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Fr, 07:30 Uhr
27.07.2007

Rangeln im Norden

Nordhausen (nnz). Während es im Landkreis Nordhausen nur wenige „Einzelkämpfer“ hinsichtlich einer erwarteten Kreisgebietsreform gibt, toben in anderen Regionen des Thüringer Nordens wahre Kämpfe.


Hans-Dieter Dörbaum ist parteilos, er ist aber auch Oberbürgermeister von Mühlhausen, der – nach Nordhausen – zweitgrößten Kommune in Nordthüringen. Ähnlich wie seine Kollegin in Nordhausen – Barbar Rinke (SPD) – verwaltet Dörbaum die Kreisstadt in einem finanziell angeschlagenen Landkreis. Vermutlich ist der Unstrut-Hainich-Kreis dem finanziellen Kollaps noch näher als der Landkreis Nordhausen. So jedenfalls hört es sich an, wenn man Verlautbarungen aus dem Mühlhäuser Rathaus vernimmt. Der Paukenschlag dann in dieser Woche. Dörbaum und sein Bürgermeister Peter Bühner zieht es ins Eichsfeld, gar von Koffer packen ist da die Rede.

Diese Äußerungen wiederum treiben dem dortigen Landrat Harald Zanker (SPD) die politische Zornesröte ins Gesicht. Man habe in der Thomas-Müntzer-Stadt nun endlich die „Katze aus dem Sack gelassen“, in dem man sich um jeden Preis bei Eichsfeldkreis anbiedern würde. In einem Gespräch mit seinem Landratskollegen im Eichsfeld, Dr. Werner Henning, habe Zanker erfahren, dass es bereits vor zwei Jahren Gespräche über einen Kreiswechsel Mühlhausens gegeben haben solle. Damals, so Zanker, sei die Kreisumlage jedoch noch eine der niedrigsten in Thüringen gewesen.

Jetzt will Harald Zanker die Bürgerinnen und Bürger Mühlhausens „wachrütteln“ und führt Beispiele an, wie die Kreisstadt bislang vom Landkreis profitiert habe. All diesem Bemühen gegenüber sei es „infam und äußerst unfair“, wenn Dörbaum der Meinung sei, jetzt die Koffer packen zu müssen.

Was hat das also für Folgen für „Rest Nordthüringens“? Reaktionen gibt es nicht, schließlich urlaubt mit Barbara Rinke und Matthais Jendricke zwei Drittel der Nordhäuser Rathausspitze. Beide gehören der Sozialdemokratie in Thüringen an. Die jedoch hält sich mit Äußerungen zu einer neuen Kreisstruktur in Thüringen bewußt zurück – offiziell. Inoffiziell wird natürlich diskutiert und debattiert. Da geht es in den Leitungsgremien auch schon mal heftig zu. Den derzeitigen „Arbeitsstand“ kann man dem Otto-Normal-Bürger kaum verklickern. So soll es nach 2009 Landkreise in Thüringen geben, die mindestens 200.000 Einwohner haben. Fazit: Nun macht mal und sucht euch das Passende. Die CDU hingegen will bei der Kleinteiligkeit bleiben.

Jeder, der sich in der Parteienlandschaft auskennt, weiß, dass dies alles Angebote sind, die nicht in der Bürgernähe wurzeln. Vielmehr geht es den Parteispitzen um Strategien, wie denn bei einer neuen Struktur die jeweilige Macht nicht nur erhalten, sondern eventuell ausgebaut werden kann.

Die CDU sieht sie in der Kleinteiligkeit, die SPD in einer Zahl, die Linken wollen einen Nordthüringer Großkreis. Und die Menschen: Es wäre interessant, die mal zu fragen. In einer nnz-Umfrage haben sich 57 Prozent der Leser dazu bekannt, dass der Landkreis Nordhausen in seiner jetzigen Struktur nicht überlebensfähig sei. Mit wem soll also das Überleben gesichert werden? Mit dem Eichsfeld kaum, Mühlhausen und Co. sind zu weit weg, siehe oben. Bleibt also nur der Kyffhäuserkreis. Da munkelt man in der Kreisstadt Nordhausen: Wäre nicht schlecht, doch wir wollen nicht den gesamten Landkreis da nebenan, sondern nur die Sondershäuser Region. Greußen, zum Beispiel, sei schon viel zu weit weg.

Vielleicht wird man - offiziell – mit der Stadt Nordhausen zuletzt reden wollen. Schließlich kommt man an deren Größe nicht vorbei. Und der Rathausspitze zuzutrauen, sie würde sich zum Beispiel Sondershausen anbiedern, wie das Mühlhausen derzeit mit Heiligenstadt treibt, das wird nicht funktionieren. Selbst nicht bei denen, die Nordhausen im Landkreis Nordhausen nicht mögen...
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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