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Mo, 07:11 Uhr
22.08.2005

Kurioser Arbeitsmarkt

Nordhausen (nnz). Normalerweise wird die Nebenbeschäftigung von Arbeitnehmern nicht gern gesehen. Bei Arbeitgeber. In Nordhausen gibt es jedoch ein Unternehmen, das hat seinen Mitarbeitern die Aufnahme eines Nebenjobs „nahegelegt“. Einzelheiten wie immer in Ihrer nnz.


Schon immer gab es beim Nordhäuser Fahrradhersteller Bike Systems Probleme mit der Saison. Mal müssen mehr Fahrräder, mal weniger zusammengeschraubt werden. So ist das bei saisonalen Aufträgen, darauf muß die Geschäftsleitung reagieren. Es gab nach nnz-Informationen schon mehrere Varianten. Arbeitszeitverkürzung, Personalabbau waren bislang die gängigsten. Bislang. Jetzt hat sich die Chefetage etwas gang Ausgefallenes einfallen lassen.

Sie fordert die Arbeitnehmer auf, sich schleunigst einen Nebenjob zu suchen. Aber nicht irgendeinen, sondern man hat schon Partner bei der Hand. Das IC Team (ICT), eine Zeitarbeitsfirma mit Standort in Nordhausen ist eine davon. Ziel des ausgetüftelten Modells soll es sein, die bestehenden Arbeitsplätze zu sichern. Wichtig ist, „dass alle Mitarbeiter bereit sein, zeitweise eine Nebenbeschäftigung auszuüben“, steht in einem Schreiben an die Bike System Mitarbeiter, das der nnz vorliegt. Diese Zeitarbeit soll vom 1. September 2005 bis zum 31. März 2006 dauern. Für diese Zeit erhalten die temporären Zeitarbeiter unbezahlten Urlaub angerechnet und so sollen die Kollegen „mindestens den gleichen“ Nettolohn erhalten wie bei Bike System. In dem Schreiben werden auch Rechnungen aufgemacht, da ist von einfachen Helfertätigkeiten für 5,60 Euro bis hin zu Schweißerarbeiten für 5,90 Euro die Stunde die Rede.

Wo aber liegt der Pferdefuß an der Sache? ICT entscheidet über den Einsatzort, zum Beispiel in Süddeutschland, dort, wo es noch Arbeit gibt. Bei einer Arbeit dort unten soll es noch eine steuerfreie und abgabenfreie Aufwandsentschädigung geben, „mit der Fahrtkosten und Unterkunft zu begleichen sind“. Und dann kommt die unternehmerische Empfehlung des Jahres: „Erfahrungsgemäß kann in derartigen Fällen bei einem sparsamen Umgang noch ein Zusatzverdienst pro Stunde durch den Mitarbeiter verdient werden, von je nach Einsatzort bis zum 2 Euro je Stunde“.

Fakt ist nun, alle Mitarbeiter sollen sich den Nebenjob sichern, viele ältere, die schon zu DDR-Zeiten Fahrräder bauten, sollen sich gen Bayern bewegen, sollen ihre Familien verlassen. Als „großen Mist“ bezeichnet die IG Metall dieses Modell. Astrid Schwarz-Zaplinski meint, dass einem Menschen eigentlich niemand vorschreiben könnte, ob er einen Nebenjob annimmt oder nicht. Für Schwarz-Zaplinski mutet es schon ziemlich abenteuerlich an, dass mit Schweißen in Süddeutschland die Arbeitsplätze bei Bike System gerettet werden sollen.

Apropos: Die nnz hat hier über Nebenjobs berichtet, die sich im Bereich so genannter Mini-Jobs bewegen. Maximal 400 Euro springen da für die Beschäftigten im Monat raus. Und wenn da in dem Papier geschrieben steht, dass mit diesen Nebenjob nicht weniger verdient wird, als bei regulärer Beschäftigung bei Bike Systems scheint noch vieles ungeklärt.
Autor: nnz

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