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Di, 06:40 Uhr
10.07.2018
Exkursion mit Rolf und Heinke Richter durch die Rüdigsdorfer Schweiz

Ein Resümee und Dankeschön

Ein großes Dankeschön seitens der BUND Kreisverbandes Nordhausen geht an das Ehepaar Rolf und Heinke Richter anlässlich der kürzlich durchgeführten Exkursion in ein wunderbares Stück Heimat vor unserer Haustür im Rahmen der „Alter Work Wanderung“, die Rüdigsdorfer Schweiz...

Unterwegs in der Rüdigsdorfer Schweiz (Foto: BUND Nordhausen)
Um es vorweg zu nehmen: Die Begeisterung der Teilnehmer mündete in der einhelligen Meinung, den Winkelberg nun endlich unter Naturschutz zu stellen.
Mit viel Sachkunde, Einfühlungsvermögen gegenüber der Natur und den Teilnehmern und dem Blick für das Alltägliche und doch Besondere, begeistern die beiden Experten der Pflanzen- und Kräuterkunde, das Ehepaar Richter, immer wieder Jung und Alt. Beide Richters sind auch Mitglieder im BUND.

Heinke Richter kennt die Kräuter und deren Wirkung sehr genau. Und derer Viele gab es am und sogar auf den Wegen durch die Rüdigsdorfer Schweiz zahlreich zu begutachten. Mit hilfreichen Tipps zur Verarbeitung las Genuss- und Heilmittel wurde die Wanderung zu einem Erlebnis für die Sinne. So erfuhren die Wanderer, dass der Breitwegerich eine antiseptische Wirkung besitzt und zerrieben auf der Haut ein wirksames Mittel gegen Insektenstiche darstellt.

Und dann der zahlreich auf den Wiesen auffallend gelb blühende Echte Labkraut mit seinem herrlichen Duft nach Honig!!! Werden die Blüten mit Apfelsaft oder Apfelwein aufgesetzt, ist das Endprodukt ein herrlicher Gelee, der nach Sommerwiese und Honig schmeckt und alle Leckermäuler begeistert.

Erst beim aufmerksamen Hinhören nehmen die Teilnehmer der Wanderung wahr, wieviel Arbeit, Engagement und Fachkunde dazu gehört, eine solche Exkursion durchzuführen. Da wird im Vorfeld die geplante Route abgelaufen, um Zeit und vor allem die aktuelle Pflanzensituation zu erfassen. Und dass sich das gelohnt hat, zeigte bereits der Blick in das Haferfeld unmittelbar am Wegesrand bei Petersdorf.

Blau blühender Feldrittersporn (Foto: BUND Nordhausen)
Zur Vorsicht mahnt Rolf Richter, als er den Teilnehmern das bereits verblühte Exemplar des Sommeradonisröschens zeigt, das sich zaghaft seinen Platz in dem lückig bestandenen Getreidefeld reserviert hat. Der Pflanzenkenner gewährte den interessierten Wanderern einen Blick in den Verbreitungsatlas der Blütenpflanzen Deutschlands und verdeutlicht somit die Seltenheit dieser wunderschönen, in leuchtendem Rot oder Gelb blühenden Pflanze. Hier an diesem Standort wurde sie nunmehr das erste Mal gesichtet.

Herr Richter fügte ergänzend hinzu, dass die in der Rüdigsdorfer Schweiz noch zahlreichen Wildkräuter, wie zum Beispiel der begeisternd bestaunte, in strahlendem blau blühende Feldrittersporn (Foto), in einem intensiv ackerbaulich bewirtschafteten Mais- oder Rapsfeld auch auf Grund der eingesetzten Spritz- und Düngemittel keine Chance auf Verbreitung hat. Insofern ist das Anlegen und die Akzeptanz von Ackerrandstreifen ein wichtiger Aspekt, um Refugien für die mittlerweile so selten gewordenen Pflanzen und Insekten zu sichern.
Fast nebenbei erfahren die Teilnehmer der Exkursion, die von Petersdorf nach Rüdigsdorf führte, dass in dem sog. Viertelquadranten des Winkelberges, durch den man sich an diesem Sommerabend bewegte, vor einigen Jahren 650 Pflanzenarten kartiert wurden.

„Deshalb“, so Rolf Richter, „wurde die Rüdigsdorfer Schweiz wie auch der gesamte Gipskarstgürtel vom Bundesamt für Naturschutz als sogenannter „Hot Spot der Artenvielfalt“ ausgezeichnet“. „Und diesen“ ergänzte seine Frau Heinke, „gelte es nun auch konsequent zu erhalten und nachhaltig zu nutzen“. Und fügt mit einem Blick auf das seltene Ebensträußige Gipskraut und die in unmittelbarer Nachbarschaft stehenden Orchideen hinzu, dass der geplante Gipsabbau am Winkelberg damit wohl nicht vereinbar sein dürfte.

Dies war das Stichwort für die Exkursionsteilnehmer, die den Wunsch bekräftigten, den Natur- und Erholungsraum „Rüdigsdorfer Schweiz“ in seiner Gänze zu bewahren. Sie verliehen ihrer Forderung nach sofortiger Ausweisung des Naturschutzgebietes „Winkelberg“ Nachdruck und appellierten an den Präsidenten des Thüringer Landesverwaltungsamtes, die dort vorliegende unterschriftsreife Schutzgebietsverordnung zu unterzeichnen.
Heidi Schell, Vorsitzende BUND Kreisverband Nordhausen
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