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So, 07:06 Uhr
06.05.2018
Zum 5. Todestag der Dichterin Sarah Kirsch am 5. Mai

1997 bei Sarah Kirsch in Tielenhemme

Am 5. Mai 2013, also vor fünf Jahren, ist die Dichterin Sarah Kirsch „im hohen Norden“, wie sie Schleswig-Holstein zu nennen pflegte, gestorben. Gern erinnern sich drei „Thüringerinnen“ daran, wie sie im Mai 1997 das erste Mal nach Tielenhemme an der Eider fuhren, wo das Wohnhaus der Kirsch, eine ehemalige Schule, steht...


Heidelore Kneffel, Karin Kisker, Eva Müller und Sarah Kirsch vor der Eingangstür des Wohnhauses in Tielenhemme 1997 (Foto: Archiv Kneffel) Heidelore Kneffel, Karin Kisker, Eva Müller und Sarah Kirsch vor der Eingangstür des Wohnhauses in Tielenhemme 1997 (Foto: Archiv Kneffel) Sie hatte zugesagt, in Nordhausen und in Limlingerode zu lesen, die Frauen sollten Aquarelle abholen, die ausgestellt werden sollten.

Eva Müller, Karin Kisker und ich waren neugierig auf die Gegend, der Sarah Kirsch in ihren Gedichten ein Denkmal gesetzt hatte, auf ihr Haus, das auf Pfählen gebaut werden musste, auf den Garten. Wie wasserreich würde die Eider sein, wie hoch der Deich, wie flach das Land?

Folgendes habe ich damals notiert: „Es ist Nachmittag, als wir eintreffen. Der Zugang zum Haus ist erst einmal versperrt, weil eine Herde braunweiß gescheckter Kühe aufreizend gemächlich daran vorüber trottet. Es dauert und dauert, bis endlich ein Mann auftaucht, eine Peitsche in der Hand, einen Hund an seiner Seite.

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Nun ist der Weg zum kleinen Gartentor frei. Das Haus mit der roten Eingangstür - bei späteren Besuchen in blauer Farbe -, ist geräumig, was man von außen so nicht vermutet. Unten sind drei größere Räume, eine Küche, eine Toilette mit Bad. Wir bekommen von Sarah Kirsch zuerst einen Raum gezeigt, in dem noch die Schultafel angebracht ist.

Unter der Decke, rot gestrichen und mit goldenen Sternen besät, schwebt ein farbiger hölzerner Engel. Auch die Küche ziert eine farbige Decke, diesmal in blau, gleichfalls besternt. Überall im Haus begrüßen uns Bücher und Bilder, an vielen Stellen hängen Glöckchen, einzeln oder zu mehreren. Es „glöckt“ fast überall. Der Raum, in dem wir dann an einem größeren Tisch mit schöner fester Holzgestalt sitzen, gibt durch ein größeres Fenster den Blick auf den Deich frei, auf dem Schafe weiden. Dort, wo Bäume aufragen, fließt die Eider, auf der hin und wieder ein Segelboot dahin gleitet, von dem wir nur die Masten sehen.

Wir trinken Tee, entnehmen den Kandiszucker aus einer Glasschale, in der sich auch farbig schimmernde Glaskügelchen tummeln, essen Joghurttorte mit Himbeeren. Ein alter Bauernschrank verbreitet Historie, ein kleiner bemalter hölzernen Fuchs dient als Türhalter. Dann erfreut uns der helle Klang einer Standuhr aus dem 18. Jahrhundert, ein Erbstück. An der Wand hängen einige Aquarelle, die die Kirsch seit 1988 aufs Papier bringt. Zur Entspannung, wie sie bemerkt.

Vom Flur aus führt eine relativ steile Holztreppe nach oben in kleinere Zimmer. In einem stehen Biedermeiermöbel, die von der DDR mit hierher gekommen sind. Besonders der Schreibsekretär fällt auf. Über ihm hängt das Porträt der Bettina von Arnim. Hier vor allem entstehen die Gedichte und Kurzprosa.
Von allen Fenstern schaut man in den Garten, in dem es gleichermaßen kultiviert und ursprünglich wächst. Heute ist die kanadische Flagge gehißt, denn der Sohn Moritz war vor einem Jahr an eben diesem Tag dort.

Das Gartenboot in T (Foto: Archiv Kneffel) Das Gartenboot in T (Foto: Archiv Kneffel) Es gibt mehrere Flaggen, die zu bestimmten Ereignissen hochgezogen werden. Wir erblicken eine silberne, eine blaue, eine goldene Kugel, in denen sich die Welt spiegelt. Narzissen blühen allüberall und dunkelrote Rosen. Im Rasen schwimmt ein hölzernes Boot, ein Mühlstein zeigt sich im Gras. Die Katze, die uns begleitet, heißt Anna Blume, die Schildkröte am Wegrand Kleopatra. Sie zog 1977 mit „weck“ aus der DDR.

Ein kleiner Spaziergang ins Gelände schließt sich an. Gehörnte Rindviecher machen sich auf, uns zu betrachten, Brachvögel zwitschern und Kiebitze greinen.. Ein wenig Schafwolle am Weidezaun finden wir auch. Sarah Kirsch sagt, es gab eine Zeit, als sie Schafwolle gesponnen hat und auch weiter verarbeitet.
Anschließend suchen wir im Haus die Aquarelle aus, die in Nordhausen im Thomas-Mann-Club gezeigt werden sollen. Sie schenkt uns einige ihrer Bücher und drei gerahmte Aquarelle. Außerdem übereignet sie uns einen größeren Karton mit einer Ausstellung, die während ihrer Poetikvorlesung an der Universität in Frankfurt am Main 1996 gezeigt wurde. So ausgestattet, verlassen wir den durch Sarah Kirsch zur Poesie gewordenen Ort.“
Heidelore Kneffel
Autor: red

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