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Fr, 09:15 Uhr
05.02.2016
AUS DEM VEREINSHAUS „THOMAS MANN“

Hohe Kunst: Hardanger Stick-Technik

Zahlreiche Vereine und Interessengemeinschaften treffen sich im Thomas-Mann-Haus. In loser Reihenfolge stellen wir einige von ihnen vor. Heute:die Interessengemeinschaft Hardanger...

Nordhausen. Hardanger? Was haben die Frauen, die sich jeden Dienstag im Vereinshaus „Thomas Mann“ treffen, mit Norwegen zu tun? Lotte Dettmann klärt auf: Hardanger sei eine traditionelle Stick-Technik aus Skandinavien. Gestickt werde mit einer Nadel ohne Spitze. Diese Technik eigne sich besonders gut für Kissen, Tischdecken und Läufer.

Wem diese Technik von der Hand geht, beherrscht die hohe Kunst des Stickens perfekt. So wie Lotte Dettmann. Ein Kunstwerk nach dem anderen präsentierte sie dem staunenden Autor: Übergardinen, Tischläufer und- decken, Kissenbezüge, hübsche Gehänge. Diese Technik zu erlernen, setze drei Eigenschaften voraus: Logisches Denken, handwerkliches Geschick und einen eisernen Willen.

Lotte Dettmann kam zufällig zur Hardanger-Stickerei. Während einer Busfahrt lernte sie eine Frau kennen, die sich dieser Technik verschrieb. Die studierte Diplom-Landwirtin folgte deren Einladung, an einem Nachmittag einmal rein zuschnuppern. Das war 2002. Aus dem Interesse wurde eine Leidenschaft.

Lotte Dettmann mit ihren gestickten Kunstwerken. (Foto: Kurt Frank)
Lotte Dettmann mit ihren gestickten Kunstwerken. Foto: Kurt Frank

Für die heute 83-Jährige war handwerkliches Können kein Buch mit sieben Siegeln. Fleißig hatte sie schon vordem gehäkelt und gestrickt. Nun wollte sie noch eins drauf setzen. Zuerst trafen sich die Frauen in der Volkshochschule. Seit etwa zehn Jahren frönen sie ihr Hobby im Vereinshaus. Die Hardanger-Sticktechnik setze, klärt Fachfrau Dettmann auf, an Handwerkszeug voraus:

Stickgarn, das der Stärke des Stoffgewebes entspreche. Plattstiche und Zierstiche würden meist mit stärkerem Garn gestickt als Stege und Füllungen. Ferner Stick-Nadeln ohne Spitze, damit man die Gewebeflächen nicht verletze. Außerdem sei ein Stickrahmen erforderlich, damit der Stick-Faden gleichmäßig und nicht zu fest angezogen werde. Schließlich bedürfe es einer spitzen und scharfen Handarbeitsschere.

Auch Eier lassen sich kunstvoll umhäkeln. (Foto: Kurt Frank)
Auch Eier lassen sich kunstvoll umhäkeln. Foto: Kurt Frank

Lotte Dettmann bedauert sehr, wenn sich heute nur noch acht Damen im Vereinshaus einfinden. Sigrid Thorhauer, eine ehemalige Busfahrerin, wäre mit Anfang 60 die Jüngste in der Runde. Das älteste Mitglied sei Liselotte Schmidt, die im April 90 werde. Das Interesse an dieser hohen Kunst lässt auch Frauen außerhalb der Stadt in die Wilhelm-Nebelung-Straße kommen.

Brigitte Freyer reist mit dem Auto aus Kleinfurra an. Ute Grube kommt aus Wolkramshausen, Iris Kramer aus Niedersachswerfen. Für Jutta Karnstedt war die Hardanger-Sticktechnik Neuland. Groß sei die Freude gewesen, erinnert sich Lotte Dettmann, als Jutta ihre erste gestickte Tischdecke in die Höhe hielt. Heute beherrschten alle Hardanger-Frauen die Technik ohne Fehl und Tadel.

Hübsch von der Künstlerin gefertigte Kissenbezüge. (Foto: Kurt Frank)
Hübsch von der Künstlerin gefertigte Kissenbezüge. Foto: Kurt Frank

Es sind alles Künstlerinnen ihres Fachs. Ob sie jeden Tag sticke? Manchmal stundenlang, dann wieder nicht, meint die rüstige Rentnerin. Jeden Tag sei sie aber an der frischen Luft unterwegs. Nicht selten bringe sie 2,5 Kilometer in die Beine. Bewegung habe ihr der Arzt verordnet. Das halte fit. In der Tat sieht man Lotte Dettmann ihr Alter nicht an. Im Gegenteil. Sie steht mitten im Leben. „Ich lebe im Heute“, sagt sie. Ihre Kunstwerke verschenke sie in der Familie, an gute Freunde und Bekannte. Besonders freue sich ihre, wie sie betont, liebe Schwiegertochter Birgit über ein Geschenk von ihr.

Unverzichtbar als Handwerkszeug ist der Stick-Rahmen. (Foto: Kurt Frank)
Unverzichtbar als Handwerkszeug ist der Stick-Rahmen.
Foto: Kurt Frank


Die Interessengemeinschaft denke über eine Ausstellung nach, die noch in diesem Jahr im Vereinshaus angedacht ist. Großes Anliegen ist es, Interesse für das Hobby Stickerei zu wecken und die IG, die Marlies Adam leitet, um weitere Mitglieder zu bereichern.

Zwar habe die Stick-Technik ihren Namen aus der norwegischen Hardangerregion, ist aber orientalischen Ursprungs. Die ersten Durchbruchstickereien entstanden im 7. Jahrhundert in Persien und gelangten später nach Italien. Hauptsächlich edle Damen fertigten hier Tischdecken und Altartücher.
Kurt Frank
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