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Mi, 07:22 Uhr
02.12.2015
Sparkassen-Chef Wolfgang Asche im nnz-Gespräch

Wir werden keine Filiale schließen - aber...

Das Jahr 2015 ist in wenigen Wochen auch für die Kreissparkasse Nordhausen bilanzierte Geschichte. Es war ein aufregendes, anstrengendes Jahr. Niedrige Zinsen, Konten für Flüchtlinge und die Einführung eines neuen Preismodells waren nur einige Themen im Gespräch von Wolfgang Asche mit der nnz...

nnz-Gespräch mit Wolfgang Asche (Foto: nnz) nnz-Gespräch mit Wolfgang Asche (Foto: nnz) Für diese Aufnahme hat Wolfgang Asche dort Platz genommen, wo wieder sein Schreibtisch und Stuhl stehen werden...

"Wir haben weitere elf Monate einer Niedrigstzinsphase hinter uns und ich kann nicht absehen, wann die Europäische Zentralbank mit dem Geldfluten der Märkte aufhört", beginnt der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Nordhausen die Unterhaltung, die in seinem provisorischen Arbeitszimmer stattfindet.

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Und Asche kann nicht in die Glaskugel sehen und erkennen, wann das enden wird. Vielmehr habe die Deutsche Bundesbank alle deutschen Kreditinstituten abgefragt, wie ihre Fünf-Jahres-Planung bei Niedrigstzinsen aussieht? Schon aus dieser Fragestellung heraus leiten Asche und sein Vorstandskollege Thomas Seeber ab, dass momentan kein Silberstreif am Horizont auszumachen ist.

Da auch die Kreissparkasse Nordhausen von den Zinsüberschüssen zwischen Einlagen und Krediten "leben" muss, wird nach Antworten gesucht. Zwei Möglichkeiten gibt es: Entweder man muss mehr Geschäft machen oder Personal- und Sachkosten einsparen. Mehr "Geschäft machen", das fällt einem Marktführer, der 60 Prozent Markanteile in einem überschaubaren regionalen Rahmen hält, nicht all zu leicht, doch die Kreissparkasse findet die Lücken. "Unser Kreditgeschäft befindet sich in diesem Jahr auf einem historischen Höchststand. Das betrifft sowohl die privaten als auch die Unternehmenskredite", bilanziert Wolfgang Asche. Zum einen weise die Kreissparkasse in diesem Segment eine hohe Kompetenz in der Kundschaft auf, zum anderen haben die Menschen in Arbeit einfach mehr Geld in ihren Taschen. Das wird investiert.

Bei Zinsen in der Nähe von Null Prozent ist die Affinität der KSK-Kunden nicht unbedingt ausgewachsen, sich auf langfristige Anlagen zu konzentrieren. Das Tagesgeld ist und bleibt der Renner. Noch gibt es Zinsen darauf und: es ist täglich verfügbar - eines der Phänomene des Wachstums im Jahr 2015 im Einlagenbereich. Und so wird in Summe, also unterm imaginären Strich, 2015 wieder ein gutes Jahr für die Kreissparkasse Nordhausen.

Einziges Sorgenkind ist das Wertpapiergeschäft. "Unsere Kunden sind - vorsichtig ausgedrückt - eher konservativ unterwegs", attestiert Asche, der durchaus in dieser Phase der Zinsen für eine vorsichtige Beimischung von kleinen Aktienpaketen oder einem Immobilienfonds plädiert. "Wir gehen mit dem Geld unserer Kunden auch nicht anders um, denn wir müssen deren Geld so anlegen, dass es Rendite bringt. Mit dem Unterschied, dass die Kreissparkasse Nordhausen am Kapitalmarkt rund 450 Millionen Euro angelegt hat".

Der Aufreger des Jahres war nicht der Dax, sondern das neue Preismodell für Girokonten der Nordhäuser Kreissparkasse. Was Asche mit "Preise nach oben anpassen" beschreibt, war für viele Kunden schlicht und ergreifend eine Erhöhung der Kontoführungsgebühren. Die Notwendigkeit eines solchen Schrittes lässt sich einfach begründen. Diese Gebühren waren seit 13 Jahren stabil und wenn jeder Kunde mal vergleicht, was sich wie in seinem Alltag an Waren und Dienstleistungen alles nach oben verändert hat, dann ist das vermutlich schon mehr als bemerkenswert.

Aber - und auch darauf verweist der Vorstandsvorsitzende im nnz-Gespräch, unsere Kunden bekommen auch exklusive Leistungen. "Wir sind auch weiterhin in der Fläche für unsere Kunden da, es wird keine Filialschließungen geben, allerdings werden auch wir die Öffnungszeiten dem Nutzungsverhalten unserer Kunden im Zeitalter von Internet, Smartphone und Apps anpassen", erläutert er und verweist auf die Möglichkeit einer persönlichen Beratung generell zwischen 8 Uhr und 20 Uhr - egal ob in der jeweiligen Filiale oder beim Kunden Zuhause.

Eine weitere Herausforderung, die es in diesem Jahr zu bewältigen gab, war die Eröffnung von Konten für Flüchtlinge. Neben den Sprachproblemen sah und sieht Wolfgang Asche vor allem die Legitimation bei der Kontoeröffnung problembehaftet. Und er bleibt skeptisch, denn die Aufsichtsbehörde Bafin hatte die Kriterien für die Legitimationspapiere deutlich aufgeweicht. Will heißen, die Flüchtlinge müssen lediglich ein Papier des Landratsamtes mit Bild, Anschrift, Stempel, Name und Geburtsdatum vorlegen und dann muss das Konto eröffnet werden.

Wurden diese Konten in einer ersten Phase noch in jeder Zweigstelle eröffnet, so wurde inzwischen eine Mitarbeiterin speziell dafür geschult und freigestellt. "Das klappt in unserer Hauptstelle sehr gut. Ich hoffe aber, dass sich unsere Aufsichtsbehörden auch in Jahren noch an die aufgeweichten Regeln der Kontoeröffnung erinnern", meint Wolfgang Asche und schiebt nach, dass sich bei den 100 eröffneten Konten der Missbrauch bislang sehr in Grenzen hält. Das sei bei Deutschen nicht anders.

Beim Blick in die Zukunft wird den Vorstand der Kreissparkasse in entscheidendem Maße das veränderte Nutzungsverhalten und die damit verbundenen Kundenerwartungen interessieren. Die Internetfiliale wird ein neues Gesicht und eine neue Funktionalität erhalten, die Telefonberater werden mit mehr Kompetenzen ausgestattet oder es wird an Video-Chat-Möglichkeiten gedacht und gearbeitet. "Egal, wo sich unsere Kunden befinden, sie sollen in die Lage versetzt werden, die Leistungen unserer Kreissparkasse zu nutzen."

Und diese Kreissparkasse feiert im nächsten Jahr ihren 175. Geburtstag. Exakt am 1. April. Vor allem mit den Kunden soll dieses Jubiläum gefeiert werden. Zwar wird es den traditionellen Neujahrsempfang im Nordhäuser Theater geben, einen gesonderten Empfang oder eine Festveranstaltung plant der Vorstand nicht. Man wird die Kunden in den einzelnen Regionen des Landkreises Nordhausen zu gemeinsamen Unternehmungen einladen, man wird etwas für Kindergärten tun - vieles ist möglich, vieles ist geplant.

Die Kunden, das wissen Asche und alle anderen Mitarbeiter zu gut, sind das Wichtigste. Sie machten es mit möglich, dass die Kreissparkasse Nordhausen in den zurückliegenden drei Jahren nicht nur zu den 50 besten kommunalen Kreditinstituten in Deutschland gehörte, sondern im vergangenen Jahr als die "Beste" in Hessen und Thüringen ausgezeichnet wurde. Das alles ist nicht nur Anerkennung für die geleistete Arbeit, sondern Verpflichtung gleichermaßen, im nächsten Jahr mindestens genauso gut zu sein.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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Kommentare
geloescht.otto
02.12.2015, 08:58 Uhr
die Kontoführungsgebühr
wurde mehr als verdoppelt, die Gebühren für die Sparkassenkarte und Kreditkarte deutlich angehoben.
Der Verdienst und die sicher nicht gerade kleinen Gehälter der Angestellten incl. des Vorstandes der Sparkasse soll auf dem Rücken - sprich aus der Geldbörse der "kleinen" Leute angehoben werden!!
Aber mit uns nicht! Wir haben unser Konto jetzt bei einer Sparkasse, die auch weiterhin ohne eine Kontoführungsgebühr auskommt!!!
murmeltier
02.12.2015, 09:25 Uhr
Geiz
ist sowas von geil und dann schon wieder die Neiddebatte. An Otto: unterstützt ihre neue Kreissparkasse auch Verein in Schule und Sport oder kulturelle Vernastaltungen?
Herr Taft
02.12.2015, 09:35 Uhr
@otto
Aber die Geldautomaten der KSK NDH nutzen Sie schon und Sie sind garantiert froh darüber, dass es so viele davon gibt, oder ? Ich finde diese Gratis-Mentalität zum Würgen. Geiz ist geil, gelle ?
Alanin
02.12.2015, 10:16 Uhr
Ich werden auch kündigen...
@murmeltier: Wenn ich den lokalen Verein unterstützen möchte, tue ich das direkt und muss das nicht über irgendwelche zwischengeschaltete Firmen tun, deren eigentlicher Zweck es ist Geld zu verdienen und nicht mildtätig zu sein...

@nussbaum: Dass die Sparkasse NDH von den anderen Banken für die Nutzung der Geldautomaten bezahlt wird sollte vielleicht nicht vergessen werden... Die Nutzung der Infrastruktur ist also nicht kostenlos, sondern wird von der eigenen Bank bezahlt. Und wenn man als Kunde auf persönliche Beratung verzichten kann, sollte man diese auch nicht bezahlen müssen.

Ich habe mittlerweile schon ein neues Konto bei einer anderen Bank mit besseren Konditionen. Und nein, ich benutze die Infrastruktur der Sparkasse nicht mehr!

Allerdings bin ich schon seit Jahren Kunde von mehreren Banken, da die Konditionen der Sparkasse NDH in einigen Produkten einfach unterirdisch waren/sind. Und wenn ich dauerhaft - also nicht nur als Lockangebot - bei einer Bank auf mein Tagesgeld circa 2,5% Zinsen bekommen habe und mir die Sparkasse NDH damals nicht einmal 1% bieten konnte/wollte, kann man meine Entscheidung gegen die Sparkasse wohl nicht mit Geiz erklären, sondern viel mehr mit normalem wirtschaftlichem Denken und Handeln.

Oder kaufen Sie auch lieber das gleiche Produkt freiwillig für einen höheren Preis nur weil der Verkäufer vielleicht irgendeinen Verein unterstützt?
Flitzpiepe
02.12.2015, 10:20 Uhr
Ich kann Otto voll und ganz verstehen
Ich bin nicht bei der KSK NDH. Aus gutem Grund...
Deren Automaten kann ich nicht benutzen, obwohl meine Bank auch im Sparkassenverbund ist und obwohl die KSK NDH von der Fremdbank bei Fremdbenutzung mehr Geld pro Vorgang bekommt als sie dafür ausgibt. Die KSK NDH verzichtet also bewusst auf Gewinn.

Deswegen schreibe ich hier aber nicht.
Meine Mutter (84) ist bei der KSK NDH. Schon immer. Auch sie wurde bei den Kontogebühren umgestellt. In eine für sie sinnlose Tarifgruppe. Also sind wir mit ihr hingewackelt. Konto wieder umgestellt auf den Basis-Tarif, der für sie passender ist. Auch teurer als vorher - aber egal...
Jetzt kam die Quartalsabrechnung. Und was sehen wir? Immer noch der ungünstige Tarif. Also wieder hingewackelt.
Da wusste man von nichts! Im Computer war nichts zu finden von der ersten Umstellung. Wie kann das sein?
Zum Glück konnten wir beweisen, dass wir da waren.
Was ich nicht beweisen kann, dass das Absicht war. Es kommt mir aber so vor, denn die Umstellung ist immer noch nicht komplett vollzogen.

So wie ich die 'Gebührenumstellung' mitbekommen habe ( nicht nur bei meiner Mutter), war sie das reine Fiasko der KSK NDH. Wer für diese Durchführung verantwortlich ist, sollte seinen Hut nehmen. Aber das passiert ja in diesem Staat nicht...
Leser X
02.12.2015, 10:24 Uhr
Der Ärger über die Gebührenerhöhung...
... war bei vielen sicher nicht wegen der paar Euro so groß, sondern wegen der Art und Weise der Kommunizierung.

Die meisten Kunden würden sicher verstehen, wenn ihr Geldinstitut eine Erhöhung mit der Euro- und Schuldenkrise und damit verbunden dem defacto-Wegfall von Zinsen erklärt.

Stattdessen wurde diese aber mit einem wahren Konfetti-Regen einer super Vorteilswelt verknüpft. Da fühlt sich manch Kunde eben verschaukelt, weil er es gern ehrlicher mag.
Flitzpiepe
02.12.2015, 10:49 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Gehört nicht zum Thema des Beitrages
murmeltier
02.12.2015, 11:14 Uhr
Aufhängen
Wenn ich das richtig gelesen habe, dann geht es hier um einen Rückblick auf das Geschäftsjahr 2014 und ihr hängt euch an einem Punkt auf. Man, ist das kleingeistig. Vielleicht wäre es mal interessant nachzudenken, warum gerade doch die Sparkasse hier bie uns immer noch absoluter Marktführer ist? Vielleicht weil es immer noch ein Filialnetz gibt? Vielleicht, weil es immer noch Menschen hinter dem Schalter gibt? Vielleicht, weil die Absicherung eurer Einlagen hier sicherer ist als bei ausländischen Banken?
Alanin
02.12.2015, 11:25 Uhr
Vielleicht doch falsch gelesen...
Soweit ich sehe ging es um das Jahr 2015. Zudem war der eine kleine Punkt der wohl für alle Kunden bedeutendste in diesem Bilanzjahr. Mag der Punkt also noch so klein sein, er hat große Auswirkungen.

Die Absicherung der Einlagen findet über den Einlagensicherungsfond statt, in dem auch andere Banken sind. Unter diesen Banken gibt es sowohl in- und ausländische Banken, die ihre Dienste hierzulande anbieten und das zum Teil zu besseren Konditionen.

Wo ist denn Ihr Problem, wenn es Menschen gibt, die auf Grund einer Kostenerhöhung den Anbieter wechseln?

Zu Ihrer Frage, warum die Sparkasse Marktführer ist? Weil viele Kunden historisch bedingt bei eben jener Sparkasse sind. Dies wird sich allerdings, zum Einen allein durch die Zeit - alte Kunden sterben weg - und zum Anderen durch solch unglückliche Aktionen wie mit der Preiserhöhung im letzten Jahr, ändern. Nicht jeder braucht einen Menschen hinter dem Schalten - Ich habe zum Beispiel seit über fünf Jahren kein Bedarf an einem Gespräch mit einem Kundenberater gehabt - warum soll ich den denn dann bezahlen, damit er parat steht, falls ich ihn mal doch brauche? Und vor fünf Jahren brauchte ich ihn nur, damit ich die Konten von meiner Frau und mir zusammenführen kann. Das geht bei anderen Banken ohne persönlichen Berater...

Also, wer den Service braucht, soll ihn bezahlen. Wer nicht, der soll doch bitte - ohne als geizig bezeichnet zu werden - dahin gehen wohin er möchte... Sich über sowas aufzuregen ist kleingeistig und nichts anderes...
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