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Fr, 08:15 Uhr
13.10.2017
LEGASTHENIE UND DYSKALKULIE EINST EIN BUCH MIT SIEBEN SIEGELN

Therapeut Boxer-Rüde Benno

Als Evelyn Mengel am Institut für Lehrerbildung studierte, waren Begriffe wie Legasthenie und Dyskalkulie im Lehrplan nicht zu finden. Damals für die junge Studentin ein Buch mit sieben Siegeln. Heute hat die Diplomierte Dyskalkulie -und Legasthenie- Trainerin beruflich damit zu tun. Tag für Tag. Mit Kindern...

Boxer-Rüde Benno hilft bei der Therapie mit Kindern fleißig mit (Foto: privat)
Nordhausen. Begriffe, die sich mit Sinneswahrnehmungsstörungen erklären lassen. Kinder mit Legasthenie und Dyskalkulie sind nicht dumm, im Gegenteil, erklärt die 54-Jährige. Mein Anliegen und das meines Teams ist es, Lernblockaden zu überwinden mit viel Zeit, Liebe, Geduld, Aufmerksamkeit, Einfühlungsvermögen und Erfahrungen im Umgang mit Kindern.

Wir alle, sagt Mengel, hätten unsere Stärken und Schwächen, unsere Begabungen und Einschränkungen. Es gelte, mit den richtigen Rahmenbedingen Stärken zu entfalten und auch mit Schwächen gut zu leben. Menschen mit Legasthenie und Dyskalkulie haben Anspruch auf Chancengleichheit in Schule, Ausbildung und Beruf, ist sie überzeugt.

Die Grundschullehrerin gründete die Fördereinrichtung mit Sitz in der 4. Etage der Südharz Galerie 2012. Aus Überzeugung, aber ohne zu wissen, ob ihr Unternehmen Bestand haben würde. Schon in den ersten Wochen stellte sie drei pädagogisch ausgebildete Fachkräfte ein, die wie sie was Neues wagten. Um sie bezahlen und das Fundament stabilisieren zu können, nahm sie einen Kredit auf. Fünfstellig. Die Neu-Unternehmerin trommelte, schaltete Anzeigen, verteilte Handzettel, warb vehement für ihre Sache.

Anfangs, erinnert sich Evelyn Mengel, kamen zwei oder drei Mütter mit ihren Kindern. Vielleicht waren sie anfangs skeptisch. Doch nach einiger Zeit merkten die Eltern Erfolge bei ihren Sprösslingen: im Rechnen, Schreiben, Lesen, Sprechen. Lernerfolge wurden auf Wunsch regelmäßig mit den Eltern ausgewertet. Sie erhielten fundierte Informationen für die weitere Entwicklung ihrer Kinder. Das muss sich wohl herumgesprochen haben, meint die engagierte Frau. Mit der Zeit wuchs die Zahl der Mädchen und Jungen, die in die Einrichtung kommen. Auch außerhalb des Landkreises.

Evelyn Mengel gründete 2012 die Fundament-Fördereinrichtung in Nordhausen. Heute beschäftigt sie fünf pädagogisch ausgebildete Fachkräfte. (Foto: Kurt Frank)
Fünf Fachkräfte stehen derzeit bei der Chefin und Inhaberin der Fördereinrichtung in Lohn und Brot. Beim Legasthenie -und Dyskalkulietraining erfolgt Einzelunterricht. Nur so sei es möglich, individuell die Begabungen der Kinder zu erkunden, auf ihre Bedürfnisse, Belange und Wünsche einzugehen. Darauf aufbauend erfolge dann in kleinen Nachhilfe-Gruppen die weitere Förderung.

Bei der Therapie hilft Benno mit. Benno ist ein Boxer-Rüde. Und Anziehungspunkt für die Kinder. Sie streicheln ihn, geben Pfötchen, unterhalten sich unter Anleitung mit dem Hund. So hilft der Vierbeiner mit, auch Sprachschwierigkeiten zu überwinden. Übrigens finden sich an einer Wand der geräumigen und schönen Einrichtung zehn Sprüche, die lehrreicher nicht sein könnten.

Zum Null-Tarif ist keine Therapie zu haben. Die Fördereinrichtung steht daher in Verbindung mit dem Arbeitsamt und mit Psychologen. Auch Kinder von Eltern, die Hartz-4-beziehen, bleiben nicht außen vor. Das Amt übernimmt dann die Kosten. Die Mädchen und Jungen, die vor fünf Jahren mit ihren Eltern an die Tür im vierten Stock der Galerie anklopften, bekamen alle Voraussetzungen mit auf den Weg, um im Leben zu bestehen.
Kurt Frank
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