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Di, 22:41 Uhr
12.04.2016
Geschichts- und Altertumsverein

Barbarossas unterirdisches Reich

Die sagenumwobene Barbarossahöhle stand im Mittelpunkt der Abendveranstaltung des Geschichts- und Altertumsvereins und bei den über 50 erschienen Gästen im Tabakspeicher...


Im Norden Thüringens, im Nationalen GeoPark Kyffhäuser, 6 km vom Soleheilbad Bad Frankenhausen entfernt, liegt die Barbarossahöhle. Sie ist eine von weltweit nur zwei existierenden Schauhöhlen im Anhydritgestein und damit eine absolute geologische Rarität.

Eindrucksvoll in der Kombination von Natur und Geschichte sprach Michael Brust über das Naturwunder. Die 13.000 m² große Barbarossahöhle im Nationalen GeoPark Kyffhäuser gehört zum Typ der Anhydrithöhlen. Da diese durch Schichtwasser unter undurchlässiger Gesteinsabdeckung in großer Tiefe entstanden sind, haben sie keinen natürlichen Eingang. Daher ist es dem Zufall im Jahr 1865 zu verdanken, dass Bergleute auf der Suche nach Kupferschiefer die Höhle entdeckten.

Dabei ging es um eine Wiederaufnahme des Kupferschieferbergbaus, da bereits im Mittelalter im Kyffhäusergebiet Kupferschieferbergbau betrieben wurde.

Da sich die Barbarossahöhle in ursprünglichem Anhydritgestein befindet, der selten im Vergleich zu Höhlen in Kalksteinen und Gips (Gipslappen) vorkommt, ist sie eine geologische Rarität unter den Höhlen in Europa. Allein die zweite in Europa vorkommende Anhydrithöhle befindet sich an der Grenze zu Sibirien, im Ural, in der sogenannten Kungur Eishöhle.

Die den Vortrag unterstützenden Fotos zeigten den eigentümlichen Reiz der seit 1912 genutzten Schauhöhle durch ihre schönen und vielschichtigen Farbenspiele des weißen bis grauen Gesteins. Die tausendfältige Formensprache des Gesteins und die kristallklaren, blaugrün schimmernden unterirdischen Seen rief bei den Betrachtern staunende Bewunderung hervor.

Darüber hinaus berichtete der geladene Referent über die Geschichte des Bergbaus. Es gibt nur noch wenige erhaltene Stollen und Grubengebäude des Kupferschieferbergbaus aus den 1850er Jahren. Daher erklärt sich von selbst, dass der Barbarossahöhle eine große Bedeutung für die regionale Bergbaugeschichte und den Denkmalschutz zukommt.

In der Folgezeit nach ihrer Entdeckung am 20. Dezember 1865 wurde die Höhle wissenschaftlich vermessen und weiter touristisch erschlossen. Die Forschungsarbeiten und aufwendig erstellten Höhlenkarten wie von Prof. Dr. Senft, Dr. Berg, Dr. Stolberg, Dr. Biese und Dr. Kupetz leisteten einen wichtigen Beitrag zur wissenschaftlichen Erschließung der Höhle. Weniger eine Forschungsarbeit als mehr eine notwendige Maßnahme war die Renaturierung der Höhle 2003/04, die ehrenamtlich von den Höhlenforschern durchgeführt wurde. Dabei wurden rund 210 Tonnen Schrott (z. B. Kabel, Lampen, etc., die im Laufe der 150 Jahre installiert wurden…) aus der Höhle entfernt.

Wie aus dem Vortrag mithilfe der fotografisch dargestellten seltenen Naturschönheiten erkenntlich wurde, war es kein Wunder, dass sich die Nachricht der Höhlenentdeckung im Jahr 1865 rasch verbreitete und ab 1866 erste Besucher anzog. Ein weiterer Zustrom an Besuchern ging auf den Bau des Kyffhäuserdenkmals (1890-1896) zurück. Die Höhle stieß auf so großes Interesse, dass Sonderzüge von Berlin aus die Touristen in die nahegelegenen Orte wie Roßla und Kelbra brachte, damit diese zur Höhle dann weiter wandern konnten. Einen Besucherrekord hatte die Höhle zur Wendezeit mit 210.000 Besuchern/Jahr.

Aktuell sind es um die 70.000. Zwar sind die hohen Besucherzahlen und damit die Einkünfte für den kommunalen Eigenbetrieb sehr positiv und erstrebenswert, jedoch ist der Massen- und Eventtourismus aus Sicht der Höhlenforschung nicht unbedenklich, besonders wenn die ergriffenen Maßnahmen zu Gunsten von noch mehr Besuchern sich weniger nachhaltig auf die Einzigartigkeit der Höhle auswirken.

Der Name der Höhle ging in der Geschichte recht ungewöhnliche Wege. Die Höhle hieß nicht gleich mit ihrer Entdeckung Barbarossahöhle, sondern zunächst „Rottlebener Höhle“ oder „Falkenburger Höhle“. Mit dem Kyffhäuserdenkmal kam die Anregung die Höhle in Barbarossahöhle umzubenennen, nach dem Kaiser Friedrich I. Barbarossa. Schon seit dem 16. Jahrhundert existiert im Kyffhäusergebirge die Sage um die Wiederkehr des Barbarossas. Die Sage war Anlass, bildhauerisch Tisch und Stuhl des Kaisers dazustellen.

Der Sage nach ist Kaiser Barbarossa nicht gestorben, sondern schläft in einem unterirdischen Schloss, solange die Raben um den Berg fliegen. Er sitzt an einem Tisch von Marmorstein, durch den im Laufe der vielen Jahrhunderte sein roter Bart gewachsen sein soll. Hier verschmelzen Sage und historische Begebenheit: Urkundlich ist festgehalten, dass sich Barbarossa tatsächlich im Kyffhäusergebirge aufhielt.

Die Ausführung beschreibt nur einige interessante Inhalte des Abends, doch muss an dieser Stelle gesagt werden, dass der eindrucksvolle und wissenswerte Vortrag für die interessierten Zuhörer ein Zeugnis eines langjährigen und lobenswerten Engagements von Michael Brust ist.

Zum nächsten Vortragsabend am 10. Mai 2016 wird Erwin Höche über "Mühlen im Kreis Nordhausen – ein Streifzug durch die Mühlengeschichte" im Museum Tabakspeicher um 19.30 Uhr referieren. Gäste sind herzlich willkommen. Der Eintritt ist frei.
Marie-Luis Zahradnik
In Barbarossas Reich (Foto: Hans-Georg Backhaus)
In Barbarossas Reich (Foto: Hans-Georg Backhaus)
In Barbarossas Reich (Foto: Hans-Georg Backhaus)
In Barbarossas Reich (Foto: Hans-Georg Backhaus)
In Barbarossas Reich (Foto: Hans-Georg Backhaus)
In Barbarossas Reich (Foto: Hans-Georg Backhaus)
In Barbarossas Reich (Foto: Hans-Georg Backhaus)
In Barbarossas Reich (Foto: Hans-Georg Backhaus)
In Barbarossas Reich (Foto: Hans-Georg Backhaus)
In Barbarossas Reich (Foto: Hans-Georg Backhaus)
In Barbarossas Reich (Foto: Hans-Georg Backhaus)
In Barbarossas Reich (Foto: Hans-Georg Backhaus)
In Barbarossas Reich (Foto: Hans-Georg Backhaus)
In Barbarossas Reich (Foto: Hans-Georg Backhaus)
In Barbarossas Reich (Foto: Hans-Georg Backhaus)
In Barbarossas Reich (Foto: Hans-Georg Backhaus)
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Kommentare

12.04.2016, 23.15 Uhr
U. Alukard | Auch dieser Vortrag war toll,
dumm nur, das sich scheinbar die Jugend in Nordhausen dafür nicht begeistern lässt. Auf den Bildern sind leider nur ältere Menschen zu sehen.

Liebe Lehrer in Nordhausen und Umgebung, begeistert die Schüler auch mal für diese Geschichte unserer Heimat!
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