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Mi, 06:57 Uhr
14.10.2015
Betrachtet

Juden und die V2-Produktion im Kohnstein (3)

Unter dem SS Kommandanten (ehem. Auschwitz) des KZ Mittelbau, Richard Bär, wurden jüdische, befähigte Häftlinge insbesondere zur Lösung von Problemen in der Serienfertigung des A4, eingesetzt. Ausnahmejuden, die auch als kriegswirtschaftlich wichtige Juden bezeichnet worden sind. Diese standen vor einem besonderen Dilemma…

Von Tim Schäfer, basierend auf Augenzeugenberichten im Bestand des US- Holocaust Memorial Museum, Washington. Teil 3 und Ende

Montage der Tanksektion (Foto: Archiv KZ-Gedenkstätte Mittelbau Dora) Das Foto zeigt die Tanksektionen, eben jene, die die jüdischen Häftlinge mit den Händen von A nach B transportieren mussten.

Einige der jüdischen Häftlinge hatten zivile Kleidungsstücke wie Hosen oder Jacken, wärmere Unterwäsche. Davon konnten Sie mit „den gut organisierten Russen“ Stücke gegen Brot und Kartoffeln tauschen. Sie nahmen an, dass die Russen diese Kleidungsstücke für einen geplanten Ausbruch aus dem KZ Mittelbau nutzen wollten.

Vom Arbeitseinsatz entkräftet zurück, passierten die Kolonnen SS Posten, hier spielte eine Kapelle Märsche und die Häftlinge mussten in militärisch exaktem Marsch an den SS Männern vorbei marschieren „als wären die ein General“.

Als überlebenswichtig beschreiben jüdische Häftlinge den Zusammenhalt. Man besprach gezielt die Eindrücke und Erlebnisse des Tages, kam zu Einschätzungen der Lage und konnte somit Hinweise auf ein etwas prädikatives Verhalten finden, um nicht bestraft zu werden oder etwas Essbares organisieren zu können.

Die beigefügte Abbildungen entstammen dem Bestand des Archivs der KZ Gedenkstätte Mittelbau-Dora /Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau Dora. Es werden Häftlinge in der Produktion der Raketen V2/A4 im Kohnstein abgebildet. Diese bearbeiten Heckteile der großen A4 Rakete. Das andere Foto zeigt die Tanksektionen, eben jene, die die jüdischen Häftlinge mit den Händen von A nach B transportieren mussten.

Heckteile der A4-Rakete (Foto: Archiv KZ-Gedenkstätte Mittelbau Dora) Es wird berichtet, wie schwerste Transporte per Hand für die Raketenfertigung geleistet werden mussten. Auch wenn längere Zeit nicht gefertigt wurde. Offenbar wegen Teilemangels aufgrund nicht erfolgter oder behinderter Zulieferungen. So hatten diese Häftlinge bspw. die großen Tanks zu tragen, was gefährlich war. Die jüdischen Häftlinge suchten sich so zu organisieren, dass diese Tätigkeit erträglicher wurde, indem bestimmte und mehr Kameraden dazu kamen. Und, Sie fanden Schrittfolge und Rhythmus und Kommunikation, damit selbst wenn ein Häftling zu stolpern kam, die Last nicht ins Schwanken kam.

Die Fliegeralarme nahmen in dieser Zeit zu und auch einzelne Flugzeuge überflogen das Gelände und sollen beschossen haben. Die Häftlinge hatten in Ihrer Formation zu verharren, die SS nutzte dagegen jede Deckung aus. In Deckungen und Schutzhausungen, die auch die jüdischen Häftlinge vorher auszugraben und zu befestigen hatten.

Die jüdischen Häftlinge wechselten ihre Identität, reiten sich ein in die Techniker, deren Stellung etwas privilegierter war. Kranke Mithäftlinge wurden gedeckt und versteckt, wenn dies möglich war. Einige Juden wurden dem Produktionsprozess zugeordnet, um der weiteren Deportation zu entgehen. Dabei versuchte man Leute des Mittelwerks dafür zu gewinnen, bestimmte, teils total entkräftete Menschen etwas zu schonen oder nicht in die abgehenden Transporte gehen zu lassen. Die jüdischen Häftlinge beschreiben vereinzelt, dass einige der Mittelwerk-Leute Ihnen dabei geholfen haben.

Von Grausamkeiten durch SS Leute, Hinrichtungen wird oft berichtet. Obwohl alle SS -Angehörigen im KZ einen Revers unterschreiben und sich verpflichten mussten, eigenmächtige Misshandlungen und Tötungen von Häftlingen zu unterlassen. Höß als Adjutant des SS Lagerkommandanten Richard Baer stellte einmal fest: "Der wirkliche Beherrscher des gesamten Lebens der Häftlinge... ist der Schutzhaftlagerführer beziehungsweise der Rapportführer." Auch im KL Mittelbau kam es zu besonderen, offenbar sadistisch determinierten Folterungen. Der Autor lehnt es aus moralischen Gründen ab, solche Details oder Folterpraktiken zu beschreiben. So wurde auch im KZ Mittelbau die Befehle mit eigens erdachten Strafen verschärft (vergleiche auch Teil1).

Wer in besonderer Haltung verprügelt wurde, war weithin zu hören. Das Opfer musste die Schläge laut mitzählend ankündigen. Schaffte der Häftling dies nicht, begann die Strafe mit dem erneuten ersten Prügelschlag.

Der Autor dankt dem USHMM für die freundliche Unterstützung. Niemals sollte, wie es Hans Frankenthal schrieb, die kalte Hölle von Mittelbau-Dora b. Nordhausen vergessen werden.
Tim Schäfer

http://www.ushmm.org/support/the-museums-campaign
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