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Fr, 09:48 Uhr
16.01.2009

Ist das Betrug?

Die Kommunalwahlen in Thüringen sind der eigentliche Startschuß zum Superwahljahr 2009. Die Parteien bringen langsam aber sicher ihre Kandidaten in Stellung. Darunter auch solche, die nur dem Stimmenfang dienen.


Fakt ist: Die etablierten Parteien haben Probleme. Niemand gibt das gern und offen zu. Dennoch: Die SPD zum Beispiel agiert mit einer offenen Liste, ähnlich den LINKEN. In der CDU wird einerseits versucht, über 70jährige dazu zu bewegen, nicht noch einmal zu kandidieren, andererseits ist der parteipolitische Nachwuchs dünn gestreut.

Trotzdem aber werden auf den Listen der Parteien Namen zu finden sein, die dort – moralisch gesehen – nichts zu suchen haben. Es hat schon Tradition, dass Nordhausens Oberbürgermeisterin Barbara Rinke die Kandidatenliste der SPD zu den Stadtratswahlen anführen wird. Offiziell verlautet dazu: „Der Vorstand des Ortsvereins hat Barbara Rinke seinen Wunsch angetragen“, so Andreas Wieninger. Und solch einem Wunsch kann sich selbst das Stadtoberhaupt nicht entziehen.

Nur: Die Wahlen zum Stadtrat sollen die Frauen und Männer in politische Verantwortung bringen, die dann auch fünf Jahre lang im Stadtrat Entscheidungen treffen, sie ablehnen oder sich enthalten. Sprich: die Politik machen. Frau Rinke macht im Stadtrat auch Politik, jedoch Kraft Amtes, auf welches im Rathaus sehr viel Wert gelegt wird. Wer die Oberbürgermeisterin wählt muss wissen, dass sie ihr Mandat nicht annehmen kann, weil sie dann auf ihren hauptamtlichen Job verzichten muss.

Um das alles zu verdeutlichen, bemüht die nnz die Zahlen der Kommunalwahlen des Jahres 2004. Von den 12.122 Stimmen, die für die SPD damals abgegeben wurden, entfielen allein auf Barbara Rinke 5.457, das waren 45,02 Prozent. Kläglich abgeschlagen auf den Plätzen kamen Andreas Wieninger und Sabine Meyer an. Sie erhielten 906 bzw. 854 Stimmen. Noch Fragen.

Ähnlich ist es bei Matthias Jendricke. Nach langem Zaudern bestätigte der Bürgermeister gestern, dass auch sein Name auf der SPD-Liste zu finden sein wird. Auch hier wird es den Vorstandswunsch gegeben haben, man kennt das. Wer nun denkt, dieser taktische Schachzug ist eine linke Erscheinung, der irrt. Auch in der CDU werden diese Spielchen gespielt und der Wähler an der Nase herumgeführt. In Bleicherode wird der hauptamtlich regierende Bürgermeister Frank Rostek auf der CDU-Liste zu finden sein. Auch wird er nach dem Stimmenfang natürlich sein Mandat nicht annehmen, er will ja weiter hauptamtlich die Geschicke der Stadt bestimmen.

Dennoch: In der CDU geht es auch anders. Fangen wir beim Landrat an. Wie Barbara Rinke, so pflegt auch Joachim Claus eine Tradition: Sein Name steht nicht auf der Liste zu den Kreistagswahlen, stand übrigens auch noch nie. Er will den Wähler nicht betrügen, wie er der nnz bereits mitteilte. Da bleibt der Eichsfelder stur, auch wenn es wieder Hiebe aus Erfurt geben wird. Denn Fakt ist: Hätte der Name Claus auf der Kreistagsliste der CDU vor fünf Jahren gestanden, dann hätte die CDU vermutlich über die absolute Mehrheit im Kreistag verfügt. Entsprechend groß der Frust gegenüber dem Landrat.

Dessen Haltung jedoch hat bei den Christdemokraten Schule gemacht, denn auch Inge Klaan hält nichts vom Betrug am Wähler, wie sie es nennt. „Ich werde nicht für einen Listenplatz der Stadtratsliste zur Verfügung stehen. Mein Job ist es fraktionsübergreifend nach Lösungen in der Sache zu suchen. Dazu habe ich mich mit dem Eid verpflichtet. Außerdem kann ich selbst bei erfolgreichem Wahlergebnis für meine Person keinen Sitz im Stadtrat übernehmen, ohne dass ich den Job als Beigeordnete aufgebe. Das wäre aus meiner Sicht kein ehrlicher Umgang mit dem Wähler“, so Klaan auf nnz-Anfrage und sagt weiter: „Ich werde mit jedem Stadtrat zum Wohle unserer Stadt zusammenarbeiten, egal wie er sich zusammensetzt. Deshalb hoffe ich trotzdem, dass die Wähler ihre Stimme den Kandidaten der CDU geben.“

Bleibt noch Loni Grünwald, die einzig hauptamtlich „Regierende“ der LINKEN im Landkreis Nordhausen, wenn man von Klaus Hummitzsch in Werther absieht, dessen jetzt auslaufende Amtszeit die letzte ist. Auch für Grünwald kommt ein Betrug am Wähler nicht in Frage. Da gebe es auch klare Regelungen innerhalb der Partei.

Letztlich ist die Reaktion von Matthias Ehrhold in Ellrich noch offen. Der Bürgermeister ist derzeit in Urlaub und war für die nnz nicht zu erreichen. Und Jutta Krauth? Die sozialdemokratische Beigeordnete im Landkreis darf nicht antreten – Kraft Amtes: Sie ist Kreiswahlleiterin.

Nun muß der Wähler entscheiden, ob er sich betrügen lassen will, wie es die einen nennen, oder ob er den Vorstandsrufen seiner Lieblingspartei ein gewisses Maß an Sympathie entgegenbringen kann? Wie führte gestern Abend Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) aus? „Nehmen wir uns gegenseitig beim Wort und meine sehr geehrten Damen und Herren, wenn Sie in diesem Jahr aufgefordert sind, des öfteren zur Wahl zu gehen, so sehen Sie bei Ihrer Entscheidung darauf, wie die Parteien die Probleme der Zukunft lösen wollen: mit den Ideen von gestern oder mit dem Mut zu neuem Denken.“

Vielleicht sollten die Wählerinnen und Wähler diesmal ein wenig genauer hinschauen? Zum Beispiel auf die Namen.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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Kommentare
Demokrat
16.01.2009, 10:58 Uhr
Es ist Betrug !!!
Selstverständlich ist es Betrug, was Frau Rinke und Herr Jendricke hier zum wiederholten Mal vorspielen.
Ich hoffe das der Wähler diese Aroganz der Macht beendet. Sollen doch Rosteck, Jendricke und Rinke sich für das Wahlkampfjahr unbezahlten Urlaub genehmigen und dann ihre politischen Spielchen machen.
Der Roland
16.01.2009, 12:05 Uhr
Macht, Macht, Macht
Letztlich geht es doch immer um Macht. Was sich einige Politker dennoch herausnehmen, das ist mitunter schon nicht mehr definierbar. Und das Geilste daran sind dann noch die Argumente, die sie für ihr Verhalten dem Wählern auftischen. Kein Wunder, dass Politikverdrossenheit zunimmt. Gut jedoch, dass solche Spielereien öffentlich gemacht werden. Ein klein wenig ist es doch gutu, dass tapfere Menschen für 20 Jahren auf die Straßen gegangen sind.
Verdianer
16.01.2009, 12:31 Uhr
Was ist Macht?
Worum geht es denn eigentlich? Nur wer die Wahl gewinnt kann regieren, kann also was verändern. Darum geht es doch! Oder sind wir etwa alle zufrieden und brauchen keine Veränderungen?
Willi
16.01.2009, 13:24 Uhr
Betrug?
Als Betrug könnte man das bezeichnen, wenn verboten wär. Jeder Minister usw. verfährt genau so. Solange es keine Regelung gibt, bleibt es legal und ist daher kein Betrug. Ich fühle mich jedenfalls nicht betrogen durch diese Praxis. Eher durch nicht eingehaltene Versprechen bzw. Zusagen wie z.B. zum Straßenbau.
Der Roland
16.01.2009, 13:33 Uhr
Nachdenken
Es ist zwar durch die KOmmunalordnung legetimiert, trotzdem: Für mich ist es Betrug am Wähler. Ich gebe jemanden die Stimme, der von vornherein nicht das Mandat annehmen wird. Und bei den Ministern ist das anders, lieber Willi. Die können Minister sein und gleichzeitig Landtagsabgeordnete. Bei direkt gewählten Landräten und Bürgermeistern ist das eben ausgeschlossen. Per Gesetz...
-MCH-
19.01.2009, 11:38 Uhr
Wo ist den da der Betrug?
Also wo der Betrug am Wähler da sein soll, versteh ich nicht. Die Wähler, die die Liste wählen, entscheiden sich für die von der Liste vorgesehene Rangfolge. Wenn die einem nicht passt, kann man doch kumulieren und panaschieren.

Im übrigen dürfte ein SPD-Wähler doch wohl nichts dagegen haben wenn Frau Rinke ihr Amt als Bürgermeisterin nicht aufgibt.

Alles in allem nur Schaumschlägerei um von politischen Inhalten abzulenken. Da danke ich Herr Claus sehr das er so ehrlich ist und nicht auf der Liste steht. Dann kann er ja sagen er hat den Landkreis ehrlich in den Ruin gewirtschaftet. Ehrlich!
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