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Fr, 15:19 Uhr
15.01.2016
„REPORT MAINZ“ ÜBER PRAXIS IM SCHWEINEZUCHTBETRIEB

Schlag, Kehlschnitt, Abfallbehälter

Empört sprang die Frau auf, stürzte zum Fernseher und schaltete ihn ab. Sie konnte nicht mehr ansehen, was sie da auf dem Bildschirm sah. „Sei nicht so empfindlich“, beruhigte sie ihr Ehemann. Aber auch er hatte vom Gesehenen die Nase voll...

Die Ferkel haben es richtig gut. (Foto: https://pixabay.com/de/users/beahohl-196423/)
Nordhausen. Das Polit-Magazin „Report Mainz“ sieht die Familie gern. So war es auch am 12. Januar. Unter anderem strahlte der Südwestfunk einen Beitrag aus, der sich mit der Praxis in Mitteldeutschen Schweineaufzuchtbetrieben befasste. Filmmaterial dafür ist auch von der Tierschutzorganisation Ariwa geliefert worden. Es lag schon vor der Sendung dem Landeskriminalamt vor.

Angeblich heimlich wurde auch in den Ställen der Van Asten Tierzucht GmbH gefilmt und der Streifen ausgestrahlt. Für schwache Nerven war das nichts, was man da sah: Quickende Ferkel. Hieb auf den Kopf. Kehlschnitt. Spritzendes Blut. Schwungvoller Wurf in die Abfallkiste. Zappelnde Tierkörper.

Aus der Branche verlautet, diese Methode, unterentwickelte Ferkel zu töten, sei humaner als die bisherige. Völlig legal. Vordem habe man zurückgebliebene Ferkel genickbrechend einfach gegen die Wand oder auf den Boden geworfen. Das Betäuben der Tiere „durch einen Schlag auf eine Fläche“, so heißt es in der Fachsprache, sei inakzeptabel. Jetzt erfülle man die Vorgaben. Welche Methode die humanere ist, erklärt sich mir daraus nicht. Selbst Experten haben damit Probleme.

Das Unternehmen erwägt Anzeige gegen Unbekannt. Wenn zudem Hygienevorschriften durch unerlaubten Eintritt umgangen würden, gefährte dies außerdem den Tierbestand. Nicht hinnehmbar sei das. Zweifellos ist das geheime Eindringen in ein Objekt, sollte es so gewesen sein, eine Straftat. Wird, andererseits, ein Filmteam in ein Unternehmen eingeladen, will dieses nur das gezeigt wissen, was ihm genehm ist. Die Tierschutzorganisation will aber mehr zeigen, als offiziell verlautbart.

Einmal mehr werde der Versuch unternommen, mit solchen Bildern die Branche der Tier-und Schweinehaltung zu diskreditieren, äußerte die Chefin Monique van Asten des Nordhäuser Unternehmens in einer Tageszeitung. Mag die derzeitige Methode, unerwünschte Ferkel zu töten, vielleicht humaner als die vorangegangene sein, fragwürdig ist sie allemal. Auch, was die Massentierhaltung selbst betrifft. Mit annähernd 60000 Schweinen am Rande der Stadt. Eingepfercht, keine Einstreu, kein Auslauf, Spaltenböden. Das alles ist erlaubt. Es bleibt abschreckend für alle, die Tiere nicht nur als Ware sehen.

Der Autor dieses Beitrages erlebte in England Schweinehaltung auf völlig andere Art: Weitläufiges freies Gelände. Hin und wider eine kleine mit Stroh unterlegte Schutzhütte. Im Erdreich wühlende oder in einer Schlammpfütze sich suhlende Tiere. Vor Vergnügen grunzend. Es mag länger dauern als in einem Mastbetrieb hierzulande, bevor diese Schweine schlachtreif werden. Davor aber steht eine natürliche artgerechte Haltung.

So grausam solche Szenen auch anmuten mögen, sie zu zeigen ist richtig und notwendig. Sie richten sich auch an uns Verbraucher. Bevorzugen wir nicht oft das billige Schnitzel? Gerichtet sind sie vor allem an die Politiker. Sie könnten für englische Varianten plädieren, die Schere zwischen der so oft strapazierten Moral und der Realität schließen helfen. Wir kennen es doch: Geredet - gerade in diesen Tagen wieder - wird viel. Übrig bleibt oft nur leere Luft.

Was geschieht mit den getöteten Ferkeln? Die Frage sollten wir schriftlich beim Tierzuchtbetrieb einreichen. Der Betriebsleiter rang sich dann doch noch zu der Aussage durch, dies geschehe über entspreche Firmen gesetzeskonform.

Zu keiner Aussage bereit ist das Veterinäramt. Bei den Amtstierärzten Hanja Wilhelm und Tanja Rautenberg brauchten wir erst gar nicht anrufen. Landrat Jendricke habe „Nachrichtensperre“ verhängt. Wir sprachen mit ihm. Er werde sich erst noch eingehender mit der Sache beschäftigen. Danach sei er gern bereit, mit der nnz darüber eingehend zu sprechen.
Kurt Frank

Bildquelle: pixabay.com
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Kommentare

15.01.2016, 16.16 Uhr
Paulinchen | Vor etwa zwei Jahren…
…wurde in dieser und einer anderen Zeitung schon einmal über diese Firma berichtet. Damals unter der Überschrift: „Die Fa. van Asten stinkt zum Himmel“.

An dem Gestank über der Stadt, hat sich in diesen zwei Jahren nichts geändert. Kürzlich aber war aus der Landeshauptstadt Erfurt zu lesen, dass in diesem Jahr die Massentierhalter per Gesetz gezwungen werden sollen, dass die Geruchsbelästigungen durch geeignete Filteranlagen beseitigt werden müssen.

In diesem Artikel war interessant, dass man erfahren durfte, es ist ja nicht nur der erbärmliche Gestank in der Stadt, nein, es sind feinste Bakterien und Ammoniak in der Luft! Und genau darum bemüht man sich jetzt in Erfurt, dass die Luft in und um die Gegenden von derartigen Betrieben sauber werden muss. Im Zusammenhang mit der Stellungnahme des Betriebes van Asten würde ich sehr gern verbindlich erfahren, wie lange müssen wir diesen Gestank und im Besonderen die Bakterien und den Ammoniak in der Luft noch ertragen? Heute möchte ich mich nicht mehr mit der Begründung von Mangel an Geld der Firma begnügen.

Deshalb: Bis wann werden dort neue und wirksame Filteranlagen eingebaut? Sollte die Gülle auf die umliegenden Felder ausgebracht werden, in welcher Höhe zwischen Güllefahrzeug und Feld, werden sie ausgebracht und innerhalb wie viel Stunden wird der Boden nach der Aufbringung gewendet? Denn dafür gibt es Gesetze der EU!

Aus meiner Sicht, ist diese Art von Überprüfung gar nicht mal so schlecht. Denn nur so werden die schwarzen Schafe gefunden und getroffen.
15.01.2016, 17.00 Uhr
Peter59 | Nichts Neues....
in Holland dürfen die das gar nicht, deshalb findet das auch hier statt. Komisch, die meisten "Schweinemäster" sind Holländer. Warum wohl? Der Autor des Artikels hat recht, was er da schreibt. Wir haben zahlreiche Eingaben an den Petitionsausschuß gerichtet, es schein in der Politik eine Lobby zu geben und auch der "Kante zeigende Landrat" wird sich hier tunlichst raushalten. es geht um viel Geld, Umweltbelastung durch Gestank und "Tötunsszenarien".

Wenn Schweinefleisch endlich mal richtig teuer werden würde, entzieht das dieser Klientel den Boden. Wird aber nicht kommen...Wo bleibt denn nun der Aufschrei aller"Ökogrünen"? Und das Veterinäramt,,,schafft es nicht einmal die nicht artgerechte Haltung von Hunden zu unterbinden. So ein Beispiel haben wir in der Nachbarschaft...Ein Tier ist doch rechtlich nur eine "Sache", nichts Neues im Osten, oder besser Ausdruck einer kranken und abartigen Gesellschaft.
15.01.2016, 17.09 Uhr
RaWu | Ein Maulkorb?
Ach nee, was hat der werte Herr Jendricke noch als BM für ein Theater gemacht. Der OB würde ihm den Mund verbieten (Das wäre gar nicht schlecht gewesen).

Nun ist es etwas völlig anderes, klar.

Natürlich hat der Kopf das letzte Wort. In der Stadt ist das der OB, im Landkreis der LR.

Was nun Herr Jendricke? So schnell wird man von der Wirklichkeit eingeholt, gell?

Eine Entschuldigung beim OB, wenn auch nur unter vier Augen, wäre das Richtige. Sind sie so viel Mann?
15.01.2016, 17.55 Uhr
Ra1n3R | JaJa, dieser "Vorzeigebetrieb"...,
Gebetsmühlenartig wird ja immer wieder beteuert, dass sämtliche Standards nicht nur eingehalten werden, sondern auch führend in Europa, wenn nicht sogar weltweit sind! Merkt man ja an den Filtern der Abluft. Regelmäßig liegen Quadratkilometer in und um Nordhausen unter einer "SchweineDunstglocke" und zwingen die Bewohner, Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Dauerhafter Brechreiz zu diesem Gestank ist da GRATIS! Aber wie eben alle Beteiligte immer palabern, "Gestank" ist subjektives Empfinden! Bei dieser Firma ist alles OK! JaJa, ich hab gestern auf der A38 auch den Osterhasen im Schlitten vom Nikolaus gesehen. ^^
15.01.2016, 18.32 Uhr
Echter-Nordhaeuser | Verarbeitung
Was ihr euch man immer über die Zucht aufregt schaut lieber auch mal in die Zerlegung wo das Fleisch verarbeitet wird zum Teil abgelaufenes Fleisch oder anderer Dreck mit untergemischt wird.
Aber heutzutage ist das so erst das Tier dann der Mensch.
15.01.2016, 20.18 Uhr
Nordhäuser Freiheit | Jendricke macht wieder eigene Gesetze. Zum Totlachen !
Unser Landrat spielt wieder mal Bruce Allmächtig.

Im Grundgesetz kann ich nirgendwo den Begriff "Nachrichtensperre" lesen. Pressefreiheit schon.

Selbst Schuld, wenn der Journalist sich das gefallen lässt.
18.01.2016, 04.03 Uhr
U. Alukard | Bestandsschutz ist das Zauberwort,
vor Jahren habe ich das Umweltamt in Weimar deswegen angeschrieben. Van Asten betreibt eine alte Anlage, die steht unter Bestansschutz und muß nichts verändern, nur bei einem Neubau ist das nötig und gesetzmäßig durchsetzbar war die Antwort. Es wird sich nichts ändern, leider! Den Bericht im TV habe ich auch gesehen und fast gek.... Wer soetwas zulässt gehört ins Gefängnis!
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