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Fr, 09:41 Uhr
19.05.2017
Das Schaffen von dagmar Zimmermann (5)

„Vergesst die Altstadt nicht“

n unseren Breiten und darüber hinaus ist der Name Dagmar Zimmermann seit Jahrzehnten mit künstlerischer Gestaltung verbunden. Geboren wurde sie „im wunderschönen Monat Mai“, den der von ihr verehrte Dichter Heinrich Heine mit dieser Verszeile besang, und zwar vor 80 Jahren. Aus diesem Anlass veröffentlichen wir eine Beitragsfolge von Heidelore Kneffel...

Bei allen vier in der Serie vorgestellten Tonkeramiken hatten die Frauen einen einfühlsamen, kompetenten Berater zur Seite, den Bildhauer und Maler Lothar Rechtacek, der z. B. die Friedenssäule in Nordhausen Nord schuf. Leider verstarb er Anfang 2013.

Im Europazimmer des Stadthauses am Kornmarkt stand seit Mitte März 2004 für einige Jahre ein in rotbraunem Ton leuchtendes 34 cm hohes und 32 cm breites rundes Gefäß, dessen oberer Rand sich geschwungen zeigt und dadurch Bewegung erzeugt. Es ist innen hohl, verziert mit Reliefdarstellungen der Häuser Domstraße 12, Georgengasse 5, Theater, dazu kommen der Roland, der Seepferdchenbrunnen, ein Liebespaar auf einer Bank und zahlreiche Bäume, die den Gebäuden zugeordnet sind. Die Tonkünstlerinnen unter Leitung von Dagmar Zimmermann in der Keramikwerkstatt in der Grimmelallee wollten darauf hinweisen: „Vergesst die Altstadt nicht!“ Da man diese Tonplastik nach dem Ende der Oberbürgermeisterinnenzeit Barbara Rinkes zu dieser nach Hause brachte (?), wünscht sich diese mit Dagmar Zimmermann für sie wieder Öffentlichkeit. Ein zukünftiges Aufstellen in der Bibliothek „Rudolf Hagelstange“ wäre sinnvoll.

Dagmar Zimmermanns Altstadtkeramik (Foto: Heidelore Kneffel)
Vielleicht zum Rolandsfest? Der Namensgeber dieses Stadtfestes, 2017 seit 300 Jahren in Nordhausen präsent, steht in dem Werk aus Ton als Relief imposant inmitten der Altbauten.

Die Altstadt mit ihren historischen Bauwerken, den Brunnen, der Stadtmauer, der Straßenführung bewahrt eine Hinterlassenschaft, die in Nordhausen ständig im Gespräch ist, denn Denkmale bedürfen wegen ihrer historischen Ausstrahlung, ihrer Gestaltung besonderer Zuwendung, bedürfen der Denkmalpflege. Ohne sie verliert ein Gemeinwesen seine Unverwechselbarkeit, das kann eigentlich niemand bestreiten.

Diese Stadt, 927/929 erstmals erwähnt, hat in ihrer Geschichte mehrere zerstörerische Stadtbrände über sich ergehen lassen müssen. Diesen fielen z. B. auch die zwei Häuser des Bürgermeisters der Reformation, Michael Meyenburg, am Hagen und am Steinweg gelegen, zum Opfer, die wegen ihrer inneren und äußeren Ausstattung über die Grenzen der Reichsstadt hinaus bekannt waren. Als besonders verheerend erwies sich die Zerstörung durch britische Bomber im April 1945. Deshalb ist es ja so wichtig, das in der Altstadt Erhaltene zu bewahren, das in der Vergangenheit und auch in der Gegenwart aus unterschiedlichsten Gründen nicht konsequent genug gelang.

Dagmar Zimmermanns Altstadtkeramik (Foto: Heidelore Kneffel) Gudrun Wille und Dagmar Zimmermann übernahmen 2002 die Aufgabe, diese Altstadtplastik zu gestalten. Nach der Besichtigung der Originale musste man eine Auswahl treffen und sich für ein dazu geeignetes Ton-Modell entscheiden. Man erinnerte sich, das es zu DDR-Zeiten auf dem Lutherplatz einen Springbrunnen gab, der ehrwürdige Altbauten, in Tonreliefs gestaltet, zeigte. Der bekannte Bildhauer Jürgen von Woyski, 1929 bis 20000, der auch die Gedenksäule vor dem Alten Rathaus schuf, war der Schöpfer. Leider wurden die Altstadtdarstellungen zerstört.

Es war klar, das man sich an das älteste Gebäude Nordhausens in der Domstraße 12 heranwagen würde. Auffällig daran der massive Unterbau aus Dolomitkalk. Er wird unterbrochen durch ein imposantes Einfahrtstor und eine deutlich kleinere Schlupfforte/Fußgängerpforte.

Das darüber liegende Fachwerkgeschoss stammt aus der Renaissance und kragt mit einer Bohlenstube nach außen. Unter den drei Fenstern öffnen sich sieben halbe Sonnen als Zierde des Hauses. Die Georgengasse 5, sehr idyllisch nahe der Flohburg gelegen, wird auch als Torhäuschen benannt. Altstadtpflasterung führt den leichten Anstieg von der Barfüßerstraße hinauf. Die alte Kastanie, die das Terrain neben dem Haus so idyllisch wirken lässt, darf nicht fehlen. Das 1667 erbaute Torhäuschen diente einst dem Totengräber des daneben gelegenen Spendekirchhofes als Wohnhaus.Es handelt sich um einen rechteckigen, eingeschossigen, verzierten Fachwerkbau mit einem Satteldach und einem stadtseitigem Zwerchhaus.

Ursprünglich besaß es eine große Durchfahrt mit hölzernem Rundbogentor. Seit 2000 ist es zum Wohnhaus saniert. Das nächste Gebäude ist jüngeren Datums, ist aber für Nordhausen von großer Bedeutung, das Theater in der Promenade mit seiner „ griechischen Tempelfassade“. Auf Initiative der Bürger Nordhausens wurde es in schweren Zeiten erbaut von 1914 bis 1917. In der Rolandstadt ist man momentan auf die Feierlichkeiten gespannt. Engagierte Bürger und Bürgerinnen wie Dagmar Zimmermann mit ihren fünf Frauen, uneigennützig wirkend, braucht die Stadt am Südharz.
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