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Sa, 10:10 Uhr
11.05.2013

"Ich bin entscheidend"

Anlässlich des Protesttages am 5. Mai, der sich für ein selbstbestimmtes Leben einsetzen soll, trafen sich gestern verschiedene Behindertenverbände Nordthüringens zusammen mit dem Sozialverband Nordthüringen zu einer gemeinsamen Beratung in Sondershausen.

Zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung forderten und fordern hunderte Aktionen in Deutschland mehr Inklusion im Alltag. Auch nnz/kn berichtete bereits über die vielfältigen Aktionen der Ortsverbände.

"Ich bin entscheidend": Unter diesem Motto gehen die Aktion Mensch sowie die Organisationen und Verbände der Behindertenhilfe und -Selbsthilfe deutschlandweit mit hunderten Aktionen und Informationsveranstaltungen auf die Straße. Denn nicht für jeden ist es selbstverständlich, darüber entscheiden zu können, wo er wohnt, ob er wählen geht oder von wem er unterstützt wird. Um für mehr Selbstbestimmung zu werben und um auf das Potenzial einer inklusiven Gesellschaft aufmerksam zu machen, wurden während des Aktionszeitraums vom 27. April bis zum 12. Mai 2013 viele Veranstaltungen durchgeführt.

"Ich bin entscheidend" (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Im Mittelpunkt der Aktionen steht ein überdimensionales Würfelpuzzle, das Interessierte und Engagierte gemeinsam aufbauen können. Fragen wie "Wer entscheidet, wo ich wohne?" oder "Wer entscheidet, wer mich unterstützt?" sind auf den Würfelfeldern aufgedruckt und sollen den Diskurs zum Thema "Selbstbestimmt leben" anregen. "Inklusion kann nur gelingen, wenn Menschen mit und ohne Behinderung Tür an Tür wohnen und gleichermaßen am gesellschaftlichen und auch politischen Leben teilhaben können", erklärt Martin Georgi, Vorstand der Aktion Mensch.

"Ich bin entscheidend" (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Das es da auch noch jede Menge Defizite auch im Norden Thüringens gibt ergab die gestrige Beratung im Juventas von Sondershausen. Mit Jutta Krauth, 1. Beigeordnete des Landkreises Nordhausen, Bernd Reiber, Vorsitzender des Kreisverbandes VdK Nordthüringen, Steffen-Claudio Lemme, SPD-Bundestagsabgeordneter und Sondershausens Bürgermeister Joachim Kreyer (CDU) war das Präsidium stark besetzt. Auch zahlreiche Behinderungsbeauftragte aus Städen der Region (Artern, Sondershausen, Bad Frankenhausen und Wiehe), sowie Goldi Morcinek, Vorsitzende des Ortsverbandes Bad Frankenhausen und Behindertenbeauftragte des Kyffhäuserkreises sowie Frank Witting Behindertenbeauftragter des Landkreises Nordhausen waren bei der Beratung und Diskussion dabei.

Aber zahlreiche eingeladene Bürgermeister und Vertreter von Organisationen waren leider nicht erschienen, stellte Bernd Reiber mit leichter Enttäuschung fest. Die erkrankte Landrätin des Kyffhäuserkreis schickte ihre stellvertrtende Leiterin des Jugend- und Sozialamts, Birgit Meyer, vorbei. Leider fehlte auch der eingeladene Behindertenbeauftragten Thüringens, Dr. Paul Brockhausen. Der „Brückentag hatte wohl leider einige Eingeladene abgehalten, gestern dabei zu sein", so Reiber.

"Ich bin entscheidend" (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Unabhängig davon entspann sich eine interessante Diskussion. Eindeutiger Tenor dabei, sowohl der VdK, als auch die einzelnen Behindertenverbände, müssen noch mehr medienwirksam in die Öffentlichkeit gehen. Allzu oft werden behinderte Mensche nicht, oder nicht richtig wahrgenommen, ob aus Ignoranz (auch das kommt leider oft vor) oder aus Unkenntnis. Hier muss einfach auch mehr Öffentlichkeitsarbeit geleistet werden.

Auch wenn man auf vielen Gebieten aktiv ist, es gibt noch viel zu tun. Dabei stellte Jutta Krauth fest, Inklusion ist eben nicht nur eine finanzielle Frage. Gleichberichtigte Teilhabe in Ämtern ist auf manchen Gebieten (z.B. Computer) einfach nicht gegeben. Inklusion im Landkreis Nordhausen sei besonders bei den Schulen noch ein wichtiges Problem Hier müssen wir noch nach Lösungen suchen.

Zwar konnte Birgit Meyer auf einiges Positive verweisen (drei große Behinderten Werkstätten im Kyffhäuserkreis), aber zum Thema Behinderten Rechtskonvention gibt es eben noch keinen Maßnahmeplan im Kyffhäuserkreis. Auch Joachim Kreyer musste mit Blick auf die neue Bauverordnung Thüringens bekennen, auch bei uns in der Stadt ist nicht alles zum Besten bestellt, es gibt noch viel Nachholbedarf. Die neue Bauverordnung besagt, dass bei Projekten das Thema Inklusion beachtet werden musss.

"Ich bin entscheidend" (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Brigitte Neumann vom Regionalverband hörgeschädigter und tinitusbetroffener Menschen im Kyffhäuserkreis brachte es auf einen Punkt: Es liegt nicht nur am Geld. Es muss für Behinderte mehr ein offenes Ohr geben. Sie selbst konstatierte, "Man hört nicht mal richtig zu". Sie beklagt vor allem Probleme in öffentlichen Einrichtungen, dass die Bearbeiten oft noch nicht mal aufblicken, ein Problem besonders bei gehörgeschädigten Menschen. Die Gesellschaft tut sich noch schwer mit behinderten Menschen, gab aber auch offen zu, wir müssen uns auch als behinderte Menschen offen zu erkennen geben. Nicht jeder merkt sofort, dass man gehörgeschädigt ist. Neumann wünscht sich mehr Zusammenarbeit mit den Parteien.

Da kommt es sicher gut, dass Lemme nicht nur für den gestrigen Tag als Schirmherr auftreten will, sondern seine Schirmherrschaft erwiteren will. Auch Kreyer nahm gleich Hinweis zum Busverkehr in Sondershausen auf, die er dort anbringen will.

Über die Aktion Mensch e.V.
Die Aktion Mensch e.V. ist die größte private Förderorganisation im sozialen Bereich in Deutschland. Sie setzt sich mit ihrer erfolgreichen Soziallotterie, ihrer Förderung und ihrer Aufklärung für die Umsetzung von Inklusion, das heißt der gleichberechtigten Teilhabe aller Menschen in der Gesellschaft, ein. Zu ihren Mitgliedern gehören ZDF Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonie, der Paritätische Gesamtverband und die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland. Mit den Einnahmen aus ihrer Lotterie fördert und unterstützt die Aktion Mensch jeden Monat bis zu 1.000 Projekte der Behinderten- sowie der Kinder- und Jugendhilfe.

Möglich machen dies rund 4,6 Millionen Loskäufer, die regelmäßig an der Aktion Mensch-Lotterie teilnehmen. Mit Kampagnen, Aktionen und Veranstaltungen trägt sie das Thema Inklusion in die Öffentlichkeit, um das Bewusstsein für ein solidarisches Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung zu fördern.
Jörg Pilawa ist seit Anfang 2012 ehrenamtlicher Botschafter der Aktion Mensch. www.aktion-mensch.de
"Ich bin entscheidend" (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
"Ich bin entscheidend" (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
"Ich bin entscheidend" (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
"Ich bin entscheidend" (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
"Ich bin entscheidend" (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
"Ich bin entscheidend" (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
"Ich bin entscheidend" (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
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