltlos zustimmen.
Aber bei 2. und 3. wirds schon schwieriger, ich kann zwar verlangen das private Handy abzugeben, jedoch läuft heutzutage so ziemlich jedes Telefon IP-basiert, ergo brauche ich nur die Telefonanlage der Behörde zu hacken und kann das ganze Amt abhören, einschließlich der Kopierer die ja auch vernetzt sind und sogar über eine Festplatte verfügen. Da finden sich mit Sicherheit Daten für oder gegen Alles und Jeden.

Tamara Jagellovsk GSD
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