../_3580/wippertaler/1609_Wippertaler.phpSlider
nnz-tv Eichsfelder Nachrichten Kyffhäuser Nachrichten Mansfeld-Südharz-Zeitung Unstrut-Hainich Zeitung
So, 17:35 Uhr
06.03.2016
Und dann ist der Betrachter an der Reihe...

Ein künstlerisches Bild entsteht

Als die Gäste und Mitglieder des Vereins „Dichterstätte Sarah Kirsch“ nach der letzten Veranstaltung des Jahres 2015 am 17. Dezember das Haus in Limlingerode verließen, hatte Karin Kisker eine größere Rolle aus Aquarellpapier in der Hand...


Nach der Lesung hatten die Anwesenden darauf ihre Eindrücken über das Gehörte mit Tinte oder Tusche geschrieben - zum Jahresende wurde so etwas Bleibendes zu Papier gebracht.

Die Künstlerin sollte nun auf dieses Blatt mit ihrer Kunst ein Weiteres hinzu tun und das Entstandene während ihrer Kunstausstellung ab 12. März 2016 im Schloss Heringen präsentieren.

Ende Februar fragte ich sie, wie es dem großformatigen Blatt in der Zwischenzeit ergangen sei und erfuhr, dass sie die Rolle zu Hause auf das Fensterbrett gestellt hätte, wo sie über die Feiertagen bis Anfang Februar vergessen wurde. An einem Freitag verkochte ihr der schwarze Reis aus Italien und hinterließ eine rote schleimige Brühe. Jetzt offenbarte sich ihr plötzlich die Chance des Beginnens.

Eine blass rosa Haut ergoss sich sich über das Format und die Adventsbotschaften aus Tinte und Tusche flossen darin ein. Blau ist die Farbe des Himmels, etwas Blau musste sein. O-Ton Kisker an dieser Stelle des Gespräches: „Die Welt ist nichts Vorgefundenes. Sie ist gezeichnet, gezeichnet von Menschenhand. Ich zeichne etwas auf das Format.“

Ein Bild ensteht (Foto: Archiv Kneffel)Sie schabte mit einer Feder über die rosa Haut, hatte dabei aber das Ganze noch nicht im Blick. Sie zeichnete eine Stelle und sobald die sich gut anfühlte, verließ sie diese, um ihr etwas entgegenzusetzen. Dieser Vorgang wiederholt sich eine ganze Weile. Die Betrachtung der vorläufigen „Aufzeichnungen“ war nun das Wichtigste, sie dauerte und war in sieben Tagen nicht getan. Denn nun musste dem Blatt die Idee eingehaucht werden. Die gab sich der Künstlerin zu dem Zeitpunkt zu erkennen, da die Form stimmte, die Kisker auf dem Papier komponiert hatte.

Die Komposition von Linien, Struktur und Hell-Dunkel wirkt auf die bildnerische Vorstellungskraft des Denkens! Sie erinnerte sich an eine unserer Harzwanderungen, als wir uns mit Entdeckereifer in den Klippen und Klinten tummelten. In den eigenwilligen Formationen entdeckte sie „die eingeschriebene Botschaft der Zeit als Ausschnitt einer großen Sendung. Der Januskopf schaut sich an und erkennt seine Endlichkeit, aus der Neues hervorschaut. Alles was besteht, ist Wert, dass es zugrunde geht. Es geht zum Grund und wird zum Fundament.“

Um diese Gedankengänge ins Bild setzen zu können, durfte Kisker sich nicht an Kleinigkeiten festhalten, musste sie alles das aufzeichnen, was die Komposition spannend hält. Es brauchte dazu auch kleiner Harmonien, die sich allerdings in die Komposition fügen mussten, um der eingeschriebenen Idee die Kraft zu erhalten. Dann kam der Punkt, da sie erkannte, dass jede weitere Aufzeichnung die Idee des Komponierten zerstören würde. Die künstlerische Sendung war fertig. Nun ist der Betrachter an der Reihe!
Heidelore Kneffel
← zum Nachrichtenüberblick
→ Druckversion

Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.
→ Kommentar hinzufügen



Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.