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22.12.2017
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An Weihnachten wird Sehnsucht Möglichkeit

Das Jahr geht zu Ende, Weihnachten steht vor der Tür und es ist Zeit für ein wenig Besinnlichkeit und den Blick auf das vergangenen Jahr. Für die evangelische Kirche waren es aufregende zwölf Monate, das große Reformationsjahr bestimmte den Kalender. Mit Superintendent Andreas Schwarze hat die nnz über die Erfahrungen aus dem 500. Jubiläum der Reformation, den Platz der Kirche in der Gesellschaft und natürlich über Weihnachten gesprochen...

Weihnachtsinterview (Foto: Angelo Glashagel)
nnz: Herr Schwarze, das Kirchenjahr ist bereits vorüber. Ist bei Ihnen schon Feiertagsruhe eingekehrt?

Andreas Schwarze: Noch ist reger Betrieb, auch im Kirchenkreis müssen noch viele Dinge zum Jahresabschluss gebracht werden.

nnz: Der Kirchenkreis hatte viel zu tun im großen Reformationsjahr

Schwarze: Wir haben viele Früchte geerntet, um ein biblisches Bild zu nutzen. Es gab viele Highlights wie den Kreiskirchentag oder die „12 Schritte zum Reformationsjubiläum“ in verschiedenen Gemeinden. Dabei ging es nicht allein darum zu feiern, sondern auch um einen Mehrwert für die Menschen und Gemeinden zu schaffen. Wir sind als Kirche nicht unter uns geblieben, sondern haben gemeinsame Ereignisse geschaffen, gesellschaftliche Momente, für das ganze Dorf, für Groß und Klein, ob man nun zur Kirche gehört oder nicht.

nnz: Die Enthüllung des Lutherdenkmals hat noch einmal für reichlich Gesprächsstoff gesorgt.

Schwarze: Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht das man am Ende dieses Jahres noch über Luther würde reden können aber die Statue hat das befeuert und es ist gut das man im Gespräch bleibt. Die Gestaltung liegt in der künstlerischen Freiheit. Ich persönlich fahre gerne an der Statue vorbei, schaue hin und stelle mir vor Luther auch mal mit einer Mütze oder einem Blumenstrauß zu sehen. Ich denke wir werden einen kreativen Umgang mit dem Denkmal an dieser Stelle brauchen. Was man im übrigen gar nicht hoch genug schätzen kann war der Umstand das zur Einweihung mit Prof. Dr. Reinhard Schramm auch der Vorsitzende der jüdischen Landesgemeinde Thüringen vor Ort war. Das hat gezeigt dass in der Lutherdekade auch Gesprächswege möglich wurden, die es so vorher nicht gab.

Andreas Schwarze im nnz-Interview (Foto: Angelo Glashagel)
nnz: Sie haben es angesprochen, wir haben nicht nur das Reformationsjahr sondern eine ganze Lutherdekade hinter uns. Hat sich der Stellenwert der evangelischen Kirche dadurch gewandelt?

Schwarze: Wenn man das große Bild betrachtet, dann wurde der Reformationstag bundesweit wahrgenommen und ins Bewusstsein der Menschen gerückt. Hier in Thüringen kennt man das, in anderen Teilen des Landes weniger. Das Ziel war nicht, mehr Menschen zur Kirche zu bewegen, sondern die Bedeutung von Kirche in Geschichte und Gegenwart zu zeigen und dass es uns gibt, auch wenn uns mancher tot sagen will. Das Christentum und die Christen sind da, es gibt sie in unserer Mitte.

nnz: Die Zahl der Kirchenaustritte hat in den letzten Jahren und Jahrzehnten tendenziell eher zugenommen. Wie steht es denn um die Relevanz einer Kirche, die Mitglieder verliert?

Schwarze: Das Verlustproblem ist da, das ist keine Frage. Dazu gehören übrigens auch „natürliche Austritte“, also Kirchenmitglieder die verstorben sind. Insgesamt verzeichnen wir mehr Austritte als Zugänge. Aber: die hohen Austrittszahlen, die wir etwa 2015 gesehen haben, die sind zurückgegangen und wieder auf dem alten Niveau angekommen, was vor allem der Arbeit der Mitarbeiter und Kirchengemeinden vor Ort zu verdanken ist. Und 40 Jahre DDR haben ganze Arbeit geleistet. Auch 25 Jahre danach ist es noch schwer den Kontakt zur Kirche wieder herzustellen, wenn Generationen vorher davon abgeschnitten wurden. Mut macht das, was wir im vergangenen Jahr auf den Dörfern deutlich erleben konnten. Es gibt hier viele Menschen, die sich für ihre Kirche interessieren, auch wenn sie nicht Mitglieder sind, die Kirche ist selbstverständlicher Teil von Dorffesten, es werden Spenden gesammelt, man kümmert sich um die eigene Kirche und man kann an ihr ablesen, wie es um ein Dorf bestellt ist. Auch Abseits der großen Events war zu sehen das es für die Menschen kein Schaden ist, das es eine Kirche gibt die jedem offen steht.

nnz: Das dörfliche Leben ist heute nur ein kleiner Teil der gesellschaftlichen Realität, wie steht es mit dem Verhältnis der Gesellschaft als solches zur Religion? Gerade zur Weihnachtszeit sollten religiöse Riten und Traditionen doch eigentlich Hochkonjunktur haben.

Schwarze: Auf der einen Seite erleben wir einen zunehmenden Ruf nach einer Grundorientierung in den Werten des christlichen Abendlandes die aus dem Horizont der biblischen Botschaft entstanden sind. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ - das ist eine biblische Vorstellung von Gott der den Menschen nach seinem Bilde formte. Diese Forderung gilt ausnahmslos für jeden einzelnen Menschen, sie ist ein Grundsatz mit universeller Bedeutung. Jeder Mensch wurde von Gott gleich geschaffen und mit der gleichen Würde ausgestattet. Hinzu kommen andere Werte wie Solidarität, Achtung, Freundschaft, Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe. Das sollte unsere Gesellschaft ausmachen. Dem gegenüber steht die Anwendung von Brauchtum und Riten, die vielfach nicht einmal mehr bekannt sind. Man beruft sich auf Werte, nimmt die religiösen Feiertage gerne in Anspruch, der Inhalt aber ist egal, ist austauschbar.

nnz: Was meinen Sie konkret? Die Weihnachtsgeschichte ist doch auch heute noch allgemein bekannt, „Stille Nacht, heilige Nacht“, das ist doch noch präsent, oder nicht?

Schwarze: Nehmen Sie zum Beispiel den Unterschied zwischen Advents- und Weihnachtszeit. Den kennt man heute kaum noch. Der Weihnachtsbaum strahlt schon hell erleuchtet lange vor dem 24. Dezember. In dem eigentlichen Brauchtum steckt aber auch eindeutige Symbolik. Der Baum wird am 23. angeputzt, am 24. leuchtet er. Ein Hoffnungszeichen wie es das Jesuskind war. Am Baum hingen eigentlich einmal Äpfel statt Glaskugeln, als Symbol von Adam und Eva und dem verlorenen Paradies. Das Kommen des Kindes ist auch die Auflösung dieses Verlustes. Das Paradies sollte ein unerreichbarer Sehnsuchtsort sein, mit der Weihnachtsgeschichte aber werden Sehnsüchte erreichbar. Der Weihnachtsfrieden, der über uns kommt, nicht nur in der heiligen Nacht sondern im Lebenswandel der Menschen, das ist keine fiktive Vision einer unerreichbaren Sehnsucht und Hoffnung, sondern wird zu einer realen Möglichkeit. Jeder kann das aufnehmen und auf seine Weise umsetzen.

nnz: Das große Reformationsjahr ist vorbei, das neue steht schon vor der Tür. Was macht man nach so einem Jahr?

Schwarze: Große Events wird es erst einmal nicht geben. Wir wollen aber an den Kooperationen festhalten und anknüpfen, die wir in diesem Jahr erfahren haben. Eine Zukunftswerkstatt ist geplant in der wir uns damit befassen wollen was uns in den nächsten Jahren tragen und bewegen soll. Die Konzentration wird also erst einmal auf dem Inneren liegen aber mit dem eindeutigen Blick nach außen. Wir sind Kirche in der Welt.

nnz: Herr Schwarze, wir danken für das Gespräch und wünschen frohe Feiertage.
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Kommentare

22.12.2017, 16.53 Uhr
othello | Schönrederei eines Theologen
Schwarze: Auf der einen Seite erleben wir einen zunehmenden Ruf nach einer Grundorientierung in den Werten des christlichen Abendlandes die aus dem Horizont der biblischen Botschaft entstanden sind. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ - das ist eine biblische Vorstellung von Gott der den Menschen nach seinem Bilde formte.
Herr Superintendent !
Jeder, der eine einigermaßene Grundbildung in Geschichte, Philosophie, Naturwissenschaften, auch Theologie besitzt, sollte den Unsinn Ihrer Aussage erkennen.
Sie sind ein Propagandist, der versucht, die christliche Weltsicht in der Gesellschaft schön zu reden und ihren Stellenwert zu festigen.
Leider gibt es noch zu wenige Menschen, die sich dafür interessieren und Ihnen entgegentreten.
„Die Würde des Menschen ist unantastbar“ soll eine biblische Vorstellung sein ?
Ich kann nur jedem empfehlen, sich mit der Bibel in seiner Gesamtheit zu befassen, um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass die Bibel dieser Aussage keine Grundlage gibt.
Weitere kritische Anmerkungen zu ihren Aussagen im Interview erspare ich mir, da es reine Zeitverschwendung wäre.
22.12.2017, 20.53 Uhr
Povar | Die Tradition wird nicht geknickt - der Baum erst am 23. geschmückt !
Der Sinn einer Geschichte hängt davon ab - wann man beginnt und wo man endet.
Das beherrscht der Superintendent meisterlich.

https://www.welt.de/wissenschaft/weltraum/article123199829/Am-kuerzesten-Tag-des-Jahres-war-frueher-Weihnachten.html

"In heidnischen Zeiten lag es natürlich nahe, „die Wiederkehr der Sonne“ zu feiern, war ihr Licht doch der Lebensspender schlechthin. Auf den Tag der Wintersonnenwende, der vor zwei Jahrtausenden auf den 25. Dezember fiel, legten die Christen dann ihr Weihnachtsfest. Überschreiben ist besser als nur löschen, hatte man sich wohl schon damals gedacht."

Wer die "Tradition" einfordert - führt ! Der "Rest" hat zu folgen ?
23.12.2017, 09.24 Uhr
tannhäuser | Wenigstens hat dieser Diener Gottes...
...im Gegensatz zu einem anderen Beherrscher der religiösen Wahrheit den Mut, Gegenrede zur Predigt in Form von Kommentaren zuzulassen!

Ansonsten hat @ othello viel Wahres geschrieben.

Es gibt nicht DIE Bibel, sie besteht aus dem Alten und Neuen Testament.

Da der strafende zornige Gott, dort sein pazifistischer milder Sohn, der für die Sünden der Schäfchen büsst!

Wem das Lesen der Bibel zu anstrengend ist (das meine ich nicht abwertend), meine Empfehlung:

CD "Das Testament" von ENomine. Musik und Bibelworte, gesprochen von berühmten "Stimmen" (Deutsche Synchronsprecher).
23.12.2017, 12.49 Uhr
Joerg B. | Religionen – „Proto“-Transhumanismus?
„Proto“ ist nach Wiktionary ein Wortbildungselement mit der Bedeutung „erst-, erstlings-, vorab-, ursprünglich“. (Bekannt sind Vielen die Proto-zoen, was auf altgriechisch soviel wie „Urtier“ bedeutet.)

Die Schöpfungsgeschichte (Genesis) ist ein früher Versuch, die Entwicklungsgeschichte des Menschen zu erklären. Es hat sich damals in den ersten Stadtstaaten die Version durchgesetzt, mit der man auch die altorientalischen Herrschaftsstrukturen am besten stabilisieren konnte. Danach sind an der Vertreibung aus einem hypothetischen Paradies die Menschen selbst schuld – vor allem das Urweib Eva, die "ewige Verführerin". Gott selbst ist nach dieser Legende (neudeutsch: Narrativ) völlig unschuldig, denn er hatte seine(!) „Geschöpfe“ ja gewarnt, die Früchte vom Baum der Erkenntnis auch nur zu kosten. Und immer, wenn bei Gottes Schöpfung etwas misslingt, wird auch gleich eine Entschuldigung aus dem Ärmel gezaubert. Es war der Rebell, der Teufel, – hier in Gestalt eines Reptils. Damalige Herrscher sollten immer mit „Gott“ gleichgesetzt werden.

Die Behauptung des Religionsreformers Jesus, er sei der Sohn des alleinigen Gottes Jahwe und er sei beauftragt, aus dem Ruder gelaufene Dinge wieder in Ordnung zu bringen, war für die damals herrschenden jüdischen Priester eine todeswürdige Häresie. Aber auch das Christentum wurde schnell von der Religion der Geschundenen zur Religion der Schinder. („Spinner“, wie z.B. Franz von Assisi ließ man gewähren, solange sie die Herrschaftsstrukturen mehr stabilisierten als gefährdeten.)

Was hat das mit Transhumanismus zu tun?

Seit Charles Darwin und spätestens seit der Genetik sollten wir wissen, dass die biblische Schöpfungsgeschichte fast durchgehend altorientalischer Mumpitz ist. Da hilft auch die Theorie vom „Intelligent Design“ nicht weiter. Warum treten dann nicht alle Menschen aus der Kirche aus? Es liegt sicher mit am geistigen(!!!) Kindesmissbrauch im Religionsunterricht. Den Hauptgrund sehe ich aber in der Tragödie des Homo sapiens, einerseits ein sterbliches Tier, andererseits aber ein nach sehr viel längerem Dasein strebendes Kulturwesen zu sein. Wer von Euch lieben Lesern sehnt sich nach dem, was wir „den Tod“ nennen?

Wird es jemals so etwas wie eine Allgemeine Künstliche Intelligenz (Max Tegmark, LEBEN 3.0) und damit „Unsterblichkeit“ ohne Gott(!) geben? Nicht nur ich behaupte, dass dies sehr gut möglich ist. Wer es nicht glaubt, schaue mal in den Spiegel. Er/Sie werden dann wohl hoffentlich ein intelligentes Wesen sehen? Wenn es dem „blinden Uhrmacher“ Evolution nach 4 Milliarden Jahren gelungen ist, intelligente Materie zusammenzuwürfeln (nach Versuch und Irrtum), wird es wohl möglich sein, dass planvoll vorgehende „intelligente Designer“ dies in sehr viel kürzerer Zeit schaffen?

Verglichen mit diesen REALISTISCHEN Aussichten (oder auch Dystopien?) ist das, was unsere vom Gotteswahn befallenen Pfarrer predigen, reinste QUACKSALBEREI – trotz aller Nahtodberichte. Allerdings habe ich den Verdacht, dass Homo sapiens wie Herr Schwarze das insgeheim genauso sehen. Aber aus einer etablierten Position in – Was eigentlich? – zu wechseln, wird er sich wohl kaum zumuten?

Hoffnung verbreiten – wenn auch falsche – ist für das unphilosophische Alltagsleben immer noch tauglicher als eventuell an der natürlichen Perspektivlosigkeit zu verzweifeln. „Denn nur die allerwenigsten Menschen werden trostlose Wahrheiten an die Stelle hoffnungsvoller Illusionen setzen wollen“, schrieb selbst Michael Schmidt- Salomon in HOFFNUNG MENSCH.

Aber wie wär's mal mit einem potentiell unsterblichen „Roboterkind“ statt einem leiblichen aber zu einem unweigerlichen biologischen Tode verurteilten Mutter/Vaterglück? Irre Visionen? Vielleicht – aber nicht so bescheuert wie manche Reli-Stunde! (Darf ich Widerspruch erwarten?)

BESINNLICHE Weihnachten wünscht

Jörg Birkefeld
23.12.2017, 22.03 Uhr
Andreas Dittmar | Vielleicht mit Religion mal eine Brücke bauen @Joerg B.
Etwas intellektuell entschärft könnte ihr Beitrag durchaus eine Interressante Disskusionsgundlage für eine Stunde Religionsunterricht darstellen. Man darf natürlich nicht allzu weit über den Tellerrand schauen, wenn man gerade den jüngsten nicht das Weihnachtsfest vermiesen will... Die Stadt Bethlehem, der Weihnachtsklassiker an sich liegt in den palästinensischen Autonomiegebieten. Wer also eben mal so ganz Jerusalem als Hauptstadt Israels proklamiert/erklärt, muß damit rechnen, dass im nicht weit entfernten Bethlehem die Steine fliegen also keine Aussicht auf eine friedliche Weihnacht. Dort sieht Weihnachten so aus : https://www.zdf.de/assets/jerusalem-konflikt-104~768x432?cb=1512859411240 leider Den Stern von Bethlehem gibt es wirklich, wie es auch die Hamas, Fatah und PLO dort gibt. Jerusalem hat es schon verdient Hauptstadt zu sein, allerdings Hauptstadt Palästinas und damit aller Religionen, deren Heiligtümer sie beherbergt. Religionsunterricht finde ich überhaupt nicht bescheuert @Joerg B. Es kommt drauf an, wie man diesen gestaltet. Aus meiner Sicht sollte der Blick über den Tellerrand auf jeden Fall gewagt werden. Künstliche Intelligenz dagegen halte ich ehrlich gesagt für äußerst fragwürdig....
24.12.2017, 16.04 Uhr
Joerg B. | Die Welt ist ein Irrenhaus …
… und eine der wichtigsten Zentralen war schon immer Jerusalem!

Danke, Herr Dittmar! Wenn es Herr Greiner zulässt, könnte auch Ihr Beitrag durchaus eine höchst Interessante Diskussionsgrundlage für eine Stunde „Religionsunterricht“ sein. Ein Art Seminar zum Thema „Religionen“ am Heiligabend und auch vielleicht am Weihnachtsfest – was würde eigentlich besser zu diesen ganz besonderen Feiertagen passen? Die (materielle) Bescherung am Heiligabend wird doch wohl nicht alles sein, auf das sich Menschen freuen, die von sich behaupten, für das Christliche Abendland einzustehen? Und mit dem öden „Friede, Freude, Eierkuchen“ ist spätestens Silvester Schluss. (Da müssen endlich alle „bösen Geister“ wieder ausgetrieben werden.)

Kann das Thema KI noch warten, obwohl gerade auch in der Nähe der heiligsten aller heiligen Städte israelische Militärs über autonome Drohnen forschen lassen? Und was den israelisch-palästinensischen Konflikt betrifft: Bestätigen sich an diesem Beispiel nicht wieder die Meinungen angeblich vieler Jugendlicher wonach vor allem und gerade auch Religionen Gewalt und Krieg verursachen würden? (Ich beziehe mich hierbei auf: http://www.deutschlandfunk.de/passauer-bischof-oster-kirche-hat-ein-kommunikationsdefizit.1939.de.html?drn:news_id=831057)

Wie wäre es zur Entschärfung des gefährlichen Konfliktes um Jerusalem mit einer politischen und religiösen Internationalisierung dieser Stadt? In http://www.zeit.de/1967/32/die-stadt-zwischen-den-fronten wird eine solche Lösung auch anhand anderer Beispiele ausführlich erörtert. Mehrheiten auf israelischer und palästinensischer Seite sind sicher strikt dagegen.

„Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte (...) vor der Abstimmung die UN als ‚Haus der Lügen‘ beschimpft und erklärt: ‚Jerusalem ist unsere Hauptstadt, ob die Vereinten Nationen dies nun anerkennen oder nicht.‘“ (http://www.sueddeutsche.de/politik/vereinte-nationen-dollars-als-druckmittel-1.3802553)

So äußern sich die eingebildeten „Geschöpfe Gottes“. Da glaube ich eher daran, dass unsere nächsten stammesgeschichtlichen Verwandten streitsüchtige wilde Schimpansen waren. Bei uns kamen dann noch Verschlagenheit, Rechthaberei, Habgier und manchmal auch noch Sadismus hinzu.

Wenn Ingenieure nicht bald klügere Geschöpfe kreieren, wird intelligentes Leben auf dem dritten Planeten eines unbedeutenden Sterns wohl bald nur noch eine kurze Episode gewesen sein? Ob eine Super-KI die Menschheit – vielleicht aus Mitleid? – auslöscht, wissen wir nicht. Dass aber auf Risiko handelnde Politiker dies tun könnten, halte ich für wahrscheinlich. Es wäre ja z.B. im Herbst 1983 und während der Kubakrise auch beinahe schon passiert. Das Fermi-Paradoxon könnte seiner Aufklärung näher sein als es uns lieb sein kann.

Nochmals meine Literaturempfehlung: Max Tegmark: Leben 3.0 – Mensch sein im Zeitalter Künstlicher Intelligenz, Gebundene Ausgabe – 17. November 2017. Darin äußert sich kein reiner KI-Befürworter, sondern ein kompetenter Kenner der Diskussionen auf höchster Ebene, der viele Szenarien abwägt und gegenüberstellt. Meiner Meinung nach ist es genau KEINE „unreife Propagandaschrift“, wie z.B. ein Amazon-Rezensent behauptet.

Religionsunterricht sollte durch ein Fach Philosophie ersetzt werden, in dem altersspezifisch vor allem Kulturgeschichte (Religionsgeschichte als Teil davon) und Ethik behandelt werden. Jede missionarische Einflussnahme hat zu unterbleiben! Das Wort „bescheuert“ habe ich in meinem vorherigen Kommentar übrigens nicht verwendet.

Wer aber handelt verwerflicher? Derjenige, der wider besseres Wissen oder trotz ernsthafter Zweifel etwas predigt oder der, welcher es nicht besser weiß? Sollten studierte Theologen nun eigentlich Wissen oder Glauben von der Kanzel herab verkündigen? Sehnsucht sollte möglichst realisierbar sein. Ansonsten bleibt sie nach Heinrich Heine nur:

" ... Das Eiapopeia vom Himmel,
Womit man einlullt, wenn es greint,
Das Volk, den großen Lümmel."
25.12.2017, 22.23 Uhr
Andreas Dittmar | Vielleicht ändert es irgendwann mal was...
Boaaah das ist echt kompliziert und ehrlich gesagt auch viel zu viel Text mit ihrer Philosophie. Da sieht ja schon der Joerg B. nicht mehr durch seine Zeilen durch. Das Wort "bescheuert" hat er nicht verwendet. Es steht lediglich in seinem letzten Satz im ersten Post vor den Weihnachtsgrüßen. Naja egal, ich will ihnen ja nun nicht in ihre Philosophie reinreden aber Jerusalems Schicksal liegt meines Erachtens weder in der Hand der UNO, der EU, der USA oder anderer Staaten, sondern allein in der Hand der Akteure vor Ort. Da die gesamte Region Heiligtümer mehrerer Weltreligionen beherbergt, sollten auch Vertreter der Religionsgemeinschaften in die Lösungsfindung mit einbezogen werden. Der Staat Israel hat sich das Hausrecht über Jerusalem genommen und gewährt bestimmten Gebieten, die völkerrechtlich nicht dem Staat Israel zugeordnet sind eine Autonomie. Das wird des "Lieben Friedens" willen von der UN so akzeptiert. Für die Bevölkerung dort ist es ein nicht akzeptabler Zustand. Seit 1948 ist diese Region Schauplatz blutiger Kriege und Unruhen. Viele Palästinenser selbst leben teilweise in vierter Generation als Flüchtlinge über die Anrainerstaaten verteilt. Jassir Arafat, mit dem man hätte vielleicht reden und eine akzeptable Lösung herbeiführen können, der sogar schon 1988 als Vertreter der Palästinenser das Existenzrecht Israel anerkannte, der für sein Volk verhandelte bezahlte diese Kompromissbereitschaft mit dem Leben. Er wollte in Ostjerusalem in der Nähe der Al Aksa Moschee seine letzte Ruhe finden. Israel verweigerte ihm diesen Wunsch mit den Worten: "In Jerusalem liegen jüdische Könige begraben, keine arabischen Terroristen." Diese Geschichten kennt bestimmt jeder aber aus meiner Sicht, sollten auch diese Themen Bestandteil eines ernsthaften Religionsunterrichts sein und vielleicht so ab Klassenstufe 8 ernsthaft diskutiert werden.
26.12.2017, 08.26 Uhr
Joerg B. | 'Tschuldigung @ Andreas Dittmar
Nach dem letzten gravierenden Browser-Upgrade von Firefox hatte ich die Funktion „In dieser Seite suchen (Strg + F)“ in der geänderten Benutzeroberfläche nicht gleich wiedergefunden und mich leichtsinnig auf eine „manuelle“ Durchsicht meines Kommentars verlassen. Gut, dass es nicht die „KI“ meines Autos war, auf die ich glaubte, mal verzichten zu können. Wenn dem Zuarbeiter eines Bundestagsabgeordneten so etwas passiert wäre … „Oh, Herr Jesus!“

Womit wir auch schon wieder „in medias res“ wären:
Bis nämlich Vertreter von Religionen mal einen Fehler eingestehen, vergehen oft mehr als Jahrhunderte. Wer dem Wahn verfallen ist, man wäre der Vertreter des einzigen Gottes und Weltenschöpfers, tut sich mit dem Eingestehen von Fehlern noch wesentlich schwerer als ein unbedeutender Kommentator, denn monotheistische GÖTTER machen keine Fehler, was aber auch wieder nicht so ganz stimmt. Warum wohl schickte „Gott“ die Sintflut?

Die alten Priester von Jahwe hatten wohl auch keine Computersoftware, welche die Texte ihrer alten Keilschrifttafeln oder Papyri nach Stichwörtern durchforsten konnte. Da hat wohl bei Fehlern so mancher Schreiberling schwer büßen müssen. Die „heiligen“ Schriften sind bekanntlich voll von Inkonsistenzen. Siehe dazu z.B.: http://www.bibelzitate.de/wsidb.html

Zum Nahen Osten:
Wenn man Vertreter von Religionsgemeinschaften in solche eigentlich kindischen Fragen wie nach dem rechtmäßigen Eigentümer eines schnöden Jerusalemer Berges mit einbezieht, ist das etwa so wie wenn man zwei Schafböcken einen Kopf Salat hinhält – jeder will ihn allein auffressen.

„Juden“ und „Palästinenser“ – wo ist da eigentlich der Homo SAPIENS? Und immer wieder werden auf beiden Seiten schon kleine Kinder systematisch verblödet und zu gegenseitigen Erbfeinden erzogen. Vielleicht hätte es den heutigen Staat Israel in der jetzigen Form gar nicht gegeben, wenn nicht in Deutschland der Judenhasser Hitler demokratisch(!) an die Macht gekommen wäre. Hätte ihn doch die Allgemeine Malerschule der Wiener Kunstakademie angenommen!

Aber Zeitmaschinen, mit denen man die Geschichte korrigieren könnte, gibt es nicht. So stehen wir heute vor einer verfahrenen und gefährlichen Situation. Israel soll angeblich über Massenvernichtungswaffen verfügen. Irgendwann knallt es dort ganz gewaltig und wir sind nicht weit weg davon. Die Folgen religiösen Wahns spüren wir heute schon in Form von politisch destabilisierender Massenzuwanderung. Gerade die immer auch politischen Religionen machen alles nur noch schlimmer.

Von den hiesigen Mitverantwortlichen erwarte ich dazu keinerlei Reaktion, denn es ginge dann an deren Selbstverständnis und Substanz.

Es rettet uns kein höh'res Wesen,
kein Gott, kein Kaiser noch Tribun
Uns aus dem Elend zu erlösen
können wir nur selber tun!

Aber immer wieder machen Wähler Böcke zu Gärtnern. Wie kann man z.B. eine Partei wählen, die eine per Eigendefinition unwissenschaftliche Religion im Namen führt? Gibt es eine einzige Religion, die sich auf Wissen statt auf Glauben stützt? Aber selbst oder gerade, wenn es um Leben oder Tod geht, vertraut eine stumpfsinnige Mehrheit auf quacksalbernde Pfaffen und Politiker – manchmal quasi in Personalunion wie vor Jahren in Nordhausen (Barbara Rinke).
26.12.2017, 11.16 Uhr
Andreas Dittmar | Da liegt noch jede Menge Arbeit vor uns....
Mit dem Wissen, dass auch "Die Internationale" unablässig den KlassenKAMPF besingt und das dem arbeitenden Volk Führer vor die Nase gesetzt wurden, ähneln sich manche Lieder verschiedener Epochen auf erschreckende Weise. Ersetzt man nicht lediglich die Religion oder längs verschiedene Lichtgestalten durch fleischgewordene Führer, die glauben, den Humanismus für sich gepachtet zu haben und singt man nicht das Gleiche im Geist ob nun: "Unsere Fahne flattert uns voran" und "Pioniere voran lasst uns vorwärts gehen" oder "Die Fahnen hoch" und "Wenn wir schreiten Seit an Seit" Auch das ist aus meiner Sicht ein Weg der ins Dunkel der Geschichte zurück führt. Das Problem auf recht einfache Weise mit den Schafböcken und dem Kohlkopf darzustellen, ist vielleicht ein einfacher Versuch, der eigentlich nur die Ohnmacht an einem weiteren Beispiel aufzeigt. Die Schäfer müssen zueinander finden. Man kann diese Schäfer auch nicht eliminieren in der Hoffnung die Probleme mit den Schafen allein zu regeln. Dann wären wir unweigerlich wieder bei dem Twist um den Kohlkopf. Was auch nicht geht ist einfach die Leute aus der Gefahrenzone raus und hier her zu holen, weil die auch hier ihren Ideologien bzw. nicht reformierten Religionen hinterherlaufen.

Strg+F geht eigentlich immer, es sei denn das Browserupdate verbuchselt gleichzeitig die Tastatur. Nun ja auch bei den Schöpfern künstlicher Intelligenz, wie Bill Gates, Linus Thorvalds und Steve Jobs halte ich definitiv nichts für unmöglich. Von den Errungenschaften dieser drei Genies sollte sich die Menschheit auch nicht allzu abhängig machen. Ich hoffe jedenfalls nicht, das in 2000 Jahren diese drei Väter der künstlichen Allgorithmen als Götter angebetet werden. Das wäre echt fatal.
26.12.2017, 14.22 Uhr
Joerg B. | Ich will nicht das letzte Wort haben...
… aber Ihnen, Herr Dittmar, doch noch mitteilen, dass ich mit Ihnen gar nicht sooo verschiedener Meinung bin. Selbstverständlich haben Politiker mehr Verstand als Schafböcke. Aber sie benehmen sich oft so wie in Tierfabeln. Auch Jesus redete gern in Metaphern, wenn man den viel später aufgeschriebenen Apostelgeschichten glauben kann.

Auch darf man Leute nicht einfach aus den Krisengebieten hierher kommen lassen, denn es nützt ihnen am Ende selbst nichts, wenn ein Land wie Deutschland dadurch selbst eine ernsthafte Krise bekommt. Das werde ich auch einigen meiner Freunde vom BGE klarmachen müssen.

Unsere Technologie ist uns wohl schon längst über den Kopf gewachsen. Deswegen werden wir aber unsere Laptops und Smartphones wohl nicht so schnell zu Türstoppern degradieren, wie es am Anfang oder Ende(?) im Film TRANSCENDENCE gezeigt wird. Hier eine meiner Meinung nach gute Filmkritik: https://www.youtube.com/watch?v=GKgWoYdlWE0

Es ist eben nicht mehr nur alles Science-Fiction, wie ein Vorkommnis bei Facebook interpretiert werden könnte: http://www.zeit.de/digital/internet/2017-08/kuenstliche-intelligenz-sprache-lernen-facebook-chatbot

Auch hier im provinziellen Südharz sollte man wenigstens schon mal kurz davon gehört oder gelesen haben. 2000 Jahre wird es wohl nicht mehr dauern. Aber ich habe ja schon auf Max Tegmarks neustes Buch hingewiesen.

Schönen 2. Weihnachtstag und schon mal Guten Rutsch!
26.12.2017, 21.15 Uhr
Andreas Dittmar | Danke von mir natürlich auch
Ich wünsche Ihnen auch noch ein paar besinnliche Tage und natürlich einen "Guten Rutsch"
27.12.2017, 07.55 Uhr
Jörg Thümmel | Wie sieht es aus mit Ihrer "Chefideologin", von Biela
Herr Schwarze?

Es war schon extrem verwurnderlich und schwer zu ertragen, zu welchen ausholenden und nichtssagenden, geistigen Sprüngen diese Frau so fähig ist.

Wollte sie den Kirchgänger in 2015 Josef und Maria noch als Flüchlinge verkaufen, so setzte sie diesemal noch einen drauf und wagte den tollkühnen Versuch, in ihrer gewohnt salbungsvollen Art und Weise die Hirten aus der biblischen Geschichte. als das auf der Flucht befindliche, lebenserfahrene Präkariat hinzustellen.

Nicht jedoch noch ohne vorher einen Seitenhieb auf ihren wahrscheinlichen, derzeitigen Liebnlingsfeind Trump und dessen Steuersenkungen abzufeuern. Wobei ich mir hier nicht so sicher bin, und Frau von Biela wahrscheinlich auch nicht, ob die Steuersenkung nun gut für die Lebenssituation des Präkariats ist und von daher gutzuheißen sei oder ob die Maßnahme eventuell auch schlecht sei, da sie ja unter Umständen langfristig die weiche Bettung der Frau von Biela im Schoß der Allgemeinheit gefährdet.

Kurzum, ich selber wie auch diverse andere Kirchgänger kamen sich vor wie in einer Propagandaveranstaltung oder wahlweise dem Staatsbürgerkundeunterricht der Grünen bzw. der Linken, vorgetragen von einer Angestellten der Staatskirche.

Oder wie fragte der Welt Chefredakteur Poschardt vor zwei Tagen anlässlich der diesjährigen, weihnachtlichen Propagandaoffensive der Landeskirchen: Wie „links-grün-versifft“ sind Weihnachtspredigten?
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