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Di, 06:04 Uhr
02.07.2013

"Wann wir schreiten Seit' an Seit' ...“ (11. Teil)

Die älteste Partei Deutschlands die SPD begeht in diesem Jahr ihren 150. Geburtstag. nnz-Autor Hans-Georg Backhaus befasst sich in diesem Teil mit dem SPD-Aktivisten Kurt Wolff, dem Wechsel Matthias Jendrickes vom Landratsamt in die Stadtverwaltung und der Neubesetzung der Stelle der 1. Beigeordneten in der Kreisverwaltung durch Jutta Krauth...


Wenn Mitglieder der SPD auf die Wiedergründung der Partei im Jahre 1989 im Kreis Nordhausen zu sprechen kommen, verbinden sie damit vor allem einen Namen: Kurt Wolff. Neben Edelgard Linß, die damals als "Frontfrau" quasi die Sozialdemokratie im Südharz aus der Taufe hob, gehörte auch Wolff zu den SPDlern der ersten Stunde.

Kurt Wolff entstammte einer halbjüdischen Familie ("Mischehe"). Sein Vater Theodor war jüdischer Abstammung, seine Mutter Martha "Arierin". So wähnte sich die Familie, die eine Wäschefabrik betrieb, zunächst sicher. In der sogenannten "Reichskristallnacht" aber war die "Schonzeit" für den Vater vorbei. Er wurde verhaftet und in das KZ Buchenwald gebracht. Am 22. Dezember 1938 kam er frei völlig abgemagert. Im März 1943 wurde er erneut verhaftet und diesmal ins Erfurter Gestapo-Gefängnis gesteckt. Es folgte im April 1943 die Deportation nach Ausschwitz. Angeblich sei er dort am 26. Mai 1943 an Herzversagen gestorben so die offizielle Version eines Kriminalbeamten, der die Nachricht der Witwe überbrachte.

Am 14. Dezember 2007 war Kurt Wolff als Ehrengast zugegen, als im Beisein von über 50 Bürgern für seinen Vater Theodor ein Stolperstein Auf dem Sand 12 in Nordhausen in den Gehweg eingelassen wurde. Auf der Oberseite des aus Beton gegossenen Steins ist eine Messingtafel befestigt, in der der Name, das Geburtsjahr und die Schicksalsdaten von Theodor Wolff aufgeführt sind.

Es war ganz sicher auch im Sinne seines Vaters, dass sich Kurt Wolff in der Zeit nach der Wende 16 Jahre als Mitglied der SPD in der Kommunalpolitik streitbar engagierte. Ende Juli 2006 verabschiedete sich der damals 75jährige in einer Sitzung des Stadtrats-Ausschusses für Stadtordnung und Ortsteile mit den Worten: "Einmal muss Schluss sein". Ausschuss-Vorsitzende Karin Busch lobte vor allem "seine vermittelnde Art über Parteigrenzen hinweg". Und Dr. Manfred Schröter ergänzte, es gehe ihm nahe, "dass ein guter Freund die politische Bühne verlässt". Zugleich würdigte der erste Nachwende-Bürgermeister Wolffs maßgebliche Mitarbeit bei der Aufarbeitung der jüdischen Geschichte der Stadt Nordhausen, über die Schröter bekanntlich ein Buch verfasst hatte. Kurt Wolff verstarb 77jährig am 21. September 2008 in Nordhausen.

Wer in einer Demokratie seine politischen Ziele durchsetzen will, muss entweder vom Souverän bereits über den Weg erfolgreicher Wahlen einen Auftrag dazu erhalten haben, oder er muss nach Verbündeten Ausschau halten, von denen er glaubt, dass sie viele eigene Vorstellungen mittragen können. Dazu gehört dann auch eine entsprechende Portion Kompromissfähigkeit. Eine solche Situation kam Anfang 2005 auf als bekannt wurde, dass Matthias Jendricke (bis dato 1. Beigeordneter im Landratsamt Nordhausen und somit auch Vize-Landrat) aus der Kreisverwaltung ausscheiden und ins Nordhäuser Rathaus wechseln wollte, um dort Bürgermeister zu werden.

Außer der FDP, die gefordert hatte, dass der Posten des 1. Beigeordneten bis zur Landratswahl im Frühjahr 2006 vakant bleiben sollte, konnten sich SPD, CDU und PDS für diesen Vorschlag nicht begeistern und bekannten sich einvernehmlich zu einer Regelung, die der SPD das Vorschlagsrecht einräumte. Die Sozialdemokraten fanden für die Jendricke-Nachfolge relativ rasch eine Kandidatin: Jutta Krauth. Die Juristin war bisher in der Thüringer Landtagsfraktion der SPD in Erfurt tätig und galt als fachlich versiert im Finanz- und Kommunalrecht. Sie stellte sich alsbald in den Kreistagsfraktionen der SPD und PDS vor. Befürchtungen, wonach Landrat Joachim Claus bei der Ausschreibung die "Messlatte" bei den Kriterien zu hoch anlegen könnte, so dass sich die Besetzung der Stelle ewig hinziehen würde, wurden schnell ad absurdum geführt.

Ein solch unwürdiges Prozedere lag zudem nicht im Interesse der großen Kreistags-Fraktionen. In der mit Spannung erwarteten Sitzung des Nordhäuser Kreistages am 19. April 2005 stelle sich Jutta Krauth schließlich zur Wahl. Doch war sie nicht die einzige. Ihre Gegenkandidaten waren Nicole Weber aus Obergebra und Bernd Liesegang aus Sollstedt. Von 44 abgegebenen Stimmen konnte die SPD-Kandidatin 25 für sich erringen, während Bernd Liesegang sich mit 16 begnügen musste und Nicole Weber völlig leer ausging. Jutta Krauth übt bis heute die Funktion der 1. hauptamtlichen Beigeordneten im Landratsamt aus - seit Juli 2012 im Team mit Landrätin Birgit Keller (DIE LINKE.) und der 2. Beigeordneten Loni Grünwald (DIE LINKE.).

Matthias Jendricke trat mit Wirkung vom 1. Mai 2005 sein neues Amt als 1. hauptamtlicher Beigeordneter und Bürgermeister von Nordhausen an. Er wurde Nachfolger von Klaus Wahlbuhl, der seit 1990 Bürgermeister war und das Resort Bildung/Kultur inne hatte und in den verdienten Ruhestand ging. Für Jendricke änderte sich jedoch der Aufgabenbereich: Er war fortan für Finanzen und Ordnung sowie das Haupt- und Personalamt verantwortlich. Zudem wurde er von Oberbürgermeisterin Barbara Rinke als Geschäftsführer der Nachfolgegesellschaft der Landesgartenschau 2004 GmbH bestellt. Matthias Jendricke war in der Sitzung des Nordhäuser Stadtrates am 1. Dezember 2004 in geheimer Abstimmung mit 32 Ja- Stimmen gewählt worden. (Wird fortgesetzt).
Hans-Georg Backhaus
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