Mi, 15:10 Uhr
16.02.2011
In zwei Jahren wieder "Zuhause"
Die so genannte Himmelgartenbibliothek soll nach Nordhausen zurückkehren. Seine Heimat soll der Schatz in der Kulturbibliothek finden. Heute ist eine entsprechender Vertrag unterzeichnet worden...
Die Nordhäuser Stadtverwaltung und die Kirchgemeinde St. Blasii-Altendorf haben einen Verwahrvertrag für die Himmelgartenbibliothek unterzeichnet. Die Himmelgartenbibliothek wird mit der Eröffnung der Nordhäuser Kulturbibliothek im Jahr 2013 nach Nordhausen zurückkehren, nachdem sie von hier über Naumburg und Wittenberg eine weite Reise zurückgelegt hatte. In den Räumen der neuen Bibliothek wird sie allen Interessierten offen stehen. Aktuell befindet sich die Bibliothek im Evangelischen Predigerseminar in Wittenberg.
Sowohl Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) als auch die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, Claudia Szkaley, betonten die Bedeutung der Bibliothek für Nordhausen. Danach berichtete Dr. Hans Lösche über die bisherigen Arbeiten der Sichtung und Katalogisierung des noch vorhandenen Schatzes, der insgesamt 777 Bücher von bedeutenden Reformatoren umfasst.
Den Grundstock der Kirchenbibliothek St. Blasii bildet die Bibliothek des ehemaligen Servitenklosters Himmelgarten, das sich vor den Toren der Stadt Nordhausen befand. Obgleich das Kloster schon 1295 vom Servitenorden " Ordo Servorum Mariae" (OSM) gegründet wurde und aus dem Jahre 1488 Bucherwerbungen bezeugt sind, ist der zielgerichtete Aufbau der Bibliothek im wesentlichen die Leistung von Johannes Pilearius (Huter).
Obwohl das Kloster im Bauernkrieg zerstört wurde, konnte die Bibliothek gerettet werden und gelangte 1552 in die St. Blasii-Kirche zu Nordhausen, wo sie durch den 1717 von Pastor Johann H. Kindervater erstellten der 305 Bde "gebunden und noch wohl conditioniert" aufführt, erstmals wieder faßbar wurde.
Nach Auszählung des vorhandenen Zettelkataloges durch Dr. Lösche umfaßt die Bibliothek 777 Titel. Davon sind 230 Inkunabeln (32 Prozent). 384 Titel (54 Prozent) stammen aus der ersten Hälfte des 16. Jhs, 44 (6 Prozent) aus der zweiten Hälfte des 16. Jhs, 39 (5 Prozent) aus dem 17. Jh sowie 17 (2 Prozent) aus dem 18. Jh.
Die Bücher sind unabhängig von ihrem Inhalt nach drei Formaten aufgestellt. 469 Titel behandeln theologische Themen. Darunter sind 76 Predigten. 186 Titel sind der philosophischen Fakultät, 21 der juristischen und 6 der medizinischen zuzuordnen.
Die philosophische Literatur spiegelt den Studienbetrieb an der Erfurter Artistenfakultät im Spätmittelalter wider und deckt die Gebiete Grammatik, Logik, Rhetorik, Metaphysik, Ethik und Naturphilosophie ab. 23 Titel, darunter eine Hs., widmen sich Aristoteles. 13 Werke sind Ausgaben antiker Schriftsteller.
Die theologische Literatur ist in ihrem älteren Teil durch Kirchenväter-Ausgaben (30 Titel) und scholastische Schriften geprägt, später durch konfessionelle Kontroverstheologie und Bibelwissenschaft. 13 Werke repräsentieren den Nominalismus (Duns Scotus, Wilhelm von Ockham, Robert Holcot, Gabriel Biel, Petrus de Aliaco), 7 die " Devotio Moderna". 22 Titel stammen von Erfurter Gelehrten.
Von den zahlreich vertretenen Humanisten sind mit jeweils mehr als 5 Titeln Erasmus, Jacob Wimpheling, Joannes Versor, Johann Geiler von Kaysersberg, Jacques Lefèvre, Paulus Schneevogel und Jodocus Trutfetter präsent. Unter den Reformatoren nimmt Luther mit 19 Titeln die Spitzenposition ein, von seinen Gegnern Konrad Koch mit 10 Schriften.
Noch mehr Informationen gibt es auch bei nnz-tv.
Autor: nnzDie Nordhäuser Stadtverwaltung und die Kirchgemeinde St. Blasii-Altendorf haben einen Verwahrvertrag für die Himmelgartenbibliothek unterzeichnet. Die Himmelgartenbibliothek wird mit der Eröffnung der Nordhäuser Kulturbibliothek im Jahr 2013 nach Nordhausen zurückkehren, nachdem sie von hier über Naumburg und Wittenberg eine weite Reise zurückgelegt hatte. In den Räumen der neuen Bibliothek wird sie allen Interessierten offen stehen. Aktuell befindet sich die Bibliothek im Evangelischen Predigerseminar in Wittenberg.
Sowohl Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) als auch die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, Claudia Szkaley, betonten die Bedeutung der Bibliothek für Nordhausen. Danach berichtete Dr. Hans Lösche über die bisherigen Arbeiten der Sichtung und Katalogisierung des noch vorhandenen Schatzes, der insgesamt 777 Bücher von bedeutenden Reformatoren umfasst.
Den Grundstock der Kirchenbibliothek St. Blasii bildet die Bibliothek des ehemaligen Servitenklosters Himmelgarten, das sich vor den Toren der Stadt Nordhausen befand. Obgleich das Kloster schon 1295 vom Servitenorden " Ordo Servorum Mariae" (OSM) gegründet wurde und aus dem Jahre 1488 Bucherwerbungen bezeugt sind, ist der zielgerichtete Aufbau der Bibliothek im wesentlichen die Leistung von Johannes Pilearius (Huter).
Obwohl das Kloster im Bauernkrieg zerstört wurde, konnte die Bibliothek gerettet werden und gelangte 1552 in die St. Blasii-Kirche zu Nordhausen, wo sie durch den 1717 von Pastor Johann H. Kindervater erstellten der 305 Bde "gebunden und noch wohl conditioniert" aufführt, erstmals wieder faßbar wurde.
Nach Auszählung des vorhandenen Zettelkataloges durch Dr. Lösche umfaßt die Bibliothek 777 Titel. Davon sind 230 Inkunabeln (32 Prozent). 384 Titel (54 Prozent) stammen aus der ersten Hälfte des 16. Jhs, 44 (6 Prozent) aus der zweiten Hälfte des 16. Jhs, 39 (5 Prozent) aus dem 17. Jh sowie 17 (2 Prozent) aus dem 18. Jh.
Die Bücher sind unabhängig von ihrem Inhalt nach drei Formaten aufgestellt. 469 Titel behandeln theologische Themen. Darunter sind 76 Predigten. 186 Titel sind der philosophischen Fakultät, 21 der juristischen und 6 der medizinischen zuzuordnen.
Die philosophische Literatur spiegelt den Studienbetrieb an der Erfurter Artistenfakultät im Spätmittelalter wider und deckt die Gebiete Grammatik, Logik, Rhetorik, Metaphysik, Ethik und Naturphilosophie ab. 23 Titel, darunter eine Hs., widmen sich Aristoteles. 13 Werke sind Ausgaben antiker Schriftsteller.
Die theologische Literatur ist in ihrem älteren Teil durch Kirchenväter-Ausgaben (30 Titel) und scholastische Schriften geprägt, später durch konfessionelle Kontroverstheologie und Bibelwissenschaft. 13 Werke repräsentieren den Nominalismus (Duns Scotus, Wilhelm von Ockham, Robert Holcot, Gabriel Biel, Petrus de Aliaco), 7 die " Devotio Moderna". 22 Titel stammen von Erfurter Gelehrten.
Von den zahlreich vertretenen Humanisten sind mit jeweils mehr als 5 Titeln Erasmus, Jacob Wimpheling, Joannes Versor, Johann Geiler von Kaysersberg, Jacques Lefèvre, Paulus Schneevogel und Jodocus Trutfetter präsent. Unter den Reformatoren nimmt Luther mit 19 Titeln die Spitzenposition ein, von seinen Gegnern Konrad Koch mit 10 Schriften.
Noch mehr Informationen gibt es auch bei nnz-tv.


