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Mo, 08:51 Uhr
12.05.2014

Das harte Leben

Das Köhlereiwesen ist eines der ältesten Berufe des Harzes. Um dieses Traditionshandwerk nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, haben die Auszubildenden des Forstamtes Bleicherode-Südharz einen Holzkohlemeiler errichtet. Seit einigen Tagen steht er unter Qualm...


Nachfolgend soll das historische Berufsbild des Köhlers umrissen werden. Ein hohes Maß an Fachkenntnis zeichnete den Köhlermeister aus.

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Ein geachteter und ehrbarer Beruf, unter spartanischen Lebensbedingungen. Den beruflichen Werdegang startet man als Haijunge im Alter von zehn Jahren. Aufsteigend zum Kohlburschen in der Jugend, betraut mit körperlich anstrengenden Be- und Entladen des Kohlholzes auf Pferde gezogene Schlitten. Die nächste Stufe war der Holzknecht bzw. Gehilfe, der schon mit verantwortungsvolleren Aufgaben betraut wurde.

Aufschichten, Abdecken, Nachfüllen, Anzünden und Regieren oblagen ihm. Die Leitung des Kohlprozesses behält sich der Köhlermeister vor. Die ständige Überwachung und Organisation reibungsloser Arbeitsabläufe gehörten ebenfalls zu seinem Aufgabenspektrum. Das Arbeitspensum war hoch, so konnten ein Köhlermeister, ein Knecht, ein Schlittenläder, zwei Jungen und zwei Pferde wöchentlich 50 bis 60 m³ Holzkohle bereitstellen.

Traditionsköhlermeister Otto Ibe und Auszubildender André Heinz beim Nachfüllen des Quandelschachts, um einen optimalen Verkohlungsprozess einzuleiten.  (Foto: Forstamt Bleicherode Südharz) Traditionsköhlermeister Otto Ibe und Auszubildender André Heinz beim Nachfüllen des Quandelschachts, um einen optimalen Verkohlungsprozess einzuleiten. (Foto: Forstamt Bleicherode Südharz) Über alte Kohlstraßen, z.B. zwischen Stolberg und Neustadt nach Rodishain und Stempeda zum Verladebahnhof in Uftrungen, transportierten Fuhrleute die wertvolle Fracht. Durchschnittlich 500 bis 600 Karrenladungen Kohl, aus über 2000 Raummetern Scheitholz erzeugte die Köhlermannschaft in einem Sommer von Anfang Mai bis Oktober.

Selbst aus heutiger Sicht eine beachtliche Menge, wenn man bedenkt, dass lediglich primitive Werkzeuge und Hilfsmittel zur Verfügung standen. In dieser Arbeitsperiode, schlugen die Waldarbeiter 2 bis 5 Hektar kahl und rodeten ab dem 18. Jahrhundert zusätzlich die Stuken (Baumwurzeln) zur Verkohlung. Eine ebenfalls körperliche schwere Arbeit. Lediglich ein Arbeitsfreier Sonntag stand ihnen zu, dennoch musste die Meilerwache abgedeckt werden.

Die spärliche Holzhütte die „Köte“ diente als Unterkunft der Köhler. Köhlergeläut, ein wichtiges Hilfsmittel zur Sturmwarnung und die Hillebille, Holzbrett auf das zur Signalgebung geschlagen wurde, hingen in unmittelbarer Nähe der Behausung. Die Entlohnung der Köhlermannschaft richtet sich nach örtlichen Gegebenheiten des Kohlehais. Ein Köhlermeister verdiente wöchentlich 3 bis 4 Taler, ein einträgliches Auskommen in diesem angesehenen Berufszweig. Einsamkeit, raue Witterung und körperlich schwere Arbeit, Lebens- und Arbeitsrhythmus dem brennenden Meiler angepasst, war nicht für Jedermann.

Ein Wechsel von anstrengenden und einfachen Tätigkeiten strebte man an, um die Belastungen ausgleichen zu können. Die tägliche Verpflegung war ebenfalls sehr einfach und spartanisch. Brot, Speck, Kartoffeln, Kohl und die Köhlersuppe standen auf der Speisekarte. Ein Köhler verdiente für damalige Verhältnisse gut, konnte es sich aber nicht leisten in den Wintermonaten die Füße auf den Tisch zu legen. Zur schneereichen Jahreszeit arbeiteten sie als Waldarbeiter oder Stukenroder, eine der kräfteraubendsten Arbeiten überhaupt. Neben den körperlichen Strapazen, musste besonders bei der unfallträchtigen Waldarbeit aufgepasst werden. Knochenbrüche oder schwere Unfälle konnten kaum vor Ort versorgt werden, da die Männer meistens Mitten im Harzer Wald arbeiteten und lebten. Verbrennungen, Quetschungen und Stürze dagegen, gehörten zur Tagesordnung. Der Beruf eines Köhlers war und ist ein hartes Leben.

Die Früchte des Forstamts-Meilers kann man bei der Meilerernte, voraussichtlich am 16. Mai im Netzkater 9 in Ilfeld, bestaunen. Säckeweise ist das „schwarze Gold“ traditionsgerecht nach Harzer Köhlereikunst an Grillbegeisterte abzugeben. Eine ordentliche Ausbeute von zwei Tonnen wird erwartet. Hohe Qualität, gleichmäßige und ungeheuer lange Brenndauer zeichnen die Harzer Buchenholzkohle aus. Grillprofis werden sie zu schätzen wissen, ganz nach dem Motto der Köhlermeister „Gut Brand“.
Michael Böhme
Autor: red

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