Di, 11:51 Uhr
30.10.2012
Der Fahrstuhl geht meistens nach unten
Auf einen Schulaufsteiger kommen in Thüringen 3,2 Absteiger. Das hat eine neue Studie der renommierten Bertelsmann Stiftung ergeben. Im Schuljahr 2010/11 wurden 853 Schüler auf eine niedrigere Schulform herabgestuft. Gymnasien verlieren fünf Prozent ihrer Schüler. Einzelheiten wie immer in Ihrer Nordthüringer Onlinezeitung...
Mehr als 1.800 Schüler haben in Thüringen im Schuljahr 2010/11 zwischen Klasse fünf und zehn die Schulform gewechselt. Das sind 2,2 Prozent aller Schüler in der Sekundarstufe I, womit Thüringen genau im Bundesdurchschnitt liegt. Für die meisten dieser Schulformwechsler ging der Fahrstuhl nach unten: Auf einen Aufsteiger kommen 3,2 Absteiger. Thüringens Schulsystem verzeichnet damit ein eher ungünstiges Verhältnis zwischen Auf- und Abstiegen. Unter den ostdeutschen Bundesländern liegt Thüringen im Mittelfeld. Dies geht aus einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung zur Durchlässigkeit der Schulsysteme hervor.
Auf eine niedrigere Schulform herabgestuft wurden 853 Schüler. Die größte Zahl von ihnen (829) verließ das Gymnasium in Richtung Regelschule. Vom Gymnasium auf die Integrierte Gesamtschule wechselten 24 Schüler. Ein Aufstieg hingegen gelang lediglich 265 Schülern. 253 von ihnen schafften den Sprung von der Regelschule auf ein Gymnasium, 12 kamen von einer Integrierten Gesamtschule. Damit verlieren die thüringischen Gymnasien innerhalb der Sekundarstufe I unter dem Strich fünf Prozent ihrer Schülerschaft.
Trotzdem erzielt Thüringen unter den zweigliedrigen Schulsystemen der ostdeutschen Bundesländer einen vergleichsweise hohen Anteil der Studienberechtigten. Die Abiturientenquote von 45,9 Prozent wird einzig von Brandenburg übertroffen, dort allerdings spielen die Gesamtschulen eine bedeutendere Rolle als in Thüringen. Der hohe Anteil von Abiturienten wird zum einen durch den häufigen Übergang von der Grundschule aufs Gymnasium (42 Prozent) begünstigt. Zum anderen wächst nach der zehnten Klasse die Schülerschaft der Gymnasien wieder um fünf Prozent, insbesondere durch Wechsel von der Regelschule.
Eine wichtige Ableitung aus den Ergebnissen der Studie ist für Jörg Dräger, Bildungsexperte und Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, dass die Schulstruktur nicht der entscheidende Faktor für mehr Chancengerechtigkeit ist. Die Struktur der Schulsysteme beeinflusst zwar deren Durchlässigkeit, so die Studie, der Typus zweigliedrig oder mehrgliedrig allein ist jedoch nicht entscheidend für die Aufstiegschancen der Schüler. Umso wichtiger sei es, dass sich Unterricht am pädagogischen Prinzip der individuellen Förderung ausrichtet und Lehrer in Aus- und Fortbildung die Kompetenz dafür erwerben. Auf Abschulungen und Klassenwiederholungen kann man dann weitgehend verzichten, sagte Dräger: Zudem sollten neben dem Gymnasium alternative Wege eröffnet werden, das Abitur machen zu können.
Bundesweit befindet sich die Schullandschaft derzeit in einer Umbauphase. Die Studie, die alle 16 deutschen Schulsysteme analysiert und vergleicht, belegt einen klaren Trend zur Zweigliedrigkeit. Neben den fünf ostdeutschen Flächenländern haben sechs weitere Länder einen einschneidenden Wandel ihrer Schulstruktur hin zu einem zweigliedrigen Schulsystem eingeleitet. Auch die fünf Bundesländer mit mehrgliedrigen Schulsystemen haben teilweise mit strukturellen Veränderungen begonnen. Dieser Trend zur Zweigliedrigkeit allerdings führt bundesweit nicht zu mehr Übersichtlichkeit: Die Studie zählt allein für die Sekundarstufe I mittlerweile 22 verschiedene Schulformen – mit dem Gymnasium als einziger Schulform, die sich in jedem Bundesland findet.
Autor: redMehr als 1.800 Schüler haben in Thüringen im Schuljahr 2010/11 zwischen Klasse fünf und zehn die Schulform gewechselt. Das sind 2,2 Prozent aller Schüler in der Sekundarstufe I, womit Thüringen genau im Bundesdurchschnitt liegt. Für die meisten dieser Schulformwechsler ging der Fahrstuhl nach unten: Auf einen Aufsteiger kommen 3,2 Absteiger. Thüringens Schulsystem verzeichnet damit ein eher ungünstiges Verhältnis zwischen Auf- und Abstiegen. Unter den ostdeutschen Bundesländern liegt Thüringen im Mittelfeld. Dies geht aus einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung zur Durchlässigkeit der Schulsysteme hervor.
Auf eine niedrigere Schulform herabgestuft wurden 853 Schüler. Die größte Zahl von ihnen (829) verließ das Gymnasium in Richtung Regelschule. Vom Gymnasium auf die Integrierte Gesamtschule wechselten 24 Schüler. Ein Aufstieg hingegen gelang lediglich 265 Schülern. 253 von ihnen schafften den Sprung von der Regelschule auf ein Gymnasium, 12 kamen von einer Integrierten Gesamtschule. Damit verlieren die thüringischen Gymnasien innerhalb der Sekundarstufe I unter dem Strich fünf Prozent ihrer Schülerschaft.
Trotzdem erzielt Thüringen unter den zweigliedrigen Schulsystemen der ostdeutschen Bundesländer einen vergleichsweise hohen Anteil der Studienberechtigten. Die Abiturientenquote von 45,9 Prozent wird einzig von Brandenburg übertroffen, dort allerdings spielen die Gesamtschulen eine bedeutendere Rolle als in Thüringen. Der hohe Anteil von Abiturienten wird zum einen durch den häufigen Übergang von der Grundschule aufs Gymnasium (42 Prozent) begünstigt. Zum anderen wächst nach der zehnten Klasse die Schülerschaft der Gymnasien wieder um fünf Prozent, insbesondere durch Wechsel von der Regelschule.
Eine wichtige Ableitung aus den Ergebnissen der Studie ist für Jörg Dräger, Bildungsexperte und Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, dass die Schulstruktur nicht der entscheidende Faktor für mehr Chancengerechtigkeit ist. Die Struktur der Schulsysteme beeinflusst zwar deren Durchlässigkeit, so die Studie, der Typus zweigliedrig oder mehrgliedrig allein ist jedoch nicht entscheidend für die Aufstiegschancen der Schüler. Umso wichtiger sei es, dass sich Unterricht am pädagogischen Prinzip der individuellen Förderung ausrichtet und Lehrer in Aus- und Fortbildung die Kompetenz dafür erwerben. Auf Abschulungen und Klassenwiederholungen kann man dann weitgehend verzichten, sagte Dräger: Zudem sollten neben dem Gymnasium alternative Wege eröffnet werden, das Abitur machen zu können.
Bundesweit befindet sich die Schullandschaft derzeit in einer Umbauphase. Die Studie, die alle 16 deutschen Schulsysteme analysiert und vergleicht, belegt einen klaren Trend zur Zweigliedrigkeit. Neben den fünf ostdeutschen Flächenländern haben sechs weitere Länder einen einschneidenden Wandel ihrer Schulstruktur hin zu einem zweigliedrigen Schulsystem eingeleitet. Auch die fünf Bundesländer mit mehrgliedrigen Schulsystemen haben teilweise mit strukturellen Veränderungen begonnen. Dieser Trend zur Zweigliedrigkeit allerdings führt bundesweit nicht zu mehr Übersichtlichkeit: Die Studie zählt allein für die Sekundarstufe I mittlerweile 22 verschiedene Schulformen – mit dem Gymnasium als einziger Schulform, die sich in jedem Bundesland findet.
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