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Fr, 17:49 Uhr
10.03.2017
nnz-Dokumentation

Inakzeptabler Zustand

Trotz der überraschenden Nachrichten aus den eigenen Reihen muss auch das Tagesgeschäft weitergehen - die CDU Nordhausen wandte sich heute in einem offenen Brief an Infrastrukturministerin Birgit Keller. Was die Nordhäuser Christdemokraten am aktuellen Nahverkehrsplan kritisieren, veröffentlicht die nnz in ihrer Dokumentationsreihe...

Sehr geehrte Frau Ministerin Keller.
Ihrer Aufforderung folgend hat die CDU Fraktion der Stadt Nordhausen die Planungen der Bahnanbindung Nordhausens ab 2018 analysiert. Bedauerlicherweise ergeben sich aus den derzeit verfügbaren Fahrplanunterlagen für Nordthüringen keine Verbesserungen.

Der neue ICE-Knoten Erfurt ist für unsere Region völlig ohne Nutzen, da die Züge der Strecke Nordhausen Erfurt dort auf den Knoten zur vollen Stunde ausgerichtet sind, die ICE aber auf den Knoten zur halben Stunde. Damit ergeben sich für fast alle Verbindungen nach und von Süddeutschland Wartezeiten von ca. 40 Minuten ein völlig inakzeptabler Zustand, der zeigt, dass man sich bezüglich des neuen Knotens ausschließlich an den Bedarfen Mittelthüringens orientiert hat. Denn da auch die neuen RE nach und von Ostthüringen auf den ICE-Knoten ausgerichtet sind, sind sie hinsichtlich der Verbindung Nordthüringen Jena Gera ohne Wert.

Der Knoten Göttingen und damit der dortige Anschluss an ICE nach und von Süden ist für Nordhausen weiterhin nur alle 2 Stunden direkt zu erreichen. Alle anderen Verbindungen erfordern einen Umstieg in Northeim oder in Eichenberg. Verbesserungen gegenüber 2017 sind nicht erkennbar. Der schon lange geforderte bessere Anschluss nach Norden über Northeim wird erneut nicht realisiert. Die Wartezeit beträgt hier in beiden Richtungen ca. 30 Minuten. Auf der Strecke Nordhausen Northeim werden die dringend benötigten Früh- und Spätverbindungen (Nordhausen ab 4.39 nach Göttingen, entsprechend Göttingen ab 21.49 bis Nordhausen) weiterhin nicht eingerichtet. Im Interesse der Berufspendler sind diese jedoch dringend vonnöten.

Was den Knoten Halle betrifft, gehen wir davon aus, dass die derzeit in Bitterfeld angebotenen Anschlüsse nach und von Berlin zukünftig in Halle (Saale) Hbf realisiert werden und damit alle 2 Stunden eine durchgehende und schlanke Reisekette mit der Bundeshauptstadt erhalten bleibt. Hierzu liegen leider nur bruchstückhafte Informationen vor. Sollte dies nicht zutreffen, würde sich die Verbindung Nordhausen Sangerhausen Berlin sogar signifikant verschlechtern.
In der Verbindung Leinefelde Nordhausen Halle (Saale) treten insoweit Verbesserungen ein, als der bisherige Umsteigezwang bei der Linie RE19 wohl entfällt und damit endlich wieder eine stündliche und durchgehende Verbindung mit Halle besteht, was auch den Verbindungen nach Berlin (mit dem oben genannten Fragezeichen) und Leipzig zugutekommt. Diese Änderung, die auch mit einer wenngleich nur wenige Minuten betragenden „Beschleunigung“ einhergeht, wird daher sehr begrüßt.
Zu den Reisegeschwindigkeiten ab Nordhausen bleibt festzustellen, dass diese weiterhin ausgesprochen mäßig sind, da fast alle ab Nordhausen verkehrenden Linien in den letzten Jahren durch die Einfügung immer weiterer Halte „entschleunigt“ worden sind.

So wurde die durchgehende Paradelinie Kassel Nordhausen Halle zwischen Nordhausen und Sangerhausen zu einer Bummelbahn herabgestuft. Bei der Linie RE19 werden ab 2018 die Fahrzeitgewinne durch neu eingeführte Halte in Roßla und wieder eingeführte Halte in Wolkramshausen weitgehend wieder aufgezehrt. Eine klare Strategie und Trennung in schnelle RE und langsame RB ist hierin nicht erkennbar.

Fazit:
  • Die Anbindung von Nordhausen und Sondershausen an den ICE- und RE-Koten Erfurt bedarf der Verbesserung, allerdings eben nicht dadurch, dass der Knoten Nordhausen aufgegeben wird, sondern durch merkliche Beschleunigung der Züge. Bis zu einem Ausbau der Infrastruktur schlagen wir die Einführung von je zwei „Sprinter“-Zügen zwischen Nordhausen und Erfurt Montag bis Freitag in Ergänzung zum heutigen Fahrplan vor, um die Pendler aus Nordthüringen wenigstens in kleinem Umfang an den eintretenden Verbesserungen teilhaben zu lassen. Bezüglich der Mittel hierfür verweisen wir auf die erheblichen Mehrausgaben, die in Mittel- und Südthüringen getätigt werden. Es ist nicht einzusehen, dass Nordthüringen hier vollkommen leer ausgehen soll.
  • Für den Knoten Göttingen ist die Einführung zusätzlicher Früh- und Spätverbindungen für die Relation Nordhausen Göttingen und zurück dringend geboten. Die Züge verkehren bereits heute abschnittsweise als Reisezüge (Herzberg Göttingen und zurück) bzw. als Leerfahren (Nordhausen Ellrich). Außerdem ist die Verbindung nach Norden über Northeim ausbaufähig.
  • Für den Knoten Halle könnten sich Verbesserungen ergeben, wenn die ICE Süddeutschland Berlin alle 2 Stunden über Halle verkehren und zudem die ICE Frankfurt Berlin wie heute weiterhin Halle bedienen. Hierzu fehlen Daten, aber eine schnelle Anbindung von Nordhausen an Berlin ist wichtig und muss realisiert werden, wobei je Richtung nur ein Mal umgestiegen werden soll.

Um eine „Beschleunigung“ im Norden von Thüringen zu erreichen, bedarf es einer „Ergänzung des Angebots“ und „bessere Anschlüsse in den Knoten“. Angesichts der umfangreichen Mehrbestellungen für Weimar, Jena, ja sogar Zehla-Mehlis kann man nicht oft genug darauf verweisen, dass der Norden des Landes wieder einmal leer ausgeht. 
Mit der Hoffnung, dass unsere Ausführungen zu einer Verbesserung für die Rolandstadt Nordhausen führen verbleibe ich mit den besten Grüßen aus dem Norden Thüringens. 

Fraktionsvorsitzender
Steffen Iffland
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