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Mi, 13:29 Uhr
22.01.2014

Auch die Friedhofskapelle fiel

Es ist noch nicht allzu lange her, da schritten Naturliebhaber, Spaziergänger und Angehörige Verstorbener durch die Grabreihen auf dem ehemaligen Zentralfriedhof an der Leimbacher Straße. Älteren Nordhäusern ist die massive Friedhofsmauer aus Bruchsteinen und die Friedhofskapelle noch in guter Erinnerung. Kurt Frank setzt mit dem 8. Beitrag seine Serie Heimatgeschichte und Gegenwart in der nnz fort...

Alt und Neu (Foto: Kurt Frank) Alt und Neu (Foto: Kurt Frank)
Blick vom ehemaligen Zentralfriedhof auf das Neubaugebiet Nordhausen-Ost mit den hübschen Eigenheimen auf der linken Seite. Davor befand sich als Begrenzung zum Windlücker Weg eine Mauer aus Bruchsteinen.

Nordhausen. Als grüne Oase ist heute das Gelände vor allem für die Bewohner des Neubaugebietes Nordhausen-Ost beliebt. Als man die neue Wasserleitung nach Ost verlegte, wurde die Friedhofsmauer 1983 entfernt. Schon 1975 ließ man die Kapelle, welche bis dahin noch als Sarglager diente, niederreißen. Nachdem die Grabsteine entfernt und der Friedhof total zugewachsen war, erfolgten ab 1985 Rekultivierungsarbeiten.

„Der Friedhof bekam, da im Gegensatz zu früheren Zeiten sämtliche Toten der Stadt hier zentral bestattet wurden, den Namen Zentralfriedhof“, schreibt Heimatforscher Fritz Schmalz. Erstmalig erfolgten hier Feuerbestattungen für Nordhausen. Da sich aber auf dem Gottesacker noch kein Krematorium befand, mussten die Leichen nach Gotha transportiert werden.

Der Zentralfriedhof, der erste kommunale der Stadt, wurde ab 1876 genutzt. Seine Ausmaße sollten eine Belegung für Jahrzehnte garantieren. Bis dahin, schreibt Schmalz, habe es nur konfessionelle Begräbnisstätten gegeben. Begrenzt wurde der Zentralfriedhof von der Leimbacher-,Franken-, verlängerten Karolingerstraße und dem Feldweg zur Windlücke.

Der Haupteingang erfolgte von der Leimbacher Straße. Dort befand sich auch die geräumige Friedhofskapelle. Heute steht dort ein Garagenkomplex. Davor ein Plattenbau. Ihm fielen zu DDR-Zeiten etliche Bäume zum Opfer. An der Kapelle angebaut waren Wohnungen für Friedhofswärter und -gärtner. Leider war die Kapelle nicht denkmalgeschützt, weshalb man sie abriss. Während des 1. Weltkrieges bestattete man in einem Ehrenhain etwa 200 gefallene Soldaten.

Mit der Inbetriebnahme des Neuen Friedhofes am Stresemannring 1921 ließ die Belegung des Zentralfriedhofes allmählich nach. Nur noch in Erbgräbern konnten Beisetzungen erfolgen, was bis 1947 der Fall war. Nach dem verheerenden Luftangriffen im April 1945 entstanden auf dem Terrain große Reihengräber. Da das unkontrolliert geschah, blieben Anzahl und die meisten Namen der Bestatteten unbekannt.

Auf dem Friedhof ruhten verdiente Nordhäuser Bürger - Ida Vogeler-Seele, Justizrat Löbnitz und andere -, deren Grabmahle erhaltungswürdig waren. 1964 erfolgte unter sachkundiger Führung eine Begehung, was damit geschehen sollte. Die entsprechenden Denkmale meldete man dem Rat der Stadt. Leider mit wenig Erfolg. Dem Verkauf entgingen nur wenige Steine.
Kurt Frank
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