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Mo, 06:24 Uhr
02.05.2016
NW-Handball wJB Landesliga: Nordhäuser SV SV Behringen/Sonneborn

Nichts für schwache Nerven

Mit den guten alten Tugenden wie Kampf, Wille und Leidenschaft trumpften die B-Jugend-Handballerinnen des Nordhäuser SV (NSV) zuletzt gegen den Thüringenmeister Schlotheimer SV groß auf. Belohnt wurde das Team mit einem Sieg...


Was passiert, wenn man etwas nachlässig mit diesen Tugenden umgeht, bekam es nun am Samstagmittag in der Ballspielhalle zu spüren. Die Landesliga-Partie gegen den SV Behringen/Sonneborn war keine für schwache Nerven. Der NSV setzte sich knapp mit 22:21 (9:13) durch.

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Ein paar Tränen liefen über das Gesicht, in einer Mischung aus Wut und bitterer Enttäuschung. Vor allem über sich selbst. Ihre Spielerinnen ließ Trainerin Anna Melina Gröne bewusst in dieser emotionalen Phase für einen Moment allein, sie ergriff erst nach einigen Minuten das Wort. „Ich war schon oft selbst in dieser Situation gewesen. Ich wäre mit dem, was ich sagen wollte, nicht sofort an die Mannschaft herangekommen.“ Ein Blick auf die Anzeige das Resultat alles andere als zufriedenstellend.

Nun, der NSV lag zur Halbzeit mit 9:13 zurück. Die emotionalen Tränen waren auf eine schwache erste Hälfte zurückzuführen. In der Anfangsphase entwickelte sich ein munterer Schlagabtausch. Für den Gastgeber eröffnete Larissa Förster den Torreigen 1:0 (1). Im Folgenden verwertete sie einen lang gespielten Ball von Keeperin Emelie Heise zum 2:1 (3.) und takte sich anschließend durch eine sehr gut eingestellte Gäste-Abwehr, die mit dem nötigen Engagement an die Sache heranging, zum 3:2 (4.) durch.

Bereits nach 240 Sekunden wurde das Trainerteam herausgefordert. Spielmacherin Clara Fiedler, sie ersetzte die verletzungsbedingt fehlende Ella Krieß, bekam einen Schlag auf die Nase. Ihr Gang zur Auswechselbank verhieß für Anna Melina Gröne und Olaf Krieß nichts Gutes. Die dünne Personaldecke ließ ihnen keine andere Wahl. Sie schickten Vanessa Michel, die nach mehrmonatiger Verletzungspause erst am Freitag wieder richtig ins Training eingestiegen war, auf das Parkett. Währenddessen wurde Clara Fiedler kurz behandelt. Drei Minuten später signalisierte sie, dass sie wieder einsatzfähig ist. Kurzes Durchatmen beim Trainerteam.

Doch ruhiger wurde es keineswegs. Lautstark forderte Anna Melina Gröne den Angriff zu „mehr Bewegung“ auf. Statt mutiger nach vorn zu spielen, wirkten die Bewegungen statisch, wodurch es fast unmöglich war Lücken in die gegnerische Abwehr zu reißen. Zu oft rieben sich die Gastgeberinnen in Eins-gegen-Eins-Situationen auf. Der Torabschluss wurde dennoch gesucht. Mal mehr, mal weniger erfolgreich. Als in der neunten Minute die Gäste erstmals in Führung gingen, nahm der NSV die erste Auszeit. Gefordert wurden unter anderem mehr Bewegung ohne Ball und Kommunikation im Abwehrverbund. So richtig wollte der Funke nicht überspringen, der NSV tat sich weiterhin schwer.

Da halfen auch die starken Paraden von Keeperin Emelie Heise nichts, wenn man im Angriff seine Möglichkeiten beispielsweise durch verzweifelte „Frustwürfe“ wegschmeißt. Erst mit dem Ausgleich durch Clara Fiedler (5:5/11.) und einem verwandelten Strafwurf durch Vanessa Michel (6:5/12.) erhellten sich die Mienen. Zumindest für einen kurzen Moment. Der SV Behringen/Sonneborn spielte weiterhin mutig auf, hielt das Tempo hoch und das Spiel offen. Bis zur 20. Minute verlief die Partie recht ausgeglichen (8:8), dann zogen die Gäste davon. Sie profitierten von Ballverlusten des NSV, ließen sich diese Chance nicht entgehen und enteilten bis zur Pause zum 13:9.

Der NSV mit sich und seinem Spiel unzufrieden. Gerade wenn er in Rückstand geriet, sank sogleich die Motivation: die Spielerinnen ließen die Köpfe hängen und waren nur halbherzig bei der Sache. „Ich hätte mir in dieser Situation gewünscht, dass sie sich sagen: Jetzt erst recht“, meinte Anna Melina Gröne. Die erhoffte Reaktion blieb aus.

Nicht so in der Halbzeitpause. Nachdem die Tränen getrocknet waren, stellte sich unter anderem Larissa Förster vor die Mannschaft. „Es waren auch harte Worte dabei“, wusste Anna Melina Gröne zu berichten. Und diese verfehlten ihre Wirkung nicht. Noch dazu hatte sich Ella Krieß auf der Auswechselbank für einen möglichen Einsatz bereit gemacht. Und das trotz bandagierter linker Hand. Schon allein der Einsatzwille der quirligen Spielmacherin reichte aus, um das Team wieder auf Kurs zu bringen. Mit der richtigen Einstellung begann die Aufholjagd.

Innerhalb von drei Minuten war der Ausgleich zum 13:13 hergestellt. Erstmals wieder in Führung ging der NSV in der 32. Minute, Clara Fiedler schloss einen Konter erfolgreich zum 16:15 ab. Die Gäste haderten nicht. Sehenswert zum Beispiel die Paraden ihrer Torhüterin Lilly Kroll, die unter anderem einen Strafwurf von Vanessa Michel parierte (43.). Bis zur 45. Minute hatte sich der NSV mit drei Treffern zum 22:19 abgesetzt. Wer dachte, das war´s, der sollte sich irren. Die Partie blieb bis zum Schlusspfiff spannend. Der SV Behringen/Sonneborn kämpfte sich bis zum 22:21 heran. Das bessere Ende verbuchte der NSV, der einen knappen Erfolg über die Ziellinie brachte. „In der zweiten Hälfte begann die Mannschaft zu kämpfen. Wenn sie kämpft, dann richtig“, freute sich Anna Melina Gröne über den Einsatz ihrer Schützlinge.

Einmal mehr hat dieses Spiel gezeigt, dass man keinen Gegner unterschätzen sollte. Egal, ob er vor oder hinter einem in der Tabelle steht. In jedem Spiel sind die guten alten Tugenden wie Kampf, Willensstärke und Leidenschaft gefragt. Noch einmal heißt es für den NSV sich auf diese zu besinnen. Zum Saisonabschluss geht es am Sonntag, 8. Mai, zum SV Behringen/Sonneborn. Es ist zugleich der letzte Spieltag in der Thüringenliga, der in Turnierform ausgetragen wird. Weiterhin vertreten sind der SV Hermsdorf und der Schlotheimer SV.
Sandra Arm

Nordhäuser SV: Emelie Heise Vanessa Michel (1), Larissa Förster (6), Laura Krüger (1), Nelly Frank (2), Neele Arnold, Clara Fiedler (8), Jenny Galonska (4), Ella Krieß
Nichts für schwache Nerven (Foto: Sandra Arm)
Nichts für schwache Nerven (Foto: Sandra Arm)
Nichts für schwache Nerven (Foto: Sandra Arm)
Nichts für schwache Nerven (Foto: Sandra Arm)
Nichts für schwache Nerven (Foto: Sandra Arm)
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