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Mo, 06:41 Uhr
22.04.2013

nnz-Forum: Bulldozer im Alten Stolberg

Bereits Ende Mai 2012 dokumentierte nnz-Leser Bodo Schwarzberg außergewöhnliche Beschädigungen der Ränder des Stempedaer Marktweges von Steigerthal in Richtung Stempeda, gelegen im Naturschutzgebiet Alter Stolberg. Jetzt machte er erneut diese Beobachtungen...


Der Weg ist ein Hohlweg, der seine Form zum einen sicher den ständigen Veränderungen des verkarstenden Untergrundes verdankt, zum zweiten aber auch seiner historischen Nutzung als Handelsweg.

Gesetzlich geschützt

Hohlwege sind nach § 18 des Thüringer Naturschutzgesetzes besonders geschützte Biotope, die es demzufolge zu bewahren und nicht zu beschädigen oder gar zu zerstören gilt. Im Gesetz ist auch von "befristeten Ausnahmen" die Rede.

Da ich nun, ein Jahr nach meiner ersten Fotodokumentation abermals frische Beschädigungen feststellen musste, kann von Ausnahmen wohl keine Rede mehr sein. Zudem müssen nach § 18 für diese im Interesse des Gemeinwohls erteilten Ausnahmegenehmigungen von den zuständigen Behörden Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen angeordnet werden. Erst auf Grund der seit einem Jahr wiederholten, beschädigenden Befahrung, die offenbar niemandem sonst auffiel, möchte ich nun auch die nnz-Leserschaft informieren. Ausnahmen dürften sich aber im Falle von Hohlwegen im Karst von selbst verbieten:

Hohlwege sind sensible Gebilde

Die Hohlwege in unserem Gipskarst sind besonders sensible Gebilde, weil ihre Ränder wie im hier vorliegenden Fall sehr steil und nur von einer geringen Humusauflage bedeckt sind, auf der sich meist nur wenige Pflanzen halten können. Diese Auflage benötigt viele Jahrzehnte, um eine mehrere Zentimeter dicke Mächtigkeit zu erreichen. Zudem trifft die Bezeichnung "Auflage" den Kern. Sie liegt dem darunterliegenden Gips tatsächlich förmlich nur auf und ist leicht von herunterzukratzen. Vor allem die Wurzeln von Gehölzen tragen zur Stabilisierung der instabilen Verhältnisse bei.

Werden jedoch Wunden in die steilen Hohlwegseiten gerissen, rutscht die dünne Bodendecke schnell ab. Der dann freiliegende weiße, oft mehlig graue Schotter ist nun kaum noch zu halten. Eine Neubesiedlung durch Pflanzen ist dadurch und schon angesichts der verbreiteten Steilheit nur noch schwer möglich, wie mehrere Beispiele abrutschender Gipsmehl- und Gipsschotterhänge bereits zeigen. Sicher ist eine gewisse Bodenbewegung auch in Hohlwegen zu akzeptieren. Wenn aber mehrfach und mit der heutigen schweren Technik deren Ränder malträtiert und dadurch Erosionsprozesse KÜNSTLICH initiiert werden, dann ist dies zu verurteilen und ungesetzlich.

Im vorliegenden Fall kommt noch hinzu, dass Gehölze am Fuß des Marktweges gerodet oder gar herausgerissen wurden (in einem Fall)! Fehlen aber die stabilisierenden Gehölze an einer bereits durch die Befahrung mit Bulldozern aufgerissenen Hohlwegskante, ist ihre Erosion unausweichlich.
Die hier angehängten Fotos sprechen eine deutliche Sprache. Mittlerweile löst sich an einer Stelle bereits Gipsschotter aus dem Hohlwegrand und rutscht auf den historischen Weg. Das Gestein war an dieser Stelle schon vorher lose. Die Befahrung dürfte es aber gewiss nicht gefestigt haben. Auch der vom Marktweg abzweigende Weg hinauf zum Windfeld wurde 2012 übrigens in seiner gesamten Länge mit schweren Fahrzeugen aufgefahren und die Ränder bis hin zur Erosion beschädigt. Auch hierzu einige Bilder. Gegenwärtig sind wieder relativ neue Radeindrücke und Schäden zu sehen.

Das Schlimme an dieser Situation ist, dass einige der bereits angerichteten Schäden, wie bereits erwähnt, schon auf Grund der Steilheit und der Größe der Abbrüche möglicherweise nicht mehr zu beheben sind. Langsam verlaufende natürliche Prozesse werden hier zu zerstörerischen, menschgemachten Prozessen gepuscht.

Die vom Gesetz nicht gestattete Beschädigung von Hohlwegen erhält in dem hier vorliegenden Fall dadurch eine noch höhere Brisanz, dass sich der Marktweg in einem Naturschutzgebiet befindet, das einen zusätzlichen und ganz besonderen gesetzlichen Schutz genießt bzw. genießen sollte.

Wer auch immer die schwere Technik auf diesem sensiblen, historischen Weg zum Einsatz bringt: Ich fordere die Nutzer des Fahrzeugs bzw. der Fahrzeuge auf, diesen Weg nicht mehr zu befahren. Vielleicht ist den zuständigen Behörden der Verursacher bekannt. Dann sollten sie ihn in seine Schranken weisen bzw. Ermittlungen anstellen.Zudem sollte er zu schonenden Reparaturmaßnahmen am gesetzlich geschützten Hohlweg herangezogen werden, sofern dies angesichts der genannten Besonderheiten überhaupt möglich ist.

Im Übrigen verfüge ich über Fotos aus dem Jahre 2006, die ein kleines Wegstück in unbeschädigtem Zustand zeigen. Ich kann sie hier aber nicht veröffentlichen, da mehrere Personen darauf abgebildet sind. Den zuständigen Behörden stelle ich sie aber gern zur Verfügung.
Bodo Schwarzberg
Bulldozer im Alten Stolberg (Foto: B. Schwarzberg)
Bulldozer im Alten Stolberg (Foto: B. Schwarzberg)
Bulldozer im Alten Stolberg (Foto: B. Schwarzberg)
Bulldozer im Alten Stolberg (Foto: B. Schwarzberg)
Bulldozer im Alten Stolberg (Foto: B. Schwarzberg)
Bulldozer im Alten Stolberg (Foto: B. Schwarzberg)
Bulldozer im Alten Stolberg (Foto: B. Schwarzberg)
Bulldozer im Alten Stolberg (Foto: B. Schwarzberg)
Bulldozer im Alten Stolberg (Foto: B. Schwarzberg)
Bulldozer im Alten Stolberg (Foto: B. Schwarzberg)
Bulldozer im Alten Stolberg (Foto: B. Schwarzberg)
Bulldozer im Alten Stolberg (Foto: B. Schwarzberg)
Bulldozer im Alten Stolberg (Foto: B. Schwarzberg)
Bulldozer im Alten Stolberg (Foto: B. Schwarzberg)
Bulldozer im Alten Stolberg (Foto: B. Schwarzberg)
Bulldozer im Alten Stolberg (Foto: B. Schwarzberg)
Bulldozer im Alten Stolberg (Foto: B. Schwarzberg)
Bulldozer im Alten Stolberg (Foto: B. Schwarzberg)
Bulldozer im Alten Stolberg (Foto: B. Schwarzberg)
Bulldozer im Alten Stolberg (Foto: B. Schwarzberg)
Bulldozer im Alten Stolberg (Foto: B. Schwarzberg)
Bulldozer im Alten Stolberg (Foto: B. Schwarzberg)
Bulldozer im Alten Stolberg (Foto: B. Schwarzberg)
Autor: red

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
Wolfi65
22.04.2013, 13:25 Uhr
Das sind Vorarbeiten,,,
für die Rolandralley.
Damit die Ralley-Cars besser durch das Unterholz kommen, haben schon mal ein paar Bulldozer den Weg geebnet.
So wird aus einem Hohlweg eine ganz normale Ralleystrecke, welche auch außerhalb der Veranstaltungstage, dankbar von Motocrossfahrern angenommen wird.
So ist Jedem Motorsportfreund geholfen.
Eckenblitz
22.04.2013, 15:52 Uhr
Herr Schwarzberg,.....
mich würden die Bilder schon interessieren, es gibt doch die Möglichkeit die Gesichter der Personen unkenntlich zu machen.
jule julitschka
22.04.2013, 20:00 Uhr
wolfi65
Hat man für Sie noch keine sinnvolle Beschäftigung gefunden, dass Sie sich hier zu allem sinnlos oder wohl eher weniger sinnvoll äussern müssen?

Herrn Schwarzberg gebe ich völlig Recht, denn es kann nicht sein, dass die Natur zerstört wird. Aber was hat das mit der Rolandrallye zu tun? Haben Sie wolfi65 für diese Woche endlich ein neues "Feindbild"?

Übrigens ist der Geiersberg am Samstag wieder gesperrt. Da wäre es doch sinnvoll das Auto schon am Vormittag in der Wallrothstraße oder Geschwister Scholl Straße zu parken und nicht wieder hier so ein Theater wie im vergangenen Jahr abzuziehen.

Ich denke gerade in der heutigen Zeit ist Toleranz ganz wichtig, Der Eine liebt dies, der Andere das und das sollte man einfach akzeptieren, auch wenn es für einen selbst mal etwas unbequem ist.
Wolfi65
22.04.2013, 21:13 Uhr
@Julchen
Ein bisschen Spass muss sein.
Ich habe auch etwas gegen Umweltzerstörung, man kann es aber auch übertreiben.

Zur Rolandrallye habe ich einen Vorschlag an die Rennleitung zu machen.
Man könnte doch die Stadt- Route einmal verändern, damit auch Bewohner aus anderen Stadtteilen auf ihre Kosten kommen können.
Mein Vorschlag wäre z.B. Hagentor-Blasiistrasse-Barfüsserstrasse-Elisabethstrasse-Wiedigsburg-Rosengasse-Altendorf-Am Alten Tor und dann Bleifuß in die Parkallee. Diese Route würde bestimmt höchste Anforderungen an Mensch und Maschine stellen.

PS: Bei der Gelegenheit brechen dann auch gleich Einsturz gefährdete Häuser, bei denen der Abriss zu teuer wäre, ein.
Boris Weißtal
22.04.2013, 21:26 Uhr
endlich bleibt der Schuster bei seinen Leisten
hat lange gedauert aber hier muss ich unseren Bodo Schwarzberg einfach mal loben: so eine Umweltverschandelung vor Ort zu kritisieren ist wahrer Umwelt- und Heimatschutz. Auch eine touristische Nutzung durch rücksichtsvolle Bewanderung wird so unattraktiver. Hätte der rücksichtslose Traktorfahrer hinterzogene Steuermillionen hinter sich hergezogen, wäre er schon längst am Reifenprofil ermittelt worden...

Daher Bodo: Bleibe bei sowas am Ball, bevor du irgendwelche Sternsingerkinder kritisierst, weil sie womöglich von kinderhandgenähte T-Shirts tragen. Wie heißt es so schön neudeutsch:
"Think global but act local"
Diesmal: Daumen hoch!
Boris Weißtal
22.04.2013, 21:37 Uhr
@ wolfi65
"Sarkasmus wird als schön empfunden, weil er ist mit Humor verbunden" (frei nach Wilhelm Busch)
"Seit Jahren übst du das Instrument, doch klingt es leider inkontinent" (frei nach Boris Weißtal).
Du nervst!
Wolfi65
23.04.2013, 07:47 Uhr
Das Jahr 1989
@Boris Weißtal
Genau dort ist das Allgemeine "DU" für Genossen und Nichtgenossen gestorben.
Bleiben Sie bitte beim Sie, für Leute die Sie nicht kennen.
Und Duzen können Sie Mitglieder Ihrer Familie oder etwaige Freunde, zu denen ich bestimmt nicht gehöre.
I.H.
23.04.2013, 08:16 Uhr
Was issen hier los?
Hab mich jetzt durch das ganze Bildersammelsurium durchgeklickt. Sehen kann ich da nur, dass ein Traktor oder so eine Forstmaschine einen Waldweg lang gefahren ist. Dazu ist so ein Weg doch da. Oder soll das Ding neben dem Weg quer durch den Wald fahren?
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