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Mo, 09:38 Uhr
21.12.2015
10 Jahre Tagesstätte Trockendock

Mit dem Kochlöffel zurück ins Leben

Regelmäßiges kochen, das ist für die meisten Menschen einfach Alltag. Für die Männer und Frauen der Tagesstätte Trockendock aber ist es ein Schritt zurück in ein geregeltes Leben. Ein Schritt von vielen, bei denen die Einrichtung der Diakonie Suchtberatung nun schon seit 10 Jahren hilft...

Neue Küche für die Tagesstätte des Nordhäuser Suchthilfezentrums (Foto: Angelo Glashagel)
Im großen Topf blubbert bereits die Bolognese im Herd bäckt der Kuchen und die Weihnachtsplätzchen hat man schon verpackt - die Küche der Tagesstätte Trockendock im Suchthilfezentrum der Diakonie wird viel und schwer beansprucht. Nach nunmehr 10 Jahren schneiden, kneten, kochen, backen und abwaschen war die Küche ordentlich in Mitleidenschaft gezogen worden.

Zum Jubiläum wollte man sich neu austatten, berichtete die Leiterin der Tagesstätte Andrea Poppendick. Unterstützung fand man bei der Share Value Stiftung aus Frankfurt, die der Einrichtung mit einer großzügigen Spende unter die Arme griff. Zwei Drittel der neuen Küchenzeile konnten so finanziert werden, dafür sei man der Stiftung sehr dankbar, sagte Frau Poppendick.

Die Küche ist wie die Holzwerkstatt, der Kreativbereich und der Garten ein wichtiger Bestandteil der täglichen Arbeit in der Tagesstätte, in der Suchtkranke teilstationär betreut werden. Kranke, die von sich aus neu anfangen wollen, der Sucht entkommen wollen. Wer hier ist, kommt aus freien Stücken, "der Großteil will auch etwas verändern", sagt Leiterin Poppendick. Nach zwei Probetagen müssen die Erwachsenen Männer und Frauen selber entscheiden, ob sie mitmachen oder nicht.

Andrea Poppendick leitet die Tagesstätte des Nordhäuser Suchthilfezentrums (Foto: Angelo Glashagel) Zur Zeit betreut man vor allem Alkohol- und Drogenabhängige. Die Krankheitsbilder sind bekannt, die Art und Weise in der sie auftreten habe sich aber verändert, berichtet Poppendick die seit 14 Jahren in der Suchtberatung tätig ist und die Tagesstätte seit über zwei Jahren leitet. Menschen die "nur" Alkoholprobleme haben, hätte man immer weniger, heutzutage würde die Sucht stärker als früher mit psychologischen Begleiterscheinungen, zumeist Depressionen, einhergehen. Grundsätzlich habe es die Kombination schon immer gegeben, sie habe sich aber "augenfällig verschärft", so Poppendick.

Und noch etwas ist neu: Mediensucht. Als Krankheitsbild ist das relativ junge Phänomen noch nicht anerkannt, als Problem existiert es aber ganz konkret und übersteigt einfachen Eskapismus. Zur Zeit befindet sich eine Person wegen exzessiven spielens in Online-Welten bei der Tagesstätte in Behandlung. Statt 18 Stunden am Tag zu spielen, habe man die Zeit bisher auf drei bis vier Stunden reduzieren können, erzählt Frau Poppendick. Es ist ein Teilerfolg in einem für die Tagesstätte allgemein gutem Jahr. In der Suchtberatung bedeutet das: die meisten Teilnehmer waren stabil abstinent und nehmen die Hilfe an, erklärt die Leiterin, "wir pflegen ein harmonisches, freundliches und fröhliches miteinander. Hier wird viel gelacht".

Selbst gemacht ist nicht nur das Essen (Foto: Angelo Glashagel)
Der Jahresanfang war umso schwieriger gewesen. Allerdings nicht wegen der Teilnehmer, sondern wegen der Küche. Die Feuchtigkeit saß im Boden, die Ankunft der neuen Ausstattung verzögerte sich bis in den August hinein. Stattdessen führten Bauarbeiter das Regiment. Zumindest so lange, bis man wieder selber Hand anlegen konnte: die Fliesen hat man selbst gelegt und auch manches Utensil konnte mit eigener Hände Arbeit angefertigt werden.

Inzwischen wird die Küche fleißig bekocht, auch mit Kartoffeln, Möhren, Äpfeln und Tomaten aus eigenem Anbau. Und mit jedem vollem Topf und heißem Backblech gehen ein paar Menschen weiter auf dem Weg in ein geregeltes Leben.
Angelo Glashagel
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