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Di, 18:27 Uhr
07.08.2012

Rastlos tätig für den Vogelschutz

Wilhelm Roth ist Ornithologe aus Leidenschaft. Tag für Tag ist er in der Natur unterwegs, um der Vogelwelt weitere Geheimnisse zu entlocken und sie schützen zu helfen. Obwohl sein Haupttätigkeitsfeld im Eichsfeld liegt, hilft er mit, die Artenvielfalt im Südharz zu erforschen. Ein Bericht von Kurt Frank...

Wilhelm Roth bei Beobachtungen an einem Teich bei Steinsee. Immer dabei hat er Fernglas, Kamera und Notizbuch. Foto: Kurt Frank

In der elterlichen Landwirtschaft in Günzerode aufgewachsen, interessierten ihn bereits als kleinen Bub die Vorgänge in der Natur. Es muss wohl die große Liebe gewesen sein, die ihn später im Eichsfeld Wurzeln schlagen ließ. Dort arbeitete er als Tierwirt. Seine Beobachtungen und Erlebnisse in der Natur sind in dem Buch „Das kleine Paradies“ anschaulich geschildert. Es war auch in der Nordhäuser Buchhandlung Rose erhältlich. Eine Empfehlung nicht nur für Naturliebhaber.

Wer heute Wilhelm Roth sucht, der findet in entweder in seinem Kleingarten oder irgendwo in Wald, Feld und Flur. Egal, zu welcher Jahreszeit. Die Artenvielfalt zu schützten und zu erhalten, ist sein großes Anliegen. Dem ehemaligen Landwirt macht es stets Freude, im Freien zu sein, einzudringen in die Welt der Vögel, die der Forschung immer wieder neue Rätsel aufgeben. Der leidenschaftliche Hobby-Ornithologe hilft der Wissenschaft, dem Leben der Arten weitere Geheimnisse zu entlocken. Dieser Aufgabe kommt er in seinen vom Fachverband zugewiesen Untersuchungsgebieten gewissenhaft nach. Zahlen und Fakten für einen Brutvogel-Atlas.

Der 71-Jährige half auch den Südharzer Vogelkundlern, erforschte und registrierte die Wiesenbrüter-Arten in der Helmeniederung von Schiedungen bis zur Flarichsmühle. Nicht immer erfreulich war das, was er in sein Notizbuch vermerken konnte. Der Kiebitz sei ausgestorben, notierte er. Die Suche nach Braunkehlchen, Wiesenweihe und Weißstorch blieb ebenfalls erfolglos.

Wilhelm Roth, der sieben Filme über die Vogelwelt des Eichsfeldes drehte, wettert über die Unvernunft in Bereichen der Landwirtschaft und meint unter anderem die sogenannte Feldrand und -uferhygiene. Oft werde unverhältnismäßig an Feldrändern, Fluss- und Bachufern einfach alles niedergemäht. Wildkräuter und Schilf. So wundert es nicht, wenn Tierarten verschwinden und heute die Kinder mancherorts Feldhase und Rebhuhn nur noch aus Büchern kennen. Vor Geschäftsführern und dem Leitungsgremium des Kreisbauernverbandes mahnte Roth eindringlich, den Tieren eine ökologische Nische zu überlassen. Langsam zeitigen sich Erfolge.

Im Eichsfeld ist der rüstige Rentner eine Persönlichkeit. Die Zusammenkunft und Gespräche mit dem weltberühmten Tierfilmer Andreas Kieling im Vorjahr machten ihn noch populärer. Millionen Menschen konnten die Szenen am Bildschirm miterleben. Was er mit seinen Mitstreitern der Fachgruppe Ornithologie vorweisen kann, ist beispielgebend.

Die überproportional große Glaswand am Krankenhaus in Heiligenstadt erwies sich als Todesfalle für Vögel. Nicht rechtzeitig erkannt, klatschten sie dagegen und brachen sich das Genick. Gegen den Widerstand des Direktors und dank namhafter Verbündeter versah man letztlich die gläserne „Todeswand“ mit sogenannten Senkrechtstreifen. Keine Opfer mehr. Bei der grundhaften Renovierung der Schule in Brehme drohte die Vernichtung der Wohnstuben für Mauersegler. Ein von Wilhelm Roth erarbeitetes Projekt bot die Grundlage für 12 neue Mauersegler-Brutmöglichkeiten im Mauerwerk.

Was geschickte Hände an Nisthilfen für Mauersegler bastelten, findet sich unter anderem unterm Dachfirst des Bürgermeisteramtes in Worbis und am Stadthaus Heiligenstadt. In Nordhausen ist weder am Landratsamt, Sitz der Naturschutzbehörde, noch am Stadthaus dergleichen zu finden. Über 150 Brutmöglichkeiten für die selten gewordenen Dohlen, Schleiereulen und für Turmfalken finden sich auf zahlreichen Kirchtürmen und in alten Buchenwäldern des Eichsfeldes.
Kurt Frank
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Kommentare

07.08.2012, 21.13 Uhr
Bodo Schwarzberg | Rastloser Vogelschützer ist Armutszeugnis für die Politik
Ich selbst kenne den Unmut aus eigenem Erleben. Jenen, der einem überkommt, wenn Unternehmen und Behörden gar zu ignorant gegenüber den Belangen des Naturschutzes sind. Da helfen nur Stehvermögen, eigene Aktivitäten (=Einheit von Wort und tat) und gezielte Öfflichkeitsarbeit.
Schlimm finde ich immer, dass solch ehrenamtlich tätige Enthusiaten wie Herr Roth Aufgaben übernehmen, die sich eigentlich die Politik auf ihre Fahnen geschrieben hat.

Ein 71-jähriger Indiviualist sorgt für Schutzmaßnahmen, da sollten bei den Verantwortlochen schon selbstkritische Fragen aufkommen.
Auch wenn es nicht konkret in dem Beitrag über Herrn Roth geschrieben steht: In diesem, aber auch z.B.in meinem gestrigen an Herrn Reinholz, vor allem aber an den diesen zugrundeliegenden wissenschaftlichen Tatsachen wird deutlich, dass die eigentlich Verantwortlichen nicht oder maximal kaum noch in der Lage sind, den Schaden, den die Menschheit permanent anrichtet, zu begrenzen. - Auch wenn sie das Gegenteil vortäuschen. Als Beweis können die sich stetig verlängernden Roten Listen gefährdeter Arten dienen. So lange es diese Listen gibt, werden von der Politik Trendwenden oder doch zumindest deutliche Verbesserungen angekündigt. Einheit von Wort und Tat? - Unter dem Strich: Fehlanzeige. Um so mehr sollten wir nicht müde werden, die Verantwortlichen an ihren oft gehörten Worten zu messen. - Was nicht heißt, dass punktuell etwas zum Positiven geschieht. Das aber reicht schon lange nicht mehr. Besagte Trendwenden sind gefragt, echte Trendwenden übrigens, und die müssen wir von Politik und Behörden einfordern.
Schmunzeln musste ich über die Bemerkung zu den fehlenden Artenschutzanbauten am Stadthaus in Nordhausen.

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