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Do, 09:58 Uhr
23.01.2014

Heimatgeschichte: Die Wipper (2)

Liebe Leser der Nordthüringer Online-Zeitungen, lassen sie sich doch bitte einmal von Horst Rasemann entführen auf eine interessante Wanderung entlang der Wipper in vier Teilen, von der Quelle im Eichsfeld in Worbis bis zur Mündung in die Unstrut bei Sachsenburg an der berühmten Porta Thuringiaca (Thüringer Pforte)...

Von Niedergebra bis Kleinfurra

Hinter der Ortschaft Niedergebra durchfließt die Wipper die Apostelbrücke, ein Bauwerk von großer historischer Bedeutung.

Apostelbrücke bei Niedergebra (Foto: Archiv Rasemann) Apostelbrücke bei Niedergebra (Foto: Archiv Rasemann)

Der Name der Brücke geht auf den heiligen Bonifatius zurück, der auch als Apostel der Deutschen bezeichnet wird und entstand wohl erst im 19. Jahrhundert. Die Wegführung im Zuge der Apostelbrücke ist seit dem Mittelalter Bestandteil eines regional und überregional bedeutenden Wegesystems, sie verband im Engeren die Burg Lohra mit dem Georgenberg in Bleicherode als Rechts- und Richtstätte und im Weiteren das Wegesystem aus dem Thüringer Becken mit dem Harzwegesystem.

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Sie kreuzte unmittelbar südlich die alte Handelsstraße in Ost-West-Richtung, die 1294 als „strata communis“ bezeichnet wird. Seit dem Mittelalter gibt es an der Stelle der Brücke eine FURT, die mit den Bau- und Instandsetzungsarbeiten 2011 auch nachgewiesen werden konnte. 1670 wird eine erste nachweisliche Brücke in Holzbauweise auf Veranlassung der Grafen von Sayn-Wittgenstein errichtet. 1751 lässt der preussische Staat die Brücke in Eichenholz erneuern.

1803 Bau der bis heute im Kern erhaltenen Brücke in massiver Stein -und Mauerwerksbauweise mit zwei Gewölbebogen, die Steine kamen vom Abriss des Bergfrieds auf Burg Lohra. Im 20.Jahrhundert verliert die Apostelbrücke als Wipperquerung im Zuge der alten Wege –und Straßenführung zunehmend an Bedeutung und gerät in Vergessenheit. Die Brücke ist vom Verfall und Einsturz bedroht und neben den großen Verkehrsbauwerken des 20. und 21. Jh. kaum mehr wahrnehmbar.

Doch 2011 bis 2013 erfolgte die Rettung und bauliche Sicherung der Apostelbrücke, als ein für die Region bedeutendes Denkmal mit nach wie vor auch funktioneller Bedeutung. Weiter fließt die Wipper am Galgenberg vorbei, wo am 14. November des Jahres 1800 die letzte große Hinrichtung in der Herrschaft Lohra stattfand. In der Nähe liegt das kleine Dörfchen Elende an der viel befahrenen Straße, an der ehemaligen B 80, welche Nordhausen mit Heiligenstadt verbindet.

Die Rosenkirche in Elende (Foto: Archiv Rasemann) Die Rosenkirche in Elende (Foto: Archiv Rasemann)

Hier steht die Rosenkirche (siehe Foto), so genannt nach einer Reihe fünfblättriger Rosen an ihrem Dachgesims. Sie gehört unstreitig mit zu den ältesten Baudenkmälern unserer Heimat und war in früherer Zeit ein weit und breit berühmter Wallfahrtsort, zu dem die Andächtigen von überall her pilgerten um dort zu beten. Aus allen Ecken und Nischen des Kirchleins lugt Frau Sage hervor. Die Bode, ein Fluss, der ebenfalls im Ohmgebirge entspringt, gesellt sich nordöstlich der Bleicheröder Berge hinzu sowie einige Bachläufe rechts und links der langen Wegstrecke des Flusses.

Sie alle bilden das natürliche System der Entwässerung des Wippertales, sprich, des doch relativ breiten Streifens des mittleren Buntsandsteins. Rückblickend noch einmal repetiert, biegt nach der Porta Eichsfeldica (Eichsfelder Tor)die Wipper ab und windet sich in zahlreichen Mäandern in einem herrlichen Tal auf dessen wiesenreicher Sohle nach Osten, vorbei an Wäldern, Hainen und Dörfern. Von der Hainleite blickt die mittelalterliche Burg mit einstigen Wohnsitz der Grafen von Lohra hernieder. Sie wurde bereits 1039 erbaut und besitzt eine sehenswerte, einzigartige Burgkapelle. In der Nähe der Burg, auf einem der Hainleite vor gelagerten Bergsporn, sieht man die Silhouette der spätromanischen Pfeilerbasilika Münchenlohra, einem ehemaligen Benediktinerinnenkloster, herüberblicken.

Spätromanische Pfeilerbasilika in Münchenlohra (Foto: Archiv Rasemann) Spätromanische Pfeilerbasilika in Münchenlohra (Foto: Archiv Rasemann)

Sie wurde 1219 erstmalig urkundlich erwähnt, der Bau wurde schon zwischen 1150 und 1180 ausgeführt. Im 30jährigen Krieg wurde sie total verwüstet, aber 1666 durch Bodo von Gladebeck wieder aufgebaut. In der Nähe der Ortschaft Kleinfurra, wo das Wippertal sich zwischen den Ausläufern der Windleite, die aus Buntsandstein besteht, und der Hainleite verengt, grüßen uns von weitem die ehrwürdigen Ruinen der Kirchbergburgen über Wernrode und die jüngste der Hainleiteburgen, die Burgruine Straußberg, die, erstmals 1267 urkundlich erwähnt, wahrscheinlich aber bereits im 12. Jh. errichtet wurde.

Burgruine Straußberg (Foto: Archiv Rasemann) Burgruine Straußberg (Foto: Archiv Rasemann) Verschiedene Rittergeschlechter werden im 14. Jh. als Burgmänner genannt. Dann verfügten die Grafen von Hohnstein über die Burg und später kam sie im Erbgang an die Grafen von Schwarzburg. Eine „Interessengemeinschaft Burg Straußberg“ versucht schon seit Jahren mit Erfolg die Burg zu sanieren. Hier finden zu Himmelfahrt immer Veranstaltungen statt. Höhepunkt bildet das Mittelalterfest im Juli. Auch am Tag des offenen Denkmals steht dem Besuchern das Burgtor offen.

Somit haben wir nun die Kreisgrenze des Landkreises Nordhausen erreicht und folgen im nächsten Teil, in Teil 3 unserer virtuellen Wanderung, den Wipperverlauf im Kyffhäuserkreis.
Horst Rasemann
Autor: red

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