Fr, 07:27 Uhr
12.09.2008
Wirken im Verborgenen
Der Tag des offenen Denkmals hält für Neugierige und Anhänger des Mystischen in Nordhausen eine besondere Attraktion bereit. Die Freimaurerloge wird nicht nur ihren Tempel für die Blicke der Neugierigen öffnen, sondern auch die unterirdischen Gänge unter dem Logen-Gebäude in der Domstraße. nnz durfte sich bereits umschauen...
Der Sitz der Johannisloge wurde saniert
Eigentlich wirken Freimaurer lieber im Verborgenen. Seit Volker Vogt, der Meister der Nordhäuser Freimaurerloge Zur gekrönten Unschuld, allerdings im Mittelpunkt einer ARD-Dokumentation über den diskreten Orden stand, richten sich viele neugierige Blicke auf das unscheinbare Gebäude in der Nordhäuser Domstraße.
Am Tag des offenen Denkmals bietet sich nun die einmalige Gelegenheit, dieses Interesse zu befriedigen. Volker Vogt, vielen vor allem als stellvertretender Direktor des Humboldt-Gymnasiums bekannt, hat sich entschlossen, die ansonsten für Außenstehende verschlossenen inneren Bereiche der Loge an diesem Tag für Besucher zu öffnen und ihnen einen Einblick in die Geheimnisse der Freimaurerei zu gewähren.
Wir wollen der Öffentlichkeit etwas zugänglich machen, was ihren Blicken ansonsten verborgen bleibt, weil es sich dabei um ein einzigartiges kulturhistorisches Erbe für den gesamten mitteldeutschen Raum handelt sagt Vogt. Die Geschichte der Johannisloge Zur gekrönten Unschuld, der er heute vorsteht, reicht zurück bis in das Jahr 1790, als sieben junge Männer sich in einer winzigen Dachwohnung zusammenschlossen.
Der Gang unter der Loge dient rituellen Zwecken
Im 19. Jahrhundert stieg Nordhausen dann zu einem bedeutenden Zentrum der Freimaurerei auf. In den Gebäudekomplex in der Domstraße zog 1870 die zweite Ordensabteilung ein, die den Johannislogen übergeordnete sogenannte Andreasloge. 1876 gelang es dem damaligen Logen-Meister Conrad Ferdinand Seiffart, auch das Ordenskapitel nach Nordhausen zu holen, das die Arbeit der Freimaurer im heutigen Sachsen-Anhalt, Thüringen sowie Kurhessen koordinierte. Im streng gefügten hierarchischen System der Freimaurer, das sich nur den Eingeweihten wirklich erschließt, stand Nordhausen damit deutschlandweit nach Hamburg und Berlin an dritter Stelle.
Auch die Nordhäuser Loge selbst hatte stetigen Zulauf. Im Jahre 1931 gehörten ihr bereits über 200 Mitglieder an. Die obere Etage des heutigen Logen-Gebäudes war ein großer Speisesaal, erzählt Vogt. Von der einstigen Pracht ist nicht viel geblieben. Am 15. Juli 1935 verboten die Nationalsozialisten jegliche freimaurerische Aktivitäten in Nordhausen, der Gebäudekomplex wurde enteignet.
Auch die DDR begegnete den freien Denkern und ihrem abgeschlossenen Zirkel mit den geheimnisvollen Ritualen voller religiöser Symbolik mit Misstrauen. Erst im Oktober 1991 hatte deshalb die dunkle Zeit, wie die Verbots-Periode in den Chroniken der Bruderschaft genannt wird, ein Ende. Kasseler Freimaurer gaben den Impuls zur Neugründung der Nordhäuser Johannisloge. Wie viele Mitglieder sie heute hat, darüber schweigt sich der Meister aus.
Es müssen – wie zur Gründung 1790 – allerdings mindestens sieben sein, denn auch die Freimaurer müssen sich heute in das bundesdeutsche System einfügen und sich als Verein registrieren lassen. Bis der Tempel wieder bezogen werden konnte, dauerte es noch einmal nahezu zehn Jahre. Wenn sich am Tag des offenen Denkmals die Türen zum Innersten der Loge öffnen, werden viele Besucher von der spartanischen Einrichtung überrascht sein. Manches ist umgestellt, weil wir nicht alle Einzelheiten unserer Riten in der Öffentlichkeit darstellen können und wollen, sagt Vogt vorab.
Und doch ist der Raum voller Symbole: das alles-sehende Auge des ägyptischen Gottes Ra, die Bibel, die Säulen, die dem Tempel Salomons repräsentieren oder die Schwerter und der Zylinder mit den weißen Handschuhen. Alles hat seine Funktion in der Tempelarbeit. In den übrigen Räumen der Loge werden die Besucher unter anderem Listen ehemaliger Mitglieder zu sehen bekommen, bevor sie in das erst 1925 entdeckten Gewölbe hinabsteigen, das Teil der mittelalterlichen "Heinrichsburg" Kaiser Heinrichs 11 sein soll. Der Gang hat, so sagt Vogt geheimnisvoll, seinen festen Platz im Ritus der Andreaslogen, wird also derzeit nicht genutzt. Was sich in den Gemäuern abspielt, darüber schweigt der Meister.
Auf der Suche nach dem Licht muss jeder Freimaurer sich aber offenbar auch den Weg durch die Dunkelheit bahnen. An den Decken und Wänden finden sich geheimnisvolle Symbole wie der Phoenix, der für das ewige Leben steht. Am Ende des Weges steht dann das zerstörte Portal des Tempel Salomons, das wiederum für die Vergänglichkeit des Seins steht.
Von 10 bis 17 Uhr wird am Sonntag die einzigartige Gelegenheit sein, in die Kulturgeschichte einzutauchen. Danach wird der Sender ARD-extra die Dokumentation wiederholen, in der Volker Vogt im Mittelpunkt steht.
Autor: nnzDer Sitz der Johannisloge wurde saniert
Eigentlich wirken Freimaurer lieber im Verborgenen. Seit Volker Vogt, der Meister der Nordhäuser Freimaurerloge Zur gekrönten Unschuld, allerdings im Mittelpunkt einer ARD-Dokumentation über den diskreten Orden stand, richten sich viele neugierige Blicke auf das unscheinbare Gebäude in der Nordhäuser Domstraße.
Am Tag des offenen Denkmals bietet sich nun die einmalige Gelegenheit, dieses Interesse zu befriedigen. Volker Vogt, vielen vor allem als stellvertretender Direktor des Humboldt-Gymnasiums bekannt, hat sich entschlossen, die ansonsten für Außenstehende verschlossenen inneren Bereiche der Loge an diesem Tag für Besucher zu öffnen und ihnen einen Einblick in die Geheimnisse der Freimaurerei zu gewähren.
Wir wollen der Öffentlichkeit etwas zugänglich machen, was ihren Blicken ansonsten verborgen bleibt, weil es sich dabei um ein einzigartiges kulturhistorisches Erbe für den gesamten mitteldeutschen Raum handelt sagt Vogt. Die Geschichte der Johannisloge Zur gekrönten Unschuld, der er heute vorsteht, reicht zurück bis in das Jahr 1790, als sieben junge Männer sich in einer winzigen Dachwohnung zusammenschlossen.
Der Gang unter der Loge dient rituellen Zwecken
Im 19. Jahrhundert stieg Nordhausen dann zu einem bedeutenden Zentrum der Freimaurerei auf. In den Gebäudekomplex in der Domstraße zog 1870 die zweite Ordensabteilung ein, die den Johannislogen übergeordnete sogenannte Andreasloge. 1876 gelang es dem damaligen Logen-Meister Conrad Ferdinand Seiffart, auch das Ordenskapitel nach Nordhausen zu holen, das die Arbeit der Freimaurer im heutigen Sachsen-Anhalt, Thüringen sowie Kurhessen koordinierte. Im streng gefügten hierarchischen System der Freimaurer, das sich nur den Eingeweihten wirklich erschließt, stand Nordhausen damit deutschlandweit nach Hamburg und Berlin an dritter Stelle.
Auch die Nordhäuser Loge selbst hatte stetigen Zulauf. Im Jahre 1931 gehörten ihr bereits über 200 Mitglieder an. Die obere Etage des heutigen Logen-Gebäudes war ein großer Speisesaal, erzählt Vogt. Von der einstigen Pracht ist nicht viel geblieben. Am 15. Juli 1935 verboten die Nationalsozialisten jegliche freimaurerische Aktivitäten in Nordhausen, der Gebäudekomplex wurde enteignet.
Auch die DDR begegnete den freien Denkern und ihrem abgeschlossenen Zirkel mit den geheimnisvollen Ritualen voller religiöser Symbolik mit Misstrauen. Erst im Oktober 1991 hatte deshalb die dunkle Zeit, wie die Verbots-Periode in den Chroniken der Bruderschaft genannt wird, ein Ende. Kasseler Freimaurer gaben den Impuls zur Neugründung der Nordhäuser Johannisloge. Wie viele Mitglieder sie heute hat, darüber schweigt sich der Meister aus.
Es müssen – wie zur Gründung 1790 – allerdings mindestens sieben sein, denn auch die Freimaurer müssen sich heute in das bundesdeutsche System einfügen und sich als Verein registrieren lassen. Bis der Tempel wieder bezogen werden konnte, dauerte es noch einmal nahezu zehn Jahre. Wenn sich am Tag des offenen Denkmals die Türen zum Innersten der Loge öffnen, werden viele Besucher von der spartanischen Einrichtung überrascht sein. Manches ist umgestellt, weil wir nicht alle Einzelheiten unserer Riten in der Öffentlichkeit darstellen können und wollen, sagt Vogt vorab.
Und doch ist der Raum voller Symbole: das alles-sehende Auge des ägyptischen Gottes Ra, die Bibel, die Säulen, die dem Tempel Salomons repräsentieren oder die Schwerter und der Zylinder mit den weißen Handschuhen. Alles hat seine Funktion in der Tempelarbeit. In den übrigen Räumen der Loge werden die Besucher unter anderem Listen ehemaliger Mitglieder zu sehen bekommen, bevor sie in das erst 1925 entdeckten Gewölbe hinabsteigen, das Teil der mittelalterlichen "Heinrichsburg" Kaiser Heinrichs 11 sein soll. Der Gang hat, so sagt Vogt geheimnisvoll, seinen festen Platz im Ritus der Andreaslogen, wird also derzeit nicht genutzt. Was sich in den Gemäuern abspielt, darüber schweigt der Meister.
Auf der Suche nach dem Licht muss jeder Freimaurer sich aber offenbar auch den Weg durch die Dunkelheit bahnen. An den Decken und Wänden finden sich geheimnisvolle Symbole wie der Phoenix, der für das ewige Leben steht. Am Ende des Weges steht dann das zerstörte Portal des Tempel Salomons, das wiederum für die Vergänglichkeit des Seins steht.
Von 10 bis 17 Uhr wird am Sonntag die einzigartige Gelegenheit sein, in die Kulturgeschichte einzutauchen. Danach wird der Sender ARD-extra die Dokumentation wiederholen, in der Volker Vogt im Mittelpunkt steht.













