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Mo, 07:55 Uhr
13.12.2004

Kaum Interesse

Nordhausen (nnz). Seit Monaten, vielleicht schon seit Jahren wird sich in der Nordhäuser Kreisverwaltung mit einigen Beamten bzw. deren Verbeamtung beschäftigt. Auch das Landesverwaltungsamt, selbst die Staatsanwaltschaft haben damit zu tun. Ein Mitglied des Nordhäuser Kreistages wird heute von der Kripo vernommen.


Nur: Beobachter der Szenerie haben den Eindruck, dass diese Vorgänge den Kreistag nicht allzu sehr beschäftigen, nicht den vor der Kommunalwahl und nun auch nicht. Das Auskunftsbegehren der Fraktionen ist eher auf Null gesetzt. Da ist die Mehrzahl der Kreistagsmitglieder in bester Gesellschaft, auch den Landrat machen die Vorgänge in seinem Haus „nicht sehr an“. In den nächsten Tagen sollen die Mitglieder des Ältestenrates mal zusammenkommen, meint Dagmar Becker, die Chefin der SPD-Fraktion. Schließlich geht es Becker darum, die „Neuen“ vor allem über die Verbeamtungs-Geschichte in Kenntnis zu setzen. Da ist seit dem vergangenen Jahr schon viel geredet und noch mehr geschrieben worden (siehe nnz-Archiv). Vor allem in Richtung Weimar und nach Mühlhausen. In Weimar sollte sich seit dem September des vergangenen Jahres das Landesverwaltungsamt um die falsche Verbeamtung im Landratsamt kümmern. Im vergangenen Jahr noch war die Behörde durch den „Herr des Verfahrens“, Matthias Jendricke (SPD), gelobt worden. Auf diesem Lob ruht sich die Mittelbehörde aber vermutlich immer noch aus.

Auch in der Staatsanwaltschaft Mühlhausen bemüht sich ein Staatsanwalt, doch außer Schreiben von Mühlhausen nach Nordhausen oder anders herum passierte nichts, obwohl Matthias Jendricke ganze Ordnerreihen initiativ verschickte. In Mühlhausen wurde lediglich die Bearbeitung der Anzeige wegen Untreue und Betrugs gegen zwei Mitarbeiter der Personalabteilung im Landratsamt bestätigt. Man ermittelt und ist aktiv, heute soll in Nordhausen Winfried Theuerkauf als Kreistagsmitglied von der Kriminalpolizei vernommen werden. Was die Staatsanwälte noch preisgaben ist die Tatsache, dass gegen Landrat Joachim Claus eine Anzeige wegen Vorteilsnahme im Amt geprüft werde. Claus soll Gerichtskosten in einem privaten Verfahren über das Landratsamt abgerechnet haben.

All das werden die „Ältesten“ des neuen Kreistages irgendwann zu hören bekommen, ob sie es weitergeben, ist genau so ungewiß wie ein etwaiger Diskussionsbedarf. Vielleicht wird auch eine interne Stellenausschreibung diskutiert, die derzeit im Landratsamt ausgegeben wurde, obwohl es ja schon eine Personalleiterin gibt. Nach offizieller Lesart, so sagte Dagmar Becker der nnz, agiert die jetzige Personalleiterin nur amtierend. Soll ihr Landrat Claus auf Anfrage mitgeteilt haben.

Indes wird sich seit Monaten schon um eine neue Personalleiterin bemüht. Im Februar soll nach nnz-Informationen schon mal die Stelle intern ausgeschrieben worden sein. Damals wurde die allerdings wieder zurückgenommen, weil irgendeine wichtige Frist nicht eingehalten wurde. Jetzt ein neuer Anlauf, doch wieder mit Fehlern behaftet. Stand da nicht in der Ausschreibung, dass „Frauen bevorzugt“ werden? Das sei mit dem Grundgesetz nicht vereinbar, wonach niemand wegen seines Geschlechts benachteiligt werden dürfe. Also: Ausschreibung wieder zurück und umformuliert: Jetzt steht drin, dass Bewerbungen von Frauen „erwünscht“ sind.

Sie merken schon: Im Landratsamt hat die Gleichstellungsbeauftragte vermutlich einen starken Stand. Gesucht wird eben eine Personalleiterin. Und für die, die es immer noch nicht gemerkt haben: Kein Personalleiter. Diese interne Ausschreibung wird nun allerdings in der Kreisverwaltung wie „eine heiße Kartoffel“ behandelt, nicht einmal der eigentlich auskunftsfreudige Vize-Landrat Matthias Jendricke (SPD) wollte etwas dazu sagen. Warum wohl?
Autor: nnz

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