eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige symplr (4)
Sa, 12:53 Uhr
05.05.2007

Wandersmann in Nordhausen

Nordhausen (nnz). Er schrieb Lieder und Songs für die Ewigkeit: „Wer die Rose ehrt“ oder „Zwischen Liebe und Zorn“. Er war IM und ist ein begnadeter Musiker. Der Wandersmann war gestern in Nordhausen und die nnz hörte ihm zu.

Der Wandermann in Nordhausen (Foto: nnz) Der Wandermann in Nordhausen (Foto: nnz)

Es muss so das Jahr 1972 gewesen sein, so richtig kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich hatte mir vom Jugendweihe-Geld ein erstes Kofferradio kaufen können. „Stern Camping“ hieß das Ding, es hatte – das war wichtig – UKW. Neben NDR 2 hörte man im jetzigen Sachsen-Anhalt kaum ein anderes Programm. Aber: Neben der Frequenz der Norddeutschen war der Berliner Rundfunk. Ob es nun eine Laune der Natur oder ein Bedienfehler war – ich weiß es nicht mehr. Aus dem Lautsprecher drang ein Lied, das irgendwie an Led Zeppelin erinnerte, doch mit einem deutschen Text „versehen“ war: „Revolution ist das Morgen schon im Heute, ist kein Bett und kein Thron für die Arsch zufriedner Leute...“

Das kam an, beim damals 16jährigen. Dann erfuhr ich: Die Klaus-Renft-Combo steckt dahinter. Damals, in den Zeiten, da viele in der damaligen demokratischen Republik dachten, es werde irgendwie besser. Solche Songs waren es, die dieses Denken beflügelten.

Das wusste auch Peter Gläser, nicht der Vater, wohl aber das Herz der Combo, die Vaterrolle war längst an Renft selbst vergeben. Im Tabakspeicher las der Mann, der mit dieser damaligen Republik geboren worden war, aus seinem Buch „Wer die Rose ehrt“. Er las nicht eigentlich, er repetierte sein Leben, erzählte Geschichten, die nicht im Geschriebenen zu finden sind. Er spielte auf Instrumenten: Xylophon, Blockflöte und Gitarre. Sein Leben – eine Zeitreise in Musik? Mehr: Cäsar mitten drin. Er fand damals die DDR in Ordnung („Ich stand auf Sozialismus“), wurde informeller Mitarbeiter der Staatssicherheit, er denunzierte niemand, schon gar nicht seine Mitstreiter – die Musiker und Texter.

Der Wandermann in Nordhausen (Foto: nnz) Der Wandermann in Nordhausen (Foto: nnz) Es war eine „Scheiß Zeit – geile Zeit“. Die Begründung dafür ist nachzulesen in der Biographie des 58jährigen. Man sollte es tun, viele werden sich zwischen Blättern und Zeilen aufgehoben finden. Dieses Hin und Her zwischen verordneter Starre und dem individuellen Aufbrechen. Mehrere Spielverbote hielten Cäsar nicht ab, er wollte und musste Musik machen. Nach „Abschaltung“ der Renft Combo als „Karussell“, als „Cäsars Rockband“, bei diversen anderen Projekten. Dann verließ er die DDR, das Erdrücken wurde existenziell.

Drei Jahre kurvte der Gitarrist und Sänger als Taxifahrer durch das geeinte Berlin, dann der Neuanfang, die Neufindung mit den alten Kameraden. 1996 eine unvergessliche Tour, mit dabei auch der viel zu früh verstorbene Gerulf Pannach, der Text-Philosoph. Und immer wieder wird in Leipzig gefeiert. Das 30jährige Bühnenjubiläum, der 50. Geburtstag, die Premiere jenes Buches, aus dem Cäsar gestern vorgelesen hatte.

Ist er nun angekommen, der Wandersmann? Die Frage wird er selbst beantworten müssen. Er, der Mensch, der Musiker, der jene Zeit maßgeblich beeinflusste, an die sich große Teile des Publikums erinnerten. Die Klaus Renft Combo brachte es fertig, Rockmusik mit deutschen Texten auszustatten in einer Zeit, da „Frumpy“, „Karthago“ oder „Can“ in der anderen Republik diese eigene Sprache leugneten. Rock made Germany war mehr als Liedgutproduktion. Er war immer eine Gratwanderung zwischen Beton und Poesie. Am Ende erdrückte der Beton in den Köpfen die Menschen und die Republik.

Geblieben sind auch heute noch Songs wie „Wer die Rose ehrt“. Zu verdanken ist das Menschen wie Pannach, Demmler, Klaus „Jenni“ Renft, Thomas „Monster“ Schoppe, Peter "Pjotr" Kschentz, Christian "Kuno" Kunert, Jochen Hohl und eben Peter „Cäsar“ Gläser. Sie werden auch weiterleben, der Grund dafür ist in der letzten Zeile des Liedes zu finden, das Titel des Buches ist: „Und Mensch ehrt den Menschen“.
Peter-Stefan Greiner
Autor: psg

Anzeige symplr (6)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentare sind zu diesem Artikel nicht möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)