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Sa, 10:36 Uhr
19.05.2018
Umfrage

Mehrheit für Limo-Steuer, Zustimmung gestiegen

Eine Mehrheit der Menschen in Deutschland befürwortet eine Steuer auf überzuckerte Getränke. Das hat eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov im Auftrag der Verbraucherorganisation foodwatch ergeben. Demnach sprachen sich 52 Prozent für eine "Limo-Steuer" aus - bei der gleichen Umfrage im Jahr 2016 lag die Zustimmung noch bei lediglich 45 Prozent...

foodwatch forderte die Bundesregierung auf, eine Limo-Steuer nach dem Vorbild Großbritanniens einzuführen und im Gegenzug die Mehrwertsteuer für Obst und Gemüse zu streichen. Zuletzt hatten Anfang Mai mehr als 2.000 Ärztinnen und Ärzte sowie ein Bündnis aus Fachgesellschaften und Krankenkassen von der Bundesregierung verbindliche Maßnahmen gegen Fehlernäherung eingefordert, darunter eine Steuer auf gesüßte Getränke sowie eine Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben und Einschränkungen bei an Kinder gerichteter Werbung.

"Anstatt die Interessen der Getränke- und Zuckerindustrie zu schützen, muss Bundesernährungsministerin Julia Klöckner endlich auf die Ärztinnen und Ärzte in diesem Land hören: Wir brauchen eine Limo-Steuer, damit die Hersteller weniger Zucker in die sogenannten Erfrischungsgetränke kippen. Außerdem eine Ampelkennzeichnung, besseres Schul- und Kita-Essen sowie Beschränkungen der Kinderwerbung. Freiwillige Empfehlungen an die Ernährungswirtschaft, wie von der Regierung geplant, sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein", erklärte Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch.

Die Meinungsforscher von Yougov befragten für die aktuelle Erhebung mehr als 2.000 Erwachsene, ob sie "eine Steuer auf besonders stark zuckerhaltige Getränke befürworten oder ablehnen" würden. 28 Prozent davon gaben an, eine Steuer "voll und ganz" zu befürworten, 24 Prozent, sie "eher" zu befürworten. 19 Prozent lehnten eine Abgabe "eher" ab und 22 Prozent lehnten sie "ganz und gar" ab. Acht Prozent hatten keine Meinung. Die Zustimmung für eine Limo-Steuer ist mit zusammengenommen 52 Prozent deutlich höher als noch vor zwei Jahren: 2016 befürworteten die Maßnahme lediglich 45 Prozent der Befragten. foodwatch hatte für die aktuelle Umfrage die Fragestellung und Erhebungsmethodik von der Yougov-Umfrage aus dem Jahr 2016 unverändert übernommen. Damals war foodwatch nicht Auftraggeber.

Zuckergesüßte Getränke gelten laut der Weltgesundheitsorganisation als eine "Hauptursache" für Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes. Zahlreiche Regierungen wie zum Beispiel in Großbritannien, Frankreich, Irland, Berkeley (USA) oder Mexiko haben bereits eine Sondersteuer oder -abgabe auf überzuckerte Getränke beschlossen. In Großbritannien führte dies dazu, dass führende Hersteller schon vor Inkrafttreten den Zuckergehalt ihrer Produkte deutlich senkten. In Berkeley oder auch Mexiko ging der Konsum der besteuerten Produkte zurück, der Konsum von Wasser nahm hingegen zu.

Laut Robert-Koch-Institut gelten 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland als übergewichtig oder adipös. Im Vergleich zu den 1980er- und 1990er-Jahren hat der Anteil übergewichtiger Kinder um 50 Prozent zugenommen, der Anteil adipöser Kinder hat sich verdoppelt. Im letzten Jahrzehnt sind diese Zahlen nicht weiter angestiegen, haben sich jedoch auf dem hohen Niveau stabilisiert. Bei Erwachsenen gelten 67 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen als übergewichtig sowie 23 Prozent der Männer und 24 Prozent der Frauen als adipös. Besorgniserregend sind auch die Zahlen der Diabetes-Erkrankungen: In Deutschland leben derzeit 6,7 Millionen Menschen mit Diabetes - eine Steigerung um etwa 38 Prozent seit Beginn des Jahrtausends, altersbereinigt um etwa 24 Prozent.
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Kommentare

19.05.2018, 14.18 Uhr
Kartoffelschäler | Vielleicht ein anderer Ansatz
Eine Limo-Steuer könnte man mal ausprobieren um das Problem anzugreifen.
Ich denke jedoch nicht, dass dadurch das Problem sich löst. Wahrscheinlich wird nur mehr Geld für die Süßigkeiten ausgegeben, was vor allem Geringverdiener mehr schadet. Ich schlage mehr Präventionsarbeit an Schulen vor. Man starten bei den kleineren mit leichten und nachvollziehbaren Nachteilen bis zu älteren Schülern wo man auch Schockbilder einsetzt. Die Eltern müssen dabei natürlich auch mit ins Boot geholt werden.
19.05.2018, 17.34 Uhr
Blueman | Zuckersteuer jetzt
Ich finde eine Zuckersteuer sehr gut. Zwar trifft sie vor allem Haushalte mit geringem Einkommen, aber nur der Hebel am Geldbeutel funktioniert wirksam.
19.05.2018, 19.37 Uhr
h3631 | Noch ein Vorschlag
Ich währe noch für eine Salzsteuer.
19.05.2018, 19.53 Uhr
Wolfi65 | Noch einer
Vielleicht eine NNZ Kommentator Steuer gefällig?
Pro vollendeten Satz einen Eurotaler...
Oder einfach nur wie in England eine Kopfsteuer.
Der eingeatmete Sauerstoff wird geschätzt und auf das Jahr hochgerechnet.
Wer nicht zahlen will, dem wird der Hals zugenäht.
Na ja. vielleicht wäre das doch Zuviel des Schlechten.
Aber der Fantasie der Steuer Erfinder, sind keine Grenzen gesetzt.
Also hoch mit der Zuckersteuer, damit die Zähne heil und die Gesundheit erhalten bleibt!
19.05.2018, 20.10 Uhr
tannhäuser | Das betrifft dann aber auch Cola...
Schlecht für das Ost-Aushängeschild Vita. Die produzieren auch Limo.

Egal, Arbeitsplätze weg, aber deutsche Nationalspieler werben trotzdem für die Zuckerbombe Coke.
20.05.2018, 02.46 Uhr
Kama99 | Zuckersteuer?
Ich wäre für eine Politikersteuer die sich so einen Mist ausdenken. Zucker ist nun mal vielen Lebensmitteln drin, mal mehr mal weniger. Ich genehmige mir jetzt erst mal Stück Schokolade und eine Cola, alles mit Zucker.
20.05.2018, 04.27 Uhr
Kartoffelschäler | Vita
Vita produziert nicht nur Cola und Limo sondern auch neuerdings Energydrinks. Also Zucker mit ein wenig Wasser, Farbstoff und Aroma. Und nein, Coca Cola, Fanta, Fritz, Monster und was es nicht alles gibt, bestehen fast alle aus denselben Zutaten. Die Aromen werden meistens etwas anders abgestimmt.

Übrigens ist die Werbung ein guter Stichpunkt. Ich sehe das ebenfalls kritisch, dass ausgerechnet Sportler für Zuckerbomben wie Cola oder Nutella eingesetzt werden. Aber nun ja wenn genug Geld gezahlt wird, bekommt man auch mal eine berühmtere Person.
20.05.2018, 22.34 Uhr
Andreas Dittmar | Steuern zahlen um anderen die Gewinne zu sichern ?
Da sollte man weniger Zucker rein machen oder einfach ganz weg lassen. Zucker regt zusätzlich den Durst an. Je mehr Zucker da drin ist, desto mehr wird getrunken und muß eben auch nachgekauft werden. Die Wirkung von künstlichem Süßstoff der bei kalorienreduzierten Produkten eingesetzt wird, ist noch fataler. Die Geschmackssensoren signalisieren die Aufnahme von Zucker und geben die Info an das Gehirn weiter. Das aktiviert die notwendigen Prozesse in den zuständigen Organen, um den Zucker zu verarbeiten, welcher aber nicht kommt. Nimmt man regelmäßig Süßstoff, stellt sich der Körper darauf ein. Das wissen die Unternehmen und nutzen diese Stellschraube. Gesund ist das natürlich nicht. Warum machen die Lebensmittelkonzerne so etwas ? Die Gesundheit der Verbraucher ist erstmal absolut nullrangig. Am wichtigsten sind der Börsenkurs und die Interressen der Aktionäre. Das man hier von einer virtuellen Realität welche einem Spielcasino ähnelt, ausgehen kann, spielt in diesen Kreisen keine Rolle mehr. Dann folgen foodwatch, Aufsichtsrat, CEO, CFO und der Rest der Führungsmannschaft, welche zur Erfüllung ihrer Vertragsklauseln den Aktionären schöne Quartalszalen verkünden hohe Dividenen in Aussicht stellen. Davon hängt ihr Gehalt ab. Bunte Ampeln auf der sogenannten Scorecard entscheiden über den Verbleib im Unterehmen und die finanzielle Vergütung der Führungskräfte in den unteren Hierarchieebenen. Dann folgen Betriebsrat, Putzkolonne und Security. Ganz unten steht der Arbeitnehmer dessen Wert ganz oben über Ampelfarbe abzüglich der Personalkosten bemessen wird. Ohne
Kunde natürlich kein Umsatz auch bei diesem greift manchmal das Ampelsystem. Wenn der Kunde 3 Flaschen mehr pro Woche kaufen soll, ist laut Strategiepapier der Zuckereinsatz zu erhöhen oder er wird mit einer Rabattaktion dazu gebracht 10 Kisten zu kaufen, um eine Kiste gratis zu bekommen. Das auf den weltweiten Mehrverbrauch hochgerechnet, bringt Global Playern, wie Coca Cola und Pepsi satte Mehreinnahmen. Genau hier wäre eine Zuckersteuer sinnvoll, welche das Unternehmen auf den Zuckerverbrauch zu leisten hat und nicht beim Endkunden ? Da diese Steuer schlecht fürs Geschäft wäre schickt der Konzern die Foodwatch-Brigade natürlich gegen Bezahlung ins Rennen um die Bevölkerung vor den Gesundheitsgefahren zu warnen und diskutiert auch schon mal über die gerechte Strafe für solche Gesundheitsmuffel.
Wir waren da fast auf dem selben Weg @Blueman. Warum würden sie den Verbraucher belasten ? Der Lebensmittelhersteller kippt weiter seinen Zucker rein, wenn man dort nicht die Reißleine zieht. Sogar sein System funktioniert dann noch.
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