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Fr, 07:09 Uhr
19.05.2017
Bergbau bei Woffleben

Hotspot am Abgrund

Wer unsere weltweit einmalige Gipskarstlandschaft kennt und schätzt, den müssen diese Gegensätze nachdenklich stimmen: Hier zwei floristische Kleinode als Teil des vom Bund erklärten Hotspots der Artenvielfalt (hier im Naturschutzgebiet Sattelköpfe) und wenige Meter entfernt davon die offenbar unmittelbar bevorstehende weitere Zerstörung desselben im Steinbruch Hohe Schleife bei Woffleben...

Beobachtet (Foto: B. Schwarzberg)

In diesen Tagen wurde die Fahrt der abgebildeten Maschine in den seit Jahren nicht mehr betriebenen Steinbruch beobachtet (Foto). Auch dort beginnt die Gipsindustrie offenbar, weitere Tatsachen schaffen.

Damit bekommt die von manchen Medien beschriebene Ohnmacht unserer Lokal- und wohlgemerkt grünen Landespolitiker gegenüber der Zerstörung einer der artenreichsten deutschen Landschaften einen weiteren Beleg. - Unabhängig davon, ob nun die hier vermutete Fortsetzung des Zerstörungswerks im Steinbruch Hohe Schleife rechtens ist oder nicht. Denn die Voraussetzungen dafür haben unsere Politiker im Zuge der Wendeeuphorie geschaffen.

Im westlich des Steinbruchs gelegenen Naturschutzgebiet Sattelköpfe findet sich gegenwärtig das abgebildete, auch ästhetisch bedeutsame Vorkommen von mehreren hundert Exemplaren des Großen Windröschens (Anemone Silvestris). Diese mit dem viel häufigeren Busch-Windröschen (Anemone nemorosa) verwandte Art mit ihren auffallenden großen weißen Blüten ist in Thüringen ungefährdet, aber deutschlandweit bedroht, zurückgehend und zudem gesetzlich geschützt (Rote Liste Deutschland 3).

Großes Windröschen (Anemone Silvestris) (Foto: B. Schwarzberg)

Thüringen ist zudem das deutsche Verbreitungszentrum der attraktiven Art lichter, wärmeliebender Gebüsche und Säume in kontinental geprägten Landschaften.
Das zweite Foto zeigt eine sehr unscheinbare, aber ungleich seltenere, einjährige Pflanzenart. Dutzende Exemplare der Schmalblättrigen Miere (Minuartia hybrida ssp. tenuifolia). In Ostdeutschland gibt es nur noch zwei nach dem Jahre 2000 bestätigte Wuchsorte.

Lichte, wärmeliebende Gebüsche  (Foto: B. Schwarzberg)

Im NSG Sattelköpfe liegt einer der beiden. Er wird seit 2006 ehrenamtlich gepflegt, da die notwendige Schafbeweidung nicht oder zu sporadisch erfolgt. Auf nur rund neun Quadratmetern wächst ein Großteil des ostdeutschen Gesamtbestandes. In diesem Jahr konnten wir mit rund 290 Pflanzen die höchste Individuenzahl seit 2005 feststellen. Bisher konnten wir den bedeutenden Wuchsort erhalten.

Da die Gipsindustrie, so am NSG Harzfelder Holz bei Neustadt, als auch am NSG Alter Stolberg, nicht davor zurückschreckt, ihre Aktivitäten auch in Vorranggebiete für den Naturschutz ausdehnen zu wollen, stellt sie, unter der erklärten Ohnmacht der Politik, zwangsläufig den gesamten Hotspot der Artenvielfalt bzw. unsere Landschaft, ja Identität in Frage.
Bodo Schwarzberg
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Kommentare

19.05.2017, 11.50 Uhr
U. Alukard | Hallo Herr Schwarzberg,
nicht die: "beschriebene Ohnmacht unserer Lokal- und wohlgemerkt grünen Landespolitiker gegenüber der Zerstörung" ist entscheidend, sondern das Bergrecht!
Und das letzte Wort spricht das Bergamt!
So ist es im letzten Vortrag des Geschichtsvereins deutlich geworden.
Siehe auch NNZ:
http://www.nnz-online.de/news/news_lang.php?ArtNr=212357
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