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Mi, 05:00 Uhr
31.01.2018
Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt:

Lehrermangel in Grundschulen verschärft sich

An den Grundschulen wird sich in den kommenden Jahren die bereits heute spürbare Personalnot weiter zuspitzen. An den Universitäten werden gerade genug Lehrkräfte ausgebildet, um jene zu ersetzen, die alters- oder gesundheitsbedingt aus dem Schuldienst ausscheiden. Der aktuell starke Anstieg der Schülerzahlen erfordert aber zusätzliches Personal, vor allem im Zeitraum von 2021 bis 2025...

Grafik (Foto: Bertelsmann Stiftung)
Auch beim Ausbau der Ganztagsschulen und der Weiterentwicklung der individuellen Förderung werden zusätzliche Lehrkräfte gebraucht. Aufgrund der langen Dauer der Lehrerausbildung reicht eine Aufstockung der Ausbildungskapazitäten nicht. Zusätzlich müssen kurzfristigere und flexible Lösungen gegen den Lehrermangel umgesetzt werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Bildungsforscher Klaus Klemm und Dirk Zorn für die Bertelsmann Stiftung .

Insgesamt müssen bis einschließlich 2025 knapp 105.000 Grundschullehrer neu eingestellt werden. Davon entfallen etwa 60.000 auf den Ersatz ausscheidender Lehrkräfte. 26.000 Lehrer werden außerdem benötigt, um die Unterrichtsversorgung bei steigenden Schülerzahlen zu gewährleisten. Für den Ausbau von Ganztagsschulen werden weitere 19.000 Lehrer benötigt.

Allerdings stehen im gleichen Zeitraum nur 70.000 regulär ausgebildete Absolventen für das Lehramt an Grundschulen zur Verfügung. Damit fehlen den Grundschulen mindestens 35.000 regulär ausgebildete Lehrkräfte: Erst ab 2026 zeichnet sich Entspannung ab. „Gute Schule ist guter Unterricht und der wird durch gute Lehrer gemacht. Angesichts des bundesweiten Lehrermangels sollten sich die Länder die Lehrer nicht länger gegenseitig abwerben.

Die Verantwortlichen sollten gemeinsame Lösungen suchen, um den Bedarf zu decken – und zwar ohne die Qualität einreißen zu lassen“, so Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Mit Blick auf den aktuell politisch diskutierten Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz an Grundschulen, mahnt Dräger: „Der Rechtsanspruch ist pädagogisch sinnvoll und von den Eltern gewollt. Er darf nicht an fehlenden Lehrerinnen und Lehrern scheitern“.

Anreize schaffen

Während der Anstieg der Schülerzahlen an den weiterführenden Schulen erst gegen Mitte des nächsten Jahrzehnts ankommen wird, spüren die Grundschulen schon heute den Schülerboom. Mit Blick auf den kurzfristigen Bedarf sollten die Länder deshalb vor allem Anreize dafür setzen, dass erfahrene Lehrkräfte mehr unterrichten – insbesondere Teilzeitkräfte und angehende Pensionäre.

Grafik (Foto: Bertelsmann Stiftung)
Fast vierzig Prozent aller Grundschullehrkräfte – überwiegend sind es Frauen – arbeiten in Teilzeit. Voraussetzung für eine Deputatsaufstockung von Teilzeitkräften sind u. a. verlässliche Betreuungsmöglichkeiten der Kinder von Lehrkräften. Zudem sollten sie von nicht unterrichtsbezogenen Aufgaben durch andere pädagogische Mitarbeiter in den Schulen entlastet werden. Potenzial gibt es auch bei Lehrkräften an der Schwelle zum Ruhestand. Durch bessere Möglichkeiten des Hinzuverdienstes könnten befristet zusätzlich erfahrene Lehrkräfte für den Unterricht gewonnen werden.

Allerdings basieren die möglichen Maßnahmen mit Blick auf Teilzeitkräfte und Pensionäre auf Freiwilligkeit, so dass ihr Effekt nicht genau zu prognostizieren ist. Um dem sich verschärfenden Lehrermangel zu begegnen, braucht es deshalb zusätzlich Maßnahmen: Seiteneinsteiger müssen für den Einsatz an Grundschulen gewonnen werden.

Flexible Wege in den Schuldienst

Schon heute unterrichten in der Primarstufe, dort wo der Lehrermangel groß ist, Fachkräfte ohne Studium des Grundschullehramts. Angesichts der besonderen pädagogischen Herausforderungen bedarf es der sorgfältigen Auswahl, Qualifizierung und Begleitung von Seiteneinsteigern.

Grafik (Foto: Bertelsmann Stiftung)
„Flexible Zugangswege zum Lehrerberuf und pädagogische Qualität dürfen nicht im Widerspruch stehen. Wir brauchen einheitliche Standards für die Qualifizierung von Seiteneinsteigern. Dazu gehört auch genügend Zeit für berufsbegleitendes Lernen und für das Mentoring durch erfahrene Kollegen“, sagt Dräger.
Die Studienautoren machen deutlich, dass der Lehrermangel regional unterschiedlich ausfällt und die weitere Entwicklung von Unsicherheiten geprägt bleiben wird. Deshalb, so Dräger, müsse der lokale Bedarf in regelmäßigen Abständen aktualisiert und prognostiziert werden.

Zusatzinformationen

Für die Studie „Lehrkräfte dringend gesucht—Bedarf und Angebot für die Primarstufe“ haben Klaus Klemm und Dirk Zorn den Bedarf an neu einzustellenden Grundschullehrkräften bis zum Jahr 2030 abgeschätzt und mit der zu erwartenden Zahl regulärer Absolventen der lehrerbildenden Hochschulen abgeglichen. Grundlagen ihrer Berechnung für die Primarstufe bilden dabei neben der von den beiden Autoren im Juli 2017 vorgelegten Vorausschätzung zur Entwicklung der Schülerzahlen auch die im Oktober 2017 veröffentlichte Kalkulation zum qualitätsvollen weiteren Ausbau der Ganztagsschule.

Außerdem berücksichtigen sie den Ersatzbedarf durch aus dem Schuldienst ausscheidende Lehrkräfte. Die in der Studie enthaltenen Empfehlungen zu kurzfristig wirksamen Maßnahmen gegen den prognostizierten Lehrermangel wurden vorab in zahlreichen Gesprächen mit Verbändevertretern und Experten ergänzt und plausibilisiert.
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Kommentare

31.01.2018, 07.03 Uhr
Psychoanalytiker | Hier stimmt was nicht
Es fehlen also viele Grundschullehrer. Die fehlen ja in der Regel nur dann, wenn auch die Schülerzahl steigt. Im Artikel steht ja auch, dass die Grundschulen schon heute einen Schülerboom spüren.

Nun erzählt man uns in Berlin aber ständig, dass wegen rückläufiger Geburtenzahlen die Renten nicht mehr sicher sind. Man soll vorbeugen, sich privat versichern. Werden wir nur noch vera....t?

Da frage ich mich, wo kommen plötzlich die vielen Grundschüler her? Ich glaube die Antwort zu kennen......
31.01.2018, 07.34 Uhr
N. Baxter | Wir schaffen das schon
aber unsere Kinder und Enkelkinder eben nicht mehr!!!

Seit Jahren steigt die Geburtenrate wieder, auch hier in NDH. Dazu brauch man nur mal in örtliche KITA's gehen und sich umschauen oder die dortigen Erzieher fragen. Für die, welche selbst Kinder in dem Alter haben ist das nichts NEUES!
31.01.2018, 07.39 Uhr
chrissi2685 | Regelschulen
Auch an den Regelschulen herrscht Lehrer mangel. Es fallen Stunden aus, und es werden Klassen getrennt und auf andere Klassen aufgeteilt um den Unterricht gewährleiste zu können. Das liegt aber nicht daran das es mehr Kinder sind. Es gehen Lehrer in Rente, aber es kommen keine neuen nach. Was soll das noch werden? Es wird immer schlimmer. Und die Leidtragenden sind unsere Kinder!
31.01.2018, 08.34 Uhr
murmeltier | Armutszeugnis
Wie steht es tatsächlich um Deutschland? Fehlende Lehrer, Pflegenotstand, kaputte Infrastruktur, ein Bildungssystem das versagt, fehlende Polizisten, keine sichere Rente in Zukunft, Enteignung der Sparer und so weiter. Was wird mit den Milliardenüberschüssen eigentlich gemacht?
31.01.2018, 09.21 Uhr
N. Baxter | das wissen sie doch,
was mit den Überschüssen passiert:

Die Politiker pampern sich damit zuerst einmal den eigenen Allerwertesten. Weiterhin wird damit der ganze dt. bürokratische und planungstechnische Irrsinn bezahlt (sieh Schwarzbuch, BER, S21), irgenwelche EU Länder gerettet, NGO's bezahlt und ach das Dauerthema Flüchtlinge... (manche Studien sprechen von bis zu 400Mrd.)
31.01.2018, 09.27 Uhr
Veilchenduft | Woher die ganzen Schüler
Also ich frage mich auch, woher die ganzen Grundschüler kommen? Die Geburtenrate sinkt doch ständig, da sollten doch eigentlich gar nicht mehr so große Zahlen an neuen Schülern dazu kommen. Wahrscheinlicher ist für mich, dass einfach so viele aktuelle Lehrer dann in Pension gehen und daher der Lehrermangel kommt.
31.01.2018, 19.41 Uhr
jo jau | Da kann ich nur lachen
Meine Tochter hat ihr Lehramtstudium Grundschule abgeschlossen und wurde befristet eingestellt.
31.01.2018, 20.23 Uhr
N. Baxter | was falsch gelaufen jo jau?
http://www.nnz-online.de/news/news_lang.php?ArtNr=229970
01.02.2018, 14.58 Uhr
jo jau | Befristeter Arbeitsplatz.
Ist immer eine Unsicherheit (wird verlängert oder nicht) für junge Leute die ihren weiteren Weg planen wollen.
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