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Mi, 11:14 Uhr
14.01.2004

Wie weiter mit dem Scheunenhof?

Nordhausen (nnz). Diese Frage stellen sich in diesen Tagen nicht nur die Kunden des Bauernmarktes, sondern auch Politiker, Gläubiger oder Gesellschafter diverser Unternehmen. nnz unternimmt den Versuch einer Bestandsaufnahme.


So viel steht fest: Die Agrona GmbH befindet sich in der Insolvenz und Herr des Verfahrens ist Insolvenzverwalter Ulrich Hauter in Mühlhausen. Das ist der Fakt, nicht mehr und auch nicht weniger. Die Agrona ist eigentlich ein Bauunternehmen, aber sie ist der Besitzer der Scheunenhof-Immobilie. Und dann haben wir noch einen Betreiber des Bauernmarktes in der Immobilie, die Bauernmarkt GmbH mit sieben Gesellschaftern. Ein Gesellschafter davon war die Agrona, deren Anteile wurden eingezogen. Die einstige Geschäftsführerin der Bauernmarkt GmbH war auch Geschäftsführerin des kreislichen Bauernverbandes und war auch Kreistagsmitglied. Jetzt ist sie nur noch Monika Teuber und soll sich privat in Richtung Türkei orientieren.

Den Hut als Geschäftsführer der Bauernmarkt GmbH hat jetzt Lothar Wagner auf. Ihm und zwei anderen Gesellschaftern gehört am Scheunenhof die Hoffleischerei. 19 Mitarbeiter sind da in Lohn und Brot, sie mussten noch nie auf ihr Arbeitsentgelt verzichten. Auch nicht in schweren Zeiten wie diesen. Das Gerede über die Insolvenz des Scheunenhofes, die ja nur die Insolvenz der Agrona ist, hat dem Geschäft geschadet. Trotzdem läuft es noch, doch die Zeit spielt gegen Lothar Wagner.

Es werden nämlich noch andere Spiele gespielt. So sollen plötzlich Rechnungen aufgetaucht sein, ausgestellt von der Agrona, zu zahlen von der Bauernmarkt GmbH. Die ist noch liquide, aber wie lange noch?

Von wem auch immer, aber es gibt ein berechtigtes Interesse am Sterben dieser Bauernmarkt GmbH. Hintergrund dieses Bemühens ist eine Dienstbarkeit, die im Grundbuch eingetragen ist. Und die besagt, dass in der Immobilie regelmäßig ein Bauernmarkt abzuhalten ist. Das schränkt natürlich die Möglichkeiten eines neuen Besitzers erheblich ein, auch wenn das offiziell nicht zugegeben wird. Und es gilt die alte juristische Weisheit: Mietrecht geht vor Eigentumsrecht. Welche Möglichkeiten gibt es also, das Grundbuch „sauber zu machen“? So könnte zum Beispiel die Bauernmarkt GmbH in die Insolvenz gehen oder dorthin geschickt werden. Auch die Möglichkeit, die Immobilie zu versteigern statt zu verkaufen gibt es. In Mühlhausen soll darüber schon mal nachgedacht worden sein. Doch das war nun gar nicht im Sinne des Hauptgläubigers, der Nordthüringer Volksbank.

Die will zum einen, dass die Scheunenhof-Immobilie nicht nur verkauft wird, sondern die will Geld sehen. Von rund 650.000 Euro ist die Rede. Und sie will den Bauernmarkt am Leben sehen. Ganz klar, viele Gesellschafter und Akteure in Sundhausen sind Kunden der Volksbank, und die Bearbeitung weiterer Insolvenzen dort vor den Toren der Stadt würde den Kreditbearbeitern am Taschenberg in Nordhausen kaum Freunde machen.

Nun sagte der Mühlhäuser Insolvenzverwalter, dass der Kaufvertrag noch vor Weihnachten unterschrieben worden sei. Nur das Geld sei noch nicht geflossen, in Mühlhausen müsse man nachsehen, nach dem Zahlungsziel, das der Käuferin gestellt worden sei. Obwohl der Name der Käuferin nicht genannt wird, kennen ihn bereits unzählige Menschen in und um Nordhausen. Nennen wir die Käuferin mal Frau B. Von ihr erzählt man, dass sie eigentlich nur eine „Strohfrau“ sein soll. Nur beweisen kann es niemand. Und so tauchen die abenteuerlichsten Geschichten auf. Da soll Frau B. bei den Verhandlungen zum Kaufpreis schlicht und ergreifend die Mehrwertsteuer in ihrer Berechnung vergessen haben. Als der Fehler bemerkt wurde, sollen die Verhandlungen unterbrochen worden sein – es soll Abstimmungsbedarf gegeben haben. Mit wem?

Vielleicht mit einem einstigen Bieter, der sein Angebot erst auf Druck aus dem Landwirtschaftsministerium wieder zurückgezogen haben soll? Druck soll es deshalb gegeben haben, weil der Bieter zufällig im Büro des Insolvenzverwalters beschäftigt gewesen sein soll. Fakt ist, die Geschichte des Scheunenhofes ist sehr verworren. Das macht vor allem den Gläubigern keinen Spaß, denn die wollen einen Teil des Geldes sehen. Und das macht den Bauern und Direktvermarktern keinen Spaß - denen läuft die Zeit davon. Am liebsten hätten zwei von ihnen den Scheunenhof auch gekauft. Ein Konzept hatten sie mit der Einbeziehung des Kiesteiches, ein Autokino wollten sie etablieren, Musikfestivals hätten stattfinden können. Das Konzept stellten sie im Sommer der Nordthüringer Volksbank vor, später sahen es die Kollegen von Vorstand Peter Herbst wieder, abgegeben von Frau B.

Und dann sind da auch noch Politiker mit im Spiel. Vor allem Christdemokraten waren es, die Fördermittelquellen erschlossen. Trotz des jetzigen Zustandes sagt Wagner: Es hat sich gelohnt, in Sundhausen sei nicht nur eine Verkaufstheke für Fleisch, Käse und Wurst entstanden. Vom grünen Klassenzimmer bis zum Treff der Landsenioren habe man Landwirtschaft erlebbar gemacht. Als das Kind im Brunnen lag, da sollen sich zum Beispiel Egon Primas in Erfurt oder Landrat Joachim Claus (beide CDU) um Unterstützung bemüht haben. Und der Landrat sei wegen des Scheunenhofs gar zum ersten Mal in seiner Amtszeit in der Volksbank gewesen, bestätigte der Vorstand.

Vom Taschenberg zurück nach Sundhausen. Frau B. habe den Mietern im Scheunenhof ihre Zusammenarbeit zugesichert. Wenn das so kommt, dann wäre das eine gute Sache, meinte auch Lothar Wagner auf Anfrage der nnz. Aber von Insolvenzverwalter Hauter wollen Wagner und Co. nicht mehr viel wissen. Aus Gläubigerkreisen hieß es, dass man einmal überlegt habe, ihn loszuwerden. Doch ein entsprechender Antrag beim Amtsgericht in Mühlhausen wurde nie gestellt. Denn: Die Hoffnung stirbt zuletzt – auch in Sundhausen.
Autor: nnz

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