Mo, 09:41 Uhr
28.01.2002
125 Jahre Stadt-Bibliothek
Nordhausen (nnz). Die städtische Bibliothek in Nordhausen blickt Anfang Februar 2002 auf eine 125jährige Tradition zurück. Das Jubiläum bietet Anlass, auf die Entwicklung dieser Einrichtung mit all ihren Höhen und Tiefen zurückzuschauen. nnz-Mitarbeiter Rainer Hellberg fasste das Wachsen und Werden der Bibliothek in einem kleinen geschichtlichen Exkurs zusammen. Heute: Teil 1.
Ein konkreter Plan zur Gründung einer Volksbücherei entstand im Städtischen Verein um 1875. Durch freiwillige Beiträge Einzelner sowie von Vereinen gelang es einen Fonds von 800 Mark zusammenzubringen, der zur Gründung der Bibliothek genügte. Nach einjähriger Vorbereitung konnte Realgymnasialdirektor und Stadtrat Dr. Hermann Wiesing die Volksbibliothek am 10. Februar 1877 in einem Raum des Waisenhauses der Öffentlichkeit übergeben. 245 Bücher standen zur Ausleihe zur Verfügung. Die Initiatoren der Einrichtung hofften, dass die Bibliothek ihren erzieherischen Einfluss vorzugsweise in denjenigen Schichten der Bevölkerung zur Geltung bringen würde, die mit den geist- und gemütbildenden Schätzen der Literatur aufgrund ihrer finanziellen Lage fast gar nicht in Berührung kommen.
Die Leihgebühr betrug 2 Pfennige pro Buch. Die Mittel zur weiteren Vervollkommnung der Bibliothek wurden anfangs durch Sponsoren und Beiträge der Stadt aus Sparkassenüberschüssen in Höhe von 150-200 Mark bestritten. 1905 erhielt die Stadt vom Vorstand der Jacob-Plaut-Stiftung in Berlin für die Ausstattung der Volksbücherei ein Betrag von 5000 Mark. Jacob Plaut war Nordhäuser und Ehrenbürger der Stadt.
Er wurde am 11. Januar 1816 geboren und war der älteste von drei Brüdern (Moritz und Gustav). Nach seiner Lehrzeit im Bankhaus Becker & Co trat er in das Geschäft H.C. Plaut ein, das sein Bruder Moritz unter Beteiligung seiner Mutter im Jahre 1843 in Nordhausen gegründet hatte. 1852 verkauften die Brüder das Unternehmen an das Bankhaus Bach & Frenkel und gründeten in Leipzig ein eigenes Bankhaus. In den 70er Jahren siedelte das Unternehmen nach Berlin über.
Als Philanthrop war Jacob Plaut weit über die Grenzen seiner Heimatstadt geachtet. Davon zeugten eine Anstalt für Lungenleidende in Nizza, eine Krankenanstalt in den französischen Seealpen und wohltätige Einrichtungen in Leipzig und Berlin. Seiner Vaterstadt überwies er ein Kapital von 300.000 Mark zur Errichtung einer Altersvorsorge-Anstalt. Sie wurde am 31. Oktober 1881 eröffnet und gab jährlich 50 älteren Menschen freie Wohnung und teilweise freien Unterhalt. Jakob Plaut verstarb am 4. Februar 1901 in Nizza.
Der Bankier Hermann Frenkel in Berlin, stellte aus eigenen Mitteln weitere 5000 Mark zur Verfügung. So konnte der Bücherbestand weiter ausgebaut werden. 1906 wurde die Bücherei in das Museum am Wilhelm-Platz verlegt, wo sie am 18. Februar 1907 wieder eröffnete. Sie erhielt den Namen Jacob-Plaut-Volksbücherei, den sie bis 1933 behielt.
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten in Deutschland verschwand zunächst der Name des jüdischen Ehrenbürgers Jakob Plaut aus der Bezeichnung der Bibliothek. Sie hieß ab sofort nur noch Städtische Volksbücherei. Dann drückten die neuen Herrscher auch dem Buchbestand ihren Stempel auf. Bücher, die nicht in die ideologische Ausrichtung der Machthaber passen, wurden aus den Bestand entfernt und vernichtet.
Mit dem Jahr 1934 brach für die Einrichtung auch eine beispiellose ambulante Existenz an, die bis 1952 anhielt. Das Gebäude am Friedrich-Wilhelm-Platz wurde wieder für schulische Zwecke benötigt. Die Städtische Volksbücherei musste in die Ritterstraße 3 umziehen. In der Folgezeit kam es zu weiteren Standortwechseln. Hanna Müller übernahm im Oktober 1934 die Leitung der Einrichtung, Die 31jährige löste ihre Mutter Luise ab, die in den Ruhestand versetzt wurde. Luise Müller hatte in ihrer 16 jährigen Tätigkeit maßgeblichen Anteil an der positiven Entwicklung der Volksbücherei.
Zu Beginn des 2. Weltkrieges wurde die Bibliothek geschlossen, die Bücher im Rathaus eingelagert, öffnete jedoch auf Veranlassung des zuständigen Ministeriums im November des gleichen Jahres im Rosenthal'schen Haus wieder. Dort wurde sie beim Bombenangriff am 3. und 4. April 1945 völlig ausgebombt. Fast der gesamte Bestand von 9.000 Büchern ging verloren.
Autor: nnzEin konkreter Plan zur Gründung einer Volksbücherei entstand im Städtischen Verein um 1875. Durch freiwillige Beiträge Einzelner sowie von Vereinen gelang es einen Fonds von 800 Mark zusammenzubringen, der zur Gründung der Bibliothek genügte. Nach einjähriger Vorbereitung konnte Realgymnasialdirektor und Stadtrat Dr. Hermann Wiesing die Volksbibliothek am 10. Februar 1877 in einem Raum des Waisenhauses der Öffentlichkeit übergeben. 245 Bücher standen zur Ausleihe zur Verfügung. Die Initiatoren der Einrichtung hofften, dass die Bibliothek ihren erzieherischen Einfluss vorzugsweise in denjenigen Schichten der Bevölkerung zur Geltung bringen würde, die mit den geist- und gemütbildenden Schätzen der Literatur aufgrund ihrer finanziellen Lage fast gar nicht in Berührung kommen.
Die Leihgebühr betrug 2 Pfennige pro Buch. Die Mittel zur weiteren Vervollkommnung der Bibliothek wurden anfangs durch Sponsoren und Beiträge der Stadt aus Sparkassenüberschüssen in Höhe von 150-200 Mark bestritten. 1905 erhielt die Stadt vom Vorstand der Jacob-Plaut-Stiftung in Berlin für die Ausstattung der Volksbücherei ein Betrag von 5000 Mark. Jacob Plaut war Nordhäuser und Ehrenbürger der Stadt.
Er wurde am 11. Januar 1816 geboren und war der älteste von drei Brüdern (Moritz und Gustav). Nach seiner Lehrzeit im Bankhaus Becker & Co trat er in das Geschäft H.C. Plaut ein, das sein Bruder Moritz unter Beteiligung seiner Mutter im Jahre 1843 in Nordhausen gegründet hatte. 1852 verkauften die Brüder das Unternehmen an das Bankhaus Bach & Frenkel und gründeten in Leipzig ein eigenes Bankhaus. In den 70er Jahren siedelte das Unternehmen nach Berlin über.
Als Philanthrop war Jacob Plaut weit über die Grenzen seiner Heimatstadt geachtet. Davon zeugten eine Anstalt für Lungenleidende in Nizza, eine Krankenanstalt in den französischen Seealpen und wohltätige Einrichtungen in Leipzig und Berlin. Seiner Vaterstadt überwies er ein Kapital von 300.000 Mark zur Errichtung einer Altersvorsorge-Anstalt. Sie wurde am 31. Oktober 1881 eröffnet und gab jährlich 50 älteren Menschen freie Wohnung und teilweise freien Unterhalt. Jakob Plaut verstarb am 4. Februar 1901 in Nizza.
Der Bankier Hermann Frenkel in Berlin, stellte aus eigenen Mitteln weitere 5000 Mark zur Verfügung. So konnte der Bücherbestand weiter ausgebaut werden. 1906 wurde die Bücherei in das Museum am Wilhelm-Platz verlegt, wo sie am 18. Februar 1907 wieder eröffnete. Sie erhielt den Namen Jacob-Plaut-Volksbücherei, den sie bis 1933 behielt.
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten in Deutschland verschwand zunächst der Name des jüdischen Ehrenbürgers Jakob Plaut aus der Bezeichnung der Bibliothek. Sie hieß ab sofort nur noch Städtische Volksbücherei. Dann drückten die neuen Herrscher auch dem Buchbestand ihren Stempel auf. Bücher, die nicht in die ideologische Ausrichtung der Machthaber passen, wurden aus den Bestand entfernt und vernichtet.
Mit dem Jahr 1934 brach für die Einrichtung auch eine beispiellose ambulante Existenz an, die bis 1952 anhielt. Das Gebäude am Friedrich-Wilhelm-Platz wurde wieder für schulische Zwecke benötigt. Die Städtische Volksbücherei musste in die Ritterstraße 3 umziehen. In der Folgezeit kam es zu weiteren Standortwechseln. Hanna Müller übernahm im Oktober 1934 die Leitung der Einrichtung, Die 31jährige löste ihre Mutter Luise ab, die in den Ruhestand versetzt wurde. Luise Müller hatte in ihrer 16 jährigen Tätigkeit maßgeblichen Anteil an der positiven Entwicklung der Volksbücherei.
Zu Beginn des 2. Weltkrieges wurde die Bibliothek geschlossen, die Bücher im Rathaus eingelagert, öffnete jedoch auf Veranlassung des zuständigen Ministeriums im November des gleichen Jahres im Rosenthal'schen Haus wieder. Dort wurde sie beim Bombenangriff am 3. und 4. April 1945 völlig ausgebombt. Fast der gesamte Bestand von 9.000 Büchern ging verloren.


