Do, 15:16 Uhr
31.01.2013
In Memoriam Ilsetraut Glock
Die Künstlerin und Kunstmäzenin Ilsetraut Glock, geborene Grabe, ist in Bonn am 30. Januar verstorben. Dazu ein privater Nachruf von nnz-Autorin Heidelore Kneffel...
Glock-Grabe 1995 vor ihren geliebten Eulen (Foto: Archiv Kneffel)
Am 8. April 2013 wäre sie 98 Jahre geworden. Als Frau Dr. Cornelia Klose und ich als Mitbegründerin der Ilsetraut-Glock-Grabe-Stiftung im September vorigen Jahres in Bonn von der Ehrenbürgerin der Stadt Nordhausen eine weitere Kunstschenkung entgegen nahmen, trafen wir sie zwar im Krankenhaus an, aber sie machte wie eh und je einen aufgeschlossenen Eindruck.
Die 97jährige hatte den Wunsch geäußert, ihrer Heimatstadt nun ihr Alterswerk zu schenken. Es handelt sich um sechs Acrylbilder in der Größe von je 70 cm x 100 cm. Sie tragen den Titel Erinnerung an den Hades und sind als eine Einheit zu betrachten. Mit Ilsetraut Glock haben wir in Nordhausen Anfang des 1990 Jahre eine Persönlichkeit kennengelernt, die mit Ideenreichtum, Engagement und Beharrlichkeit im Leben stand, dass neben ihrer Familie von der Kunst geprägt wurde.
Nordhausen erhielt durch ihr beispielhaftes Kunstengagement eine deutliche Hinwendung zur Bildenden Kunst. Ihr besonderes Vermächtnis ist der Nordhäuser Grafikpreis, der alle zwei Jahre vergeben wird.
Ausstellungseröffnung im Kunsthaus Meyenburg: Erste Reihe von vorn - Ernst Glock, Ilsetraut Glock, Sohn Ludwig und Tochter Roswitha
In einem unserer letzten Telefonate erkundigte sie sich nach den großen Bogenbildern der Künstlerin Maria Schmidt-Franken im Ratskeller, denn diese Künstlerin war ihre verehrte Kunstlehrerin gewesen. Als ich ihr sagen musste, dass alle Bogenbilder leider seit Jahren aus dem Ratskeller verschwunden sind, war sie entsetzt und empört, denn gerade diese Kunstwerke mit Motiven der unverwechselbaren Landschaften dieser Region waren ein gutes Omen gewesen, als im restaurierten Ratskeller von Frau Glock, Frau Kisker und mir die Idee einer Kunstschenkung an Nordhausen geboren wurde und sich dann weitere Kunstfreunde anschlossen und dafür eintraten und und weiterhin tun.
Ihre Würdigung als Künstlerin wird vor allem in und um Bonn geschehen, denn sie gehörte seit 1960 der Künstlergruppe Bonn an, die sie auch einige Jahre leitete und in der sie gute Künstlerfreundschaften knüpfte.
An dieser Stelle sollen Begebenheiten stehen, die ich von ihr erfuhr oder die ich mit ihr erlebte.
1996 schickte sie mir eine Kopie eines Fragebogen über die Abstammung, den sie im Oktober 1939 in Nordhausen ausfüllen musste. Sie hat darauf handschriftlich vermerkt: Dieser Fragebogen mußte zwecks 'Arbeitseinstellung' ausgefüllt werden. Ich wurde Lehrerin in Nordhausen in der Wiedigsburgschule, heiratete am 12. 7. 1941 in Nordhausen den Dipl. Landwirt Ernst Glock, wohnhaft in Berlin. Am 2.12.1944 wurde unsere erste Tochter Anne in Nordhausen geboren. Wir erlebten im April 1945 in der Wohnung meiner Mutter und in der Aktienbrauerei in zwei Luftangriffen den Untergang der Stadt.
Im Jahr 1996 sandte sie mir eine Kranzschleife zum Andenken an ihre Nordhäuser Familie, die auf dem Alten Friedhof beigesetzt worden war. Da es diese Begräbnisstätten nicht mehr gab, bat sie darum, die Schriftschleifen in dem nun zum Park gewordenen Areal anzubringen. Ich suchte einen Lebensbaum aus. Sie schrieb mir: Kann sein, daß ein Junge die Schleife hinten an sein Rad hängt und, nichts vom Sterben verstehend, lachend durch Nordhausens Straßen fährt! Kann aber auch sein, daß sie Spaziergänger nachdenklich macht.
Schleife an einem Baum des Alten Friedhofs (Foto: Archiv Kneffel)
Mit den Eltern, beiden Großelternteilen und den Urgroßeltern war sie also in Nordhausen verankert. Der Großvater Prof. Robert Schild z. B. war Lehrer für die oberen Klassen am Realgymnasium und lehrte Griechisch, Hebräisch, Latein und Religion. Einer seiner engsten Freunde war der Dichter Albert Traeger, nach dem eine Straße in der Oberstadt benannt wurde.
Er war von 1875-1891 in Nordhausen Rechtsanwalt und Notar und veröffentlichte in der dem Bürgertum nahestehenden Zeitschrift Gartenlaube seine politischen Gedichte. Als er Mitglied des Reichstages wurde, siedelte er nach Berlin über. Er war auch Alterspräsident des Deutschen Reichstages und starb 1912.
Die Schrift der Ilsetraut Glock zeigt auf eindrucksvolle Weise ihren Schwung und ihre Aufgeschlossenheit. Als Beispiel soll hier ein Schriftstück stehen, auf dem sie die Kunstgalerie in der Flohburg vorstellt, die ja zuerst als Kunsthaus gedacht war: Die Galerie hat schöne Ausstellungsräume – wird computerbewacht und liegt im Stadtinneren - in dem noch historisch erhaltenen Teil Nordhausens. Der untere Teil ist für Wechselausstellungen bestimmt (Eröffnung mit Horst Janssen Portraits - Originale) …
Schriftstück (Foto: Archiv Kneffel)
In Briefen und Gesprächen habe ich durch Ilsetraut Glock viel Einprägsames über ihre Lebenszeit in Nordhausen erfahren, über Persönlichkeiten und Begebenheiten. An anderer Stelle wird darüber zu schreiben sein, denn Ilsetraut Glock verstand sich auch als Person der Zeitgeschichte. Heidelore Kneffel
Autor: red
Glock-Grabe 1995 vor ihren geliebten Eulen (Foto: Archiv Kneffel)
Am 8. April 2013 wäre sie 98 Jahre geworden. Als Frau Dr. Cornelia Klose und ich als Mitbegründerin der Ilsetraut-Glock-Grabe-Stiftung im September vorigen Jahres in Bonn von der Ehrenbürgerin der Stadt Nordhausen eine weitere Kunstschenkung entgegen nahmen, trafen wir sie zwar im Krankenhaus an, aber sie machte wie eh und je einen aufgeschlossenen Eindruck. Die 97jährige hatte den Wunsch geäußert, ihrer Heimatstadt nun ihr Alterswerk zu schenken. Es handelt sich um sechs Acrylbilder in der Größe von je 70 cm x 100 cm. Sie tragen den Titel Erinnerung an den Hades und sind als eine Einheit zu betrachten. Mit Ilsetraut Glock haben wir in Nordhausen Anfang des 1990 Jahre eine Persönlichkeit kennengelernt, die mit Ideenreichtum, Engagement und Beharrlichkeit im Leben stand, dass neben ihrer Familie von der Kunst geprägt wurde.
Nordhausen erhielt durch ihr beispielhaftes Kunstengagement eine deutliche Hinwendung zur Bildenden Kunst. Ihr besonderes Vermächtnis ist der Nordhäuser Grafikpreis, der alle zwei Jahre vergeben wird.
Ausstellungseröffnung im Kunsthaus Meyenburg: Erste Reihe von vorn - Ernst Glock, Ilsetraut Glock, Sohn Ludwig und Tochter Roswitha
In einem unserer letzten Telefonate erkundigte sie sich nach den großen Bogenbildern der Künstlerin Maria Schmidt-Franken im Ratskeller, denn diese Künstlerin war ihre verehrte Kunstlehrerin gewesen. Als ich ihr sagen musste, dass alle Bogenbilder leider seit Jahren aus dem Ratskeller verschwunden sind, war sie entsetzt und empört, denn gerade diese Kunstwerke mit Motiven der unverwechselbaren Landschaften dieser Region waren ein gutes Omen gewesen, als im restaurierten Ratskeller von Frau Glock, Frau Kisker und mir die Idee einer Kunstschenkung an Nordhausen geboren wurde und sich dann weitere Kunstfreunde anschlossen und dafür eintraten und und weiterhin tun.
Ihre Würdigung als Künstlerin wird vor allem in und um Bonn geschehen, denn sie gehörte seit 1960 der Künstlergruppe Bonn an, die sie auch einige Jahre leitete und in der sie gute Künstlerfreundschaften knüpfte.
An dieser Stelle sollen Begebenheiten stehen, die ich von ihr erfuhr oder die ich mit ihr erlebte.
1996 schickte sie mir eine Kopie eines Fragebogen über die Abstammung, den sie im Oktober 1939 in Nordhausen ausfüllen musste. Sie hat darauf handschriftlich vermerkt: Dieser Fragebogen mußte zwecks 'Arbeitseinstellung' ausgefüllt werden. Ich wurde Lehrerin in Nordhausen in der Wiedigsburgschule, heiratete am 12. 7. 1941 in Nordhausen den Dipl. Landwirt Ernst Glock, wohnhaft in Berlin. Am 2.12.1944 wurde unsere erste Tochter Anne in Nordhausen geboren. Wir erlebten im April 1945 in der Wohnung meiner Mutter und in der Aktienbrauerei in zwei Luftangriffen den Untergang der Stadt.
Im Jahr 1996 sandte sie mir eine Kranzschleife zum Andenken an ihre Nordhäuser Familie, die auf dem Alten Friedhof beigesetzt worden war. Da es diese Begräbnisstätten nicht mehr gab, bat sie darum, die Schriftschleifen in dem nun zum Park gewordenen Areal anzubringen. Ich suchte einen Lebensbaum aus. Sie schrieb mir: Kann sein, daß ein Junge die Schleife hinten an sein Rad hängt und, nichts vom Sterben verstehend, lachend durch Nordhausens Straßen fährt! Kann aber auch sein, daß sie Spaziergänger nachdenklich macht.
Schleife an einem Baum des Alten Friedhofs (Foto: Archiv Kneffel)
Mit den Eltern, beiden Großelternteilen und den Urgroßeltern war sie also in Nordhausen verankert. Der Großvater Prof. Robert Schild z. B. war Lehrer für die oberen Klassen am Realgymnasium und lehrte Griechisch, Hebräisch, Latein und Religion. Einer seiner engsten Freunde war der Dichter Albert Traeger, nach dem eine Straße in der Oberstadt benannt wurde. Er war von 1875-1891 in Nordhausen Rechtsanwalt und Notar und veröffentlichte in der dem Bürgertum nahestehenden Zeitschrift Gartenlaube seine politischen Gedichte. Als er Mitglied des Reichstages wurde, siedelte er nach Berlin über. Er war auch Alterspräsident des Deutschen Reichstages und starb 1912.
Die Schrift der Ilsetraut Glock zeigt auf eindrucksvolle Weise ihren Schwung und ihre Aufgeschlossenheit. Als Beispiel soll hier ein Schriftstück stehen, auf dem sie die Kunstgalerie in der Flohburg vorstellt, die ja zuerst als Kunsthaus gedacht war: Die Galerie hat schöne Ausstellungsräume – wird computerbewacht und liegt im Stadtinneren - in dem noch historisch erhaltenen Teil Nordhausens. Der untere Teil ist für Wechselausstellungen bestimmt (Eröffnung mit Horst Janssen Portraits - Originale) …
Schriftstück (Foto: Archiv Kneffel)
In Briefen und Gesprächen habe ich durch Ilsetraut Glock viel Einprägsames über ihre Lebenszeit in Nordhausen erfahren, über Persönlichkeiten und Begebenheiten. An anderer Stelle wird darüber zu schreiben sein, denn Ilsetraut Glock verstand sich auch als Person der Zeitgeschichte. Heidelore Kneffel



