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So, 09:30 Uhr
15.01.2012

nnz-Interview: Eher ruhig

Am kommenden Freitag ist es soweit: Die weltbesten Kugelstoßerinnen und Kugelstoßer geben sich ein Stelldichein in der Nordhäuser Wiedigsburghalle. Bei den Damen ist Josephine Terlecki dem Publikum längst keine Unbekannte mehr. Mit ihr sprach Sandra Arm...

In Nordhausen wieder dabei (Foto: privat) In Nordhausen wieder dabei (Foto: privat)

Josephine Terlecki ist ein ruhiger Typ. Gelassen und sehr klar klingt ihre Stimme, sie entspricht damit genau ihrem Naturell. Dass die 25-Jährige auch anders kann, bewies die Kugelstoßerin des SC Magdeburg im vergangenen Jahr. Bei der Hallen-Europameisterschaft in Paris klopfte sie mit Platz drei und persönlicher Bestleistung von 18,09 Meter unüberhörbar an die Tür zur absoluten Weltspitze an.

Ihre Leistungskurve zeigte fortan steil bergauf. Im Sommer, Anfang Juli, setzte die gebürtige Weimarerin bei den Norddeutschen Meisterschaften in Celle noch einen drauf, wuchtete ihr Arbeitsgerät auf 18,29 Meter, ebenfalls persönliche Bestleistung. In diesem Jahr will sie ihre starken Leistungen aus der vergangenen Saison bestätigen, vor allem will sie aber ein gehöriges Wort bei der Vergabe der Tickets für die Hallen-Weltmeisterschaften in Istanbul (9. bis 11. März), die Europameisterschaften in Helsinki (27. Juni bis 1. Juli) und den Olympischen Spielen in London (3. bis 12. August) mitreden.

Den Grundstein für einen guten Saisonstart kann die sympathische Thüringerin bereits am Freitag, 20 Januar legen, wenn die weltbesten Kugelstoßer beim 12. Internationalen Energie-Kugelstoß-Indoor in der Wiedigsburghalle in den Nordhäuser Ring steigen. Im Interview sprach Sandra Arm mit der Soldatin der Sportfördergruppe über Heimat, Erfolge und Erwartungen.

In Nordhausen wieder dabei (Foto: privat) In Nordhausen wieder dabei (Foto: privat) nnz: Frau Terlecki, was bedeutet Heimat für Sie?

Jospephine Terlecki: Ich bin nicht mehr so oft in der Heimat. Meine Eltern leben immer noch in Weimar, aber für mich ist Heimat gegenwärtig mehr ein Gefühl, dass ich dort meine Kindheit verbracht habe. Heimat ist dort, wo ich mich wohlfühle und das ist bei meinen Freunden, bei meiner Trainingsgruppe sowie bei meinen Eltern.

nnz: Magdeburg ist seit einem Jahr ihre neue Heimat. Was gibt Ihnen die Elbmetropole?

Terlecki: Ich wohne und trainiere bereits seit vier Jahre in Magdeburg. Meine Trainingsgruppe wird von Bundestrainer Klaus Schneider betreut. Der Verein leistet eine gute Arbeit, so dass der Wechsel von meinem alten Verein, der LG Ohra Hörselgas, zum SC Magdeburg eine logische Schlussfolgerung war.

nnz: Was hat damals noch den Ausschlag für den Wechsel gegeben?

Terlecki: Das waren neben der gemeinsame Arbeit mit dem Bundestrainer Klaus Schneider am Stützpunkt auch die größeren Perspektiven. Zudem kann ich in den täglichen Einheiten von meiner Trainingspartnerin Nadine Kleinert sehr viel lernen.

nnz: Wie sehr beflügelt Sie die gemeinsame Arbeit mit Nadine Kleinert?

Terlecki: Ich kann mir von ihr vor allem im technischen Bereich noch einiges abschauen und natürlich auch Tipps geben lassen, wie man im Wettkampf so cool bleibt (lacht). Ich schaue bei den Übungen, die Nadine macht, immer ganz genau hin und vergleiche, was mir noch fehlt.

nnz: In welchen Bereichen können Sie noch zulegen?

Terlecki: Besonders an der Technik wie an der Übergangsphase zum Ausstoß muss ich noch feilen.Dafür verbringe ich neben dem Stoßtraining auch viel Zeit im Kraftraum. Die Übungen sind sehr vielseitig, mal mit Bewegung und mal mit Gewichten. Für einige Übungen benutze ich ein Zugband, welches um die Hüften gelegt wird, um damit schnell und effektiv an dieser Stelle zu arbeiten.

nnz: Wie hat sich Ihr Leben nach dem Wechsel verändert?

Terlecki: Es hat sich, obwohl ich schon seit vier Jahren in Magdeburg trainiere, doch etwas verändert. Ich habe das Gefühl, dass ich nun als Athletin mehr zum Verein gehöre. Ich bin darüber hinaus meinem Heimatverein für die bisherige Unterstützung sehr dankbar, aber die Arbeit speziell in Magdeburg ist schon eine andere Liga.

nnz: Die ersten Erfolge stellten sich ebenfalls sehr schnell ein. Sie haben bei der Hallen-Europameisterschaft in Paris überraschend die Bronzemedaille gewonnen. Wann haben Sie realisiert, was Sie in Paris erreicht haben?

Terlecki: Ich bin eigentlich nicht mit den großen Erwartungen nach Paris gefahren. Mein Hauptziel war, dass ich die Qualifikation überstehe und ins Finale einziehe. Ich war bereits froh, als ich mit einer Weite von 18 Metern im Endkampf stand. Nach meinem letzten Stoß, der nicht schlecht war, wusste ich nicht, dass ich die Bronzemedaille sicher habe. Ich konnte mich in diesem Moment nicht wirklich freuen, weil ich es gar nicht so schnell realisiert habe.

nnz: In welchem Moment merken Sie, ob es ein guter oder schlechter Versuch war?

Terlecki: Das haben wir ein bisschen im Gefühl. Es ist der Moment, kurz bevor die Kugel die Hand verlässt.

nnz: Die gute Form hielt über den Sommer an. Sie haben bei der Norddeutschen Meisterschaft in Celle mit 18,29 Meter aufhorchen lassen. Wie lassen sich die guten Ergebnisse erklären?

Terlecki: Diese hängen in erster Linie davon ab, dass sich die Trainingsgruppe eingespielt hat. Die Stimmung im Team ist sehr gut. Dazu kommt noch, dass mich mein Arbeitgeber, die Bundeswehr, in dieser Zeit sehr unterstützt hat. So war es mir möglich, einen Lehrgang zu schieben, so dass ich mich optimal auf die Wettkämpfe vorbereiten konnte. Das alles in der Kombination hat dazu beigetragen, dass ich die guten Ergebnisse abgerufen habe.

nnz: Was können wir ins diesem Jahr von Ihnen erwarten?

Terlecki: Auf jeden Fall will ich erneut Bestleistung stoßen. Mein Ziel insbesondere im Hinblick auf die Hallen-Weltmeisterschaft in Istanbul ist, dass ich über die Qualifikationsweite von 17,60 Meter komme. Zudem sind natürlich die Europameisterschaften und die Olympischen Ziele ebenfalls ein großes Ziel von mir. Ich werde auf jeden Fall alles dafür tun, dass es klappt. Doch die Konkurrenz im eigenen Lager ist sehr groß. Es gibt vier, fünf Athletinnen, die über 18 Meter stoßen können.

nnz: Welche Rolle wollen Sie spielen?

Terlecki: Ich würde gern weiterhin die Nummer drei im deutschen Team bleiben und hoffe, dass sich die Weiten dahingehend einpendeln, dass ich die Position halten kann.

nnz: Ihr Trainer Klaus Schneider schätzt an Ihnen den Ehrgeiz und das Sie ein angenehmer Trainingspartner sind. Was zeichnet Sie noch aus?

Terlecki: Ich bin relativ gelassen, mich kann eigentlich nichts so schnell aus der Bahn werfen. Das kann natürlich auch ein Nachteil ein, weil mir im Wettkampf dann die Spannung fehlt. Ich arbeite gegenwärtig mit der Magdeburger Psychologin Heike Kugler zusammen, um an dieser Situation etwas zu ändern. Sie zeigt mir ein paar Übungen zur Konzentration und Motivation, denn im Kopf spielt sich doch der größte Teil ab.

nnz: Haben Sie eigentlich irgendwelche Marotten?

Terlecki: Nicht wirklich. Außer, dass ich mir relativ viel Zeit bei der Vorbereitung wie zum Beispiel das Anbringen meiner Tapes und meiner Handgelenksbandagen lasse.

nnz: Wie sieht Ihr persönliches Programm bis zum „Olympia-Auftakt“ in Nordhausen sowie die weitere Vorbereitung mit Blick auf die Deutschen Hallenmeisterschaften in Karlsruhe aus?

Terlecki: In den nächsten Tagen werden wir auf jeden Fall noch einige Einheiten mit Stößen und Kraft einschieben. In der Woche vor dem Start in Nordhausen lassen wir es etwas ruhiger angehen. Nach dem Meeting stehen dann wieder Kraft, Schnelligkeit und Athletik auf dem Trainingsplan.

nnz: Sie gehen bereits zum achten Mal beim Meeting in Nordhausen an den Start. Mit welchen Gefühlen gehen Sie in den Wettkampf?

Terlecki: (klingt sehr überrascht) Ich wusste gar nicht, dass es schon meine achte Teilnahme ist. Das ist echt der Wahnsinn. Ich kenne natürlich viele Leute in Thüringen wie Werner Hütcher (Anmerk. d. Red. Meeting-Direktor) und seinen Sohn Ron, er hat gemeinsam mit mir die Sportschule in Jena besucht. In den vergangenen Jahren waren meine Eltern und mein Opa als Unterstützung beim Meeting dabei. Ich freue mich riesig auf den Wettkampf und natürlich auf das Wiedersehen.

nnz: Der Meeting-Rekord bei der Frauen hält gegenwärtig noch Astrid Kumbernuss mit 19,28 Meter. Inwieweit haben Sie diesen im Blick?

Terlecki: (lacht) Ich glaube, dass der Meeting-Rekord für mich zu weit gegriffen ist. Ich sehe es realistisch, dass für mich diese Weite momentan nicht erreichbar ist, aber es wird sicherlich irgendwann der Tag kommen, an dem ich die Weite stoßen kann. Gegenwärtig habe ich meinen eigenen Rekord von 17,88 Meter aus dem vergangenen Jahr im Auge und will diesen knacken.

nnz: Mit welcher Weite wären Sie zufrieden?

Terlecki: Ich wäre also mit einer Bestleistung, die über 17,88 Meter liegt, mehr als zufrieden.

nnz: Das Meeting in Nordhausen genießt einen ausgezeichneten Ruf unter den Athleten. Was schätzen sie besonders an dem Wettkampf?

Terlecki: Ich schätze besonders, dass das Meeting nur um uns Kugelstoßer aufgebaut ist, der Fokus sozusagen nur auf die Athleten gelegt ist. Außerdem ist jeder Zuschauer hautnah beim Stoß dabei und treibt uns Athleten mit dem rhythmischen Klatschen zu Höchstleistungen an. Das war mit ein Grund, weshalb ich im vergangenen Jahr auf 17,88 Meter gekommen bin. Ich weiß noch, dass mein Puls bei über 100 lag. Die Atmosphäre auch mit den Moderatoren, die immer einen flotten Spruch auf den Lippen haben, ist wirklich toll.

nnz: Haben Sie neben dem Wettkampf noch Zeit sich die Stadt anzuschauen?

Terlecki: Wenn ich ehrlich bin, komme ich eigentlich nicht dazu. Ich fahre gegen Mittag in Magdeburg los und abends gleich wieder zurück. In Nordhausen kenne ich die Wiedigsburghalle und natürlich den Nordhäuser Doppelkorn besonders gut.

nnz: Haben Sie einen Fanclub, der sie unterstützt?

Terlecki: Nein, einen Fanclub habe ich nicht. Ich gehöre nicht zu den Cracks, die über 19 Meter stoßen und würde es auch ein bisschen übertrieben finden. Dennoch habe ich immer ein paar Freude wie beispielsweise Diskuswerferin Nadine Müller, die für das Meeting extra aus Halle anreist, um mich vor Ort zu unterstützen.

nnz: Kommt Ihre Familie ebenfalls nach Nordhausen?

Terlecki: Leider nicht. Da mein Schwager am Freitag in seinen 30. Geburtstag reinfeiert, können meine Eltern und mein Opa nicht nach Nordhausen kommen. Aber vielleicht reisen noch ein paar Athleten aus Weimar an, um mich anzufeuern. Ich lasse mich einfach überraschen.

nnz: Sie werden Mitte Februar 26 Jahre alt. Was wünschen Sie sich in einem Jahr, das mit sportlichen Höhepunkten wie Europameisterschaften und Olympischen Spielen gespickt ist?

Terlecki: Das ich gesund bleibe und natürlich ein tolles Wettkampfjahr, in dem ich mich für möglichst viele internationale Wettkämpfe qualifizieren und mein Bestes geben kann.
Autor: nnz

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